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EZB: Die Illusion selbst die Inflation anheizen zu können, wird durch harte Fakten zerstört

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FMW-Redaktion

Die EZB spricht derzeit fast wöchentlich von der Steuerung der Inflationsrate durch ihre Geldpolitik. Aber hat sie überhaupt einen realen Einfluss? Die Illusion selbst die Inflation anheizen zu können, wird durch harte Fakten zerstört…

EZB Rat
Der EZB-Rat um Mario Draghi. Foto: Europäische Zentralbank

Was die EZB getan hat um die Inflation anzuheizen

Es ist das Selbstverständnis jeder Notenbank, dass sie über ihre geldpolitischen Maßnahmen die Inflationsrate in beide Richtungen steuern kann, also die Volkswirtschaft vor einer Deflation retten (was gerade versucht wird) und andererseits bei Überhitzen vor einer zu hohen Inflation (über 2%) zu schützen durch Zinsanhebungen. Gerade die EZB hat NUR diese eine Aufgabe, die Geldwertstabilität gewährleisten, also die Inflation in der Eurozone irgendwo zwischen 1-2% zu halten. Im Augenblick will sie die Inflation rauf auf 2% drücken. Sie handelt im festen Glauben, dass dies durch ihre aktuelle Zinspolitik und Anleihekäufe im Wert von 1,2 Billionen Euro auch machbar ist.

Seit 2011 hat die EZB den Leitzins von 1,25 auf sagenhafte 0,05% gesenkt, also de facto auf 0. Ihren Einlagensatz für Banken senkte sie von 0,5 auf 0,2%. Und seit März diesen Jahres veranstaltet sie das in der Größenordnung in Europa einmalige Anleihekaufprogramm von 1,2 Billionen Euro um so den europäischen Anleihemarkt leerzufegen. Ziel: Die Anleiheinvestoren (hauptsächlich Banken) sollen gezwungen werden mangels kaufbarer Anleihen (die jetzt ja im Depot der EZB-Notenbanken liegen) ihr Geld über Kredite in die Realwirtschaft zu pumpen. In einem geringen messbaren Ausmaß geschieht das auch, aber der Großteil der Gelder zirkuliert in den Börsenblasen dieser Welt. Vor dem Start des Anleihekaufprogramms im März hatte die EZB, was viele schon vergessen haben, bereits kleinere Kaufprogramme durchgeführt, z.B. für Pfandbriefe. Spürbare Effekte hatte das nicht. Durch all diese Maßnahmen soll die Wirtschaftstätigkeit gesteigert werden, wodurch Arbeitsplätze entstehen und damit mehr Konsum geschaffen werden soll, was zu mehr Inflation führt, in der Theorie.

Die knallharten Fakten überrollen die EZB

Auch sollten die Maßnahmen der EZB den Euro schwächen – betrachtet man den Zeitraum seit 2011, fiel der Euro von den Niveaus um die 1,40 auf die 1,10er-Niveaus dieses Jahr – was natürlich nur teilweise auf die EZB zurückzuführen ist. Der schwache Euro half vor allem exportstarken Nationen und deren Unternehmen, also am meisten Deutschland. Dabei will die EZB doch gerade die schwächelnden Südländer in der Eurozone unterstützen, aber gerade in Griechenland und Co. wird kaum etwas exportiert. Das Anleihekaufprogramm seit März 2015 hatte keinen Effekt auf den Euro – seitdem stieg er sogar noch von 1,06 auf jetzt 1,14 gegenüber dem US-Dollar.

Die Inflation, das Primärziel der EZB, ist seit 2011 in einem klaren Trend nur am Fallen. Dabei müsste nach allen volkswirtschaftlichen Modellen (drastische Zinssenkungen + Geldschwemme) die Inflation kräftig angeheizt werden. Die Verbraucherpreise waren 2011 noch auf den Niveaus um die 3% herum. Wie wir gestern auch berichteten, zeigen die jüngsten Daten aus einzelnen Euro-Ländern Raten um die 0% herum, im einen mal leicht im Minus, im anderen mal leicht im Plus, aber per Saldo erleben wir eine Stagnation. Niemand in der EZB scheint zu merken, dass die große Gelschwemme irgendwie doch nicht in der Realwirtschaft landet, sondern nur zu kleinen Teilen.

Auch ein Blick über den Teich zeigt Erschreckendes. Die US-Notenbank „Federal Reserve“ hatte sofort nach der Lehman-Krise angefangen den US-Kapitalmarkt mit Geld zu überfluten. Seitdem hat sie ihre Bilanzsumme gut um das vierfache (!!!) ausgeweitet. Trotzdem lag seitdem die Inflation in den USA im Jahresschnitt immer um die 1,5% herum. Auch die Fed hat wie die EZB die Zielmarke von 2%…

Was nun EZB?

Man muss ehrlich zugeben, dass der dramatisch eingebrochene Ölpreis der Eurozonen-Inflation entgegenarbeitet, aber das darf keine Ausrede sein. Bei den massiven geldpolitischen Maßnahmen der EZB hätte die Inflation theoretisch längst anspringen müssen. Aus der deutschen Bankenszene hört man den spöttischen Vorschlag: „Soll die EZB doch als Ergänzung zum Anleihekaufprogamm an den englischen und amerikanischen Terminbörsen den Öl-Future hochkaufen, damit die Ölpreise und damit auch die Benzinpreise wieder anziehen und dieser Grund als Inflationsdämpfer entfällt“. Gar nicht mal so weit hergeholt die Idee!

Die deutsche Bankenszene scheint sich weitestgehend einig zu sein: Die EZB wird ihr aktuelles Anleihekaufprogramm (QE) zeitlich oder volumenmäßig ausweiten, oder vielleicht sogar ein neues QE auflegen – vielleicht diesmal der Kauf von normalen Unternehmensanleihen, damit auch der Sektor für Bankinvestoren wegfällt? Die Zweifel, ob all das aber die Inflation endlich zum Anstieg bringt, wachsen auch bei den „Experten“ immer mehr.

Was lernt man daraus?

Am Ende kommt es wie auch in den USA und Japan auf das selbe raus. Geld drucken und Zinsen auf 0 senken bringen langfristig nichts. Die Politik muss durch strukturelle Maßnahmen die Wirtschaft ankurbeln. Ein künstliches Aufblähen durch eine Notenbank sorgt nur für katastrophale Verzerrungen am Kapitalmarkt wie z.B. die schleichende Enteignung der Sparer durch Null-Zinsen, sowie Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt, die irgendwann platzen!


14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    wolfgang

    15. Oktober 2015 11:19 at 11:19

    Wie soll das Drücken des Zinses die Inflation anheizen? Zinsen sind Kosten. Vor der Krise hatten die Preise einen Zinsanteil von ca. 40 %. Da keine Preissenkungen zu beobachten sind, hat es eine Inflation gegeben, die allerdings durch Zins- und Ölpreissenkungen ausgeglichen wurde.

  2. Avatar

    Max

    15. Oktober 2015 12:03 at 12:03

    Startet endlich den Helikopter! ;-)

    • Avatar

      joah

      15. Oktober 2015 12:17 at 12:17

      Starterlaubnis verweigert: Sie bleiben bitte auf dem Boden (der Tatsachen)! Danke :-)

  3. Avatar

    Traumschau

    15. Oktober 2015 12:10 at 12:10

    Natürlich steuert die EZB nicht die Inflationsrate. Bei einer für die Staaten der Eurozone gemeinsamen Geldpolitik hätten ja die Inflationsraten in den Ländern nicht ausnahmslos immer unterschiedlich ausfallen können, oder? Und außerdem hätte man das auch von Japan lernen können: Die versuchen seit über 20 Jahren mit QE Inflation zu erzeugen – ohne Erfolg! Aber was macht denn die Inflation? Nun, die Inflation kommt von den Lohnstückkosten – die Löhne machen die Preise!
    Wer das nicht glauben will, der schaue sich mal die 3 ersten Charts von Heiner Flassbeck an:

    http://www.levyinstitute.org/conferences/minsky2014/flassbeck_s4.pdf

    Aber schaut euch lieber alles an – insbesondere den Chart auf S. 19, der die Finanzierungssalden der Sektoren in Deutschland zeigt (Vergleich 60er mit 2000ender Jahre). Ein Augenöffner …
    LG Traumschau

    • Avatar

      joah

      15. Oktober 2015 21:40 at 21:40

      Genau das ist der Umverteilungsmechanismus: direkt schenken wäre zu auffällig, daher muss man sich für seinesgleichen etwas subtileren Methoden bedienen. Dazu war die Geldmengenausweitung da: die „Elite“ [1] bekommt es, der kleine Mann bekommt dafür später die Quittung. Es hat sich historisch betrachtet gar nicht so viel geändert, wie man einem glaubhaft machen will.

      [1] teils bestehend noch aus den historischen Überresten der Monarchie, die ihre Pfründe haben will (kein Scherz)

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    leser

    15. Oktober 2015 12:17 at 12:17

    Das Ziel 2% Inflation wird in den meisten Medien als Mantra wiederholt. Eigentliches Ziel müsste doch Geldwertstabilität sein. Das Ziel kann daher nur lauten: Weg mit den Zentralbanken!

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    Traumschau

    15. Oktober 2015 12:18 at 12:18

    Nachtrag:
    Die Lohnzurückhaltung in DE bzw. in den neoliberal geprägten Staaten und die Austeritätspolitik sind maßgeblich für die Stagnation verantwortlich. Wir haben ein massives Nachfrageproblem. Die Geldpolitik kann dieses Problem in keinem Fall lösen.

    http://www.maskenfall.de/?page_id=4011

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      joah

      15. Oktober 2015 12:51 at 12:51

      Ich sehe das sehr ähnlich wie Sie. Zusätzlich gibt es da aber meines Erachtens nach ein generelles Problem: BWL (Betriebswirtschaftslehre). Es wird darin immer dargestellt, das Erfolg nur einer ist, wenn man jedes Jahr ein Extra-Plus erwirtschaftet – nicht zuletzt um Zinsen für Kredite wieder herein zu wirtschaften und für das Potential für Expansionspläne. Andernfalls dürfen die hinter Drei-Buchstaben-Versteck-dich (CEO, CFO, CIO, COO, …) nämlich abtreten. Ein konstantes Halten wird quasi nicht mehr akzeptiert und zählt nur noch als „gut“ und gut ist gleich schlecht.
      Da die globalisierte Wirtschaft an ihre Dimensionsgrenze angestoßen ist, können allerdings fast nirgends mehr Steigerungsraten erwirtschaftet werden. Um das „Extra-Plus“ noch zu erwirtschaften wird dann massiv an der Effizienzschrabe gedreht: 1. Prozesse optimieren, wenn da nichts mehr geht, dann 2. Kosten einsparen, wenn da nichts mehr geht 3. Personalkosten kürzen und Entlassungen. Damit nimmt die Deflationsspirale nach unten unabgesprochen und nur durch Signale für die BWLer ihren Lauf, bis nix mehr geht. Final meist nur durch eine Neubewertung (Ausgabe neuer Währung) gelöst, nachdem fast alles ökonomisch kaputt geschossen war (Grundversorgung stand auf dem Spiel).

  6. Avatar

    Jörg

    15. Oktober 2015 12:41 at 12:41

    1.) Zu dem Spruch: „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water” – auf deutsch: „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“ außerte der frühere Wirtschaftsminister Karl Schiller einmal: „Die Pferde müssen wieder saufen“.

    Aber derzeit gilt eindeutig: “Die Pferde wollen nicht saufen!”
    Bereits im Jahr 2013 wurde dazu der Grund aufgeführt: https://oconomicus.wordpress.com/2013/05/04/erlauterungen-zu-dem-geflugelten-ausspruch-die-pferde-wollen-nicht-saufen/

    Dort finden wir auch das auf unsere heutige Lage passende Anmerkung:
    „Liquiditätsfalle
    Als Liquiditätsfalle bezeichnet man die Situation einer Volkswirtschaft, in der die offiziellen Zinssätze so weit gegen null gefallen sind, dass die herkömmliche Geldpolitik versagt.
    Das Phänomen, dass Geld bei sinkenden Zinssätzen nicht mehr für Investitionen angeboten wird und somit dem Wirtschaftskreislauf tendenziell entzogen wird, wurde von dem Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes beschrieben.“

    Schlußfolgerung: Seit mindestens 2013 wissen also FED, EZB und japanische Notenbank. daß ihre Geldschwemme nicht zu produktiven Iinverstitionen, sondern nur zu wirtschaftlich sinnlosen Investitionen (z. b. Rückkauf eigener Aktien auf Kredit) und zu maßloser – und staatsgefärdender – Spekulation führen. FED-EZB-BoJ wissen längst, daß QEs keiner Deflation entgegenwirken können. Auch ist es geradezu irrsinnig in diesen Zeiten der Überkapazität die Produzierenden wie Dienstleister zu eine Ausweitung ihrer Kapazitäten verleiten zu wollen!

    2.) Der Ausweg liegt auch nicht darin, „mehr Arbeitplätze“ zu schaffen. Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen. Schon allein um unsere Wasch- und Geschirrspülmaschinen und unsern Staubsauger würden uns unsere Vorfahren beneiden! Erst recht um unsere Roboter-Produktionsstraßen und Dienstleistungen (Telefon, e-mail, Computer-Programme, automatisch rechnende Excel-Tabellen usw.) .

    Die Lösung besteht allein darin, die enorme Steigerung der Produktivität allein der letzten 50 Jahre in den einzelnen Staaten nicht mehr irgendwelchen Korporationen und Oligarchen zufließen zu lassen, sondern den Bürgern.

    Dies wäre auch keine „Enteignung“ von „Unternehmern“, sondern nur eine Beendigung der fortlaufenden Enteignung der Staatsbürger durch den Liberalismus.
    Dazu folgendes Gedankenspiel: Die Genetik des „homo sapiens“ hat sich seit ca. 100.00 Jahre nicht verändert (lediglich die belanglosen Variationen der Haut- Haar-, Augenfarbe, die ostasiatischen Mandelaugen und die Milchverträglichkeit für Erwachsene bei Nachfahren der Herdenleute kamen hinzu).
    Warum dann wurde das Auto, das Fahrrad, der Reißverschluß, der Computer, die Betriebssystem „DOS“ und „Windows“ nicht schon vor 100.000 Jahre erfunden?
    Antwort: Weil alles zu 99,9 % gesellschaftliche(!) Leistung ist.
    Und ähnlich dem Aufwachsen eines Menschen (Baby, empathieloses Kleinkind, Kind, das Empathie und Gerechtigkeitssinn entwickelt, Pubertierling, Heranwachsender, junger Erwachsener usw.) hat auch erst die gesellschaftliche Entwicklung über viel Jahrzehntausende (das schreiben, lesen und rechnen können taucht überhaupt erst sozusagen „fünf vor 12“ auf) zu Erkenntnissen und Erfíndungen geführt. Seihe dazu: http://s14.directupload.net/images/130106/7uxoapfq.pdf

    Die Früchte wirtschaftlichen Fortschritts gehören deswegen auch nicht Individuen (Benz- Daimler, Henry Ford, Bill Gates), sondern zu 99,9 % den Bürgern eines Staatwesens.
    Mein Vorschlag zur Umsetzung dieser Erkenntnis ist die Abschaffung/Bekämpfung des Liberalismus und die Einführung eines modernen Merkantilismus. Siehe http://www.imagenetz.de/f901692b1/Welche-Staatswirtschaft.pdf.html

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      joah

      15. Oktober 2015 13:21 at 13:21

      „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water”

      Aber derzeit gilt eindeutig: “Die Pferde wollen nicht saufen!”

      Das hat schon mal jemand gesagt, jedoch kürzer und pregnanter (quasi handlungsseitige Bankrotterklärung der Notenbanken):
      „We can guarantee cash, but we cannot guarantee purchasing power!“ Alan Greenspan, 15.02.2005
      Nachdem er diesen Satz sagte, knallte es nach einer Zeitspanne später an der Börse, mit weitreichenden Folgen in der Realwirtschaft. Die jetzige, erneute Darstellung ist also ein sehr deutliches Signal an alle. Das Geschichtsrad ist nicht umsonst eines: irgendwann beginnt man immer wieder von vorne.

      Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen.

      Was daran erfreulich sein soll, erleuchtet mir nicht: der Arbeiter – daher auch sein Name – betreitet seine Daseiensexistenz dadurch, daß er schafft. Der Roboter (kommt übrigens aus dem russischen von работа [sprich: „rabota“] = arbeiten, Arbeiter) hat seine Existenz aus dem gleichen Zweck, braucht aber nur Strom. Und wenn man ihn abschaltet, schreit er nicht – nur eine Maschine, kein Mensch. Das Ziel sollte also sein, die Leute in Arbeit zu versetzen, nicht anders herum. Einem Ausgleich via BGE stehe ich sehr skeptisch gegenüber, da dies psychologisch nur Faulheit und Dummheit verursacht (nix zu tun, rumlungern, abschalten). Das braucht keiner.

      • Avatar

        Jörg

        15. Oktober 2015 14:59 at 14:59

        @joah sagte am 15. Oktober 2015 13:21 um 13:21 :“Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen„.
        Was daran erfreulich sein soll, erleuchtet mir nicht

        Antwort:
        ABER DAS IST DOCH EINE WUNDERBARE NACHRICHT, DASS ARBEITPLÄTZE WEGFALLEN! Unser Nachfahren werden dereinst viel weniger arbeiten müssen und dennoch – wegen der enormen Produktivität aufgrund des Maschinendurchsatzes – leben wie die “Maden im Speck”.
        Noch in den 60ern und 70ern gingen wir ganz arglos davon aus, daß der technologische Fortschritt ganz normal DEN BÜRGERN zugute käme – und nicht “der “Wirtschaft” (was meinen die eigentlich mit “die Wirtschaft“ – wir sind doch “DIE WIRTSCHAFT”!). Und deswegen warnten Zager & Evans logischer Weise auch uns Zukünftigen nicht vor einen Anhebung des Rentenalters, vor Altersarmut und vor Massenarbeitslosigkeit – sondern vor einer Verkümmerung ihrer Gliedmaßen wegen exzessiver, verwöhnter Faulheit. Dies weil die heutige Arbeit weitgehend von Robotern erledigt wird („A machine doing it für you“): http://www.dailymotion.com/video/x257go_zager-and-evans-in-the-year-2525_music (Übersetzung des Textes: http://www.golyr.de/zager-and-evans/songtext-in-the-year-2525-285808.html )

        DASS ARBEITPLÄTZE WEGFALLEN ist natürlich dann eine Katastrophe, wenn wir die Liberalisten nicht bekämpfen und die unsere Politik längst bestimmenden Oligarchen und Konglomerate vertreiben. Denn diese enteignen ja das Staatsvermögen – insbesondere den “Markt” – so daß die Bürger nicht mehr (auch) von Staatseinnahmen, sondern NUR von Arbeitsentgelt leben können. Und da fast alle Arbeitsplätze wegen der Automation fortfallen werden, wäre das natürlich katastrophal.

        Hier müssen wir den jungen Leuten dann doch einmal etwas anraten, was sie tun müssen: Sie müssen dafür kämpfen, daß die Vorteile des technologischen Fortschritts den industriellen Korporationen wieder wegegenommen und an die bürgerliche Gemeinschaft bzw. ‚den Staat‘ zurückgegeben wird.
        Und das ist nur Recht – und die derzeitige Lage ist Unrecht!

        • Avatar

          joah

          15. Oktober 2015 15:18 at 15:18

          Ja, damit gehe ich grundsätzlich konform – es klang zuvor etwas zu sehr generalisierend. Ich bin genauso dafür, diese Umverteilungsexzesse zu beenden, denn wie Sie schon sagten, landet damit irgendwann alles in den Händen einiger weniger – Resultat: Aufstand, Krieg, Untergang (und die Heuschrecken ziehen danach weiter). Da muss wahrlich etwas am Mechanismus selbst und im allgemeinen Bewusstsein geschehen.

  7. Avatar

    Chris

    15. Oktober 2015 13:11 at 13:11

    Es ist ein übler Treppenwitz.Der Kapitalismus hat den Kommunismus vernichtend geschlagen,um ihn dann noch doller wieder einzuführen!Der oberste Sowjet der EZB legt in halbjährigen Halbwertszeiten Billionen-QEs auf,um die Arbeiter&Bauern am Produktivplus zu beteiligen und somit die These der unbedingten Richtigkeit zu untermauern!Die alteingesessenen Kader&ihre Lobbyisten lassen sich jedoch nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen.Wenn das doofgemerkelte Volk nicht bald kapiert,dass Sie das Volk sind&demensprechend handeln,wirds wieder nichts mit den „blühenden Landschaften“!

    • Avatar

      joah

      15. Oktober 2015 13:28 at 13:28

      Aber die Landschaften blühen doch schon (natürlich nur im Sommer) – aber wie Sie richtig erkannt haben: wir sind schon mitten drin.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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