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Warnsignal für eine Rezession Experte: US-Zinskurve vor der größten Invertierung seit 40 Jahren

Experte: US-Zinskurve vor der größten Invertierung seit 40 Jahren

Rezession voraus? Die inverse US-Zinskurve deutet dieses zumindest an. Die Experten von Allspring Global Investment befürchten, dass sich die US-Zinsstrukturkurve so stark wie seit 40 Jahren nicht mehr invertieren könnte. Zwischen den kurz- und langlaufenden Renditen für Staatsanleihen klafft derzeit eine immer größer werdende Lücke. Die aggressive Geldpolitik der Fed ist der Haupttreiber für diese Entwicklung. Die Märkte handeln nämlich Erwartungen. Die Marktteilnehmer erwarten wegen der hohen Inflation und den forschen Tönen der Währungshüter weitere hohe Zinsschritte. Kurzlaufende Anleihen reagieren daher stärker auf die erwartbare Zinspolitik der US-Notenbank in den nächsten Monaten als Anleihen mit längerer Laufzeit.

Eine Invertierung der Zinskurve tritt am Anleihemarkt nur sehr selten auf. Es zeigt, dass das normale Gefüge der Renditen, durcheinander geraten ist, da man in einer Phase, in welcher die Zinskurve invertiert, für Anleihen mit kürzeren Laufzeiten mehr Zinsen bekommt als für langlaufende. Eine inverse Zinskurve muss nicht zwangsläufig eine Rezession zur Folge haben, die Historie zeigt aber, dass vor jeder Rezession in den USA die Zinsstrukturkurve invers war.

Zinskurve: Die Lücke wird größer

Die Rendite für die 2-jährige Staatsanleihe ist zuletzt auf 3,907 % angestiegen, während die 10-jährige Rendite bei 3,465 notiert. Demnach liegt die Rendite der länger laufenden US-Anleihe (10-jährige) deutlich unter der Rendite der kürzer laufenden Anleihe. Die 2-jährige Rendite hat zudem den kritischen Widerstand bei 3,50 % überschritten, der zuletzt im Jahr 2007 erreicht wurde. Da sich der Renditeanstieg kurzlaufender Anleihen beschleunigt hat, verstärkt sich die Inversion der Zinskurve weiter. (Hier eine Erklärung dazu)

Die zweijährigen Renditen werden in den nächsten sechs Monaten wahrscheinlich weiter stark ansteigen und die Inversion mit den 10-jährigen Renditen auf mindestens 100 Basispunkte erhöhen, so Brian Jacobsen, Senior Investment Strategist bei Allspring Global. Die Renditedifferenz in diesem Teil der Kurve liegt heute bei minus 44 Basispunkten und damit so tief wie seit einem Monat nicht mehr, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Der stärkere Anstieg der Renditen für zweijährige Anleihen im Vergleich zu den Renditen für Staatsanleihen mit längerer Laufzeit unterstreicht die zunehmende Besorgnis darüber, wie weit die US-Notenbank die Zinssätze noch anheben muss, um die Inflation einzudämmen. Auch andere wichtige Teile der Kurve bewegen sich weiter in den negativen Bereich, was die Sorge der Anleger vor einer Rezession erhöht.

Entwicklung der Zinskurve im Jahr 2022

Entwicklung der Rendite für 2- und 10-jährige Staatsanleihen in 2022

Experte sieht weiter steigende Renditen für 2-jährige Staatsanleihen

Der Experte Brian Jacobsen der Allspring Global Investment, früher unter dem Namen Wells Fargo Asset Management bekannt, geht von weiter steigenden Renditen aus. In einem Interview mit Bloomberg sagt er: „Wenn wir sehen, dass der Markt die Realität einpreist, dass die Fed die Zinsen anheben und auf einem ziemlich hohen Niveau halten will, beispielsweise, in der Nähe von 4,25 % bis 4,5 % für die Fed Funds Rate im März, so erwarten wir, dass die 2-jährigen Anleiherenditen diese Art von Realität widerspiegeln sollten.“

In diesem Szenario könnten die 2-jährigen Renditen auf 4 % bis 4,5 % steigen, während die 10-jährigen Renditen wahrscheinlich auf 3 % sinken würden, womit die Zinskurve weiter invertiert, „so was haben wir im Grunde seit den 1980er Jahren nicht mehr gesehen“, so Jacobsen.

Dieser Abschnitt der US-Zinskurve war Anfang der 1980er Jahre auf mehr als 200 Basispunkte unter Null gesunken. Der damalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker hob darauf hin die Zinssätze auf 20 % an, um die Inflation zu bekämpfen, die einen Höchststand von 14,8 % erreichte. In der nächsten Woche richten sich alle Augen auf Fed-Chef Powell. Die US-Notenbank dürfte zum dritten Mal in Folge die Zinsen um 75 Basispunkte erhöhen. Damit würde der Leitzins auf 3,00 bis 3,25 % ansteigen. Macht die Fed in den kommenden Monaten weiter Druck, wären im März Höchststände von etwa 4,5 % durchaus denkbar. Die Gefahr einer Rezession nimmt dann wohl weiter zu.

Experte sieht weitere Invertierung der Zinskurve - Rezession?

Inversion der Zinskurve: Rendite auf 2- und 10-jährige Anleihen

FMW/Bloomberg



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