Der Einkaufsmanagerindex für China stabilisiert sich über der Expansionsmarke. Die Erholung verläuft jedoch ungleichmäßig, da Exporteure rückläufige Aufträge verzeichnen. Die chinesische Industrie hat sich im Juni insgesamt robust gezeigt, allerdings mehren sich Anzeichen einer Abschwächung im Exportgeschäft. Während der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) des Statistikbüros (NBS) wieder in den expansiven Bereich zurückkehrte, berichtet das Panel des privaten Anbieters S&P/RatingDog von einem über das saisonal übliche Maß hinausgehenden Rückgang der Exportaufträge.
Einkaufsmanagerindizes notieren über der Expansionsmarke
Der offizielle NBS-PMI stieg im Juni um 0,3 Punkte auf 50,3 und überschritt damit wieder die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der von S&P/RatingDog erhobene Einkaufsmanagerindex gab dagegen leicht um 0,1 Punkte auf 51,7 nach. Damit lag der Index bereits den siebten Monat in Folge über der Expansionsmarke und weiterhin deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von 50,8 Punkten seit 2004. Die Differenz zwischen beiden Indizes verringerte sich von 1,8 Punkten im Mai auf 1,4 Punkte im Juni.
Bei der Produktion zeichnen beide Umfragen ein ähnliches Bild. Der Produktionsindex des NBS legte leicht um 0,2 Punkte auf 51,4 zu und signalisiert eine etwas stärkere Expansion als im Vormonat. Auch S&P/RatingDog meldet weiterhin ein Produktionswachstum, wenngleich sich das Tempo auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten verlangsamte. Für das zweite Quartal insgesamt verzeichnete das Panel dennoch die stärkste Produktionsausweitung seit dem zweiten Quartal 2024.
Sorgen bereitet dagegen die Entwicklung der Auslandsnachfrage. Nach Angaben von S&P/RatingDog gingen die Exportaufträge im Juni stärker zurück, als es für die Jahreszeit üblich wäre. Dies deutet darauf hin, dass sich das internationale Nachfrageumfeld trotz der insgesamt stabilen Industrieproduktion weiter eintrübt und chinesische Exporteure zunehmend unter Druck geraten.
Wobei sich die Verlangsamung zumindest teilweise durch die Vorzieheffekte der vergangenen Monate erklären lässt. Der bis Juli befristete Waffenstillstand zwischen Donald Trump und Xi Jinping, die Belieferung der Märkte mit Fanartikeln für die Fußball-Weltmeisterschaft sowie das Auslaufen der De-minimis-Regelungen in den USA und der Europäischen Union hatten zu einem ausgeprägten Frontloading geführt. Da zahlreiche Exporte entsprechend vorgezogen wurden, läuft dieser Effekt nun aus und belastet die Auftragseingänge im Juni. Untermauert wird diese Lesart von der amerikanischen National Retail Federation, die ihren erwarteten Importhöhepunkt bereits von Juli auf Juni vorgezogen hat und für Juli einen Rückgang der US-Importvolumina um 3 Prozent erwartet.
Private Unternehmen schaffen Stellen
Während die Exportnachfrage nachlässt, deuten die Daten von S&P/RatingDog auf eine leichte Belebung der Binnennachfrage hin. Begleitet wurde diese Entwicklung vom ersten Anstieg der Beschäftigung seit drei Monaten. Allerdings beschränkt sich diese Entwicklung auf den privaten Sektor. Der offizielle Einkaufsmanagerbericht des Statistikamts weist dagegen für die größeren, überwiegend staatlichen Unternehmen weiterhin einen Beschäftigungsabbau aus.
Gestützt wird die Industrie dabei unverändert vom Hightech-Sektor. Dessen Einkaufsmanagerindex stieg im Juni auf 53,5 Punkte und lag damit den vierten Monat in Folge im expansiven Bereich. Auch der Ausrüstungsbau entwickelte sich mit einem Quartalsdurchschnitt von 52,1 Punkten überdurchschnittlich.
Damit setzt sich die strukturelle Zweiteilung der chinesischen Industrie fort. Während technologieintensive Branchen weiterhin deutlich schneller wachsen als der Gesamtsektor, reicht ihre Dynamik bislang nicht aus, um die anhaltende Schwäche traditioneller Industriezweige und des Arbeitsmarktes insgesamt auszugleichen.
Auch bei den Lieferzeiten weisen beide Umfragen in dieselbe Richtung, wenngleich sich die Entwicklung im Juni weiter abschwächte. Der entsprechende NBS-Index stieg um 0,7 Punkte auf 49,9 und näherte sich damit der Wachstumsschwelle an. S&P/RatingDog registrierte bereits den vierten Monat in Folge längere Lieferzeiten, allerdings fiel die Verlängerung so gering aus wie innerhalb dieser Serie noch nicht.
Bei den Lagerbeständen bleibt dagegen die bereits im Mai sichtbare Divergenz bestehen. Nach den Daten des Statistikamts bauten die Unternehmen ihre Rohstofflager als Folge des USA/Iran-Krieges weiter ab, der entsprechende Index sank um 0,2 Punkte auf 48,4. S&P/RatingDog verzeichnete hingegen den siebten Anstieg der Einkaufsmengen in Folge, gemeinsam mit der Serie aus dem Jahr 2007 die längste seit Beginn der Erhebung. Gleichzeitig nahmen auch die Fertigwarenbestände den dritten Monat in Folge zu.
Uneinheitlich präsentiert sich schließlich auch die Entwicklung der Inputpreise. Im verarbeitenden Gewerbe sank der Einkaufspreisindex des Statistikamts auf 54,2 Punkte, den dritten Monat in Folge rückläufig, nach einem Hoch von 63,9 im März. Der Abwerkpreisindex fiel dagegen erstmals seit sechs Monaten unter die Wachstumsschwelle, auf 48,2 Punkte, ein erstes Anzeichen für Margendruck bei chinesischen Herstellern. Im nicht verarbeitenden Sektor sank der Wert um 2,5 Punkte auf 49,7 und fiel damit erstmals seit längerer Zeit unter die Wachstumsschwelle. S&P/RatingDog meldete dagegen den zwölften Anstieg der Inputpreise in Folge, die längste Phase steigender Beschaffungskosten seit der ersten Jahreshälfte 2022. Gleichzeitig verlangsamte sich der Preisauftrieb und fiel so schwach aus wie zuletzt im Januar.
Wirtschaftliches Wachstum ohne Breite
Unter dem Strich bestätigen beide Einkaufsmanagerindizes eine Industrieentwicklung, die sich zwar insgesamt oberhalb der Wachstumsschwelle stabilisiert, in ihrer Zusammensetzung jedoch zunehmend auseinanderläuft. Während technologieintensive Branchen sowie größere, häufig staatsnahe Unternehmen die Produktion weiter stützen, bleibt die Lage kleiner Unternehmen angespannt, zumal deren Aktivität im S&P/RatingDog-Panel bereits den dritten Monat in Folge ohne Gegenbewegung nachlässt.
Damit verschiebt sich auch das wirtschaftspolitische Problem. Die Industrie wächst wieder, doch die entscheidende Frage lautet zunehmend nicht mehr, ob produziert wird, sondern wer vom Wachstum profitiert. Die PMI-Daten legen nahe, dass sich die Erholung bislang auf wenige Bereiche konzentriert und in der Breite der Wirtschaft noch nicht angekommen ist.
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