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EZB-Chefvolkswirt Praet: keine Taboos für EZB

FMW-Redaktion

EZB-Chefvolkswirt Praet, der als rechte Hand Draghis gilt, hat in einem Interview gesagt, es gebe für die EZB keine „Taboos“, was geldpolitische Maßnahmen angehe – und damit auf die aus Sicht der EZB zu geringe Inflation angespielt. Die EZB betreibe nun eine umfassende Analyse („in-depth 360-degrees reflection“), wie sie die Inflation in Richtung 2% bringen könne, so der Belgier Praet. Es gebe das Risiko, dass die Inflation bis 2017 nicht in einen Bereich zurück kehre, der ökonomisch gesund sei. Daher müsse die EZB handeln, um zu niedrige Wachtsumsraten bei zu niedriger Inflation zu vermeiden.

Die EZB werde daher, wie von Draghi angekündigt, im Dezember die Lage neu beurteilen:

„We will assess this in December, notably in light of the new macroeconomic staff projections.“

Warum die EZB ein so großes Problem mit der geringen Inflation hat, erschließt sich jedoch nicht aus den Aussagen Praets, zumal dieser praktisch keine deflationären Risiken erkennt: er sehen keine Abwärtsspirale von Preisen, das Risiko eines solchen Szenarios beurteilt Praet als „sehr gering“ („very small“). Und: die niedrigen Ölpreise, die vor allem für die praktisch nicht vorhandene Inflation verantwortlich sind, ist auch nach Aussagen von EZB-Mitgliedern im Grunde ein Stimulusprogramm für die europäische Wirtschaft. Warum daher die derzeitige Preisentwicklung ein Problem sein soll, erschließt sich daher nicht wirklich.

Und: warum will die EZB im Dezember ihr QE ausweiten? Daten aus der Eurozone zeigen, dass die Konjunktur in wichtigen Ländern wie Spanien und Italien sich gut erholt, daher hatte Draghi vor allem auf die Schwellenländer und China verwiesen – um dann zu sagen, dass für die meisten Länder der Eurozone China nicht wirklich ein wichtiger Faktor sei. Man gewinnt den Eindruck, dass die EZB auf der Suche nach Gründen ist, um die Geldpolitik weiter lockern zu können.

Und weiter: die EZB ist mit der Wirkung ihres QE in der Eurozone eigentlich zufrieden. Sie selbst hatte durch eine Umfrage unter Banken festgestellt, dass diese die billige Liquidität zunehmend als Kredite an Unternehmen vergeben. Warum also dann eine Ausweitung des QE im Dezember, warum keine „Taboos“? So wirklich logisch ist das nicht – es drängt sich der Verdacht auf, dass die EZB alles tun will, um den Euro zu schwächen. Und dafür eben die angeblich zu niedrige Inflation vorschiebt..



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1 Kommentar

  1. „So wirklich logisch ist das nicht – es drängt sich der Verdacht auf, dass die EZB alles tun will, um den Euro zu schwächen. Und dafür eben die angeblich zu niedrige Inflation vorschiebt.“

    und das ist der springende punkt, gut aufgemerkt ;)

    wer es noch nicht erkannt hat, wir sind schon mittendrin im währungskrieg, und in diesem hat die ezb die regulatorisch schlechtesten karten …

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