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EZB-Chefin Lagarde warnt die Politik – hört jemand zu?

Claudio Kummerfeld

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am

Ja, ist schon klar. Auch Mario Draghi warnte schon. Aber Christine Lagarde als neue Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint zumindest mit ihren Worten etwas mehr Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Die Warnung wirkt eindeutiger und lauter! Die Frage ist nur: Hört die Politik in Brüssel, Berlin, Paris, Rom usw überhaupt zu? Und will sie überhaupt zuhören? Aber zur Sache. Heute sprach Christine Lagarde vor dem EU-Parlament. Teil der Rede war auch die Geldpolitik.

Wir alle kennen es. Die EZB lobt sich gerne selbst. So auch heute. Man habe mit seinen Maßnahmen (Zinsen abschaffen, Geld drucken) die Wirtschaft in Euroland kräftig angekurbelt. Mit 7,4% Arbeitslosenquote sei diese aktuell sogar so tief wie seit 2008, so Lagarde (hier finden Sie den ganzen Redetext). Schon am Freitag gab es einen Appell von Frau Lagarde vor einem Ausschuss des EU-Parlaments. Und heute dann die Rede direkt im Parlament.

Die Geldpolitik der EZB (Zinsen, Anleihekäufe, Banken Liquidität zur Verfügung stellen) könne nicht und solle auch nicht die einzige Maßnahme sein (unsere Anmerkung: um die Konjunktur in der Eurozone zu stützen). Je länger die Maßnahmen der EZB laufen würden, desto größer sei die Gefahr, dass sich die Nebenwirkungen stärker bemerkbar machen, so Lagarde. Man sei sich bei der EZB voll und ganz bewusst, dass das Niedrigzinsumfeld Auswirkungen auf die Sparerträge, die Bewertung von Vermögenswerten, die Risikobereitschaft und die Immobilienpreise habe. Und man beobachte mögliche negative Nebenwirkungen genau, um sicherzustellen, dass sie die positiven Auswirkungen der EZB-Politik auf die Kreditbedingungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Lohneinkommen nicht überwiegen würden.

Das macht (so meine wir) einmal mehr klar: Die EZB weiß ganz genau, dass sie in Wirklichkeit als Wirtschaftsregierung in Europa agiert, weil die nationalen Regierungen einfach nicht zu Potte kommen. Man verpackt das alles als Geldpolitik um angeblich die Preise stabil zu halten. Aber es ist nun mal zu offensichtlich. Man möchte erreichen, dass die nationalen Regierungen mit ihren Maßnahmen (mehr Investitionen, Wirtschaftsförderung etc) die Konjunktur zusätzlich ankurbelt, damit die EZB entlastet wird. Und damit die EZB eines Tages auch mal wieder ihre Geldpolitik ändern kann? Hier Frau Lagarde auszugsweise im Wortlaut:

But monetary policy cannot, and should not, be the only game in town. The longer our accommodative measures remain in place, the greater the risk that side effects will become more pronounced. We are fully aware that the low interest rate environment has a bearing on savings income, asset valuation, risk-taking and house prices. And we are closely monitoring possible negative side effects to ensure they do not outweigh the positive impact of our measures on credit conditions, job creation and wage income. Such reflections played a role, for example, when the Governing Council decided to introduce a new regime for remunerating the excess reserves held by banks with the Eurosystem.

Other policy areas – notably fiscal and structural polices – also have to play their part. These policies can boost productivity growth and lift growth potential, thereby underpinning the effectiveness of our measures. Indeed, when interest rates are low, fiscal policy can be highly effective: it can support euro area growth momentum, which in turn intensifies price pressures and eventually leads to higher interest rates. The European Green Deal and national initiatives to finance the ecological transition could add to these dynamics by contributing to stronger and more sustainable growth.

EZB-Zentrale in Frankfurt - Lagarde sprach heute vor EU-Parlament
Die EZB-Zentrale in Frankfurt.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Lesen Sie die Info

    12. Februar 2020 09:36 at 09:36

    Erklären Sie mir mal folgendes: Das da – das ist keine Bank im eigentlichen Sinne, das ist eine polisch-staatliche Behörde, die ganze Länder (Länder in der Eurozone) plätten kann. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass eine solche Waffe mit so einer Maus besetzt wurde. Die Schals sind hübsch, im Gegensatz zu der Frau, die sie trägt. Und dann bleibt immer noch die Frage nach Ihrer Kompetenz und diesem Prozess (Amtsmissbrauch oder Korruption – das soll es in der Froschkultur oft geben, denn dort ist alles Staat und Beamtenapparat). Offenbar arbeitet dort niemand- oder nur die Dummen. Durch diese Niedrigzinspolitik entschulden sich Dritte-Welt-Länder wie Frankpfeife, Italien und Spanien. Gut, ich habe auch keine bessere Idee. Aber: Brauchen wir den Euro denn überhaupt? und dann: Ja, ist die Froschfrau überehaupt kompetent, und warum musste sie Washington verlassen? korruption? Amtsmissbrauch? Das fragen wir uns. Und sich einzuschmeicheln, indem man – auf unsere Kosten – Deutsch lernt – das geht absolut daneben. Schön, dass der Frosch so viel Zeit zum lernen hat – und zum Tanzen, zum Ausgehen , etc. Das ist doch hübsch. Wir als Leistungsträger arbeiten.Das kennt man bei den Fröschen nicht. Ich hier in Frankfurt frage mich- was hatte die Tante mit der Deportation der Juden zu tun? Ist die Familie deshalb so reich? Es gibt einen Lagarde… googeln Sie mal

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

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am

Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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