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Exportiert Deutschland zu viele Autos? Nein – zu viel Kapital!

Ist der deutsche Handelsbilanzüberschuss das Problem, wie Donald Trump moniert? Exportiert Deutschland zu viele Autos in die USA? Nicht wirklich: der eigentliche Exportschlager Deutschlands heißt: Kapital. Und damit ermöglicht Deutschland den Amerikanern ein Leben über ihre Verhältnisse!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Kurz nachdem sich die G7-Staatschefs getroffen hatten und Donald Trump dabei wie ein Fremder gegenüber den anderen Staatsvertretern erschienen war, sagte Kanzlerin Merkel in einer viel beachteten Bierzelt-Rede, dass man sich auf die USA nicht mehr wie früher verlassen könne. Darauf reagierte Donald Trump mit diesem Tweet am 30.Mai, der seine schon häufig geäußerten Vorwürfe gegen Deutschland auf den Punkt brachte:

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Der starke Handelsbilanzüberschuss Deutschlands also – zuvor hatte Trump sich mokiert, dass man in den USA sehr viele deutsche Autos sehe, in Deutschland aber praktisch keine amerikanischen.

Aber ist das wirkliche Problem, dass die Deutschen etwa zu viele Autos exportieren? Nicht ganz zu Unrecht heißt es hierzulande fast unisono: sollen wir etwa schlechtere Autos bauen? Können wir etwas dafür, dass die Qualität unserer Produkte so gut ist, dass man sie uns gewissermaßen aus den Händen reißt?

Das eigentliche Problem lieg daher nicht bei Exportschlagern wie deutschen Autos, sondern an dem, was Deutschland hauptsächlich exportiert: Kapital. Da Deutschland viel weniger im Ausland einkauft als es ins Ausland an Gütern oder Dienstleistungen verkauft, wird die Lücke gleichsam geschlossen, in dem Deutschland Kapital exportiert. Faktisch bedeutet das: Deutschland kauft in großem Maßstab die Schulden der Anderen! Nach Japan und knapp hinter China ist Deutschland der drittgrößte Kapitalexporteur der Welt – die Deutschen finanzieren also ein Stück weit den Wohlstand bzw. das Leben der Anderen, machen es überhaupt erst finanzierbar.

Einer der Gründe für den Kapitalexport der Deutschen liegt auf der Hand: da es in der Eurozone praktisch keine Zinsen mehr gibt, versuchen deutsche Pensionskassen und andere Geldverwalter das Geld der Kunden dort anzulegen, wo es noch Renditen (Zinsen) gibt. Der zweite Grund ist die sprichwörtliche Sparsamkeit der Deutsche: man konsumiert nicht, sondern legt das Geld auf die hohe Kante (Konto, Sparbuch etc.), von wo es gewissermaßen exportiert wird als Anlage außerhalb Deutschlands.

Im letzten Jahr etwa hatte Deutschland einen Handelsbilanzüberschuss von 261 Milliarden Euro, wovon faktisch dann ca. 230 Milliarden Euro als exportiertes deutsches Kapital ins Ausland wieder zurück wanderten.

Und, das sollte man vielleicht auch Herrn Trump einmal mitteilen: das deutsche Kapital floss nicht ganz unwesentlich in die USA, im Vorjahr alleine über 60 Milliarden Euro. Diese Gelder flossen etwa zu 50% in amerikanische Aktien – der auch durch deutsches Geld ermöglichte Anstieg der Aktienmärkte hat viele Amerikaner reicher gemacht hat, als sie es vorher waren. Mithilfe deutschen Kapitals wurden in den USA Firmen aufgebaut, die dazu beitrugen, dass Amerikaner Jobs erhielten und damit auch dazu beitrugen, dass, wie Trumps Slogan lautet, America wieder „great again“ werden kann. Mithilfe des deutschen Kapitalexports können die USA sich faktisch weiter verschulden und damit die Amerikaner eigentlich über ihre Verhältnisse leben!


Make America covfefe again!
Foto: Gage Skidmore; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Das heißt aber auch: mithilfe deutschen Kapitals werden Blasen wie die US-Autokredite oder die US-Studentenkredite finanziert. Damit trägt Deutschland ein gewisses Risiko: was, wenn die Schuldner nicht ihre Schulden zurück zahlen? So etwa in der Finanzkrise, als vor allem deutsche Investoren wie die deutschen Landesbanken massive Verluste erlitten, als die amerikanische Immobilienblase platzte.

Es wird Zeit, Donald Trump diese Zusammenhänge einmal zu erklären: dass also deutsches Kapital stark dazu beiträgt, Jobs und Schulden in den USA zu finanzieren. Aber vermutlich reicht der – vorsichtig formuliert – eher begrenzte intellektuelle Horizont Trumps nicht aus, um diese Zusammenhänge zu durchdringen. Aber der eine oder andere Wirtschafts-Berater Trumps sollte dazu eigentlich durchaus in der Lage sein..

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    9. Juni 2017 17:59 at 17:59

    „Das heißt aber auch: mithilfe deutschen Kapitals werden Blasen wie die US-Autokredite oder die US-Studentenkredite finanziert. Damit trägt Deutschland ein gewisses Risiko: was, wenn die Schuldner nicht ihre Schulden zurück zahlen? So etwa in der Finanzkrise, als vor allem deutsche Investoren wie die deutschen Landesbanken massive Verluste erlitten, als die amerikanische Immobilienblase platzte.“

    Alles richtig, trotzdem waren es die Amis, die mit ihren sogenannten „ABS-Securities“ den Markt kurz vor den Abgrund trieben, nebst Lehman als Folge, und sowas ist niemals die „deutsche Mentalität“.
    Immbollienboom ? Nö.
    Aktien als Altersanlage ? Nö.

    Man sollte trotzdem eins bedenken, wir Deutschen profitieren vom EUR.
    Warum ? Weil wir (als Staat) uns hinter dem EUR verstecken können, das können gewisse andere Kandidaten nicht.
    Allein das : ein 80 Mio Einwohner-Staat, lässt die Amis ziemlich, ziemlich alt aussehen… Da nützt Google & Co überhaupt nix…

    Wie sagte der Gabriel : Baut bessere Autos, liebe Amis… !
    Wieso sollten wir schlechter werden ?

    The Germans are very bad…

    • Avatar

      Wolfgang M.

      9. Juni 2017 18:57 at 18:57

      Das ist der kleine Haken in Markus F. Bericht. Wir haben die ABS in D nur deshalb gekauft, weil u.a. sie mit Autokrediten gebündelt waren und von den Kreditagenturen mit triple A bewertet wurden. Von dem Betrug redet keiner mehr. Gruß

  2. Avatar

    leo

    9. Juni 2017 18:52 at 18:52

    Ronald Reagans System war genial .Durch die Kapitalströme baute er
    die Gesellschaften erst auf und stärkte die westliche Welt. Militärisch war er
    der Ober King.Im Moment sehe ich kein Ganzeinheitliches System was funktioniert.
    Die Zentralbanken haben vielleicht ein QE was hilft aber mehr auch nicht.
    Ausdruck dieser Führungsschwäche sind die nationalistichen Bestrebungen.
    Trump könnte einen Plan haben. Seine Ansätze sind nicht falsch,werden aber
    nicht Mehrheitsfähig sein.

  3. Avatar

    Mann

    9. Juni 2017 18:58 at 18:58

    Haben Sie über Ahnung über deutsche Qualität mfG ein deutscher Verbraucher

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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