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Europa

Exporte ziehen an – „alter“ Außenhandelsüberschuss wieder hergestellt

Claudio Kummerfeld

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Containerschiffe im Hamburger Hafen

Die deutschen Exporte spülen seit Jahrzehnten den Wohlstand ins Land, indem deutlich mehr exportiert als importiert wird. Übrig bleibt ein positiver Geldfluss ins Inland. Durch die Coronakrise kam dieser Außenhandelsüberschuss fast runter auf Null. In der folgenden heute veröffentlichten Grafik des Statistischen Bundesamts sieht man seit dem Jahr 2018 den Verlauf der deutschen Exporte (blau) und der Importe (rot). Man sieht jahrelang den Abstand, welcher den Außenhandelsüberschuss darstellt. Anfang des Jahres dank der Coronakrise schmolz dieser Abstand fast runter auf Null, und jetzt ist er wieder hergestellt.

Im Juli 2020 lagen die deutschen Exporte bei einem Volumen von 102,3 Milliarden Euro, und die Importe umfassten 83,1 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die Exporte im Juli 2020 um 11,0 Prozent und die Importe um 11,3 Prozent niedriger als im Juli 2019. Im Monatsvergleich steigen die Exporte um 4,7 Prozent, und die Importe um 1,1 Prozent. Die Außenhandelsbilanz schloss im Juli 2020 mit einem Überschuss von 19,2 Milliarden Euro ab. Im Juli 2019 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 21,3 Milliarden Euro betragen.

Grafik zeigt Verlauf der Exporte und Importe

Die Detailaussagen der Statistiker sind interessant. Nimmt man die aktuellen Juli-Daten und vergleicht sie mit Juli 2019, dann sind die Exporte Richtung China wieder auf dem alten Vorjahresniveau, während sie für die USA und Großbritannien deutlich zurückliegen. Zitat:

Je nach Handelspartner waren die Exporte im Vorjahresvergleich unterschiedlich stark beeinträchtigt: Während Exporte in die Volksrepublik China im Juli 2020 nur um 0,1 % auf 8,7 Milliarden Euro gegenüber Juli 2019 sanken, nahmen die Exporte in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Vereinigten Staaten um 17,0 % auf 9,3 Milliarden Euro ab. Die Exporte in das Vereinigte Königreich verzeichneten im Juli 2020 einen Rückgang von 12,6 % auf 5,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die meisten Importe kamen im Juli 2020 aus der Volksrepublik China nach Deutschland. Von dort wurden Waren im Wert von 10,3 Milliarden Euro eingeführt, das waren 7,4 % mehr als im Juli 2019. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken im Juli 2020 um 14,8 % auf einen Wert von 5,2 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus dem Vereinigten Königreich sanken um 24,8 % auf 2,4 Milliarden Euro.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    pigeon

    8. September 2020 10:38 at 10:38

    Ich glaube, hier liegt ein grundsätzlicher Irrtum vor. Wenn ein starker Außenhandelsüberschuss vorliegt, dann spülen die Exporte den Wohlstand nicht ins Land sondern aus dem Land raus. In der Volkswirtschaftslehre nennt man das Kapitalexport. Der Wohlstand wäre nur dann durch die Exporte geschaffen, wenn die Schuldverschreibungen, die man als Gegenleistung erhält, irgendwann in Waren und Dienstleistungen einlösbar wären. Dies ist aber bei dem gigantischen kumulierten Leistungsbilanzüberschuss, den Deutschland seit der Euro Einführung aufgehäuft hat, so gut wie undenkbar. Von daher ist die starke Handelsbilanz in Bezug auf das echte Vermögen der Deutschen eher eine schlechte Nachricht.

    • Avatar

      Dreamtimer

      8. September 2020 12:14 at 12:14

      Deswegen sind ja auch die Milliardäre alle so arm, weil sie vollkommen verzweifelt auf ihren Profiten hocken. Sie haben so hart gearbeitet und was bekommen sie für ihre Produkte? Nichts als Geld! Kein Wunder, dass jetzt alle den Kapitalismus abschaffen wollen.

  2. Avatar

    pigeon

    8. September 2020 12:28 at 12:28

    Nachtrag:
    Der Vermögensverlust durch die Exporte wird besonders am Pro Kopf Medianvermögen der Bevölkerung deutlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gen_pro_Kopf

    Deutschland rangiert da mit sehr weitem Abstand hinter Spanien, Italien, Frankreich und sogar auch hinter Griechenland und Portugal. Das zeigt:
    Die Exportüberschüsse vergrößern zwar den Buchwert des Volksvermögens, aber da dies im Wesentlichen bei den hoch Vermögenden geschieht, hat die Bevölkerung insgesamt davon wenig.

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanagerindex – Dienstleister schrumpfen, Gewerbe stark

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für September) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 53,7 (Prognose war 54,1; Vormonat war 54,4)

Verarbeitendes Gewerbe: 56,6 (Prognose war 52,5; Vormonat war 52,2)

Dienstleistung: 49,1 (Prognose war 53,0; Vormonat war 52,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 48,5 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 51,9)

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt:

 

„Während die aktuellen PMI-Daten zeigen, dass die deutsche Wirtschaft im September insgesamt auf Wachstumskurs geblieben ist, liefen die Trends auf Sektorenebene jedoch zunehmend auseinander. So vermeldete der Dienstleistungssektor erstmals seit drei Monaten wieder Geschäftseinbußen, was bedeuten könnte, dass die Erholung hier wegen der weiter geltenden Abstandsregeln, der starken Verunsicherung in der Wirtschaft und der Ungewissheit der Beschäftigten hinsichtlich der weiteren Jobentwicklung ihren Höhepunkt bereits überschritten haben dürfte. Im Gegensatz dazu erholte sich die Industrie – nicht zuletzt dank der wieder anziehenden Exportnachfrage – weiter im Eiltempo. Produktion und Auftragseingang wiesen hier abermals starke Zuwächse aus, was mit dazu beitrug, dass sich der Stellenabbau verlangsamte. Die steigenden Infektionszahlen decken sich mit der etwas weniger optimistischeren Stimmung im Servicesektor. Demgegenüber konnten die Industrieunternehmen scheinbar jegliche Sorgen hinsichtlich potenzieller Restriktionen im In- oder Ausland abschütteln, sodass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist hier wieder so positiv ausfielen wie zuletzt vor über zweieinhalb Jahren.”

 

Die deutsche Wirtschaft mit mühsamer Erholung

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Europa

Coronakrise: Löhne fallen in Deutschland stärker als in Finanzkrise

Markus Fugmann

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Die Coronakrise hat in Deutschland gravierende Folgen für die Löhne! Wie heute das Statistische Bundesamt mitteilte, fielen die Nominallöhne im 2.Quartal aufgrund der Coronakrise um -4,0% – und damit deutlich stärker als auf dem Hochpunkt der Finanzkrise im 2.Quartal 2009, als die Löhne nur um -0,7% gefallen waren. Entscheidender Grund für die Lohnrückgänge im 2.Quartal sind die verkürzten Arbeitszeiten aufgrund der Coronakrise, wie Destatis mitteilt. Die Kurzarbeit federt dabei die Einkommens-Rückgänge etwas ab. Stärker betroffen von Lohnrückgängen sind die unteren Einkommensgruppen in der Coronakrise – eine alarmierende Tendenz: schon bald dürfte daher ein starker Anstieg von Firmeninsolvenzen und Privatinsolvenzen folgen. Das gilt insbesondere für jene, die in von der Coronakrise am stärksten betroffenen Branchen tätig sind und ihren Job bald verlieren dürften.

In der Coronakrise fallen die Löhne stärker als ind er Finanzkrise

Grafik: Destatis

Zum Rückgang der Löhne aufgrund der Coronakrise schreibt das Statistische Bundesamt (Destatis) im Wortlaut:

„Der Nominallohnindex lag in Deutschland im 2. Quartal 2020 um 4,0 % niedriger als im Vorjahresquartal. Dieser Index bildet die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen ab. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, legten die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um knapp 0,8 % zu. Dies ergibt einen realen (preisbereinigten) Verdienstrückgang von 4,7 %. Es ist die historisch stärkste Abnahme der Nominal- und auch der Reallöhne im Vorjahresvergleich seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2007 und somit stärker als in der Finanzmarktkrise 2008/2009.

Corona-Pandemie führt zu Verkürzung der Arbeitszeit

Der Einsatz von Kurzarbeit sowie die Geschäftsschließungen aufgrund der Corona-Pandemie führten zu einer starken negativen Lohnentwicklung im 2. Quartal 2020. Das Kurzarbeitergeld ist hierbei allerdings nicht berücksichtigt; es hat die Einkommensverluste für viele Beschäftigte abgefedert. Bezogen auf die Nominallöhne ist erstmalig seit dem 2. Quartal 2009 wieder eine negative Entwicklung in Deutschland festzustellen, die mit -4,0 % noch deutlicher als zu Zeiten der Finanzmarktkrise ausfällt (2. Quartal 2009: -0,7 %). Der Hauptgrund liegt hier vor allem in der stärkeren Verkürzung der Arbeitszeit. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im 2. Quartal 2020 die bezahlte Wochenarbeitszeit in der Gesamtwirtschaft um 6,2 % auf durchschnittlich 36,8 Stunden. Im 2. Quartal 2009 hatte der Rückgang bei 2,1 % gelegen.

Stärkere Verdiensteinbußen in den unteren Leistungsgruppen

Die unteren Leistungsgruppen waren vom Rückgang der Arbeitszeit und somit von geringeren Verdiensten im 2. Quartal 2020 am stärksten betroffen. Bei den un- und angelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Vollzeit sanken die bezahlten Arbeitsstunden um 9,8 % beziehungsweise 9,4 %. Die Verdienste gemessen am Nominallohnindex reduzierten sich für diese beiden Leistungsgruppen um 7,4 % beziehungsweise 8,9 %. Im Vergleich dazu gingen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in leitender Stellung sowohl die Verdienste gemessen am Nominallohnindex (-2,0 %) als auch die Wochenarbeitszeit (-3,0 %) unterdurchschnittlich zurück. Da die unteren Leistungsgruppen im Durchschnitt weniger verdienen, fällt ihr eigentlich dominanterer Arbeitszeit- und Lohnrückgang für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Nominallöhne weniger stark ins Gewicht.“

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Europa

Europa in der Deflation? Ohhh nein – ein zweigeteilter Kontinent

Claudio Kummerfeld

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Geldscheine und Münzen

Europa ist in die Deflation gerutscht. Diese Aussage ist gar nicht so verkehrt, wenn man nur den Gesamtdurchschnitt betrachtet. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August um 0,2 Prozent gesunken gegenüber August 2019, nach +0,4 Prozent im Juli, wie es heute Eurostat verkündet hat. Natürlich drückt die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland auf den Schnitt, das sollte man immer bedenken. Und nach europäischer Lesart sind wir hierzulande derzeit schon in der Deflation mit -0,1 Prozent (nach deutscher Rechenmethode 0,0 Prozent).

Deflation in Westeuropa, deutlich Inflation in Osteuropa

Aber am Schlimmsten hängen Zypern und Griechenland in der Deflation mit -2,9 Prozent und -2,3 Prozent. Auch große Länder wie Italien und Spanien hängen in der Deflation, insgesamt 14 Länder! Aber schaut man nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa, dann ergibt sich ein anderes Bild. Denn Osteuropa zeigt seit geraumer Zeit steigende Verbraucherpreise, so auch im August. Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Österreich, die Slowakei, Bulgarien und Litauen bilden nicht nur geografisch einen Block, sondern auch bei den Preisen. Sie steigen im August im Jahresvergleich mit Steigerungsraten zwischen +0,6 Prozent und +4,0 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die geografische Aufteilung zwischen Inflation und Deflation (Osteuropa gegen Westeuropa) eindrucksvoll.

Die Details von Eurostat zeigen, dass im Gesamtschnitt der Eurozone die Verbraucherpreise für Energie nach dem Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr immer noch 7,8 Prozent tiefer liegen als im August 2019 (Vormonat noch -8,4 Prozent). Die Nahrungsmittelpreise für Verbraucher steigen nur noch um 1,7 Prozent (Vormonat 2 Prozent). Die Verbraucherpreise für „Industriegüter ohne Energie“ fallen am deutlichsten von +1,6 Prozent auf -0,1 Prozent.

Grafik zeigt Deflation und Inflation in Europa

Tabelle zeigt detaillierte Inflationsdaten für August in Europa

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