Allgemein

Energiepreise sorgen für neue Risiken EZB-Chefin Lagarde will Inflation bremsen – notfalls mit Zinsen

EZB-Chefin Lagarde will Inflation bremsen – notfalls mit Zinsen
EZB-Präsidentin Christine Lagarde beim Internationalen Frauentag 2026 in Frankfurt. Foto: Alex Kraus/Bloomberg

Die Sorge vor erneut anziehender Inflation wächst in Europa. Steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen könnten die Teuerung weiter anheizen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont jedoch, dass die Eurozone heute widerstandsfähiger ist als noch nach Russlands Angriff auf die Ukraine. Die EZB will daher verhindern, dass Inflation und steigende Energiepreise die Wirtschaft erneut belasten – notfalls auch durch höhere Zinsen.

Inflation könnte Zinsen antreiben

Wie Bloomberg berichtet, wird die Europäische Zentralbank laut Präsidentin Christine Lagarde verhindern, dass der Krieg im Iran eine ähnliche Inflationswelle in der Eurozone auslöst wie der russische Angriff auf die Ukraine.

„Wir befinden uns in einer anderen wirtschaftlichen Situation. Sie ist besser, und wir verfügen über eine größere Fähigkeit, Schocks zu absorbieren“, erklärte Lagarde am Dienstag im Interview mit dem französischen Sender France 2.

„Wir werden alles Notwendige tun, um sicherzustellen, dass die Inflation unter Kontrolle bleibt und dass die Menschen in Frankreich und Europa nicht erneut die starken Preissteigerungen erleben müssen, wie wir sie 2022 und 2023 gesehen haben.“

Die Entwicklungen an den Energiemärkten haben jedoch erneut Sorgen ausgelöst, dass die Inflation — die zuletzt das Ziel der EZB von zwei Prozent erreicht hatte — wieder anziehen könnte. Ein solcher Anstieg könnte wiederum neue Zinserhöhungen notwendig machen.

EZB: Lagarde sieht Euroraum gewappnet gegen Inflation - notfalls mit höhern Zinsen
Inflation in der Eurozone wieder bei 2 % Zielwert

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar haben Händler ihre Wetten auf eine straffere Geldpolitik deutlich ausgeweitet. Zwischenzeitlich hatten die Märkte zwei Zinsschritte von jeweils 0,25 Prozentpunkten beim EZB-Einlagensatz für dieses Jahr eingepreist.

Nachdem jedoch US-Präsident Donald Trump in dieser Woche signalisierte, dass der Iran-Konflikt möglicherweise bald enden könnte, wurden diese Erwartungen wieder reduziert. Aktuell rechnen Händler mit weniger als einer Zinserhöhung im Laufe des Jahres.

Unsicherheit prägt Geldpolitik

Die Währungshüter der EZB haben zuletzt mehrfach betont, dass sie flexibel auf neue Entwicklungen reagieren wollen. Gleichzeitig signalisierten sie, dass derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit besteht, die Zinsen kurzfristig zu verändern.

„Im Moment gibt es so viel Unsicherheit, dass ich nicht genau sagen kann, welche Entscheidung wir bei der geldpolitischen Sitzung am 18. und 19. März treffen werden“, sagte Lagarde.

„Wir werden keine überstürzte Entscheidung treffen, weil es zu viel Unsicherheit und zu viel Volatilität gibt.“

Die starken Marktbewegungen dieser Woche zeigen deutlich, wie unberechenbar die Lage derzeit ist. Ölpreise schossen am Montag in den ersten Handelsstunden bei hohen Umsätzen auf fast 120 Dollar pro Barrel — ein Niveau, das zuletzt Mitte 2022 erreicht wurde.

Doch kurz darauf änderte sich die Marktstimmung abrupt, und Händler mussten ihre Positionen drastisch anpassen.

„Wir erleben ein Maß an Unsicherheit und Volatilität, das absolut überraschend ist und kein direktes Pendant zu 2022 hat“, sagte Lagarde. Dies mache das Management der Situation deutlich schwieriger.

EZB prüft verschiedene Szenarien

Bei der kommenden EZB-Sitzung in der nächsten Woche werden auch neue vierteljährliche Wirtschaftsprognosen vorgestellt. Die Grundannahmen dieser Prognosen könnten durch die jüngste Krise im Nahen Osten jedoch bereits überholt sein.

In vergleichbaren Situationen hat die EZB ihre Prognosen in der Vergangenheit häufig um alternative Szenarien ergänzt. Lagarde deutete an, dass auch diesmal wieder mehrere mögliche Entwicklungen modelliert werden.

„Wir simulieren verschiedene Szenarien und fragen uns: Was tun wir in diesem Fall? Wie reagieren wir? Müssen wir die Zinsen erhöhen?“, erklärte sie.

„Das ist die Arbeit, die wir jetzt leisten, die wir bereits begonnen haben und die wir fortsetzen werden, solange diese Unsicherheit und Volatilität bestehen.“

Zugleich wies Lagarde die Befürchtung zurück, dass Europa vor einer Phase der Stagflation stehen könnte.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

7 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Das glaubt die doch selbst nicht…. das sie damit durchkommt..die PIIGS …einschließlich Frankreich… wollen niedrigere Zinsen…der Chef des RN…… Bardella… hat sogar schon eine Rückkehr zur Niedrigzinspolitik vorgeschlagen…

    Konkret geht es um den massenhaften Ankauf von Staatsanleihen ….wie zu Corona…plus Zinsen nahe oder unter Null…
    So oder so wird eine „Taube“ von den PIIGS installiert werden…Italien scharrt schon mit den Hufen…ein zweiter Draghi solle kommen…hört man aus Rom…

    1. Man kann auch zunächst die Zinsen erhöhen und die Geldmenge ausweiten. Das halte ich zwar für genau verkehrt, aber die machen eigentlich immer, was ich verkehrt finde. Insofern gebe ihr gute Chancen.

  2. So wie sie redet, versucht sie die Inflationswelle Russland in die Schuhe zu schieben.

    Ich meine, die hätte schon vorher deutlich angezogen und halte eher die lange Nullzinsphase für ursächlich.

    Ich gebe auf Talk nix, weder hier, noch aus USA. Schon gar nicht bei könnte…

  3. Zinserhöhungen dämpfen die Wirtschaft und verursachen mehr Arbeitslosigkeit. ist die Frau dumm oder korrupt?

    1. Sie haben genau das Problem aller Zentralbanken erfaßt. In einem inflationären Geldsystem steigert sich automatisch alles, auch die Löhne. Wenn man die Inflation jedoch immer gerade dann dämpft, wenn durch Wachstum auch Lohnerhöhungen „drohen“, verstärkt man den Umverteilungseffekt die ein inflationäres Geld ohnehin beinhaltet (Cantillon-Effek) zugunsten der Vermögenden.
      Der moderne Sozialstaat verhindert zusätzlich Revolten, in dem er die untersten Schichten finanziell stützt.
      Damit wird jedoch der Mittelstand von beiden Seiten angegriffen und löst sich auf. Da aber jede Gesellschaft vom Mittelstand getragen wird, gerät damit auch die gesamte Gesellschaft in Gefahr.

  4. @ Felix, gute Erkenntnis, die Umverteilung wird durch getürkte Inflationszahlen noch verstärkt, die grösste Umverteilung geschieht aber durch die Zinspolitik. Aktien und Immobilien werden hochgetrieben und bevorteilen die „ schon Besitzenden“ und dies sage ich als Profiteur dieser Fehlallokation.
    Die Verschuldung hilft den privaten Schuldnern während der Staat immer mehr absauft und wird hauptsächlich von Sozis und Linken gefördert, sehr zu Ungunsten ihrer Wähler. Diese Irrationalität habe ich mehrmals erwähnt, denn durch Tiefzinsen werden Vermögenswerte mit Hebelwirkung ( Derivate) gefördert.

  5. Eine Verbraucherpreisinflation mit einer Senkung der Vermögenspreise zu bekämpfen ist vielleicht keine so gute Idee.

    Den einzigen Sinn einer Leitzinssenkung würde ich daher ehr darin sehen, die Anleihen Renditen zumindest erstmal durch verbale Intervention zu drücken bzw. im Zaun zu halten.

    Und genau das ist es, was die Notenbanken meines Erachtens zur Zeit machen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage