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Europäische Zentralbank oder Federal Reserve – wer ist mächtiger?

Die Fed gilt zwar offiziell als Hüterin der Weltleitwährung und damit als mächtigste Zentralbank der Welt, doch die Europäische Zentralbank ist in Sachen Geldpolitik ihrem US-Pendant in einigen Bereichen voraus.

Die Größenverhältnisse

Die Eurozone bringt 342 Millionen Bewohner auf die Waage, die USA nur 327 Millionen. Beim Bruttoinlandsprodukt hingegen führen die USA deutlich mit 20,5 Billionen US$ versus 12,8 Billionen US$ in der EU. Auch bei der Bedeutung der Währungen geht der Sieg klar an die Fed: Der US-Dollar macht nach wie vor über 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus, der Euro spielt hier nur zu 20 Prozent eine Rolle. Im Jahr 2009 waren es beim Euro in der Spitze noch 27,7 Prozent – auch hier hat die Eurokrise ihre Spuren hinterlassen.

Die Größe der EZB-Bilanz schlägt die der Fed aber deutlich, sowohl absolut als auch relativ: Aktuell hält die Europäische Zentralbank Aktiva im Gegenwert von 5,4 Billionen US$ (4,7 Billionen Euro), was über 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone entspricht. Die Total-Assets der Fed liegen nach der Bilanzreduzierung bis Ende Juli dieses Jahres bei 3,76 Billionen US$ (3,3 Billionen Euro). Im Vergleich zum US-BIP sind das lediglich 18,3 Prozent.

Europäische Zentralbank geht stets in Vorlage

Man könnte sagen, dass die Europäische Zentralbank der Fed in Sachen quantitativer Geldpolitik voraus ist (beim Gelddrucken). Die Fed hat ihren Bilanzabbau bereits gestoppt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ebenfalls wieder in den Gelddruck-Modus übergeht. Dies ist mittelfristig auch nötig, um das gigantische Staatsdefizit der USA sowie die horrenden Immobilienschulden der Amerikaner finanzieren zu helfen.

Interessant ist folgendes Detail in Sachen zeitlichem Vorsprung der EZB bei geldpolitischen Entscheidungen: Am 17. Juli 2014 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank seinen vierwöchigen Sitzungszyklus ab 1. Januar 2015 auf einen sechswöchigen Zyklus umzustellen – synchron zur amerikanischen Fed. Aber mit einem kleinen entscheidenden Unterschied: Die Europäische Zentralbank tagt immer genau eine Woche vor dem Offenmarktausschuss der Federal Reserve. Damit diktiert die EZB auf der zeitlichen Mikroebene den Amerikanern jedes Mal die geldpolitische Richtung. Und so wird es auch im September wieder geschehen, dass die EZB geldpolitisch in Vorlage geht und diese Entscheidungen dann von der Fed mitberücksichtigt werden müssen.

Der Währungskrieg

Im Sommer 2014, in dem die Europäer auch die Anpassung ihres Sitzungszyklus an den der Amerikaner planten, sickerten außerdem Überlegungen der EZB über ein gigantisches Anleihekaufprogramm durch und ließen den Euro von damals 1,40 EUR/US$ auf heute 1,10 EUR/US$ fallen. In der Januarsitzung 2015 wurde dann tatsächlich ein gigantisches Aufkaufprogramm im Volumen von 60 Mrd. Euro pro Monat beschlossen. Ursprünglich sollte es aber nur bis maximal September 2016 laufen, weil dann ja wieder alles gut wäre in der Eurozone. Wie wir heute wissen, wurde das Programm nicht nur um zwei Jahre und vier Monate bis Ultimo 2018 verlängert, sondern auch auf 80 Mrd. Euro pro Monat aufgestockt. Nach achtmonatiger Pause soll es wahrscheinlich in diesem September schon wiederbelebt werden.

Europäische Zentralbank liegt im Währungskrieg vs. Federal Reserve deutlich vorn (EUR/US$):

Europäische Zentralbank vs. Federal Reserve - Fallender Euro

Fazit

Natürlich hat die Fed mit der Zinshoheit über die Weltleit-, Weltschulden-, Weltreserve- und Welthandels-Währung den größeren Einfluss auf ökonomische Entwicklungen der Welt: 44 Prozent aller Transaktionen werden weltweit in Dollar abgewickelt, nur 28 Prozent in Euro.

Dennoch taktiert die EZB geschickt und hat es geschafft, der Fed ein Stück weit ihren Willen aufzuzwingen. Dies geschieht direkt, in dem man zeitlich immer zuerst handelt und den Euro versus Dollar sukzessive abwertet und indirekt, indem dem man ein weltweit relevantes Zinsniveau vorgibt, dass über Carry-Trades und Zinsarbitrage von den Finanzmarktakteuren auch dem amerikanischen Kapitalmarkt aufoktroyiert wird.

Europäische Zentralbank Tower in Frankfurt
Der EZB-Tower in Frankfurt. Foto: Simsalabimbam CC BY-SA 4.0



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2 Kommentare

  1. Wer gibt den Takt vor? Die Amis haben seit 2011 meines Wissens die Zinsen fast 20 mal erhöht (Zinswende) u.die EZB ist immer noch am Senken ? Ich bin nicht sicher.
    FMW oder Wolfgang M. wissen sicher Bescheid.Eines ist sicher, die Einwohnerzahl spielt sicher keine Rolle, sonst gäbe es noch mächtigere Notenbanken.

  2. Eine klasse Gegenüberstellung. Da wird gleich unser Marko vor Freude aus den Schuhen springen. Nach 200-facher eigener Feststellung, bekommt er jetzt eine Unterstützung. Die EZB ist die mächtigste Notenbank, vor dem Ami-Laden, nach Lehman u.s.w.

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