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EZB: Die Illusion selbst die Inflation anheizen zu können, wird durch harte Fakten zerstört

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FMW-Redaktion

Die EZB spricht derzeit fast wöchentlich von der Steuerung der Inflationsrate durch ihre Geldpolitik. Aber hat sie überhaupt einen realen Einfluss? Die Illusion selbst die Inflation anheizen zu können, wird durch harte Fakten zerstört…

EZB Rat
Der EZB-Rat um Mario Draghi. Foto: Europäische Zentralbank

Was die EZB getan hat um die Inflation anzuheizen

Es ist das Selbstverständnis jeder Notenbank, dass sie über ihre geldpolitischen Maßnahmen die Inflationsrate in beide Richtungen steuern kann, also die Volkswirtschaft vor einer Deflation retten (was gerade versucht wird) und andererseits bei Überhitzen vor einer zu hohen Inflation (über 2%) zu schützen durch Zinsanhebungen. Gerade die EZB hat NUR diese eine Aufgabe, die Geldwertstabilität gewährleisten, also die Inflation in der Eurozone irgendwo zwischen 1-2% zu halten. Im Augenblick will sie die Inflation rauf auf 2% drücken. Sie handelt im festen Glauben, dass dies durch ihre aktuelle Zinspolitik und Anleihekäufe im Wert von 1,2 Billionen Euro auch machbar ist.

Seit 2011 hat die EZB den Leitzins von 1,25 auf sagenhafte 0,05% gesenkt, also de facto auf 0. Ihren Einlagensatz für Banken senkte sie von 0,5 auf 0,2%. Und seit März diesen Jahres veranstaltet sie das in der Größenordnung in Europa einmalige Anleihekaufprogramm von 1,2 Billionen Euro um so den europäischen Anleihemarkt leerzufegen. Ziel: Die Anleiheinvestoren (hauptsächlich Banken) sollen gezwungen werden mangels kaufbarer Anleihen (die jetzt ja im Depot der EZB-Notenbanken liegen) ihr Geld über Kredite in die Realwirtschaft zu pumpen. In einem geringen messbaren Ausmaß geschieht das auch, aber der Großteil der Gelder zirkuliert in den Börsenblasen dieser Welt. Vor dem Start des Anleihekaufprogramms im März hatte die EZB, was viele schon vergessen haben, bereits kleinere Kaufprogramme durchgeführt, z.B. für Pfandbriefe. Spürbare Effekte hatte das nicht. Durch all diese Maßnahmen soll die Wirtschaftstätigkeit gesteigert werden, wodurch Arbeitsplätze entstehen und damit mehr Konsum geschaffen werden soll, was zu mehr Inflation führt, in der Theorie.

Die knallharten Fakten überrollen die EZB

Auch sollten die Maßnahmen der EZB den Euro schwächen – betrachtet man den Zeitraum seit 2011, fiel der Euro von den Niveaus um die 1,40 auf die 1,10er-Niveaus dieses Jahr – was natürlich nur teilweise auf die EZB zurückzuführen ist. Der schwache Euro half vor allem exportstarken Nationen und deren Unternehmen, also am meisten Deutschland. Dabei will die EZB doch gerade die schwächelnden Südländer in der Eurozone unterstützen, aber gerade in Griechenland und Co. wird kaum etwas exportiert. Das Anleihekaufprogramm seit März 2015 hatte keinen Effekt auf den Euro – seitdem stieg er sogar noch von 1,06 auf jetzt 1,14 gegenüber dem US-Dollar.

Die Inflation, das Primärziel der EZB, ist seit 2011 in einem klaren Trend nur am Fallen. Dabei müsste nach allen volkswirtschaftlichen Modellen (drastische Zinssenkungen + Geldschwemme) die Inflation kräftig angeheizt werden. Die Verbraucherpreise waren 2011 noch auf den Niveaus um die 3% herum. Wie wir gestern auch berichteten, zeigen die jüngsten Daten aus einzelnen Euro-Ländern Raten um die 0% herum, im einen mal leicht im Minus, im anderen mal leicht im Plus, aber per Saldo erleben wir eine Stagnation. Niemand in der EZB scheint zu merken, dass die große Gelschwemme irgendwie doch nicht in der Realwirtschaft landet, sondern nur zu kleinen Teilen.

Auch ein Blick über den Teich zeigt Erschreckendes. Die US-Notenbank „Federal Reserve“ hatte sofort nach der Lehman-Krise angefangen den US-Kapitalmarkt mit Geld zu überfluten. Seitdem hat sie ihre Bilanzsumme gut um das vierfache (!!!) ausgeweitet. Trotzdem lag seitdem die Inflation in den USA im Jahresschnitt immer um die 1,5% herum. Auch die Fed hat wie die EZB die Zielmarke von 2%…

Was nun EZB?

Man muss ehrlich zugeben, dass der dramatisch eingebrochene Ölpreis der Eurozonen-Inflation entgegenarbeitet, aber das darf keine Ausrede sein. Bei den massiven geldpolitischen Maßnahmen der EZB hätte die Inflation theoretisch längst anspringen müssen. Aus der deutschen Bankenszene hört man den spöttischen Vorschlag: „Soll die EZB doch als Ergänzung zum Anleihekaufprogamm an den englischen und amerikanischen Terminbörsen den Öl-Future hochkaufen, damit die Ölpreise und damit auch die Benzinpreise wieder anziehen und dieser Grund als Inflationsdämpfer entfällt“. Gar nicht mal so weit hergeholt die Idee!

Die deutsche Bankenszene scheint sich weitestgehend einig zu sein: Die EZB wird ihr aktuelles Anleihekaufprogramm (QE) zeitlich oder volumenmäßig ausweiten, oder vielleicht sogar ein neues QE auflegen – vielleicht diesmal der Kauf von normalen Unternehmensanleihen, damit auch der Sektor für Bankinvestoren wegfällt? Die Zweifel, ob all das aber die Inflation endlich zum Anstieg bringt, wachsen auch bei den „Experten“ immer mehr.

Was lernt man daraus?

Am Ende kommt es wie auch in den USA und Japan auf das selbe raus. Geld drucken und Zinsen auf 0 senken bringen langfristig nichts. Die Politik muss durch strukturelle Maßnahmen die Wirtschaft ankurbeln. Ein künstliches Aufblähen durch eine Notenbank sorgt nur für katastrophale Verzerrungen am Kapitalmarkt wie z.B. die schleichende Enteignung der Sparer durch Null-Zinsen, sowie Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt, die irgendwann platzen!


14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    wolfgang

    15. Oktober 2015 11:19 at 11:19

    Wie soll das Drücken des Zinses die Inflation anheizen? Zinsen sind Kosten. Vor der Krise hatten die Preise einen Zinsanteil von ca. 40 %. Da keine Preissenkungen zu beobachten sind, hat es eine Inflation gegeben, die allerdings durch Zins- und Ölpreissenkungen ausgeglichen wurde.

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    Max

    15. Oktober 2015 12:03 at 12:03

    Startet endlich den Helikopter! 😉

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      joah

      15. Oktober 2015 12:17 at 12:17

      Starterlaubnis verweigert: Sie bleiben bitte auf dem Boden (der Tatsachen)! Danke 🙂

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    Traumschau

    15. Oktober 2015 12:10 at 12:10

    Natürlich steuert die EZB nicht die Inflationsrate. Bei einer für die Staaten der Eurozone gemeinsamen Geldpolitik hätten ja die Inflationsraten in den Ländern nicht ausnahmslos immer unterschiedlich ausfallen können, oder? Und außerdem hätte man das auch von Japan lernen können: Die versuchen seit über 20 Jahren mit QE Inflation zu erzeugen – ohne Erfolg! Aber was macht denn die Inflation? Nun, die Inflation kommt von den Lohnstückkosten – die Löhne machen die Preise!
    Wer das nicht glauben will, der schaue sich mal die 3 ersten Charts von Heiner Flassbeck an:

    http://www.levyinstitute.org/conferences/minsky2014/flassbeck_s4.pdf

    Aber schaut euch lieber alles an – insbesondere den Chart auf S. 19, der die Finanzierungssalden der Sektoren in Deutschland zeigt (Vergleich 60er mit 2000ender Jahre). Ein Augenöffner …
    LG Traumschau

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      joah

      15. Oktober 2015 21:40 at 21:40

      Genau das ist der Umverteilungsmechanismus: direkt schenken wäre zu auffällig, daher muss man sich für seinesgleichen etwas subtileren Methoden bedienen. Dazu war die Geldmengenausweitung da: die „Elite“ [1] bekommt es, der kleine Mann bekommt dafür später die Quittung. Es hat sich historisch betrachtet gar nicht so viel geändert, wie man einem glaubhaft machen will.

      [1] teils bestehend noch aus den historischen Überresten der Monarchie, die ihre Pfründe haben will (kein Scherz)

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    leser

    15. Oktober 2015 12:17 at 12:17

    Das Ziel 2% Inflation wird in den meisten Medien als Mantra wiederholt. Eigentliches Ziel müsste doch Geldwertstabilität sein. Das Ziel kann daher nur lauten: Weg mit den Zentralbanken!

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    Traumschau

    15. Oktober 2015 12:18 at 12:18

    Nachtrag:
    Die Lohnzurückhaltung in DE bzw. in den neoliberal geprägten Staaten und die Austeritätspolitik sind maßgeblich für die Stagnation verantwortlich. Wir haben ein massives Nachfrageproblem. Die Geldpolitik kann dieses Problem in keinem Fall lösen.

    http://www.maskenfall.de/?page_id=4011

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      joah

      15. Oktober 2015 12:51 at 12:51

      Ich sehe das sehr ähnlich wie Sie. Zusätzlich gibt es da aber meines Erachtens nach ein generelles Problem: BWL (Betriebswirtschaftslehre). Es wird darin immer dargestellt, das Erfolg nur einer ist, wenn man jedes Jahr ein Extra-Plus erwirtschaftet – nicht zuletzt um Zinsen für Kredite wieder herein zu wirtschaften und für das Potential für Expansionspläne. Andernfalls dürfen die hinter Drei-Buchstaben-Versteck-dich (CEO, CFO, CIO, COO, …) nämlich abtreten. Ein konstantes Halten wird quasi nicht mehr akzeptiert und zählt nur noch als „gut“ und gut ist gleich schlecht.
      Da die globalisierte Wirtschaft an ihre Dimensionsgrenze angestoßen ist, können allerdings fast nirgends mehr Steigerungsraten erwirtschaftet werden. Um das „Extra-Plus“ noch zu erwirtschaften wird dann massiv an der Effizienzschrabe gedreht: 1. Prozesse optimieren, wenn da nichts mehr geht, dann 2. Kosten einsparen, wenn da nichts mehr geht 3. Personalkosten kürzen und Entlassungen. Damit nimmt die Deflationsspirale nach unten unabgesprochen und nur durch Signale für die BWLer ihren Lauf, bis nix mehr geht. Final meist nur durch eine Neubewertung (Ausgabe neuer Währung) gelöst, nachdem fast alles ökonomisch kaputt geschossen war (Grundversorgung stand auf dem Spiel).

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    Jörg

    15. Oktober 2015 12:41 at 12:41

    1.) Zu dem Spruch: „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water” – auf deutsch: „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“ außerte der frühere Wirtschaftsminister Karl Schiller einmal: „Die Pferde müssen wieder saufen“.

    Aber derzeit gilt eindeutig: “Die Pferde wollen nicht saufen!”
    Bereits im Jahr 2013 wurde dazu der Grund aufgeführt: https://oconomicus.wordpress.com/2013/05/04/erlauterungen-zu-dem-geflugelten-ausspruch-die-pferde-wollen-nicht-saufen/

    Dort finden wir auch das auf unsere heutige Lage passende Anmerkung:
    „Liquiditätsfalle
    Als Liquiditätsfalle bezeichnet man die Situation einer Volkswirtschaft, in der die offiziellen Zinssätze so weit gegen null gefallen sind, dass die herkömmliche Geldpolitik versagt.
    Das Phänomen, dass Geld bei sinkenden Zinssätzen nicht mehr für Investitionen angeboten wird und somit dem Wirtschaftskreislauf tendenziell entzogen wird, wurde von dem Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes beschrieben.“

    Schlußfolgerung: Seit mindestens 2013 wissen also FED, EZB und japanische Notenbank. daß ihre Geldschwemme nicht zu produktiven Iinverstitionen, sondern nur zu wirtschaftlich sinnlosen Investitionen (z. b. Rückkauf eigener Aktien auf Kredit) und zu maßloser – und staatsgefärdender – Spekulation führen. FED-EZB-BoJ wissen längst, daß QEs keiner Deflation entgegenwirken können. Auch ist es geradezu irrsinnig in diesen Zeiten der Überkapazität die Produzierenden wie Dienstleister zu eine Ausweitung ihrer Kapazitäten verleiten zu wollen!

    2.) Der Ausweg liegt auch nicht darin, „mehr Arbeitplätze“ zu schaffen. Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen. Schon allein um unsere Wasch- und Geschirrspülmaschinen und unsern Staubsauger würden uns unsere Vorfahren beneiden! Erst recht um unsere Roboter-Produktionsstraßen und Dienstleistungen (Telefon, e-mail, Computer-Programme, automatisch rechnende Excel-Tabellen usw.) .

    Die Lösung besteht allein darin, die enorme Steigerung der Produktivität allein der letzten 50 Jahre in den einzelnen Staaten nicht mehr irgendwelchen Korporationen und Oligarchen zufließen zu lassen, sondern den Bürgern.

    Dies wäre auch keine „Enteignung“ von „Unternehmern“, sondern nur eine Beendigung der fortlaufenden Enteignung der Staatsbürger durch den Liberalismus.
    Dazu folgendes Gedankenspiel: Die Genetik des „homo sapiens“ hat sich seit ca. 100.00 Jahre nicht verändert (lediglich die belanglosen Variationen der Haut- Haar-, Augenfarbe, die ostasiatischen Mandelaugen und die Milchverträglichkeit für Erwachsene bei Nachfahren der Herdenleute kamen hinzu).
    Warum dann wurde das Auto, das Fahrrad, der Reißverschluß, der Computer, die Betriebssystem „DOS“ und „Windows“ nicht schon vor 100.000 Jahre erfunden?
    Antwort: Weil alles zu 99,9 % gesellschaftliche(!) Leistung ist.
    Und ähnlich dem Aufwachsen eines Menschen (Baby, empathieloses Kleinkind, Kind, das Empathie und Gerechtigkeitssinn entwickelt, Pubertierling, Heranwachsender, junger Erwachsener usw.) hat auch erst die gesellschaftliche Entwicklung über viel Jahrzehntausende (das schreiben, lesen und rechnen können taucht überhaupt erst sozusagen „fünf vor 12“ auf) zu Erkenntnissen und Erfíndungen geführt. Seihe dazu: http://s14.directupload.net/images/130106/7uxoapfq.pdf

    Die Früchte wirtschaftlichen Fortschritts gehören deswegen auch nicht Individuen (Benz- Daimler, Henry Ford, Bill Gates), sondern zu 99,9 % den Bürgern eines Staatwesens.
    Mein Vorschlag zur Umsetzung dieser Erkenntnis ist die Abschaffung/Bekämpfung des Liberalismus und die Einführung eines modernen Merkantilismus. Siehe http://www.imagenetz.de/f901692b1/Welche-Staatswirtschaft.pdf.html

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      joah

      15. Oktober 2015 13:21 at 13:21

      „We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water”

      Aber derzeit gilt eindeutig: “Die Pferde wollen nicht saufen!”

      Das hat schon mal jemand gesagt, jedoch kürzer und pregnanter (quasi handlungsseitige Bankrotterklärung der Notenbanken):
      „We can guarantee cash, but we cannot guarantee purchasing power!“ Alan Greenspan, 15.02.2005
      Nachdem er diesen Satz sagte, knallte es nach einer Zeitspanne später an der Börse, mit weitreichenden Folgen in der Realwirtschaft. Die jetzige, erneute Darstellung ist also ein sehr deutliches Signal an alle. Das Geschichtsrad ist nicht umsonst eines: irgendwann beginnt man immer wieder von vorne.

      Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen.

      Was daran erfreulich sein soll, erleuchtet mir nicht: der Arbeiter – daher auch sein Name – betreitet seine Daseiensexistenz dadurch, daß er schafft. Der Roboter (kommt übrigens aus dem russischen von работа [sprich: „rabota“] = arbeiten, Arbeiter) hat seine Existenz aus dem gleichen Zweck, braucht aber nur Strom. Und wenn man ihn abschaltet, schreit er nicht – nur eine Maschine, kein Mensch. Das Ziel sollte also sein, die Leute in Arbeit zu versetzen, nicht anders herum. Einem Ausgleich via BGE stehe ich sehr skeptisch gegenüber, da dies psychologisch nur Faulheit und Dummheit verursacht (nix zu tun, rumlungern, abschalten). Das braucht keiner.

      • Avatar

        Jörg

        15. Oktober 2015 14:59 at 14:59

        @joah sagte am 15. Oktober 2015 13:21 um 13:21 :“Dann das geht gar nicht, da wir in Zeiten der Automation und der Arbeitsroboter leben und deshalb ständig – dies ist ja auch durchaus erfreulich – Arbeitplätze fortfallen„.
        Was daran erfreulich sein soll, erleuchtet mir nicht

        Antwort:
        ABER DAS IST DOCH EINE WUNDERBARE NACHRICHT, DASS ARBEITPLÄTZE WEGFALLEN! Unser Nachfahren werden dereinst viel weniger arbeiten müssen und dennoch – wegen der enormen Produktivität aufgrund des Maschinendurchsatzes – leben wie die “Maden im Speck”.
        Noch in den 60ern und 70ern gingen wir ganz arglos davon aus, daß der technologische Fortschritt ganz normal DEN BÜRGERN zugute käme – und nicht “der “Wirtschaft” (was meinen die eigentlich mit “die Wirtschaft“ – wir sind doch “DIE WIRTSCHAFT”!). Und deswegen warnten Zager & Evans logischer Weise auch uns Zukünftigen nicht vor einen Anhebung des Rentenalters, vor Altersarmut und vor Massenarbeitslosigkeit – sondern vor einer Verkümmerung ihrer Gliedmaßen wegen exzessiver, verwöhnter Faulheit. Dies weil die heutige Arbeit weitgehend von Robotern erledigt wird („A machine doing it für you“): http://www.dailymotion.com/video/x257go_zager-and-evans-in-the-year-2525_music (Übersetzung des Textes: http://www.golyr.de/zager-and-evans/songtext-in-the-year-2525-285808.html )

        DASS ARBEITPLÄTZE WEGFALLEN ist natürlich dann eine Katastrophe, wenn wir die Liberalisten nicht bekämpfen und die unsere Politik längst bestimmenden Oligarchen und Konglomerate vertreiben. Denn diese enteignen ja das Staatsvermögen – insbesondere den “Markt” – so daß die Bürger nicht mehr (auch) von Staatseinnahmen, sondern NUR von Arbeitsentgelt leben können. Und da fast alle Arbeitsplätze wegen der Automation fortfallen werden, wäre das natürlich katastrophal.

        Hier müssen wir den jungen Leuten dann doch einmal etwas anraten, was sie tun müssen: Sie müssen dafür kämpfen, daß die Vorteile des technologischen Fortschritts den industriellen Korporationen wieder wegegenommen und an die bürgerliche Gemeinschaft bzw. ‚den Staat‘ zurückgegeben wird.
        Und das ist nur Recht – und die derzeitige Lage ist Unrecht!

        • Avatar

          joah

          15. Oktober 2015 15:18 at 15:18

          Ja, damit gehe ich grundsätzlich konform – es klang zuvor etwas zu sehr generalisierend. Ich bin genauso dafür, diese Umverteilungsexzesse zu beenden, denn wie Sie schon sagten, landet damit irgendwann alles in den Händen einiger weniger – Resultat: Aufstand, Krieg, Untergang (und die Heuschrecken ziehen danach weiter). Da muss wahrlich etwas am Mechanismus selbst und im allgemeinen Bewusstsein geschehen.

  7. Avatar

    Chris

    15. Oktober 2015 13:11 at 13:11

    Es ist ein übler Treppenwitz.Der Kapitalismus hat den Kommunismus vernichtend geschlagen,um ihn dann noch doller wieder einzuführen!Der oberste Sowjet der EZB legt in halbjährigen Halbwertszeiten Billionen-QEs auf,um die Arbeiter&Bauern am Produktivplus zu beteiligen und somit die These der unbedingten Richtigkeit zu untermauern!Die alteingesessenen Kader&ihre Lobbyisten lassen sich jedoch nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen.Wenn das doofgemerkelte Volk nicht bald kapiert,dass Sie das Volk sind&demensprechend handeln,wirds wieder nichts mit den „blühenden Landschaften“!

    • Avatar

      joah

      15. Oktober 2015 13:28 at 13:28

      Aber die Landschaften blühen doch schon (natürlich nur im Sommer) – aber wie Sie richtig erkannt haben: wir sind schon mitten drin.

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Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

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Containerterminal - Symbol für den Welthandel - eine Stagflation droht

Durch die Coronavirus-Epidemie droht den großen Volkswirtschaften eine Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und steigenden Preisen – die Stagflation. Warum sie so gefährlich ist und warum die Notenbanken in diesem Fall kaum Handlungsspielräume hätten.

Die Weltwirtschaft kühlt sich bereits merklich ab – eine Stagflation käme zur Unzeit

Belastet durch die teilweise Rückabwicklung der Globalisierung im Zuge der diversen Handelsstreitigkeiten sowie die globale Überschuldung hat sich das Weltwirtschaftswachstum bereits merklich abgekühlt. Nach noch 3,8 Prozent globalem Wachstum im Jahr 2017 waren es im Folgejahr, trotz massiver Steuerstimuli in den USA und ultralockerer Geldpolitik weltweit, nur noch 3,6 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr brach die Expansionsrate dann auf 3,0 Prozent ein, vor allem wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China sowie den Schuldenkrisen in diversen Schwellenländern (z. B. in Argentinien, der Türkei, Brasilien, Chile, Venezuela, etc.).

Für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gemäß dem World Economic Outlook aus dem Februar bereits von 3,4 auf 3,0 Prozent abgesenkt. Doch der IWF behält sich weitere Revisionen vor und die Schätzungen diverser Bankenökonomen aus Nordamerika und Europa gehen mittlerweile nur noch von einer Wachstumsbandbreite zwischen 2,3 und 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 aus. Diese nochmalige Wachstumsabkühlung entspräche der geringsten Wirtschaftsdynamik seit der Finanzkrise. Bereits bei einer Wachstumsrate von global zwei Prozent spricht der IWF von einer „gefühlten weltweiten Rezession“.

Die größte Gefahr sieht der IWF in einer Unterbrechung der Lieferketten in Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Epidemie (sie verursacht aktuell auch Turbulenzen an den Börsen, siehe beispielsweise hier). Die betroffenen Unternehmen sind dadurch gezwungen, alternative aber auch teurere Quellen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte zu nutzen, wenn es sie denn überhaupt in ausreichendem Maße gibt. Diese erzwungene Umorientierung in der Beschaffungskette führt zu steigenden Inputpreisen bei den verarbeitenden Unternehmen, die aber nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock verursacht werden.

Eine solche Situation gab es zuletzt in den 1970-er Jahren, als eine künstliche Verknappung der Angebotsmenge von Rohöl zu explodierenden Energiepreisen führte. Die wirtschaftliche Aktivität in den westlichen Ländern litt stark unter dem Ölpreisschock. Mit einer Kombination aus Zinsanhebungen und Lohnsteigerungen wurden damals die Inflationserwartungen eingedämmt und die reale Kaufkraft der Endverbraucher stabilisieret. Beides ist heute jedoch nicht möglich. Höhere Löhne zum Ausgleich gestiegener Preise würden die Margen der Unternehmen noch stärker belasten. Die Kapazitätsauslastung der US-Industrie befindet sich beispielsweise mit nur 76,8 Prozent bereits auf dem Niveau früherer Rezessionen. Zinsanhebungen zur Inflationsbekämpfung wären aufgrund des globalen Schuldenniveaus der „Sudden Death“ für den modernen Finanzkapitalismus. Eine Stagflation käme daher für die Weltwirtschaft zur Unzeit.

Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock

Dass die Preise wegen Lieferverzögerungen und dem Ausfall von Zulieferbetrieben bereits ansteigen, haben die jüngsten Daten von IHS Markit zu den Einkaufsmanager-Indizes für den Monat Februar gezeigt. So ist der für Deutschland erhobene Index für das verarbeitende Gewerbe im Wesentlichen nur deshalb angestiegen, weil sich die beiden Unterkomponenten für die Lieferzeit und die Inputpreise signifikant erhöht haben. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte an diesem Montag vor sich verstärkenden Lieferengpässen in den kommenden Wochen und Monaten, vor allem aus Fernost. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht sogar von „Schweren Auswirkungen auf die Konjunktur“ durch den Angebotsschock aus China.

Kommt es also nun zu steigenden Preisen, dann nicht aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft, sondern wegen der Knappheit bestimmter Güter. Gleichzeitig leidet auch die Nachfrage unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von zig Millionen Konsumenten in den von der Epidemie betroffenen Regionen. Ganz abgesehen von der eingetrübten Stimmung der Verbraucher, die in solchen Ausnahmesituationen andere Sorgen haben, als dem Konsum zu frönen. Der drastische Einbruch der Automobilabsätze in China in den letzten beiden Monaten von 20 Prozent im Januar und 92 Prozent im Februar gibt hier einen Vorgeschmack auf das, was bei einer globalen Pandemie, die nach wie vor nicht gebannt ist, zu erwarten wäre.

In der Folge von Knappheit bestimmter Güter und Lebensmittel stieg die Inflationsrate im Reich der Mitte bereits massiv an, auf 5,4 Prozent im Januar. Im Vorjahresmonat, also im Januar 2019, lag die offizielle Inflationsrate noch bei moderaten 1,7 Prozent. Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock kann in Kürze zu dem gefürchteten Phänomen der Stagflation führen. Dass die chinesische Wirtschaft im Auftaktquartal 2020 überhaupt gegenüber dem von Handelsstreitigkeiten weniger belasteten und vor allem virusfreien Vorjahresquartal 2019 wachsen kann, bleibt Wunschdenken des Regimes in Peking. Auch die westlichen Industriestaaten werden im ersten Quartal 2020 im besten Fall mit einer wirtschaftlichen Stagnation aufwarten können.

Den Notenbanken wären bei einer Stagflation die Hände gebunden

Die Bekämpfung einer Stagflation stellt die Fiskal- und Geldpolitiker in der heutigen Gemengelage vor besondere Herausforderungen. In China versucht die Notenbank auf Geheiß der Regierung, die Kreditvergabe massiv zu stimulieren, indem die Kreditkosten (Zinsen) sowie die Kreditanforderungen drastisch gesenkt werden. Andernfalls würden Millionen bereits angeschlagener Betriebe aus dem Markt ausschieden – ein Horrorszenario auch für den Westen. Bestimmte Vorprodukte werden nur noch in China produziert. Insofern offenbart die Coronavirus-Pandemie die enorme Abhängigkeit des Westens von China, was aus politischen Gründen in der Konsequenz ebenfalls zu einer Rückabwicklung der Globalisierung führen wird, um die Autarkie der westlichen Länder von essenziellen Produkten, wie zum Beispiel Arzneimitteln, sicherzustellen.

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Drei der fünf großen Schweizer Banken bestehen Stresstest nicht

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Die schweizerische Finanzmarktaufsicht FINMA hat heute die Ergebnisse eines Stresstests veröffentlicht. Drei von fünf großen Schweizer Banken bestanden diesen Stresstest nicht, beziehungsweise sie haben die Vorgaben der Aufseher noch nicht vollständig umgesetzt. Die fünf großen für die Schweiz systemrelevanten Banken sind die UBS, Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank. Probleme machen laut FINMA die drei zuletzt genannten. Die folgende Grafik zeigt einzelne Abschnitte des Tests und zeigt was gut läuft, und was noch nicht so gut läuft. Bevor Sie die Worte der FINMA lesen, möchten wir noch allgemein anmerken: Ob die Stresstests der Notenbanken für einen echten Notfall überhaupt irgendeine Aussagekraft haben, darf bezweifelt werden. Die griechischen Banken zum Beispiel, die nachweislich längst platt sind dank gigantischer ausgefallener Kredite, haben die Stresstests ja auch bestanden. Und Institute wie UBS, Credit Suisse oder auch die Deutsche Bank – sie sind so groß von ihrem Geschäftsvolumen her, dass selbst das schönste Notfallkonzept in einer echten Krise wohl nichts nützen würde.

Hier die FINMA auszugsweise im Wortlaut:

Alle fünf systemrelevanten Schweizer Banken haben der FINMA Stabilisierungspläne (Recovery-Pläne) unterbreitet. Die FINMA konnte diese Pläne alle genehmigen. Bis Ende 2019 mussten die beiden Grossbanken überdies umsetzbare Schweizer Notfallpläne erstellen. Die FINMA hat diese geprüft. Bei der Credit Suisse beurteilt die FINMA den Notfallplan als umsetzbar. Die FINMA beurteilt die gesetzlichen Vorgaben für einen umsetzbaren Notfallplan auch bei der UBS als erfüllt, mit dem Vorbehalt, dass bestimmte Eventualverbindlichkeiten noch zu hoch sind.

Auch die drei inlandorientierten systemrelevanten Banken haben je einen Notfallplan eingereicht. Die Banken sind aber mit der Umsetzung per Ende 2019 unterschiedlich weit. Als umsetzbar gilt noch keiner dieser Pläne. Bei der Zürcher Kantonalbank besteht ein plausibler Plan, wie die für den Krisenfall notwendigen Ressourcen in den Bereichen Kapital und Liquidität vervollständigt werden können. Bei Raiffeisen und PostFinance fehlt insbesondere noch ein plausibler Plan für den Aufbau der erforderlichen verlustabsorbierenden Mittel für den Krisenfall. Alle drei inlandorientierten Banken arbeiten weiterhin an der Bereitstellung eines umsetzbaren Notfallplans.

Und hier die FINMA zu den Großbanken im Wortlaut, auszugsweise:

Die FINMA muss für beide Grossbanken einen sogenannten Global-Resolution-Plan erstellen. Im Gegensatz zum Notfallplan, der nur die systemrelevanten Funktionen in der Schweiz umfasst, bezieht dieser globale Abwicklungsplan die gesamte Bankengruppe weltweit mit ein. Die FINMA beurteilt diese globale Abwickelbarkeit (Resolvability) anhand des Kriteriums, ob die Grossbanken die für die Umsetzung des Abwicklungsplans notwendigen Vorbereitungen getroffen haben. Sie kommt dabei zum Schluss, dass beide Banken hierfür bereits wesentliche Vorbereitungsmassnahmen getroffen und damit grosse Fortschritte in ihrer globalen Abwickelbarkeit erzielt haben. So beurteilt die FINMA insbesondere die Anforderungen an die strukturelle Entflechtung als erfüllt. Mit Blick auf diese Entflechtung sind beispielsweise Holdingstrukturen und Schweizer Tochtergesellschaften geschaffen worden. In anderen Bereichen, namentlich der Liquidität für den Krisenfall, stehen jedoch noch Umsetzungsarbeiten an. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die regulatorischen Anforderungen in diesem Bereich noch fehlen.

Schaubild der großen Schweizer Banken unter dem Stresstest der FINMA

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Exporte der deutschen Industrie mit mauen Aussichten

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Kurzzeitig sah es in den letzten Monaten so aus, als würde die deutsche Konjunktur gerade eben so an der Rezession vorbei schrammen. Die Industrie ist längst in einer heftigen Rezession, aber Bau und Dienstleistungen haben das aufgefangen, sodass die gesamte Wirtschaftsleistung derzeit glatt bei 0,0% liegt. Auch die Exporte schienen sich ganz vorsichtig zu erholen. Aber gerade erst letzte Woche meldet das Institut ZEW schwache Exporterwartungen. Und heute folgt das ifo-Institut mit seinem Index für die Exporterwartungen. Der Chart zeigt die Entwicklung der Erwartungen seit 2014. Der Index ist für den Monat Februar von +0,8 auf -0,7 Indexpunkte gefallen, was man am Endes des Chart sehen kann. Die ifo Exporterwartungen basieren auf 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie können angeben, ob sie für die nächsten drei Monate die Exporte erwarten mit „zunehmen“, „gleich bleiben“ oder „abnehmen“. Aus allen Antworten wird dann dieser Index errechnet. Hier noch einige Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

Die Entwicklungen rund um das Corona-Virus lassen kurzfristig kaum auf Besserung hoffen. Die Autobranche befürchtet einen verstärkten Rückgang ihrer Exporte in den kommenden Monaten. Auch in der Chemischen Industrie ist die Skepsis zurück, nach einem zuletzt leicht optimistischen Ausblick. Im Maschinenbau gehen die Unternehmen ebenfalls tendenziell von einem leicht rückläufigen Auslandsgeschäft aus. Lichtblicke in diesem Monat waren die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Getränkehersteller. Sie erwarten deutliche Zuwächse bei ihren Exporten in den kommenden Monaten.

ifo-Chart für die Erwartungen der Exporte

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