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Extreme Erdgas-Vola killt US-Options-Anbieter und seine Kundenkonten

Sind Sie vertraut mit dem „Schreiben von Optionen“? So bezeichnet man es, wenn man als Anleger zum Verkäufer von Optionen wird. Denn wenn es Trader gibt, die Optionen kaufen, muss es beim Eröffnen einer Position auch Verkäufer geben, die eine Position eröffnen.

Was ist der Grund um Optionen zu schreiben (verkaufen)? Der Verkäufer streicht die Optionsprämie ein, die der Käufer zahlt. Diese Prämie ist sozusagen die Rendite des Verkäufers. Einfach verdientes Geld, mag man meinen. Da ist nur ein Problem: Während der Käufer der Option ein Recht erwirbt, geht der Verkäufer der Option die Verpflichtung ein, dass er dem „Wunsch“ des Optionskäufers nachkommt, wenn die Optionsbedingungen es dem Käufer gestatten, die Option auch auszuüben.

Egal ob Optionen auf Aktien, Devisen, Indizes oder Rohstoffe. Es ist immer das selbe. Bleiben wir mal bei einer Kaufoption. Erwirbt der Käufer eine Kaufoption für eine bestimmte Ware für einen Preis von 60 Dollar (Basispreis), dann hat er das Recht sie für 60 Dollar vom Verkäufer der Option zu erwerben. Nur macht diese Optionsausübung nur Sinn, wenn der Preis an der Börse über 60 Dollar notiert. Dann erhält der Optionskäufer seinen Wert für 60, und kann ihn sofort an der Börse teurer verkaufen.

Die Differenz verliert der Schreiber der Option, denn er muss den Wert teuer an der Börse kaufen, um ihn dann für garantierte 60 an den Käufer zu übergeben. Diese Überschreitung des Basiswerts nennt man „ins Geld kommen“. Ab dieser Schwelle macht die Ausübung der Option einen Sinn. Damit der Schreiber der Option nicht in Anspruch genommen wird, wählen Profi-Verkäufer in der Regel Options-Basispreise, die weit weg vom Geld sind. Ist der Wert an der Börse bei 60, wählen sie zum Beispiel Basispreise bei 90 oder 100. Dann erhalten sie zwar nur sehr kleine Prämien-Erlöse, aber ihr Risiko einer Ausübung ist auch gering.

Dieser Methode bediente sich auch die Firma „Optionsellers“ in den USA. Der Name der Firma ist Programm. Sie bot Kunden an ab 250.000 Dollar Einlage Konten zu eröffnen, die dann von der Firma gemanagt wurden. Wie sich für die Öffentlichkeit nun zeigt, war man offensichtlich massiv in Optionen auf Erdgas investiert, als Schreiber von Optionen. Nun gab es in letzter Zeit gigantische Preisveränderungen im Erdgas-Future, und das in sehr kurzen Zeitintervallen. Letzte Woche zeigte Erdgas beispielsweise seinen größten prozentualen Tagesanstieg seit acht Jahren, nur um kurz danach den stärksten Verlusttag seit 15 Jahren hinzulegen. Ein Wahnsinn!

Man darf davon ausgehen, dass der Börsenpreis im Erdgas die betroffenen Optionen ins Geld brachte, wodurch gigantische Verluste für die Schreiber von Optionen entstanden. Und so hat der abwickelnde US-Broker „FC Stone“ die Positionen von „Optionsellers“ zwangsliquidiert. Offenbar waren die Bewegungen derart schnell, dass nicht nur die Kundenkonten auf Null fielen – sie landeten offenbar sogar in der Nachschusspflicht. Der Broker wird sich also an die Kunden wenden, damit sie zum ihrem Totalverlust noch Geld oben drauf nachzahlen müssen.

Die Firma soll angeblich Kundeneinlagen im Volumen von 150 Millionen Dollar verwaltet haben. In den folgenden Videos zeigen wir einmal einen deutschen Optionsexperten, der sich auch mit diesem aktuellen Fall beschäftigt. Und darunter zeigen wir Ihnen ein aktuelles Video des Chefs von „Optionsellers“ James Cordier, der zu Kreuze kriecht und sich bei den Kunden für den Totalverlust entschuldigt. Ist die Konstruktion eines „Familien-Klimas“ im Video seine Masche um Mitleid für sich zu erzeugen, genau wie die weinerlichen Schübe im Video? Ansichtssache!

Es gibt eine sichere Methode, wie man als Schreiber/Verkäufer von Optionen sein Risiko begrenzt. Man muss nämlich lediglich den Basiswert besitzen, auf welchen man Optionen verkauft. Nehmen wir mal an Sie besitzen jede Menge BASF-Aktien (aktueller Kurs 67,50 Euro), und verkaufen Optionen mit Basiswert 80. Nun läuft der Kurs auf 85 Euro, und der Optionskäufer nimmt sein Recht in Anspruch die Aktie von ihnen für 80 zu kaufen. Sie verkaufen die Aktie aus ihrem Depot für 80.

Ihr Verlust zum aktuellen Börsenpreis liegt zwar bei 5 Euro. Aber sie haben kein unbegrenztes Verlustrisiko wie ein Options-Schreiber, der die Aktie nicht im Depot hat. Das Thema „Schreiben von Optionen“ ist hochinteressant und umfangreich. Diese Beispiele sollten nur dazu helfen einen kurzen Einblick in die Materie zu erhalten, und wie risikoreich es sein kann sie zu schreiben, wenn man den Basiswert nicht besitzt.

Erdgas-Vola killt Optionsanbieter - Beispielfoto für Börsenhandel
Beispielbild von aktivem Börsenhandel. Foto: Andyhill8/Wikipedia / Gemeinfrei



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