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Europäische Zentralbank oder Federal Reserve – wer ist mächtiger?

Hannes Zipfel

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am

Die Fed gilt zwar offiziell als Hüterin der Weltleitwährung und damit als mächtigste Zentralbank der Welt, doch die Europäische Zentralbank ist in Sachen Geldpolitik ihrem US-Pendant in einigen Bereichen voraus.

Die Größenverhältnisse

Die Eurozone bringt 342 Millionen Bewohner auf die Waage, die USA nur 327 Millionen. Beim Bruttoinlandsprodukt hingegen führen die USA deutlich mit 20,5 Billionen US$ versus 12,8 Billionen US$ in der EU. Auch bei der Bedeutung der Währungen geht der Sieg klar an die Fed: Der US-Dollar macht nach wie vor über 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus, der Euro spielt hier nur zu 20 Prozent eine Rolle. Im Jahr 2009 waren es beim Euro in der Spitze noch 27,7 Prozent – auch hier hat die Eurokrise ihre Spuren hinterlassen.

Die Größe der EZB-Bilanz schlägt die der Fed aber deutlich, sowohl absolut als auch relativ: Aktuell hält die Europäische Zentralbank Aktiva im Gegenwert von 5,4 Billionen US$ (4,7 Billionen Euro), was über 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone entspricht. Die Total-Assets der Fed liegen nach der Bilanzreduzierung bis Ende Juli dieses Jahres bei 3,76 Billionen US$ (3,3 Billionen Euro). Im Vergleich zum US-BIP sind das lediglich 18,3 Prozent.

Europäische Zentralbank geht stets in Vorlage

Man könnte sagen, dass die Europäische Zentralbank der Fed in Sachen quantitativer Geldpolitik voraus ist (beim Gelddrucken). Die Fed hat ihren Bilanzabbau bereits gestoppt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ebenfalls wieder in den Gelddruck-Modus übergeht. Dies ist mittelfristig auch nötig, um das gigantische Staatsdefizit der USA sowie die horrenden Immobilienschulden der Amerikaner finanzieren zu helfen.

Interessant ist folgendes Detail in Sachen zeitlichem Vorsprung der EZB bei geldpolitischen Entscheidungen: Am 17. Juli 2014 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank seinen vierwöchigen Sitzungszyklus ab 1. Januar 2015 auf einen sechswöchigen Zyklus umzustellen – synchron zur amerikanischen Fed. Aber mit einem kleinen entscheidenden Unterschied: Die Europäische Zentralbank tagt immer genau eine Woche vor dem Offenmarktausschuss der Federal Reserve. Damit diktiert die EZB auf der zeitlichen Mikroebene den Amerikanern jedes Mal die geldpolitische Richtung. Und so wird es auch im September wieder geschehen, dass die EZB geldpolitisch in Vorlage geht und diese Entscheidungen dann von der Fed mitberücksichtigt werden müssen.

Der Währungskrieg

Im Sommer 2014, in dem die Europäer auch die Anpassung ihres Sitzungszyklus an den der Amerikaner planten, sickerten außerdem Überlegungen der EZB über ein gigantisches Anleihekaufprogramm durch und ließen den Euro von damals 1,40 EUR/US$ auf heute 1,10 EUR/US$ fallen. In der Januarsitzung 2015 wurde dann tatsächlich ein gigantisches Aufkaufprogramm im Volumen von 60 Mrd. Euro pro Monat beschlossen. Ursprünglich sollte es aber nur bis maximal September 2016 laufen, weil dann ja wieder alles gut wäre in der Eurozone. Wie wir heute wissen, wurde das Programm nicht nur um zwei Jahre und vier Monate bis Ultimo 2018 verlängert, sondern auch auf 80 Mrd. Euro pro Monat aufgestockt. Nach achtmonatiger Pause soll es wahrscheinlich in diesem September schon wiederbelebt werden.

Europäische Zentralbank liegt im Währungskrieg vs. Federal Reserve deutlich vorn (EUR/US$):

Europäische Zentralbank vs. Federal Reserve - Fallender Euro

Fazit

Natürlich hat die Fed mit der Zinshoheit über die Weltleit-, Weltschulden-, Weltreserve- und Welthandels-Währung den größeren Einfluss auf ökonomische Entwicklungen der Welt: 44 Prozent aller Transaktionen werden weltweit in Dollar abgewickelt, nur 28 Prozent in Euro.

Dennoch taktiert die EZB geschickt und hat es geschafft, der Fed ein Stück weit ihren Willen aufzuzwingen. Dies geschieht direkt, in dem man zeitlich immer zuerst handelt und den Euro versus Dollar sukzessive abwertet und indirekt, indem dem man ein weltweit relevantes Zinsniveau vorgibt, dass über Carry-Trades und Zinsarbitrage von den Finanzmarktakteuren auch dem amerikanischen Kapitalmarkt aufoktroyiert wird.

Europäische Zentralbank Tower in Frankfurt
Der EZB-Tower in Frankfurt. Foto: Simsalabimbam CC BY-SA 4.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    30. August 2019 18:00 at 18:00

    Wer gibt den Takt vor? Die Amis haben seit 2011 meines Wissens die Zinsen fast 20 mal erhöht (Zinswende) u.die EZB ist immer noch am Senken ? Ich bin nicht sicher.
    FMW oder Wolfgang M. wissen sicher Bescheid.Eines ist sicher, die Einwohnerzahl spielt sicher keine Rolle, sonst gäbe es noch mächtigere Notenbanken.

  2. Avatar

    Nico

    30. August 2019 18:35 at 18:35

    Eine klasse Gegenüberstellung. Da wird gleich unser Marko vor Freude aus den Schuhen springen. Nach 200-facher eigener Feststellung, bekommt er jetzt eine Unterstützung. Die EZB ist die mächtigste Notenbank, vor dem Ami-Laden, nach Lehman u.s.w.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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am

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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