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Europäische Autoindustrie: 1,6 Millionen Jobs könnten bis 2040 verlorengehen

Eine Studie zeigt, wie dramatisch der Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie werden könnte. Das Hauptproblem ist die EU-Regulatorik.

Porsche-Zentrum in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Die Krise in der europäischen Autoindustrie läuft auf Hochtouren. Eine heute veröffentlichte Studie zeigt die Dimension des Kahlschlags auf, der in den nächsten Jahren erst noch anstehen könnte.


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Märkte reagieren auf Druck, gute Entscheidungen nicht

Die 33 Seiten umfassende Studie „Wert­schöp­fung und Beschäf­ti­gung in der Auto­mo­bil­in­dus­trie“ des Fraun­hofer-Instituts für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­tion wurde im Auftrag von Gesamt­me­tall und anderen Verbänden durchgeführt. Die Lage der euro­pä­i­schen Autoindustrie ist laut Studie aufgrund der laufenden Trans­for­ma­tion am Antriebss­trang von PKW und leichten Nutz­fahr­zeugen, schwacher Stand­ort­fak­toren und der starken inter­na­ti­o­nalen Konkur­renz drama­tisch.

Demnach gehen aufgrund der aktuellen Gesetz­ge­bung in der EU, die den Umstieg auf rein batte­rie­be­trie­bene PKW bis 2035 forciert, im Bereich Produk­tion Antriebss­trang in Europa bis 2040 1,6 Millionen Arbeits­plätze (-45 Prozent) und 95 Milli­arden Euro von insgesamt 250 Milli­arden Euro an Wert­schöp­fung (-38 Prozent) in der Autoindustrie verloren, wenn nicht konse­quent gegen­ge­steuert wird. Der weitaus größte Teil davon erodiert innerhalb des nächsten Jahr­zehnts, bis zum aktuellen EU-Zieljahr 2035. Die Verluste in der deutschen Autoindustrie werden laut Studie hierzu im Verhältnis über­pro­por­ti­onal ausfallen. Die Studie beziffert diese auf rund 54,2 Milli­arden Euro an Wert­schöp­fung (-64 Prozent), wobei der größere Anteil auf die Zulie­ferer entfällt (-35 Mrd. Euro / -80 Prozent Wert­schöp­fung).


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Eine tech­no­lo­gie­of­fe­nere Regelung – etwa mit voll­stän­diger Berück­sich­ti­gung des CO2-Minde­rungs­ef­fekts erneu­er­barer Kraft­stoffe – würde dagegen den Rückgang deutlich bremsen, wenn auch im Ergebnis nicht verhin­dern. Wird dieser Zeit­vor­teil für eine konse­quente Stärkung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Standorts genutzt, lassen sich weitere Verluste abwenden.

Die Studie zeigt in unter­schied­li­chen Szenarien, welche Auswir­kungen regu­la­to­ri­sche Vorgaben auf Beschäf­ti­gung und Wert­schöp­fung in der euro­pä­i­schen Autoindustrie im Bereich des Antriebss­trangs haben. Die oben genannten Zahlen beziehen sich auf die geltende EU-Flot­ten­re­gu­lie­rung, wonach im Jahr 2035 die – am Auspuff gemes­senen – Emis­si­onen um 100 Prozent (gegenüber 2021) reduziert werden müssen. Danach könnten ab 2035 praktisch nur noch batte­rie­elek­tri­sche Fahrzeuge neu zuge­lassen werden. Auch die von der EU-Kommis­sion vorge­schla­gene Redu­zie­rung des CO2-Ziels auf 90 Prozent mit Kompen­sa­tion der rest­li­chen 10 Prozent durch grünen Stahl bzw. erneu­er­bare Kraft­stoffe (sog. Auto­mo­bil­paket von Dezember 2025) bremst nicht den Verlust von Wert­schöp­fung und Beschäf­ti­gung. Denn der Anteil danach in den dreißiger Jahren noch zulas­sungs­fä­higer Fahrzeuge mit Verbren­nungs­an­trieb ist viel zu klein, um eine Produk­tion am Standort aufrecht­zu­er­halten.

Solange die Bedin­gungen für eine Produk­tion in der EU im Vergleich zu den USA und insbe­son­dere China nicht wett­be­werbs­fähig sind, lassen sich die lang­fris­tigen Verluste beim Verbren­nungs­an­trieb auch nicht durch den Hochlauf batte­rie­elek­tri­scher Fahrzeuge kompen­sieren. Um den Rückgang zu verrin­gern oder gar umzu­drehen, sind aus Sicht der Studie demnach zwei Entwick­lungen entschei­dend: Erstens muss die EU-Flot­ten­re­gu­lie­rung echte Tech­no­lo­gie­of­fen­heit gewähr­leisten, um mehr Zeit für die Trans­for­ma­tion, den Struk­tur­wandel und die Stärkung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu bekommen.

Zweitens muss laut Studie konse­quent auf inves­ti­tions- und inno­va­ti­ons­freund­liche Rahmen­be­din­gungen gesetzt werden. Dazu gehören unter anderem die gezielte Entlas­tung ener­gi­e­in­ten­siver Indus­trien, Reformen am Arbeits­markt und ein entschlos­sener Büro­kra­tie­abbau. Nur so könne lang­fristig Beschäf­ti­gung und Wert­schöp­fung in Europa und Deutschland gehalten werden. Die Studie zeigt auf, dass unter solchen opti­mierten Bedin­gungen die Wert­schöp­fungs­ver­luste in der Autoindustrie durch das Auslaufen der Verbren­ner­tech­no­logie bis 2040 nicht nur ausge­gli­chen, sondern deutlich über­kom­pen­siert werden könnten.

Oliver Zander, Haupt­ge­schäfts­führer von Gesamt­me­tall: „Die Studie beweist ein weiteres Mal, dass die Soziale Markt­wirt­schaft die Antwort ist. Es ist Aufgabe der Politik, Ziele vorzu­geben, aber sie muss den Weg dahin dem Wett­be­werb über­lassen. Plan­wirt­schaft­liche Ansätze und die Hybris von Planern, besser beur­teilen zu können, welche Tech­no­lo­gien zu wählen sind, scheitern immer wieder an den Kauf­ent­schei­dungen der Kunden. Wer glaubt, das igno­rieren zu können, der schadet den Bürgern Europas und dem Indus­tri­e­standort Europa nach­haltig. Er zerstört damit Wolhstand und gefährdet die poli­ti­sche Stabi­lität“.

 



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. Das sehe nicht nur ich anders: Das Festhalten an einer „Technologieoffenheit“ löst keineswegs die Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt, wo China die benchmark setzt, sondern dient als Alibi für das Festhalten an alter Technik, die keine Zukunft hat! Autohersteller, die sich an diese „Technologieoffenheit“ weiterhin klammern, werden scheitern, weil sie vom Markt abgehängt werden. Viel zu lange wurde hier die Elektromobilität vernachlässigt, insbesondere China hat hier mittlerweile einen deutlichen Wettbewerbsvorspung. Stattdessen sollten die Rahmenbedingungen für die Produktion verbessert werden, insbesondere der erwähnte Bürokratieabbau und die Reduktion überkomfortabler Tarifverträge (aktuell VW etc.) sowie die Reduktion der Lohnnebenkosten. Diese sind seit Jahren als Hemmschuh hierzulande identifiziert, ohne dass etwas substantielles passiert. Anstatt zu diskutieren, sollten die Elektroinfrastruktur und die Batterietechnologie konsequent und mit langfristigen verlässlichen Investitionsbedingungen vorangetrieben werden. Der gegenwärtige „Ölpreisschock“ sollte dafür Anlass genug sein, da braucht´s noch nicht einmal Umweltargumente…

  2. Technologieoffenheit und sogenannte erneuerbare Kraftstoffe – beides zählt mit zum größten Unfug aus dem ohnehin wenig originellen und innovativen Ideenportfolio rückwärtsgewandter Konservativer, Reaktionärer und liberaler Ewiggestriger.

    Woher sollen all die eFuels aus grünem Wasserstoff oder Biomasse kommen? Das sind alles Moleküle, die man ganz nebenbei auch noch in gigantischen Mengen für die Biotreppen und Grüngasquoten des ebenso unsinnigen Anti-Habeck-Gebäudemodernisierungsgesetzes oder für die Transformation zu grünem Stahl benötigt. Wirkungsgrad und Effizienz sind unterirdisch, die Kosten galaktisch.

    Plötzlich braucht es noch mehr Zeit für die Transformation, den Strukturwandel und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Da stellt sich doch sofort die Frage: Wer hat’s seit 25 Jahren komplett verschlafen – und aus welchem wundersamen Grund sollen nun auf einmal ausgerechnet diese Trantüten in der Wirtschaft erwachen?

  3. Pingback: Aktuelle Meldungen von 14.07.2026 | das-bewegt-die-welt.de

  4. Schlechte Neuigkeiten für alle E-Mobilitätsneurotiker und Batterieskeptiker:
    Die Serienfertigung in der Trockenbeschichtung ist nun Realität.
    Der Energie- und Platzverbrauch wird dadurch drastisch gesenkt, die Serienfertigung von günstigen und deutlich leistungsfähigeren Batterien in Grünheide kann beginnen.

    90 % der Anfangskapazität nach knapp 1 Million gefahrenen Kilometern sind ein guter Anfang – ebenso wie die Kostenreduktion von 50 % für die Elektrodenproduktion 😉

    Wenn das mal keine Motivation für die großartige deutsche Autoindustrie ist, das Jammertal fossiler Tränen endlich zu verlassen und selbst irgendwann in die Pötte zu kommen 😁

    https://battery-tech.net/how-teslas-fully-dry-4680-battery-finally-delivers-on-eight-years-of-promise/
    https://rigaku.com/industries/environment-and-energy/batteries/blog/tesla-dry-electrode-manufacturing
    https://www.electrive.net/2026/05/13/tesla-erhoeht-bei-batteriezell-plaenen-in-gruenheide-auf-18-gwh-jahreskapazitaet/

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