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Europas Poker

Von Markus Fugmann

Nicht nur dass die Gespräche Griechenlands mit der Eurogruppe gescheitert sind, sondern wie sie gescheitert, sind gibt zu denken. Es ist offenkundig eine Art Pokerspiel, dass sich die Beteiligten hier liefern: wer zuerst zuckt, hat verloren. Und verlieren können beide sehr viel.

Zunächst die Eurozone: ein Grexit hätte katastrophale Folgenn für die Eurozone – einer davon ist, dass die EZB eine saftige Kapitalerhöhung bräuchte, da die gekauften griechischen Staatsanleihen wertberechtigt werden müssten. Griechische Banken gingen Bankrott, ebenso zahllose Verbraucher in Griechenland, schließlich auch der griechische Staat. Die Folge wäre ein Tsunami an den Finanzmärkten – und den wird man nicht riskieren wollen, zumal in Uk im Mai Wahlen anstehen, im Dezember dann in Spanien mit einem möglichen Wahlsieger Podemos.

Nu soll also die griechische Regierung noch in dieser Woche einer Verlängerung der Hilfskredite zustimmen – was sie aber explizit ablehnt. Am Mittoch entscheidet die EZB über die Verlängerung der Notkredite – hier könnnte Greichenland den ersten Schuß vor den Bug bekommen. Am kommenden Montag isst in Griechenland Bankfeiertag – und es ist damit zu rechnen, dass die Griechen kein Risiko eingehen und in erheblichem Umfang ihre Konten leer räumen. All das setzt die Athener Regierung unter mächtigen Druck.

Wie sind derzeit die Machtverhältnisse? Frankreich, Teile der EZB (inklusive Mario Darghi), die USA, der IWF unter Lagarde, aber auch Kommissionspräsident Juncker stehen den griechischen Wünschen deutlich aufgeschlosseneer gegenüber als die klare Mehrheit in der Eurogruppe. Aber die Zeit läuft den Griechen davon, auch wenn die Regierung nicht sofort nach Ende des Hilfsprogramm zahlungsunfähig wäre. Laut einer Schätzung von JP Morgan verfügen Griechenlands Banken noch ca. 14 Wochen über Liquidität.

Was also wird passieren? Wahrscheinlich wird man sich in letzter Minute auf eine Verlängerung des Hilfprogramms einigen und einige Kompromissformeln einbauen, die der Regierung Athens erlauben, ihr Gesicht zu wahren. Das zumindest ist zu hoffen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Grexit seit gestern gestiegen: die Commerzbank hat ihre Prognose in Reaktion auf die gestrigen Ereignisse von 20% auf 50% erhöht..



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