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Europäische Banken erschweren Kreditrichtlinien für Unternehmen – zu früh?

Die EZB veranstaltet quartalsweise eine Umfrage ein Banken in der Eurozone, um die aktuelle Lage bei deren Kreditvergabe besser zu verstehen. Heute wurde für das 4. Quartal 2016 die aktuellste...

FMW-Redaktion

Die EZB veranstaltet quartalsweise eine Umfrage ein Banken in der Eurozone, um die aktuelle Lage bei deren Kreditvergabe besser zu verstehen. Heute wurde für das 4. Quartal 2016 die aktuellste Umfrage veröffentlicht. Sie zeigt, dass die europäischen Banken zum ersten Mal seit drei Jahren die Kreditstandards für Unternehmenskunden (also bankinterne Vergaberichtlinien für die Vergabe von Krediten) verschärft haben. Die EZB erwähnt, dass diese Verschärfung der Vergabekriterien vor allem in den Niederlanden stark zugenommen hat. Denn man erinnere sich bitte: Abseits von Spanien, Irland und Großbritannien wütete der Überschuldungsteufel während der Finanzkrise auch extrem im niederländischen Immobiliensektor. Der totale Zusammenbruch blieb dort aus – daher darf man davon ausgehen, dass in den Niederlanden das Problem überschuldeter Haushalte und Immobilienkäufer immer noch vor sich hin schlummert.

Laut EZB sei die Risikotoleranz der Banken schlicht und einfach zurückgegangen. Auch erwähnt die EZB, dass jenseits der Vergabekriterien die reale Kreditvergabe der Banken im 4. Quartal aber immer noch zugelegt hat, und das in allen Bereichen. Also hat eine verschärfte Vorgabe noch nicht sofort die Realität erreicht, was aber nicht dauerhaft so bleiben dürfte. Und welch Wunder: Wir Schlaumeier bei FMW hatten ja immer schon unsere Zweifel an den offiziellen Daten der EZB, zumal sie sich mit anderen Daten der EZB widersprechen. Aber geschenkt. Wie die EZB heute selbst schreibt, nennen die befragten Banken als Hauptgrund für die hohe Kreditnachfrage von Unternehmen nicht die erhöhte Aktivität von Handwerkern und Mittelständlern, sondern schlicht und einfach die Zunahme von Übernahmen und Fusionen, die oft mit billigeren Krediten (dank der EZB) finanziert würden. Was bringt´s für die Erhöhung der realen wirtschaftlichen Aktivität? Nichts!

Die insgesamt immer noch ordentliche Nachfrage bei Immobilienkrediten basiere auf den niedrigen Zinsen, dem Verbrauchervertrauen und der guten Entwicklung am Immobilienmarkt (steigende Preise), so die EZB. Die Banken hätten laut Umfrage im 2. Halbjahr 2016 ihre regulatorischen Anforderungen weiter angepasst, ihre Kapitalpolster weiter aufgefüllt sowie risikobehaftete Anlagen weiter abgebaut. Insgesamt im Schnitt würden die Banken berichten, dass regulatorische Verschärfungen keine wirklich negativen Auswirkungen hätten auf die Kreditstandards oder Margen.

Also haben die Banken, folgt man ihrer eigenen Verschärfung der Maßstäbe, dies in Eigenregie gemacht, richtig? Die Verschärfung der Kreditvergabe, wenn sie denn jetzt gerade anlaufen sollte, käme für die Konjunktur in der Eurozone sicher noch locker zwei Jahre zu früh, so schätzen wir mal ganz grob. Denn die Konjunktur in Europa erholt sich immer noch in winzigen Schritten. Außerdem blenden solche durchschnittlichen Betrachtungen für die gesamte Eurozone völlig aus, dass in einigen Ländern alles ok ist, während in anderen Ländern im Bankensektor der Baum brennt (Italien, Griechenland). Da ist nicht viel los mit „munterer Kreditvergabe“.

Mehr Details zur aktuellen Bankenumfrage der EZB finden Sie hier.



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