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EZB-Bazooka: Vielleicht gut gemeint, verschärft sie aber diese Probleme

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die EZB-Bazooka hat gestern den Markt überrollt. Neue Marktverzerrungen werden geschaffen und bestehende Probleme werden verschärft. Die EZB gibt nochmal volle Pulle, und sie selbst scheint die von außen herangetragene Kritik nur halbherzig ernst zu nehmen. Hier die wichtigsten Punkte.

EZB Draghi 1
EZB-Chef Mario Draghi gestern bei der PK in Frankfurt. Foto: EZB

Die EZB wollte wohl zum Ausdruck bringen, dass sie sich bewusst ist, dass es durchaus möglicherweise eventuell ein Problem bei den Banken in der Eurozone gibt. Immer niedrigere Zinsen bringen eine immer niedrigere Zinsmarge und schwerwiegende Verzerrungen mit sich. Der Bundesverband deutscher Banken brachte es gestern in einer Stellungnahme nach der EZB-Entscheidung folgendermaßen auf den Punkt unter dem Titel „EZB-Zinsentscheid: Dosis und Dauer machen das Gift“:

„Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat. Die Notenbank überzeichnet die Deflationsrisiken“, so Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Aktuell präge vor allem der Ölpreis die Teuerungsrate. Doch der Ölpreis ist im vergangenen Jahr nicht nur um 60 Prozent gesunken, sondern in den letzten vier Wochen auch schon wieder um 40 Prozent gestiegen. Schlimmer noch sei, dass bereits vor der heutigen Entscheidung negative Zinsen die Ertragslage der Banken und damit deren längerfristige Kreditvergabemöglichkeiten beeinträchtigen. Zudem seien an einigen Anleihemärkten durch die EZB-Käufe Verspannungen und unrealistisch verzerrte Risikopreise zu beobachten. Auch haben Nicht-Euro-Länder reagiert und mit ihrer Geldpolitik gegengesteuert. Kemmer bekräftigt: „Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt. Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt!“

Zinsen und Banken

Denn was war genau passiert? So wie der Markt es in diesem Detail erwartet hatte, wurde der Einlagenzinssatz für Geld, das Banken bei der EZB hinterlegen, von -0,3% auf -0,4% gesenkt. Damit wird der Druck auf die Banken noch viel größer diese Negativzinsen an ihre Endkunden (den Kleinsparer) weiterzureichen. Wie die Banken über ihren Bankenverband selbst vorgestern noch betonten, können sie aufgrund eines breiten Wettbewerbs für Sparbücher nicht mal eben so Negativzinsen einführen. Obwohl wir relativ wenig Mitleid mit Banken haben, besteht dennoch das reale Problem, dass gerade die kleinsten Banken und Sparkassen letztlich gezwungen sind diese ausfallende Zinsmarge, von der sie eigentlich ihre Mitarbeiter und sonstigen Kosten bezahlen müssen, anderweitig zu kompensieren versuchen.

Und genau dieser Prozess ist gerade in vollem Gange. Sparkassen fusionieren, wodurch Filialen gerade in kleinen Städten und Dörfern geschlossen werden. In vielen Ortschaften fällt dadurch die einzige Bankfiliale weg, was gerade für ältere Menschen ein ganz reales Problem darstellt. Pro Kunden werden durch Entlassungen und das Nicht-Besetzen von Stellen immer weniger Berater zur Verfügung stehen – die Beratungsqualität kann also gar nicht besser werden! Und die Banken sind fast genötigt dem Kunden Produkte anzupreisen, bei denen die Bank möglichst hohe Provisionen einstreicht. Da wären z.B. geschlossene Fonds und Dachfonds, wo der Anleger von außen gar nicht wirklich erkennen kann, welche Gebührenlawine verdeckt belastet wird.

Aber die EZB glaubt ein Instrument gefunden zu haben um den armen Banken zu helfen, die unter diesem verstärkten Negativzins leiden. Sie möchte ja mit all ihren Aktivitäten ja erreichen, dass die Banken ihre Liquidität endlich als Kredite an Konsumenten und Unternehmen herausreichen, damit die Wirtschaftsleistung anspringt. Also hat die EZB gestern parallel zur weiteren Absenkung der Negativzinsen folgende Idee ersonnen: Ab Juni 2016 können sich Banken bei der EZB für Laufzeiten von vier Jahren umsonst Geld leihen (technische Bezeichung GLRG II). Der Kniff dabei: Die EZB will das mögliche Volumen der Kredite daran koppeln, wie viel Kredite die jeweilige Bank denn an ihre Kunden herausreicht. Je aktiver sie dabei ist, desto mehr Kredit kann sie wiederum bei der EZB umsonst erhalten. Erreicht die Bank eine bestimmte Schwelle an von ihr herausgegebenen Krediten, geht der Zinsatz, den sie der EZB für GLRG II zahlen muss, schrittweise unter 0% bis auf das Niveau der Negativzinsen (-0,4%).

Das Funktionieren dieses Instruments basiert auf der Annahme, dass die Banken erstens wirklich genug Kreditkunden haben, denen sie überhaupt Kredite anbieten wollen und denen sie als Schuldner vertrauen, und zweitens dass es genug Kreditnachfrage gibt. Ein Unternehmer z.B. in Italien oder Frankreich, der keine Nachfrage für seine Produkte hat, wird auch keine Notwendigkeit sehen nur als Selbstzweck Kredite aufzunehmen, nur weil die EZB dies gerne so hätte. Von der Grundidee her ist die Idee der EZB nett gemeint, aber schon die bisherige Kreditnachfrage und das mangelnde Vertrauen der Banken in die Solvenz vieler Schuldner zeigen, dass diese Idee mit großer Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt ist. Außerdem wirken ja die Negativzinsen diesem Effekt mehr als entgegen. Und wie auch immer, die Kleinsparer zahlen den Preis für diese Politik ja eh! Hört endlich auf über eure Altersvorsorge rumzujammern, plündert euer Sparbuch und kauft euch doch mal ein schönes neues Auto oder einen Fernseher, so lautet wohl die Parole von Mario Draghi an die Sparbuch-Besitzer in der Eurozone.

Unternehmensanleihen

Gestern hatten wir dieses Thema bereits angesprochen. Wir möchten es hier und jetzt aber trotzdem nochmal kurz aufnehmen, da es zu wichtig ist! Die Tatsache, dass die EZB jetzt auch anfängt Unternehmensanleihen aufzukaufen, findet in der Wirtschaftspresse von heute früh überhaupt nicht statt, nur als Nebensatz in der Aufzählung der gestrigen EZB-Beschlüsse. Die Tragweite dieses Beschlusses ist jetzt noch kaum zu erkennen. Es wird aber zu einem massiven Eingriff in den privatwirtschaftlichen Kapitalmarkt führen, denn bisher war dieser Eingriff in den Anleihemarkt durch die EZB ja nur auf öffentliche Anleihen beschränkt. In ein paar Jahren werden sich Presse und Verbraucherschützer wundern, wie es passieren konnte, dass diese und jene Firma überhaupt Anleihen platzieren konnte. Wie konnte es sein, dass so eine Firma mit so einer Schrott-Bilanz und so einem kaputten Geschäftsmodell Platz am Anleihemarkt gefunden hat… ?

Immobilienblase

Ach ja, und die Immobilienblase wird durch diese EZB-Politik noch weiter befeuert. Was machen „die Leute da draußen“? Nein, sie gehorchen nicht der EZB – sie kaufen zwar auch hier und da mehr Fernseher und Autos, aber im großen Stil kauft der Deutsche zunehmend Immobilien – nicht nur, weil das Geld billig ist, sondern weil das Vertrauen in Institutionen wie die EZB schwindet. Es ist insgesamt gesehen ein allgemeiner Vertrauensverlust, welche Geldanlage oder welche Assets noch einen Wert darstellen. Da geht man auf Nummer sicher und kauft Immobilien. Die Preise sind jetzt schon ganz oben, werden aber wohl weiter steigen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Uwe L

    11. März 2016 17:56 at 17:56

    ECB ist eine Bank und wird von ehemaligen Bankern (u.a. goldene Trojaner) gelenkt und hat wie weltweit praktiziert nur die Aufgabe das parasitäre Finanzverschuldungssystem der Großbanken, Schattenbanken etc. zu retten/zu verlängern, am Besten endlos, um ihr fast leistungsloses Einkommen mit der Verschuldung der Staaten, Firmen und Bürger aufrecht zu erhalten. Es müssen immer neue Verschuldungsopfer gefunden werden um das System am Laufen zu halten, Köder sinkende Zinsen.
    Das ist die simple Wahrheit dahinter, genauso wie der Vorwand Terrorbekämpfung nicht dieser dient sondern der Totalkontrolle der eigenen Bürger.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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