Anleihen

Expertenanalyse der EZB-Aussagen: „Mehr, nicht weniger Anleihekäufe“

EZB-Zentrale in Frankfurt

Das Tapering in der Eurozone wird eingeleitet? Die EZB spricht in ihrer heutigen Mitteilung von einer Rekalibrierung der Anleihekäufe, also nur einem minimalen Absenken der Kaufvolumen (hier dazu die wichtigsten Anmerkungen von Markus Fugmann). Die Experten der Commerzbank haben die Aussagen der Notenbanker analysiert. Sie verweisen darauf, dass das Anleihekaufprogramm der EZB (PEPP) ja erst einmal nur noch bis März 2022 läuft. Sie widmen sich der Frage, ob die Anleihekäufe darüber hinaus verlängert werden.

Die EZB wird laut Commerzbank zwar im vierten Quartal etwas weniger Anleihen kaufen als im laufenden Quartal (70 statt 80 Milliarden Euro pro Monat). Aber diese Rekalibrierung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EZB im Dezember beschließen dürfte, das PEPP-Anleihekaufprogramm über den März 2022 hinaus zu verlängern. Die sich für das vierte Quartal abzeichnende deutliche Wachstumsverlangsamung spielt den vielen Tauben im Notenbankrat in die Hände.

Vielen EZB-Ratsmitgliedern geht es laut Commerzbank-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer auch darum für niedrige Staatsanleihenrenditen zu sorgen und so den Finanzministern der hoch verschuldeten Euro-Staaten zu helfen. So hatte die EZB im März eine Erhöhung ihrer Anleihekäufe beschlossen, obwohl die gewichtete Rendite der Euro-Staatsanleihen zuvor lediglich um 0,3 Prozentpunkte gestiegen war.

Wir erwarten, dass die EZB ihre Geldpolitik im Dezember weiter lockern wird, so Dr. Jörg Krämer. Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten. Angesichts der neuen Corona-Welle halte er es für am wahrscheinlichsten, dass sie das PEPP-Programm bis zum Herbst 2022 verlängern und das Gesamtvolumen um weitere 250 Milliarden Euro erhöhen wird. Außerdem dürfte die EZB später beschließen, im Rahmen des APP-Programms nicht mehr in jedem Monat fix 20 Milliarden Euro für den Kauf von Anleihen auszugeben, sondern die Kaufvolumina an die Entwicklung der Märkte anzupassen. Auf diesem Wege hätte die Notenbank mehr Flexibilität gewonnen, die ihr so wichtig sei.



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