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EZB-Aufkauf von Unternehmensanleihen: Das sind die Details

Redaktion

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FMW-Redaktion

Am 10. März verkündete die EZB sie werde nach Staatsanleihen nun auch ab Juni Unternehmensanleihen in der Eurozone aufkaufen, und zwar nur solche mit einer guten Kreditwürdigkeit des Emittenten (Investment Grade). Im Rahmen der gestrigen EZB-Sitzung verkündete man weitere Details.

Draghi Unternehmensanleihen
EZB-Chef Mario Draghi. Foto: EZB

Ab Juni beginnt man mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen. Teilnehmen werden nur 6 Notenbanken des Eurosystems, darunter Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Finnland. Diese nationalen Notenbanken werden die Käufe selbst in ihren Ländern durchführen, und die EZB wird die Koordinierung vornehmen. Offen bleibt hier die Frage: Wurde die Bundesbank mit ihrem Chef Jens Weidmann irgendwie dazu genötigt dabei mitzumachen? Denn er ist ja öffentlich der Kritiker Nr. 1, wenn es um die geldpolitische Expansion der EZB geht! Man will nur Anleihen von Unternehmen aufkaufen, die selbst keine Banken sind. Warum? Diese Maßnahme ist logisch, denn man hat ja schon lange genug versucht den Geldkreislauf in der Eurozone anzuregen, in dem man Banken Geld zuführt, z.B. über QE´s – bislang ohne Erfolg. Also setzt man jetzt auf die Realwirtschaft.

Hochinteressant: Anders als bei Staatsanleihen hat die EZB gestern verkündet Unternehmensanleihen auch am Primärmarkt kaufen zu wollen. Das heißt direkt bei der Erstauktion der Anleihen direkt vom Emittenten werden die Notenbanken die Anleihen aufkaufen. Private Aufkäufer werden also von Anfang an aus dem Markt für hochwertige Anleihen gekegelt. Die EZB betont, dass man darauf achten wird, dass es definitiv keine Anleihen sind, die irgendwie mit dem Staat in Zusammenhang gebracht werden. Hätte man bei Staatsanleihen im Zuge seines Anleihekaufprogramms schon in der Erstauktion (Primärmarkt) gekauft, wäre es eine offizielle und direkte Staatsfinanzierung gewesen. Bei Unternehmensanleihen spielt dieser Aspekt ja keine Rolle.

Die Anleihen müssen in der Eurozone und in Euro als Währung emittiert werden. Die EZB orientiert sich bei der Auswahl der Anleihen an Ratings von Agenturen. Die Laufzeiten können von 6 Monaten bis zu 30 Jahren betragen. Dann werden sie also extrem lange in den Büchern der EZB stehen. Denn vermutlich wird die EZB sie dort wie ihre aufgekauften Staatsanleihen bis zum offiziellen Auslaufen liegen lassen. Die EZB weist auch darauf hin, dass der Emittent, der zum Aufkauf durch die EZB und ihren Notenbanken in Frage kommt, seinen Firmensitz in der Eurozone haben muss. Es sei aber möglich, dass die letztliche Konzernmutter außerhalb der Eurozone sitze – auch dann sei der Aufkauf dieser Anleihen möglich, solange die Tochter ihren Sitz in der Eurozone habe. Das heißt im Klartext: Nach Cash hungrige US-Konzerne könnten ab Juni vermehrt große Volumen an Anleihen in der Eurozone emittieren, weil sie wissen, dass die EZB jede Menge Hunger danach hat. Man emittiert die Anleihen dann einfach über die z.B. in Deutschland oder Frankreich vorhandenen Tochtergesellschaften. Ob das Geld dann in Europa verbleibt oder nicht tatsächlich in den USA „weiter arbeitet“? Wer prüft das schon nach…

Pro Anleiheemission will die EZB mit ihren Notenbanken maximal 70% des Volumens aufkaufen. Man will also so tun, als beeinflusse man den privaten Anleihemarkt nicht all zu sehr… (lach…). Das Volumen der Aufkäufe von Unternehmensanleihen will die EZB wöchentlich und monatlich veröffentlichen. Daraus soll auch zu erkennen sein, wie viel davon in der Erstauktion (Primärmarkt) und wie viel am frei gehandelten Anleihemarkt (Sekundärmarkt) aufgekauft wurde. Das wird auch interessant zu sehen sein.

Also, die Tafel ist gedeckt, eine neue Runde der EZB-Geldpolitik kann ab Juni beginnen. Funktioniert auch das nicht, folgt dann vielleicht ab 2017 der Aufkauf von Aktien aus der Eurozone? Natürlich nur von „hochwertigen“ Aktien!?

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Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

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