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Vorbereitung auf den Abschwung EZB: Risikomanagement der Banken immer noch unzureichend

Die EZB sieht immer noch ein unzureichendes Risikomanagement bei europäischen Banken. Es drohen weitere Prüfungen und höhere Anforderungen.

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Vor zwei Wochen wurde die Deutsche Bank mit höheren Kapitalanforderungen belegt, weil sie Warnungen ignoriert hatte. Bankchef Christian Sewing zeigte sich jüngst genervt über die Einmischungen der Bankenaufseher. Aber die Europäische Zentralbank (EZB) lässt nicht locker. Heute bemängelt sie laut Bloomberg bei den Banken der Eurozone ein nach wie vor unzureichendes Risikomanagement bei der Kreditvergabe, und unterstreicht erneut das Potenzial für Verluste im Zuge der erwarteten Rezession,

In ihrer jährlichen Einschätzung der Bankenrisiken stellte die EZB fest, dass die Risikosteuerung bei der Kreditvergabe und -überwachung sowie die Einstufung von notleidenden Kreditnehmern und die Bildung von Risikovorsorgen weiterhin zu wünschen übrig lassen. Das Aufsichtsgremium der EZB mahnt die Banken schon länger an, sich auf eine Welle von Kreditausfällen vorzubereiten und drängt die Branche dazu, finanzielle Reserven für einen Abschwung vorzuhalten — was bedeuten könnte, dass einige Banken ihre Ausschüttungspläne zurückfahren müssen.

Bloomberg berichtete etwa am Freitag, dass die EZB die Kapitalanforderungen für die italienische Großbank UniCredit wegen ihres Russland-Engagements und der Präsenz in besonders von russischem Gas abhängigen Märkten wie Italien, Deutschland und Österreich womöglich erhöhen wird. Die UniCredit bestätigte, dass ihre Anforderungen “minimal steigen” könnten, sagte jedoch, dass dies keine Auswirkungen auf ihre Ziele für 2022 und künftige Ausschüttungen haben werde.

In einem Dokument, das die Prioritäten der EZB für die kommenden drei Jahre darlegt, erklärte die Aufsicht, dass sie verschiedene Aspekte des Kreditrisikos unter die Lupe nehmen wird. Dazu gehört die Behandlung von Krediten, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass die Kreditnehmer “unter Berücksichtigung des aktuellen makrofinanziellen Umfelds” ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen werden.

Die EZB wird auch bei Banken genauer hinschauen, um Geschäfte mit Energie- und Rohstoffhandelsunternehmen zu prüfen, sowie große Portfolios in bestimmten “anfälligen” Branchen. Damit will sie sicherzustellen, dass die Geldhäuser über angemessene interne Ratings, Rechnungslegung und Risikomanagement verfügen, so die Aufsichtsbehörde heute.

FMW/Bloomberg



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