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EZB-Dispo für Banken in der Eurozone: Detail-Regeln veröffentlicht

Technisch nennt die EZB diesen Dispo „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), also Notfall-Liquiditätshilfe, was nichts anders ist als ein Dispo. Irgendwie muss man direkt an die Rettung der…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die EZB reagiert heute auf die nach ihren eigenen Worten anhaltende Kritik bezüglich des Dauer-Dispos, der vor allem jahrelang an griechische Banken vergeben wurde. Technisch nennt die EZB diesen Dispo „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), also Notfall-Liquiditätshilfe, was nichts anders ist als ein Dispo. Irgendwie muss man direkt an die Rettung der Banca Monte dei Paschi in Italien denken, wo eine offiziell „gesunde“ Bank mit vorübergehend frischem Geld gestützt wird – auch wenn es in Italien um Kapitalzufuhr geht, und nicht um Liquiditätshilfen. Während der Finanzkrise wurde das griechische Bankensystem letztlich nur durch die ELA´s am Leben gehalten.

Da gibt es nichts dran zu deuten. Die Argumentation ging so. Eigentlich seien damals die griechischen Banken ja gesund gewesen. Nur diese (nervigen?) griechischen Bankkunden waren eben ständig dabei die Geldautomaten zu stürmen. Also musste die EZB jahrelang einspringen. Aber halt, da geht es schon los. Wie sehen die Details zu den ELA´s denn nun aus? Bisher war schon bekannt, dass die ELA´s nicht durch die EZB, sondern durch die nationalen Notenbanken vor Ort vergeben werden.

In ihrer heutigen Detail-Info macht die EZB klar, dass man im EZB-Tower in Frankfurt eigentlich im Großen und Ganzen mit den ELA´s wenig bis gar nichts zu tun habe – so möchten wir die Texte der EZB mal sinngemäß zusammenfassen. Die Herausgabe der ELA´s liege alleinig im Ermessen der nationalen Notenbanken für ihre heimischen Banken. Auch trüge diese nationale Notenbank eventuelle Kosten, falls also eine Bank nicht zurückzahlt.

Grundsätzlich haben ELA´s offiziell nichts mit der Geldpolitik zu tun, so die EZB. Die nationalen Notenbanken seien verantwortlich für den Umfang der ELA´s, für die Laufzeit, Währung und die Art der Sicherheiten, gegen die sie gewährt würden. Zahlen und zurückfordern tut ebenfalls die Notenbank auf nationaler Ebene. Aber was hat die EZB denn überhaupt noch damit zu tun? Nun, so schreibt die EZB heute: Wenn die ELA-Hilfe an eine einzelne Bank oder die Gesamthilfe in einem einzelnen Eurozonen-Mitgliedsland die Summe von 2 Milliarden Euro überschreite, müsse die EZB weiteren Hilfen zustimmen.

Die EZB prüfe nämlich, ob die Dauer dieser Hilfen nicht mit ihrer eigenen Geldpolitik „kollidiert“. Trotzdem verbleibe aber die Verantwortung für die ELA´s komplett bei der nationalen Notenbank. Der EZB-Rat könne der nationalen Notenbank eine Obergrenze oder ein Verbot weiterer Hilfen auferlegen, mehr nicht. Man muss berücksichtigen, dass es bei den ELA´s nicht um Kapitalmaßnahmen geht, sondern um Liquiditätshilfe, damit beispielsweise überhaupt noch Geld aus den Automaten kommt.

Die Nationale Notenbank hat die EZB über alle ELA-Ausgaben spätestens zwei Tage danach zu informieren. Die Banken, die ELA´s erhalten, müssen monatlich Auskunft geben über ihr Kapital (Common Equity Tier 1 capital, Tier 1 and Total Capital Ratios as well as the Leverage Ratio as reported under Regulation (EU) No 575/2013.) Bringt eine dieser betroffenen Banken ihre Kapitalanforderungen (wenn sie denn kritisch sind) nicht binnen 24 Wochen in Ordnung, kann der EZB-Rat entscheiden diese Frist um weitere 24 Wochen zu verlängern. Was für eine alberne Regel, oder? Dann kann man die offizielle Frist doch gleich bei 48 Wochen ansetzen!

Noch so eine relativ sinnfreie Regel: Sollte eine ELA länger als 12 Monate dauern, kann der Chef der national durchführenden Notenbank diese Frist anscheinend immer weiter verlängern – er muss dann lediglich jeden Monat einen Brief an Mario Draghi schreiben und ihm dies erklären (Zitat: the Governor of the NCB concerned must justify the further provision of ELA in a letter to the President of the ECB on a monthly basis). Ach ja, und die nationale Notenbank soll einen Strafzins für die ELA´s erheben, damit dieser Dispo wie der richtige Dispo für Privatkunden teurer ist als ein normaler Ratenkredit, so möchten wir es anmerken.

Fazit: Die EZB will sagen, dass man selbst mit diesen Hilfen eigentlich nicht wirklich was zu tun hat. Man selbst in Frankfurt macht eben nur Geldpolitik. Auf nationaler Ebene können die Notenbanken vor sich hin wurschteln. Man weiß davon, schaut nicht so genau hin, und am Ende ist es eben das Problem der nationalen Notenbank.


Das Logo der EZB. Grafik gemeinfrei.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Walter Schmid

    19. Juni 2017 22:20 at 22:20

    Liebe FMW-Redaktion, welche Möglichkeiten gibt es, eure hochinteressanten Recherchen breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen? Ich wünschte mir, das Volk wäre informiert und nicht nur die Leser dieser Seite!!!

    • Avatar

      Michael

      20. Juni 2017 00:54 at 00:54

      Machen Sie es wie Trump, twittern Sie #FMW, liken Sie die FMW auf Facebook, ein G+1 für die FMW, verbreiten Sie FMW bei den EDAATH-FAANG-Firmen.
      Posten, liken, taggen und sharen, so erreichen Sie das Volk.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      20. Juni 2017 08:07 at 08:07

      @Walter, vielen Dank für Ihre Worte! Da wir bei FMW maximal ausgelastet sind, wären wir wahnsinnig dankbar, wenn Sie oder jemand anderer uns helfen könnte, die Texte von FMW in den sozialen Medien zu lancieren und damit für deren Verbreitung zu sorgen! Wäre richtig cool – also wer die Zeit dazu hat und natürlich auch die Lust dazu, das wäre für uns ein Segen!

      Liebe Grüsse!

      • Avatar

        Walter Schmid

        20. Juni 2017 15:27 at 15:27

        Leider bin ich selbst maximal ausgelastet und nicht nur deshalb weder bei Facebook oder Twitter unterwegs. Wenn Einzelne auf solchen Plattformen Werbung für FMW machen würden, würde das kaum etwas bringen. Ich kenne das Geschäftsmodell von FMW nicht, aber welches auch immer Sie haben, Sie haben jede Menge Möglichkeiten wirksamster Bewerbung! Sie brauchen hier einen Mitarbeiter, der so etwas kann, der sich Gedanken darüber macht, wo und wie er Ihre Zielgruppe bestmöglich und vor allem effektiv erreichen und das auch umsetzen kann. Da müsste FMW allerdings auch etwas Geld in Hand nehmen. Viele scheuen die hohen Kosten, die Werbung verursachen kann, was natürlich kaufmännischer Blödsinn ist, wenn man z. B. 100.000 EUR in Werbung investiert und damit einen zusätzlichen Gewinn von 250.000 erzielt.

  2. Avatar

    PK

    20. Juni 2017 07:56 at 07:56

    das Volk ist doch komplett überfordert mit sowas. 90% können nicht mal annähernd erklären, was Staatsverschuldung ist, wie sich der Staat finanziert etc.
    Aber ein sehr interessanter Artikel ist das schon, es zeigt einmal mehr, wie das ursprüngliche Konzept immer weiter aufgeweicht wird.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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