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EZB: Draghi fordert erneut Konjunkturprogramme

Hannes Zipfel

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In seiner Abschiedsrede vor dem EU-Parlament verteidigte Mario Draghi gestern seine Dauerrettungspolitik und appellierte erneut an die Fiskalpolitiker der Eurozone, das Gratisgeld der EZB doch bitte endlich für schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme auszugeben.

EZB drückt am Seil

Ist es Zufall oder Schicksal, dass ausgerechnet am Tag der Abschiedsrede des EZB-Präsidenten Mario Draghi vor dem Parlament der EU die Regierung seines Heimatlandes erneut die Wachstumsaussichten für Italien drastisch gesenkt hat? Noch im Dezember letzten Jahres sollte die Stiefel-Wirtschaft im Jahr 2020 um 1,2 Prozent wachsen. Jetzt sind es nur noch 0,6 Prozent. Laut Insidern aus dem Finanzministerium, das am Freitag seinen Haushaltsplan offiziell vorlegen wird, könnten es ohne zusätzliche Konjunkturstimuli gar nur 0,4 Prozent Wachstum werden – optimistisch geschätzt.

Noch EZB-Chef Mario Draghi
Noch EZB-Präsident Mario Draghi. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

Doch auch die Bundesrepublik muss sich stärker gegen den Abschwung stemmen. Die jüngsten ifo-Zahlen zur deutschen Konjunktur zeigten nur oberflächlich eine Stabilisierung. Die wichtige Unterkomponente für die Industriekonjunktur hat ein neues zyklisches Tief erreicht, mit dem geringsten Wert seit dem Höhepunkt der Eurokrise im Jahr 2012. Die in die Zukunft gerichtete Erwartungskomponente des ifo-Index sank über alle Sektoren hinweg weiter ab.

So ist es auch kein Wunder, dass ifo-Chef Clemens Fuest und sein Kollege Dr. Klaus Wohlrabe in den Chor derer einstimmen, die ohne antizyklische Konjunkturstimuli keine Verbesserung der Lage sehen. Doch in diesem Punkt ist die EZB momentan machtlos. Sie kann zwar die Bedingungen für kostenlose Neuverschuldung für die Mitgliedsstaaten schaffen, aber Schulden machen müssen die Fiskalpolitiker dann schon selbst. In der Ökonomie bezeichnet man dieses Dilemma als „Pushing on a String“, also an einem Seil drücken.

Gute Vorschläge treffen auf andere Prioritäten

Dass die Wachstumsschwäche gerade für exportorientierte Länder wie Deutschland und Italien nicht von allein verschwindet, kann man an der ebenfalls gesenkten Wachstumsprognose der OECD für die Weltwirtschaft von letztem Donnerstag sehen. In Italien sind zwar viele Probleme hausgemacht, aber kurzfristig sind Strukturreformen, die Draghi seit nunmehr acht Jahren von seinen Landsleuten fordert, absolut unrealistisch. Kurzfristig wirksame Stimuli sind gefragt.

Clemens Fuest schlägt für Deutschland vor, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags für 90 Prozent der Erwerbstätigen auf 1. Januar 2020 um ein Jahr vorzuziehen. Darüber hinaus empfiehlt er, die Abschreibungsmöglichkeiten für die verarbeitende Industrie zu erhöhen. Sein dritter Vorschlag, mehr Planungssicherheit bei den Energiepreisen sicherzustellen, ist jedoch in Anbetracht der Energiewende und des Klimapakets unrealistisch.

Fazit

Noch haben die Protagonisten im Wirtschafts- und Finanzministerium in Deutschland andere Prioritäten. Olaf Scholz lies jüngst verlautbaren, dass in Sachen Konjunkturpaket noch kein Handlungsbedarf bestehe, ebenso wie die Kanzlerin vor einigen Wochen. Doch mit der bevorstehenden Herbstabkühlung könnten sich die Prioritäten ganz schnell ändern. Hoffentlich nicht zu spät, denn einen breiten Konjunkturabschwung aufzuhalten, ist deutlich schwieriger, als eine lediglich stagnierende Wirtschaft zu revitalisieren.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Koch

    24. September 2019 19:24 at 19:24

    Merke:Wer klar denkt,spricht klar!Schafft endlich diesen planwirtschaftlichen KP-Sekretär ins Abseits.Nach Madrid oder Mailand,Hauptsache Italien,sagte doch mal so treffend ein ähnlicher Geistesblitz.Angie soll ihm noch eine fette Geburtstagsfeier auf Steuerzahlerkosten spendieren(damit kennt sie sich ja aus)und dann ab ins Exil!Die ganze €-Baywatchrettungsgruppe-leider nicht annähernd so attraktiv-soll sich anschliessend ihren Platz neben all den anderen Europakillern(Napoleon,Franco,Mussolini,Adolf,etc.)suchen.Der fatale Leitsatz:scheitert der €uro,dann scheitert Europa,hätte nämlich auch von diesen Knallköppen stammen können!

  2. Avatar

    Torsten

    25. September 2019 07:42 at 07:42

    Macht bitte endlich Schulden! NEIN Herr Draghi!

    Und Tschüss!

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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Konsumklima und Kaufverhalten im Oktober – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Einkaufswagen

Die Coronakrise nimmt wieder mehr Fahrt auf. Deutschland hat mehr täglich Neuinfizierte als noch im Frühjahr, und die Restriktionen im Alltag nehmen wieder zu. Der selbe Reflex wie im Frühjahr zeigt sich aktuell bei den Verbrauchern – aber offenbar noch nicht im selben Ausmaß. Das kann man gut ablesen im Konsumklima und im Kaufverhalten der Deutschen. Heute früh wurden Daten zu Konsumklima und Kaufverhalten für Oktober veröffentlicht.

Konsumklima

Das einmal im Monat veröffentlichte GfK-Konsumklima zeigt heute früh, dass der Optimismus der deutschen Verbraucher im Oktober spürbar schwindet. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen demnach aktuell davon aus, dass COVID-19 eine große bziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt, und etwa die Hälfte macht sich große beziehungsweise sehr große Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen wie auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert GfK für das Konsumklima für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten, und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres. Gut sichtbar ist der Abwärtstrend im Konsumklima im folgenden Chart. Ein Balken steht für einen Monat.


source: tradingeconomics.com

Kaufverhalten

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Daten zum Kaufverhalten in Deutschland veröffentlicht. Man hat sich die Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 angeschaut, und mit früheren Zeiträumen verglichen. Wegen der steigenden Infektionszahlen ist die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teils deutlich gestiegen. Die Verkaufszahlen von Toilettenpapier waren vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (+89,9 %) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. Der Absatz von Desinfektionsmitteln lag knapp drei Viertel (+72,5 %) und der von Seife knapp zwei Drittel (+62,3 %) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Die Grafik, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, zeigt: Die Panikkäufe im Frühjahr waren deutlich heftiger als heute, aber der Trend zum Kauf bestimmter Waren geht aktuell bergauf.

Chart zeigt Kaufverhalten vor und während der Coronakrise

Hier weitere Detailaussagen der Statistiker:

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife blieb auch während des Sommers, als sich der Absatz von Lebensmitteln weitgehend normalisiert hatte, leicht überdurchschnittlich. In der 42. Kalenderwoche zog nun auch die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln an. So stieg der Absatz von Mehl verglichen mit dem Vorkrisen-Durchschnitt um mehr als ein Viertel (+28,4 %) und der Absatz von Hefe um mehr als ein Drittel (+34,8 %). Die Verkaufszahlen von Teigwaren wie Nudeln waren hingegen leicht unterdurchschnittlich (-0,2 %).

Statistik zeigt Kaufverhalten für einzelne Produkte

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