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EZB-Direktor schwärmt von erfolgreicher Geldpolitik – bevorstehende Zinswende?

Redaktion

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am

EZB-Direktor Peter Praet hat heute früh in Berlin eine Rede zum Thema „Geldpolitik im Niedrigzinsumfeld“ gehalten. In seiner Rede hat Praet vor allem die Geldpolitik der EZB gelobt, wie sie nach der Krise 2008 den Markt gestützt habe. Auch geht er umfassend darauf ein, wie sehr die EZB mit ihren Zinssenkungen und Anleihekäufen den aktuellen Aufschwung in Euroland angefeuert habe um uns alle vor der Deflationsspirale zu retten (vereinfacht und verkürzt ausgedrückt).

EZB mit Zinswende?

Und was ist nun mit der Zinswende? Steht sie bei der EZB bevor? Wenn man Praet´s Ausführungen so liest, kommt man zu dem Schluss, dass es eigentlich bald so weit sein müsste. Denn schließlich schwärmt er vor allem vom starken Lohnwachstum in Deutschland mit +2,3%. Auch mehrten sich die Zeichen, dass die Erreichung des Zins-Ziels von 2% oder nahe 2% näher rücke. Aber dennoch erwähnt er nicht ein einziges Mal, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende erhöhe.

Denn die EZB behält nach wie vor ihren letzten Joker in der Hinterhand, nämlich die nachhaltige Beibehaltung der Inflation auf diesem „hohen“ Niveau um die 2%. Auch kann man aus der folgenden zweiten hier gezeigten EZB-Grafik einige Rückschlüsse ziehen. Dort werden Wirtschaftswachstum und Kreditvergabe verglichen zwischen Spanien in gelb sowie Deutschland und der gesamten Eurozone. Warum bespricht man gerade Spanien? Nun, die Grafiken zeigen, wie schwach die Entwicklung dort immer noch läuft. Die Kreditvergabe an den Privatsektor ist sogar rückläufig.

Dass Praet bei einer Hand voll Folien gerade diese Spanien-Charts in seiner Rede präsentiert, könnte andeuten: Leute schaut her – eigentlich läuft ja alles total super in Euroland. Aber das Wachstum ist „leider“ noch nicht nachhaltig, und „leider“ noch nicht in allen Mitgliedsstaaten vorhanden. Deswegen können wir „leider“ noch keine Zinswende in der Eurozone einläuten. Man wird das Gefühl nicht los, dass dies die Marschroute für die nächsten offiziellen Sitzungen der EZB sein wird. Eigentlich läuft alles total super, aber es reicht eben nicht aus! Im ersten Chart zeigt Praet langfristig die Anleiherenditen zwischen Deutschland und den USA. Daran erkennt man gut, dass die USA vom Zyklus her mit ihrer Zinswende mehrere Jahre vor Deutschland und Euroland liegen. Die Kurve in den USA hat sich ab 2013 von Deutschland abgekoppelt.

EZB Anleiherenditen Deutschland USA
Vergleich der Anleiherenditen zwischen USA und Deutschland von 1982 bis 2018.

EZB Spanien
Vergleich von Daten zwischen Eurogruppe, Spanien und Deutschland.

Hier einige Zitate aus Praet´s heutiger Rede im Wortlaut:

Nonetheless, the present environment of low interest rates need not become permanent as public policy can address some of the causes of the very low interest rates. While several of the secular factors are challenging for policy to reverse, others can be alleviated by effective and targeted policies that boost potential growth and, in the case of Europe, complete the euro area’s institutional framework. Monetary policy plays an important role by creating an environment which facilitates the necessary structural adjustments, even if in itself it cannot address structural aspects of the economy. Indeed, by laying the groundwork for a return of inflation to our objective, our monetary policy measures have been supporting economic activity and have alleviated damage to the economy’s growth potential.

The main intersection between growth and inflation formation is the labour market. A look at the sectoral make-up of the most recent developments in the job market is encouraging. PMI survey indicators signal continued employment creation ahead across sectors as well as across major countries in the euro area. Measures of labour market tightness, such as the vacancies-to-unemployment ratio or survey indicators of labour shortages, show an upward trend for the euro area that has steepened over the past year. Measures of slack, such as the U6 measure of unemployment, also show improvement. At the same time, there is growing evidence that labour market tightness is translating into a stronger pick-up in wage growth. Annual growth in negotiated wages in the euro area increased to 1.9% in the first quarter of 2018, from 1.6% in the fourth quarter of 2017. The upsurge was primarily due to Germany, where negotiated wages increased by 2.3% in first quarter of 2018 up from 1.9% in the fourth quarter of 2017, driven by major wage agreements in the German metal and engineering industry, the public sector and the construction sector. Rising wage pressures are gradually starting to be reflected in aggregate measures of compensation per employee. These, in turn, feed into producer prices for domestic sales of non-food consumer goods.

Nonetheless, the underlying strength of the euro area economy persists, with growth above potential and sentiment indicators still well above long-term averages for most sectors and countries. The underlying momentum is evidenced in the labour market, with around 8 million more people employed in the euro area since the trough in mid-2013. This implies that all of the job losses recorded during the crisis have been recovered. Also, the unemployment rate is at its lowest level for nearly nine years, despite an increase in the labour force of more than 2%. In terms of demand components, private consumption – one of the main drivers of the euro area recovery since 2013 – is being supported by the steady growth in households’ disposable income, higher asset valuations and by an accommodative monetary policy that contributed to a lower debt burden for borrowers. There also appears to be scope for further private consumption growth as anticipated improvements in the labour market should keep consumer confidence high.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 17:44 at 17:44

    Bevorstehende Zinswende – dass es eigentlich soweit sein müsste ?!?

    Was macht Ihr denn so den ganzen Tag in der Finanzmarktredaktion, Däumchen drehen, darauf hoffen, dass der Dax fällt, also ehrlich ? ;)

    Mit den üblichen Argumenten, DAX/Aktienmarkt seit 2009 gestiegen ohne Ende, viel zu teuer, die US-Anleiheiherenditen liegen bei 3 % (GANZ WICHTIG ! US Anleiherendite !! Das interessiert Europa ohne Ende !!! Mit negativen Einlagezinsatzsätzen in Europa an die Banken !!!) , wann fällt er denn endlich, der Dax, Eur-Crash, Italien bzw. Eur-Krise.

    „Daran erkennt man gut, dass die USA vom Zyklus her mit ihrer Zinswende mehrere Jahre vor Deutschland und Euroland liegen. Die Kurve in den USA hat sich ab 2013 von Deutschland abgekoppelt.“

    Deutschland an sich = „eigene DM“ hätte längst die Zinsen erhöhen müssen (da wäre ansonsten viel zu viel Druck auf dem Kessel der DM…) , wohl sogar im „Gleichschritt“ mit dem Amiland, deshalb würde ich sehr wohl unterscheiden, zwischen Deutschland und dem Rest Europas.

    Geht aber nicht, weil Deutschland der EUR ist… und sich hinter dem EUR „verstecken“ kann. Mit allen positiven, wie negativen Folgen…

  2. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 17:54 at 17:54

    Und dass, der Dax , die Nr. 1 Europas, gerade mal 350 Punkte über den 2015er Höchstständen steht, das lassen wir mal gehöhrigst unter den Tisch fallen, hier in der Bärenhöhle…

    Natürlich ist es so, dass die EZB, weil sie eben für Europa steht, auch für Europa, bzw. den EUR handeln muss, aber irgendwann ist mal Schluss mit den Billigzinsen.

    Und das ist gut so, auch für euch Bären, glaubt mir. Aber eine Chance auf einen Mega-Short habt Ihr nicht ohne die EZB ! Weil, dann kämpft Ihr Bären gegen eine Windmühle und die eine Windmühle dürfte reichen…

  3. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 18:13 at 18:13

    Und für die Amis dürfte das gar nicht gut sein, sollten sie weiter die Zinsen erhöhen (wenn auch peu-a-peu) und die EZB macht immer noch nix (im nächsten Jahr) !

    Dann würde nämlich EUR unter die Parität fallen, dies kann nicht im Interesse der Amis sein.

    Ist ja sowieso eine ziemlich Farce der EUR/USD-Kurs, aber o.k. … So ist eben „Miss Börse“…

  4. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 18:35 at 18:35

    Und das, genau das ist Macht, die EZB ist die mächtigste Notenbank der Welt.

    Die haben den Markt im „Griff“, während die FED anders reagieren musste, durch den Lehman-Skandal, wofür ich Verständnis habe. Absolut.

    Da können die Amis, in der jetzigen Situation, einfach nicht mehr „mithalten“. Gut, deren Aktienmarkt ist ordentlich gestiegen, aber beim Anleihemarkt…?

    Wovon ich ausgehe, im März 2019 erfolgt die erste Zinserhöhung der EZB zu 0,25 %, da wären die Amis (FED) wohl zufrieden, ein zu stark steigender Zinsabstand (EUR/USD) kann nicht im Interesse aller sein. Irgendwann müssen die Billigzinsen aufhören.

    Na ja , schaun mer mal… ;)

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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