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Exakt 30 Jahre nach Wall Street-Crash: heute Mini-Crash in Hongkong

FMW-Redaktion

Bekanntlich ist es heute auf den Tag genau 30 Jahre her, als es an der Wall Street crashte. Das hatte sich damals schon in der Woche zuvor abgezeichnet, aber was dann kam, hat doch alle Befürchtungen übertroffen!

Was damals passiert ist, ist inzwischen gut dokumentiert – erst im September diesen Jahres erschien dazu das sehr empfehlenswerte Buch „A First-Class Catastrophe: The Road to Black Monday, the Worst Day in Wall Street History“ von Diana B. Henriques.

Wer sich für das Thema weitergehend interessiert, sei auch auf eine Untersuchung der Fed hingewiesen, die den Titel trägt „A Brief History of the 1987 Stock Market Crash with a Discussion of the Federal Reserve Response“.

In der Summe kann man (verkürzt) sagen: nach der Steuerreform 1982 unter Reagan war jede Menge Liquidität im Umlauf, es entstand ein reglrechter Hype – heutzutage ist es so, dass der Hype schon vor der Steuerreform kommt ( wenn sie denn überhaupt kommt. Jedenfalls waren es dann mangelnde Regularien (etwa das Fehlen von circuit brakern, die den Abverkauf unterbrochen hätten etc.), vor allem aber die relativ neu eingesetzten Computerprogramme, die bestehende Longpositionen in den Depots absichern sollten – sie verkauften dann vor allem Index-Futures, als es nach unten ging – dann kamen margin calls oben drauf, die zur Auflösung von Aktien-Positionen sorgten.

Man sieht: im Grunde ist das alles irgendwie noch oder wieder aktuell: heute ist es die Dominanz von Algorithmen, die im Mai 2010 zu einem Flash Crash führte – seitdem aber ist der Anteil am Handel von Algorithmen weiter gestiegen.

Dazu gab es damals in den USA nur die NYSE und die Börsen für Futures und Optionen in Chicago – heute weiß man wohl nicht einmal, wieviele Handelsplätze es genau gibt, weil die Dark Pools eine immer größere Rolle spielen. Mithin fischen wir alle also im Trüben und wissen nicht wirklich, wo wer welche Risiken wirklich hat. Genau das – nämlich dass niemand wirklich wusste, wer welche Risiken hatte, war damals entscheidend für die Kettenreaktion in der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite.

Dass es schnell gehen kann mit einem Abverkauf an den Märkten hat sich heute vormittag im europäischen Handel gezeigt. Viel extremer aber war der Handelsverlauf des in Hongkong gehandelten Hang Seng kurz vor Schluss des Kassa-Marktes: der Index rauschte in wenigen Minuten um knapp 600 Punkte nach unten:

Was war da los? Vermutlich eine Kombination verschiedener Faktoren:

– Aussagen des chinesischen Notenbankchefs Zhou über die Verschuldung der Privathaushalte und die derzeitigen Risiken an den chinesischen Finanzmärkten

– der Anstieg des 3-Monats-Hibor, des Interbanken-Geldsatzes in Hongkong

– die Ereignisse um Katalonien (verkauft wurden in Hongkong dann vor allem Aktien, die eine starke exposure in Europa haben, wie etwa HSBC)

– die schwachen Zahlen eines Highflyers an den Märkten, des Telekommunikations-Ausrüsters ZTE Corp (dessen Aktien dann 11% verloren)

– stop losse nachdem die Kurse ins Rutschen kamen nach den relativ enttäuschenden BIP-Zahlen aus China

Der Hang Seng hatte seit Jahrsbeginn satte 31% zugelegt und war damit der beste Performer Asiens – „what goes up must come down“ (irgendwann..). Dabei hatte der Index den Höchststand aus dem Jahr 2015 überboten und handelte auf dem höchsten Stand seit einem Jahrzehnt:

Aber ab heute werden die Aktienmärkte nur noch steigen – ganz fest versprochen!



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2 Kommentare

  1. Interessant, wie beim DAX und s&p, nasdaq usw…schon von einem black monday gesprochen wird(gelesen auf diversen Seiten wie godmodetrader). Meine Güte, der DAX hat ein paar Pünktchen verloren, der S&P erst recht. Schon heult die wall street rum, weil der S&P 0,60 Prozent gefallen ist.
    Ist doch nicht zu fassen. Werden die bei einem Prozent Rückgang vom Fenster springen?

    1. Dann wird die Notenbank einspringen müssen…alternativlos!

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