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Über die Liraisierung des Euro EZB der Politik unterworfen – der EURO ist Polit-Geld

Die Fiskalisierung des Euros durch die Mitgliedsstaaten war der finanzpolitische Sündenfall

Euro EZB Thomas Mayer

Die Fiskalisierung des Euros durch die Mitgliedsstaaten war der finanzpolitische Sündenfall – und es war die EZB, die ohne Not und entgegen der Maastricht-Verträge am Verfall der Gemeinschaftswährung tatkräftig mitwirkte. „Das war eine Unterwerfung unter die Politik. Und dadurch ist eben der Euro zum Polit-Geld geworden, zum Finanzierungsinstrument der Staaten“, sagt Thomas Mayer.

Die Ungeheurlichkeit der Aussage adressiert Mayer vollkommen ruhig, abgeklärt und unaufgeregt. Es ist dies der überlegen-sachliche Ton der Vorstandsetage, mit dem Mayer in dem Interview „EURO hat Krebs! EZB hat total versagt“ dem Zuschauer die niederschmetternde Nachricht überbringt.

EZB Desaster: Analyse mit Kopf, statt mit Kehlkopf

Thomas Mayer ist ein Mann der leisen Töne. Er ist zurückhaltend, bedächtig und bescheiden. Seine Bescheidenheit hat mit Bescheid-Wissen zu tun. Mayer analysiert distanziert. Er argumentiert mit dem Kopf statt dem Kehlkopf. Letzteres tun Fernseh-Ökonomen in Talkshows derzeit landauf landab zu Genüge (man denke nur an Marcel Fratzscher!).

Mayer kennt den Unterschied zwischen Meinung und Urteil: Meinung ist das, was aus dem Bauch heraus kommt und man anschließend tagelang bereut. Urteil hingegen ist das Ergebnis des davor abgeschlossenen, mühsamen und zeitintensiven Abwägungsprozesses. Deswegen auch wiegt Mayers Urteil zu Inflation, Euro und EZB schwer. Mayers Urteil zu Rekord-Inflation, Euro-Verfall und EZB ist sachlich-substantiell und gerade deshalb für die EZB  faktisch vernichtend.

EURO hat Krebs!

Wenn jemand wie der Autor sagt, „Der Euro hat Krebs !“, hat das wenig Gewicht und könnte Alarmgeschrei sein. Wenn jemand wie Mayer sagt, „Der Euro hat Krebs !“, hat das ungeheures Gewicht. Denn hinter dieser Aussage steht die tiefe Kenntnis der Finanzmärkte und ihrer Mechanismen. Dahinter verbirgt sich die ungeheure Substanz eines ganzen Berufslebens an den Finanzmärkten der Welt in herausragenden Funktionen. Krebs ist eine systemische Krankheit mit häufig tödlichen Folgen. Und die Krise des Euro ist ebenfalls systemisch. Und die Bevölkerung wird darüber nicht aufgeklärt.

EURO Polit Geld, EZB Polit Instrument

In dem erwähnten Interview „EURO hat Krebs!“ gibt es eine Passage, wo der Zuschauer sofort merkt, wie Mayer unter der Inkompetenz der obersten Währungshüter geradezu körperlich leidet. Es schmerzt ihn, dass der Euro durch die EZB „ein genuines Instrument der Politik“ geworden ist. „ Und das ist wirklich entsetzlich, finde ich!“, fügt Mayer geradezu stöhnend hinzu.

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Inflation ist eine Steuer, die von keinem Parlament bewilligt wurde. Inflation ist nicht nur eine ungeheure Belastungsprobe für das prozessuale Funktionieren einer Demokratie. Es führt auch zu unvorhersehbaren gesellschaftlichen Verwerfungen. Die „deutsche Inflation und der amerikanische Schwarze Freitag“ ließen „Millionen alles verlieren und einige wenige daran Milliarden gewinnen“, konstatierte Friedrich Dürrenmatt knapp.

Die historische Parallele will der Autor hier nicht ziehen. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass wir 2021/22 eine Rekord-Inflation gesehen haben. Und die Teuerungssrate von über 10 Prozent beschriebt nicht einmal ansatzweise, was gerade mit der Unterschicht und der unteren Mittelschicht passiert. Denn die Inflation, welche den kleinen Leuten wirklich existentiell trifft, ist die Inflationierung der Lebensmittel. Die Inflation im Supermarkt liegt derzeit zwischen 20 und 30 Prozent.

Reform von EURO und EZB realitisch?

„Es bräuchte den politischen Mut und die Kraft, den Euro aufzustellen, wie er einmal gedacht war: als Mittel der Bürger zur Transaktion, zur Wertaufbewahrung und als Recheneinheit“, meint Thomas Mayer in dem in Rede stehenden Interview. Die Banca d’Italia sei das Finanzierungsinstrument der Regierung gewesen, führt Mayer aus. „Und genau das ist jetzt der EZB passiert, mit der Finanzkrise und der Pandemie. Und deswegen rede ich von der Liraisierung des Euro, weil jetzt die EZB nicht die Nachfolge der Bundesbank angetreten hat, sondern eigentlich die Nachfolgerin der Banca d‘ Italiia ist.“

EURO hat Krebs – Hoffnung auf EURO Neustart

„Was heißt das jetzt konkret?“, fragt Mayer und erläutert: „Das heißt, dass der Euro tendenziell immer schwächer wird. […] Deshalb denke ich, dass der Euo eine langwierige Erosion erleben wird.“ Deswegen – so Mayer – habe er das Bild von der Krebserkrankung des Euro bemüht, weil die Erkrankung des Euro wohl zum Tode führen werde.

Mayer wörtlich: „Es wird irgendwann in der Geschichte mal eine Konstellation geben, wo man sagt: Na ja, schließen wir mal das Kapitel mit dem Euro […]. Wenn die Politiker weitsichtig wären, würden sie sagen, schließen wir das Kapitel mit dem Euro und machen einen Neustart!“

Hier sehen Sie das Interview mit Thomas Mayer: https://www.youtube.com/watch?v=xoZyi4xk3RQ



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