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Europäische Autonomie – das Thema läuft an der Börse!

Europäische Autonomie ist das politische Trendthema dieser Tage. Hierauf bezogene Aktien laufen seit Monaten besser als die großen Indizes.

EU-Flagge
Grafik: Gpointstudio-Freepik.com

Europäische Autonomie ist das Trendthema in der europäischen Politik. Donald Trump als politischer Disruptor hat den Europäern sozusagen die Augen geöffnet, ihnen ihre politische und militärische Hilflosigkeit aufgezeigt. Ist es nur eine Utopie, oder wird es den Europäern diesmal wirklich gelingen, sich derart stark hochzurüsten, und auch in Sachen Infrastruktur und Technologie so aufzustellen, dass man neben USA, China und Russland international eine Rolle spielen kann? In Sachen Rüstung kann man frohen Mutes sein? Aber beim Thema Technologie wird es dünn. Bei Social Media-Plattformen und KI ist man völlig abgehängt. Wie will man da noch Anschluss finden?

Europäische Autonomie läuft an der Börse besser als die großen Indizes

Offenbar ist es erst einmal wichtig, dass Europa sich grundsätzlich neu aufstellt. Stehen unzählige europäische Konzerne, die in den nächsten Jahren für das Thema „Europäische Autonomie“ Rüstungsgüter, Brücken, Straßen, Chips, Werkstoffe uvm herstellen, vor einem jahrelangen Aufschwung? Denkbar wäre es. Aktuell scheint sich ein Trend herauszubilden, dass Unternehmen mit Bezug auf dieses Grundthema den Markt outperformen. Der weitgehend unbekannte Euronext Strategic Autonomy Leaders Index der Börse Euronext ist seit Auflegung im Mai 2025 bis jetzt um 27,49 % angestiegen, und performt damit besser als große Indizes in Europa und den USA. Denn gleichzeitig stieg der S&P 500 um 23 %, der europäische Hauptindex Stoxx Europe 600 um 18,9 %, und der Dax um 11,7 %. Der CAC40 für große französische Aktien legte nur um 10,7 % zu.

Index für Europäische Autonomie steigt stärker als alle wichtigen Aktienindizes

Kann der Traum wirklich wahr werden?

Gewiss, es ist ein schöner Traum, eine schöne Wunschvorstellung, und vielleicht sogar eine Utopie. Europa, dass sich seit Ende des zweiten Weltkriegs hinter dem großen Bruder USA versteckt und ausgeruht hat, erkennt jetzt seien Hilflosigkeit. Wer das Thema „Europäische Autonomie“ aus großen Aufbruch Europas betrachtet und an diesen Aufbruch glaubt, könnte auf den Gedanken kommen, sich auf diese Trendbranchen zu fokussieren, als da wären: Logistik, Ernährungssicherheit, Pharma, Rüstung, Energie, Stromnetze und Stromausrüstung, Infrastruktur, Chemie, Software, Halbleiter, Finanzen, Luft- und Raumfahrt. Wobei man zum Beispiel bei der Chemiebranche sagen muss, dass sie in Europa aufgrund des hohen Energiebedarfs derzeit arg im Rückzug ist und Produktion zum Beispiel nach Asien verlagert.

Der Amundi European Strategic Autonomy UCITS ETF ist laut Aussage von Europas größtem Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich der erste ETF, der in Unternehmen aus diesen Schlüsselbereichen investiert, die für die Europäische Autonomie von entscheidender Bedeutung sein sollen. Und nein, wir bekommen kein Geld für die Nennung dieses ETF, und wir empfehlen an dieser Stelle auch nicht den Kauf. Dies soll jeder Anleger natürlich für sich selbst entscheiden.

Jeder Anleger sollte sich selbst die Frage beantworten: Ist das Thema „Europäische Autonomie“ ein nachhaltiges Trendthema für die nächsten Jahre? Werden die europäischen Staaten wirklich jahrelang weiter aufrüsten, weiter massiv in Infrastruktur investieren? Neben dem wackligen Thema Chemie könnte man zum Beispiel auch kritisch hinterfragen, ob im ETF stark gewichtete Firmen wie SAP wirklich auch nur ansatzweise eine Ausrichtung im Sinne einer Europäischen Unabhängigkeitsstrategie haben? SAP ist ein Weltkonzern und verkauft Software an Kunden weltweit. Wo da die explizite Ausrichtung sein soll, um Europa unabhängiger zu machen? Auch steht SAP derzeit auf wackligen Füßen, weil KI-Modell wie Anthropic Software-Geschäftsmodelle in Frage stellen.

Amundi-Aussagen

Amundi schreibt aktuell zum Listing seines ETF auf Xetra (auszugsweise): Dieser innovative ETF bietet Anlegern die Möglichkeit, in ein Portfolio europäischer Unternehmen zu investieren, die eine wichtige Rolle bei der Stärkung der strategischen Autonomie Europas spielen. Die strategische Autonomie Europas ist eine Priorität, die von zahlreichen europäischen und nationalen öffentlichen Initiativen unterstützt wird, aber auch eine erhebliche Steigerung der privaten Investitionen erfordert. „Amundi hat sich der Entwicklung von Anlagelösungen verschrieben, mit denen Kunden die strategische Autonomie Europas unterstützen und in den kommenden Jahren von den strategischen Initiativen Europas profitieren können“, sagt Benoit Sorel, Global Head of ETF & Indexing bei Amundi. „In einer Welt, die von anhaltenden geopolitischen Risiken und zunehmender Regionalisierung geprägt ist, freuen wir uns eine neue effiziente Lösung für Investitionen in Unternehmen zu schaffen, die für den Aufbau eines widerstandsfähigen und autonomen Europas von entscheidender Bedeutung sind.“

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. jo klar ….

    man kann Insolvenz ja wie wir bei Corona lernten … auch nach hinten schieben …

    oder die „Schröderische Insolvenz“ so lange nicht offiziell gemeldet bis Du nicht pleite ….

    aber wir wissen auch das die Masse der Menschen immer produktiver wird und somit die Steuereinnahmen sprudeln werden … (für Staatsausgaben …) und für den unwahrscheinlichen Fall das es nicht so kommt …

    man kann Steuern auch über 100% anheben … im Gegensatz zu Donaldos 1500% Preissenkungen …

    es wird nicht lustig werden … vermutlich …. aber niemand wäre auch nur für ansatzweise sinnvolle Veränderungen bereit besonders nicht jene die von der aktuellen Konstellation profitieren …

    und noch einen Anmekrkung zu Ihrer? Gegenrede:

    wie wäre es die unteren Einkommen komplett zufrieden zu lassen mit Einkommen/Lohnsteuer ?
    sagen wir so 25-30k bei aktuellem „Geld/Warenwert“ … und auch nach oben wegen mir die Stufen so anzupassen das man das Gefühl haben kann Arbeiten lohn sich?

    nur so ein Gedanke

  2. Thematische ETFs waren bisher eher ungünstige Anlageinstrumente. Sie werden meist aufgelegt, wenn ein Trend schon die größte Strecke nach oben hinter sich hat. Man vergleiche schlicht die genannte Performance mit der einzelner einschlägiger Aktien.

    Im übrigen bin ich in der Frage der Rüstung bei Herrn van Aken: Konventionell ist Westeuropa stark genug, um sich zu verteidigen und die französischen Atom-U-Boote bilden eine angemessene Zweitschlagskapazität.
    Es würde genügen, die vorhandenen Systeme einsatzbereit zu halten, deutlicher um Drohnen zu erweitern und erheblich mehr Munition zu bevorraten.
    Kampfroboter kommen in Mode, aber da wir sind maximal weit von entfernt.

    Alles andere ist doch eher etwas, was sich automatisch entwickeln würde, wenn es mehr wirtschaftliche Dynamik gäbe: Steuern runter, Bürokratie weg.

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