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EZB-Chefvolkswirt Praet: „Wenn man Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer“

Von Markus Fugmann

Neue Weisheiten aus der unendlichen Schatzkiste ökonomischem Weitblicks der EZB! In einem Interview mit dem belgischen Wochenmagazin „Knack“ hat der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, die Politik der EZB verteidigt.

ECB Board Members - Benoît Cœuré, Mario Draghi, Peter Praet, Sabine Lautenschlaeger, Vitor Constancio, Yves Mersch
Chefvolkswirt der EZB Peter Praet
Foto: EZB

Nur das entschiedene Eingreifen der EZB habe eine Depression in der Eurozone verhindert, so Praet:

„Hätte die EZB nicht die Maßnahmen ergriffen, die sie ergriffen hat, würden wir in einer Depression sein – davon bin ich überzeugt (..). Die Eurozone wäre dann wahrscheinlich „über den Jordan gegangen“, und das hätte in einer Katastrophe geendet“ (eigene Übersetzung).

Das ist harter Tobak: Mit Szenarien zu argumentieren, von denen wir – wie die neuesten Daten aus der Eurozone zeigen – doch extrem weit entfernt sind, ist intellektuell jedoch mehr als fragwürdig. Mit dem Heraufbeschwören von Katastrophen, die sicher eingetreten wären, wenn man eine andere Politik gefahren hätte, läßt sich schlicht alles begründen – auch der größte Unfug. Man sieht, wie verzweifelt der Draghi-Anhänger Praet versucht, den Aktionimsmus der EZB zu verteidigen.

Aber es kommt fast noch dicker – Praet sagte in dem Interview weiter:

„Wenn man Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer!“

Soso, also immer. Nur scheinbar diesmal nicht, blickt man auf die Verbraucherpreise und Erzeugerpreise aus der Eurozone, die bekanntlich rückläufig sind im Vergleich zum Vorjahr. Und das liegt nicht nur, wie Praet meint, am Öl und den niedrigen Rohstoffpreisen:

„Wenn Ölpreise und Rohstoffpreise stark fallen, ist es schwieriger einen Anstieg der Inflation zu erreichen“.

Praet übersieht dabei, dass es vor allem die deflationären Effekte der globalisierten Internet-Ökonomie sind, die die Preise nicht steigen lassen – ein Firma wie Amazon etwa mit ein paar Tausend Mitarbeitern verdrängt eben personalintensive Kaufhäuser etc., dazu kommt die Maschinisierung, die viele Jobs überflüssig macht, sodaß die Löhne – wichtigste Basis für Inflation – eben nicht steigen (mit Ausnahme des Scheinblüten-Landes Deutschland).

Die EZB habe keinen Plan B, sondern nur einen einzigen Plan, so Praet weiter. Blicke man auf die gegenwärtige Situation, so Praet, werde man mit der eingeschlagenen Politik bis mindestens 2017 oder länger fortfahren – auch wenn Praet eingesteht, dass die Geldpolitik nicht alles lösen könne. Stellt sich nur die Frage, wie die EZB mit der nicht vorhandenen Inflation ein Problem bekämpfen will, dessen Ursache sie offenkundig nicht verstanden hat (Internet-Ökonomie). Und dazu nach wie vor nicht versteht, dass das gedruckte Geld ein Festplatten-Phänomen ist, das nur sehr wenig Verbindung zur Realwirtschaft hat. Good luck mit dieser Politik, liebe EZB..



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8 Kommentare

  1. Er hat auch nicht beachtet, dass letztlich alle Zinsen vom Endverbraucher zu tragen sind. Fallen diese Zinsen, hat der Endverbraucher weniger zu tragen und somit fällt ceteris paribus auch das Preisniveau.

  2. „Hätte die EZB nicht die Maßnahmen ergriffen, die sie ergriffen hat, würden wir in einer Depression sein – davon bin ich überzeugt (..)“

    Das ist das Grundprinzip aller Finanzjongleure. Negatives Sozialisieren. Man hätte die Wirtschaft nämlich auch vom kranken Geld System abkoppeln können, und eine unbelastete Übergangswährung einführen können.

    Eine Depression ist eine durchaus wichtige Phase, denn in ihr hat man all die unerledigten Sachen zu lösen, die man bisher verdrängt hat. Wer diese Depression wiederum verdrängt, oder durch Geld drucken sozialisiert, läßt schon wieder andere für die Sünden der Gelderzeuger büßen.

    Eine grundsätzlich feige Haltung. Die Menschen die hinter dem Gelderzeugenden Finanzwesen stecken, sollten langsam mal begreifen, wie extrem feige ihre Haltung ist, indem sie ständig ihre gemachten Fehler auf die Allgemeinheit sozialisieren wollen. Das ist einfach nur widerlich.

    2008 hätte man sagen sollen, ihr habt es vermasselt, seht zu, wie ihr klar kommt. Die Allgemeinheit ist nicht dazu da eure Fehler zu tragen. Man hat es aber doch wieder gemacht, Verständnis gezeigt, weil man es gewohnt ist, daß man zwar in verantwortlichen Positionen sitzt, aber nie die Verantwortung für seine Entscheidungen auch selbst trägt, sondern sie immer auf andere zu delegieren gewohnt ist.

    Damit haben die Regierungen die größte Insolvenzverschleppung aller Zeiten legalisiert, und sich damit gemein mit dem Erzeuger des Übels gemacht. Dadurch haben sie sich schlichtweg straffällig gemacht, der sie sich allerdings durch ihre politische Immunität entziehen wollen. Was ist nach dem Retten der Gelderzeuger passiert? Man ist sich dessen durchaus bewußt geworden, daß die Regierung durch das Prinzip, mit gehangen, mitgefangen, bestehendes Recht mit so etwas absurdem wie „Systemrelevantes kann nicht irren“ ausgehebelt hat

    Seit dem dienen die Regierungen ganz klar dem Verbrechen, und das ist als Mensch auch überall spürbar. Alles was fortan von dort kommt, muß dem Vertuschen des Verbrechens der Insolvenzverschleppung dienen.

    Sowohl Finanzsystem wie auch Regierung sind abgrundtief feige, denn wenn sie aufrichtig wären, hätten sie Insolvenz anmelden müssen und durch die Depression gehen müssen. Das Leben ist nun mal nicht nur Zucker. Seit dieser Zeit fällt ein bestehendes Recht nach dem Anderen, und wird dem Irrtum angepaßt, was letztendlich dahin führt, das Unrecht zu Recht wird, und Recht zu Unrecht.

    Das ist einfach nur widerlich.

    1. Danke für den Kommentar! Sauber geschrieben – Top!

  3. Inflation kann sich auch in dem Anstieg der Vermögenspreise (Aktien, Immobilien) zeigen. Was sie ja auch tut. Das sind die Folgen, wenn die Geldmenge stärker als die Wirtschaft wächst.

  4. Dieser Unsinn von EZB-Chefvolkswirt Praet zeigt wieder einmal, daß diese Liberalisten/Neoliberalen vor den schlimmsten Verdrehungen nicht haltmachen – nur um ihre Ideologie durchzupauken.

    Natürlich bestehen erheblich Deflationsgefahren. Daß wissen wir spätestens seit Japans Wirtschaft in den 90er Jahren. Nur: Sowohl eine Inflation wie auch nur eine Verringerung der Deflation (dies behauptet ja dieser Praet) ist mit Geldmengen und Zinssenkungen nicht zu machen. Denn erst wenn bereits ein Wirtschaftsbelebung vonstatten geht (z. B. durch staatlich angekurbelte Projekte – z. B.: Bau von Autobahnen, Bau von wirklich vielen Sozialwohnungen, durchgreifende Verteilung des volkswirtschaftlich Erwirtschaften auf die große Zahl der Bürger – nimmt die „Wirtschaft“ (und damit meine ich gerade nicht die Finanzzocker!) die ausgeweitete Geldmenge auch an. Man spricht dann davon daß die „Pferde saufen“. Vorher tun sie das aber nicht – auch wenn man sie vor die Tränke geführt hat. Siehe dazu: https://oconomicus.wordpress.com/2013/05/04/erlauterungen-zu-dem-geflugelten-ausspruch-die-pferde-wollen-nicht-saufen/

    Auch ansonsten verhält sich die EZB in völligem Widerspruch zu ihren eigenen Lehren und ihren Idolen. Ihr Idol Ludwig von Mises (den ich sowenig leiden kann wie die „Österreichische Schule“ und die anderen Neoliberalen) hat doch genau das für fatal erklärt, was die EZB machte und derzeit macht:
    Auf http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/62083-der-china-kracher lesen wir (hier zum dortigen Thema China):
    „Doch auch für China gilt, was der gesamten westlichen Welt droht und schon Ludwig von Mises vor fast 100 Jahren unmißverständlich klar analysierte:
    Finaler Kollaps durch Kreditexpansion:
    ‚Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll‘.
    ‚Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur vorübergehende Scheinbesserung erzielen, die dann zu umso schwererer Katastrophe führen muss. Denn der Schaden, der durch Anwendung solcher Mittel dem Volkswohlstand zugefügt wird, ist umso größer, je länger es gelungen ist, die Scheinblüte durch Schaffung zusätzlicher Kredite vorzutäuschen.“

    1. „…Natürlich bestehen erheblich Deflationsgefahren. Daß wissen wir spätestens seit Japans Wirtschaft in den 90er Jahren.“

      Nur wie haben sich denn in Japan die Auswirkungen dieser „Gefahren“ überhaupt gezeigt?
      Das frage ich mich schon länger, nicht erst weil Sie das hier erwähnen. Ich lese aus Ihren Sätzen eher, dass auch Sie die an die Wand gemalten angeblichen Deflationsgefahren für ein Hirngespenst halten.

      War die japanische Bevölkerung in den letzten 30 Jahren denn jemals wirtschaftlich gefährdet?
      Schon seit Jahrzehnten registriert man hohen Handelsbilanzüberschuss. Und auch quasi Vollbeschäftigung. Was will man denn noch? Inflation als Selbstzweck?

      Und Deutschland? War es aufgrund von Deflation schon irgendwann gefährlich für uns? Sagen wir nicht mal „gefährlich“, aber hatten wir jemals Nachteile wegen irgendetwas Ähnlichem wie Deflation? Kann mich nicht erinnern.

  5. Das ist einfach nur widerlich was diese EZB Typen von sich lassen. Man zwingt den Menschen über das Sozialisieren dessen, was die Geldbetreiber versemmelt haben, in die Depression, damit es die Urheber nicht selbst ausbaden müssen. Anstatt selbst ihr Produkt und Geschäftsmodell überarbeiten zu müssen, bleiben sie in ihren erreichten Positionen sitzen, und bekommen Zeit, ein neues Modell zu entwerfen, bei dem sie natürlich weiter in ihrer Position bleiben. Was soll dabei rauskommen aus ein noch ausgeklügelteres Betrugssystem? Diese Menschen können nichts anderes außer Betrügen.

    Wäre es zu dem Crash gekommen, den die Lehmann Pleite nach sich gezogen hätte, dann hätte der Verteilungskampf nämlich vornehmlich dort stattgefunden, wo er auch verursacht wurde. Im Finanzwesen. Und zwar je näher an den Notenbanken, desto heftiger. Über das sozialisieren dieses Untergangs auf die Nutzer, verlagert man diese Kämpfe nun eben auch auf die Nutzer. Man kann also mit Fug und Recht sagen, daß dieser Vorgang, der Legitimierung der Insolvenzverschleppung in den Krieg leitet. Denn zu nichts anderem führt diese Verlagerung der Verteilungskämpfe, in den Krieg der Menschen gegen die Menschen.

    Der aufkommende Krieg wäre also durchaus vermeidbar gewesen, wenn die Regierung das Recht auch gegen die Währungsbetreiber durchgesetzt hätte, dann wäre es zwar dort zu einem immensen Scharmützel gekommen, aber über das Einführen einer neuen Währung, wäre es für die Menschen wesentlich besser ausgegangen. So sind wir wieder im Faschismus gelandet.

    Absehbar hätte das schon für Helmut Schmidt sein müssen, als er in seiner Amtszeit der Trennung von der Gelddeckung zustimmte, die seitens seines Freundes Henry Kissingers zu uns aus den USA herüber schwabbte.

    Denn das Ergebnis vor die Handlung zu setzen, hebt über kurz oder Lang die Wirklichkeit auf, denn in der Wirklichkeit liegen Gesetze verankert, welche die Handlung vor das Ergebnis setzen, und das ist auch richtig so, weil das die Welt ist, in der wir leben. Aber genau diese Folgerichtigkeit der Wirklichkeit, hebt das Schuldgeld Prinzip auf. Sie können sich Geld leihen, und damit über eine Recource verfügen, die sie noch nicht erwirtschaftet haben. Auch die Regierungen konnten dadurch auf Stimmenfang gehen, weil sie Dinge versprechen und bezahlen konnten, welche die Wirklichkeit nie Leisten konnte. Das ungedeckte Sozialsystem entstand, und löste dadurch die auf dem Einzelnen beruhende Nächstenliebe ab, die bis dahin die Ungleichheit in soweit ausglich, wie es eben möglich war.

    Eitel wie Schmidt nun mal war, hat ihm das sehr gut in den Kram gepaßt. So konnte er, wie auch viele Andere auch, ihrer Eitelkeit frönen, und sich auf Lorbeeren ausruhen und Geld ausgeben, das noch gar nicht erwirtschaftet wurde. Und drohte einen die Wirklichkeit einzuholen, machte man einfach noch mehr Schulden, und noch mehr, und noch mehr.

    Dieses Prinzip zog natürlich immer mehr diese Art von Menschen an, und zwar Menschen, die ohne was erfolgreiches geleistet zu haben, auf Vorschuß lebten. Das Prinzip: „wir schaffen das“, war geboren, wobei sie selbst eigentlich gar nichts leisteten, sondern mittels der neuen Verschuldung, einen nur immer größeren Zwang auf Die ausübten, die das, was sie versprachen, mittels der Realwirtschaft erwirtschaften mußten.

    Mußte sich eine Idee bisher an der Machbarkeit erweisen, konnte man nun vollkommen illusionär Schulden machen, sich einerseits dafür feiern lassen, und andererseits die Machbarkeit an die Realwirtschaft auslagern. Das wurde so lange getan, bis der Zustand erreicht wurde, daß dieses auf Vorschuß Leben, das komplette Budget all Derer ausmachte, die noch wirkliche Werte erschufen. Damit war, und ist das System insolvent, mit dem Umstand, daß die, die das herbeigeführt haben, in den Leitenden Positionen sitzen. Jemand der von DENEN, die das herbeigeführt haben, eine Lösung erwartet, ist selbst ein Illusionist.

  6. der zins ist der knappheitspreis für kapital.

    ohne zins kommt es zur fehlsteuerung von kapital.
    niemand weiß ob er sinnvoll investiert.selbst eine planwirtschaft braucht ihn.
    somit schadet die ezb allen eu-bürgern.

    proff.röpke,zins ist knappheits preis für kapital,

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