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EZB-Direktor schwärmt von erfolgreicher Geldpolitik – bevorstehende Zinswende?

Redaktion

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am

EZB-Direktor Peter Praet hat heute früh in Berlin eine Rede zum Thema „Geldpolitik im Niedrigzinsumfeld“ gehalten. In seiner Rede hat Praet vor allem die Geldpolitik der EZB gelobt, wie sie nach der Krise 2008 den Markt gestützt habe. Auch geht er umfassend darauf ein, wie sehr die EZB mit ihren Zinssenkungen und Anleihekäufen den aktuellen Aufschwung in Euroland angefeuert habe um uns alle vor der Deflationsspirale zu retten (vereinfacht und verkürzt ausgedrückt).

EZB mit Zinswende?

Und was ist nun mit der Zinswende? Steht sie bei der EZB bevor? Wenn man Praet´s Ausführungen so liest, kommt man zu dem Schluss, dass es eigentlich bald so weit sein müsste. Denn schließlich schwärmt er vor allem vom starken Lohnwachstum in Deutschland mit +2,3%. Auch mehrten sich die Zeichen, dass die Erreichung des Zins-Ziels von 2% oder nahe 2% näher rücke. Aber dennoch erwähnt er nicht ein einziges Mal, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende erhöhe.

Denn die EZB behält nach wie vor ihren letzten Joker in der Hinterhand, nämlich die nachhaltige Beibehaltung der Inflation auf diesem „hohen“ Niveau um die 2%. Auch kann man aus der folgenden zweiten hier gezeigten EZB-Grafik einige Rückschlüsse ziehen. Dort werden Wirtschaftswachstum und Kreditvergabe verglichen zwischen Spanien in gelb sowie Deutschland und der gesamten Eurozone. Warum bespricht man gerade Spanien? Nun, die Grafiken zeigen, wie schwach die Entwicklung dort immer noch läuft. Die Kreditvergabe an den Privatsektor ist sogar rückläufig.

Dass Praet bei einer Hand voll Folien gerade diese Spanien-Charts in seiner Rede präsentiert, könnte andeuten: Leute schaut her – eigentlich läuft ja alles total super in Euroland. Aber das Wachstum ist „leider“ noch nicht nachhaltig, und „leider“ noch nicht in allen Mitgliedsstaaten vorhanden. Deswegen können wir „leider“ noch keine Zinswende in der Eurozone einläuten. Man wird das Gefühl nicht los, dass dies die Marschroute für die nächsten offiziellen Sitzungen der EZB sein wird. Eigentlich läuft alles total super, aber es reicht eben nicht aus! Im ersten Chart zeigt Praet langfristig die Anleiherenditen zwischen Deutschland und den USA. Daran erkennt man gut, dass die USA vom Zyklus her mit ihrer Zinswende mehrere Jahre vor Deutschland und Euroland liegen. Die Kurve in den USA hat sich ab 2013 von Deutschland abgekoppelt.

EZB Anleiherenditen Deutschland USA
Vergleich der Anleiherenditen zwischen USA und Deutschland von 1982 bis 2018.

EZB Spanien
Vergleich von Daten zwischen Eurogruppe, Spanien und Deutschland.

Hier einige Zitate aus Praet´s heutiger Rede im Wortlaut:

Nonetheless, the present environment of low interest rates need not become permanent as public policy can address some of the causes of the very low interest rates. While several of the secular factors are challenging for policy to reverse, others can be alleviated by effective and targeted policies that boost potential growth and, in the case of Europe, complete the euro area’s institutional framework. Monetary policy plays an important role by creating an environment which facilitates the necessary structural adjustments, even if in itself it cannot address structural aspects of the economy. Indeed, by laying the groundwork for a return of inflation to our objective, our monetary policy measures have been supporting economic activity and have alleviated damage to the economy’s growth potential.

The main intersection between growth and inflation formation is the labour market. A look at the sectoral make-up of the most recent developments in the job market is encouraging. PMI survey indicators signal continued employment creation ahead across sectors as well as across major countries in the euro area. Measures of labour market tightness, such as the vacancies-to-unemployment ratio or survey indicators of labour shortages, show an upward trend for the euro area that has steepened over the past year. Measures of slack, such as the U6 measure of unemployment, also show improvement. At the same time, there is growing evidence that labour market tightness is translating into a stronger pick-up in wage growth. Annual growth in negotiated wages in the euro area increased to 1.9% in the first quarter of 2018, from 1.6% in the fourth quarter of 2017. The upsurge was primarily due to Germany, where negotiated wages increased by 2.3% in first quarter of 2018 up from 1.9% in the fourth quarter of 2017, driven by major wage agreements in the German metal and engineering industry, the public sector and the construction sector. Rising wage pressures are gradually starting to be reflected in aggregate measures of compensation per employee. These, in turn, feed into producer prices for domestic sales of non-food consumer goods.

Nonetheless, the underlying strength of the euro area economy persists, with growth above potential and sentiment indicators still well above long-term averages for most sectors and countries. The underlying momentum is evidenced in the labour market, with around 8 million more people employed in the euro area since the trough in mid-2013. This implies that all of the job losses recorded during the crisis have been recovered. Also, the unemployment rate is at its lowest level for nearly nine years, despite an increase in the labour force of more than 2%. In terms of demand components, private consumption – one of the main drivers of the euro area recovery since 2013 – is being supported by the steady growth in households’ disposable income, higher asset valuations and by an accommodative monetary policy that contributed to a lower debt burden for borrowers. There also appears to be scope for further private consumption growth as anticipated improvements in the labour market should keep consumer confidence high.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 17:44 at 17:44

    Bevorstehende Zinswende – dass es eigentlich soweit sein müsste ?!?

    Was macht Ihr denn so den ganzen Tag in der Finanzmarktredaktion, Däumchen drehen, darauf hoffen, dass der Dax fällt, also ehrlich ? ;)

    Mit den üblichen Argumenten, DAX/Aktienmarkt seit 2009 gestiegen ohne Ende, viel zu teuer, die US-Anleiheiherenditen liegen bei 3 % (GANZ WICHTIG ! US Anleiherendite !! Das interessiert Europa ohne Ende !!! Mit negativen Einlagezinsatzsätzen in Europa an die Banken !!!) , wann fällt er denn endlich, der Dax, Eur-Crash, Italien bzw. Eur-Krise.

    „Daran erkennt man gut, dass die USA vom Zyklus her mit ihrer Zinswende mehrere Jahre vor Deutschland und Euroland liegen. Die Kurve in den USA hat sich ab 2013 von Deutschland abgekoppelt.“

    Deutschland an sich = „eigene DM“ hätte längst die Zinsen erhöhen müssen (da wäre ansonsten viel zu viel Druck auf dem Kessel der DM…) , wohl sogar im „Gleichschritt“ mit dem Amiland, deshalb würde ich sehr wohl unterscheiden, zwischen Deutschland und dem Rest Europas.

    Geht aber nicht, weil Deutschland der EUR ist… und sich hinter dem EUR „verstecken“ kann. Mit allen positiven, wie negativen Folgen…

  2. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 17:54 at 17:54

    Und dass, der Dax , die Nr. 1 Europas, gerade mal 350 Punkte über den 2015er Höchstständen steht, das lassen wir mal gehöhrigst unter den Tisch fallen, hier in der Bärenhöhle…

    Natürlich ist es so, dass die EZB, weil sie eben für Europa steht, auch für Europa, bzw. den EUR handeln muss, aber irgendwann ist mal Schluss mit den Billigzinsen.

    Und das ist gut so, auch für euch Bären, glaubt mir. Aber eine Chance auf einen Mega-Short habt Ihr nicht ohne die EZB ! Weil, dann kämpft Ihr Bären gegen eine Windmühle und die eine Windmühle dürfte reichen…

  3. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 18:13 at 18:13

    Und für die Amis dürfte das gar nicht gut sein, sollten sie weiter die Zinsen erhöhen (wenn auch peu-a-peu) und die EZB macht immer noch nix (im nächsten Jahr) !

    Dann würde nämlich EUR unter die Parität fallen, dies kann nicht im Interesse der Amis sein.

    Ist ja sowieso eine ziemlich Farce der EUR/USD-Kurs, aber o.k. … So ist eben „Miss Börse“…

  4. Avatar

    Marko

    6. Juni 2018 18:35 at 18:35

    Und das, genau das ist Macht, die EZB ist die mächtigste Notenbank der Welt.

    Die haben den Markt im „Griff“, während die FED anders reagieren musste, durch den Lehman-Skandal, wofür ich Verständnis habe. Absolut.

    Da können die Amis, in der jetzigen Situation, einfach nicht mehr „mithalten“. Gut, deren Aktienmarkt ist ordentlich gestiegen, aber beim Anleihemarkt…?

    Wovon ich ausgehe, im März 2019 erfolgt die erste Zinserhöhung der EZB zu 0,25 %, da wären die Amis (FED) wohl zufrieden, ein zu stark steigender Zinsabstand (EUR/USD) kann nicht im Interesse aller sein. Irgendwann müssen die Billigzinsen aufhören.

    Na ja , schaun mer mal… ;)

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Keine Kreditgebühr, keine Zinsmarge – so kräftig erhöhen die Banken ihre Kontogebühren

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Zu den normalen Kontogebühren kommen wir gleich noch. Aber womit verdienen Banken sonst noch ihr Geld? Im Jahr 2014 wurden Bearbeitungsgebühren für Kredite an Privatkunden für unzulässig erklärt (siehe hier die Details). Aber das war ja noch nicht mal das Schlimmste aus Sicht der Banken. Die EZB betreibt seit der Finanzkrise 2008 eine Art Dauer-Rettungsprogramm für die Konjunktur in der Eurozone. Neben Anleihekäufen in Billionenhöhe wurden die Zinsen immer weiter gesenkt, und letztlich wurden sie de facto abgeschafft – ob sie jemals wieder nennenswert steigen können, ist eine Frage für Philosophen. Klicken Sie dazu bitte hier für unseren gestrigen Artikel zu den aktuellsten Aussagen der EZB.

Jenseits des Atlantiks machen vor allem die Großbanken nicht mit Kontogebühren viel Geld, sonderm mit dem Kapitalmarktgeschäft, weil Unternehmen dort oft börsennotiert sind, Anleihen ausgeben statt Kredite aufnehmen, Kapitalerhöhungen durchführen uvm. Die Einnahmemöglichkeiten für die dortigen Banken sind also vielfältiger als in Europa. Denn hier bleibt in der Regel nur die Möglichkeit, Erträge aus dem klassischen Zwei Säulen-Modell zu generieren. Nämlich entweder Zinserträge erwirtschaften aus Krediten, oder Kontogebühren zu generieren. Als da wären zum Beispiel Kontoführungsgebühren, Gebühren für die Geldautomatennutzung, Kartengebühren, Schließfachgebühren uvm.

Kontogebühren bei Banken müssen zwangsläufig immer weiter steigen

Tja, und wenn die EZB den Banken die mit Abstand wichtigere Einnahmequelle (die Zinsen) immer mehr abwürgt, müssen die Banken zwangsläufig die andere Säule immer weiter hochschrauben. Es geht gar nicht anders. Wir alle erleben es die letzten Jahre. Auf immer abstrusere Weise führen Banken neue Kontogebühren ein. Sie werden getarnt als jährliche Kartennutzungsgebühr, oder Gebühr für die Nutzung von Automaten, oder sogar die Gebühr für Überweisungen im Onlinebanking. Wie stark die Kontogebühren ansteigen, hat heute das Statistische Bundesamt höchst offiziell präsentiert.

Die Statistiker erwähnen als Vergleichsmaßstab die Verbraucherpreise, die im Oktober im Jahresvergleich sogar deflationär waren mit -0,2 Prozent. Die Kontogebühren der Banken (für das private Girokonto) stiegen aber von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um satte 6,4 Prozent. Bereits im Jahr 2019 stiegen die Kontogebühren der Banken deutlich mit +4,7 Prozent im Vergleicht zu 2018, während die Verbraucherpreise um 1,4 Prozent stiegen. Von 2015 bis 2019 stiegen die Kontogebühren um satte 25 Prozent. Die Statistiker weisen aber auch darauf hin, dass sie von 2010 bis 2014 vor allem aufgrund weggefallener Bearbeitungsgebühren für Privatkredite um 27,9 Prozent gefallen waren. Aber seit 2015 kennen die Kontogebühren nur noch den Weg nach oben.

Langfristig sogar sinkende Gebühren? Für den normalen Kontonutzer eine täuschende Statistik

Die Statistiker sprechen es auch klar an. Eine Ursache für diese massiven Preissteigerungen bei Kontogebühren seien vermutlich fehlende Einnahmen der Banken aus Einlagen, Geldanlageprodukten und Darlehen. Konnte man das Privatkundengeschäft in der Vergangenheit mit diesen Einkünften quersubventionieren, so müssen die Kosten für Filialnetz, Infrastruktur und Personal nun auch über Kontoführungsgebühren finanziert werden, so die Statistiker. Und ja, der Weg ist klar. Die alltäglichen Kontogebühren (oder wie immer sie optisch dargestellt werden) dürften weiter ansteigen.

Interessant ist der folgende Chart. Er zeigt seit dem Jahr 2010 die Entwicklung der Verbraucherpreise in blau, und die Entwicklung der Kontogebühren bei Banken in rot. Durch das Zusammenspiel der beiden Effekte (erst abgeschaffte Kreditgebühren und später steigende Kontogebühren) relativiere sich der Preisanstieg für Bank- oder Sparkassengebühren über einen längeren Zeitraum, so die Statistiker. Gegenüber 2010 sind die Preise im Jahr 2019 um 8,2 % gefallen, so ihre Aussage. Wir meinen: Auf lange Sicht hat hier nur der Kunde profitiert, der die letzten Jahre auch einen Kredit abgeschlossen und die Kreditbearbeitungsgebühr gespart hat. Der normale Girokontoinhaber ohne Kredit, der zahlt die Zeche!

Chart zeigt Entwicklung der Kontogebühren von Banken seit dem Jahr 2010

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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