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EZB – dreht sie an der falschen Schraube?

Das Instrumentarium der Geldpolitiker ist breit, doch es zeichnet sich immer mehr ab, dass der Rat der EZB auf seiner Sitzung am kommenden Donnerstag primär eine Zins-Schraube weiter nach unten drehen wird: den bereits mit minus 0,4 Prozent negativen Einlagenzinssatz. Aber diese Schraube könnte genau die Falsche sein.

Das Instrumentarium der EZB

Im Moment scheint der EZB-Rat gespalten in Hinblick auf die vorzunehmenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Abschwächung von Preisen und Wirtschaft in der Eurozone. Die Vertreter der Nordländer, wie z. B. Jens Weidmann, Sabine Lautenschläger und Yves Mersch, sind strikt gegen weitere geldpolitische Stimuli und fordern stattdessen Strukturreformen und nationale Anstrengungen zur Überwindung der sich verschärfenden Wachstumsschwäche. Die Vertreter der Südländer sprechen sich hingegen für Zinssenkungen und neue Wertpapierkaufprogramme in zweistelliger Milliardenhöhe pro Monat aus.

Zahlenmäßig sind die stimmberechtigten Vertreter der Südländer denen der Nordländer weit überlegen, doch selten findet Geldpolitik ohne breite Zustimmung statt. Gegenstimmen sind eher die Ausnahme. Daher wird es wohl zu einem Kompromiss kommen, der vor allem eine nochmalige Absenkung des Einlagenzinses bedeutet (Deposit Rate). Diesen Zinssatz, so er denn negativ ist, müssen Banken an die EZB bezahlen, wenn sie dort Geld parken.

Neben dem Einlagenzins gibt es noch den Hauptrefinanzierungssatz zu dem sich Banken gegen die Hinterlegung bestimmter Sicherheiten (Wertpapiere) Geld bei der EZB leihen können, um es anschließend als Kredite weiter zu verleihen. Dieser Zins für die sogenannten Main Refinancing Operations ist der eigentliche Leitzins und liegt aktuell bei null Prozent. Der dritte Zinssatz betrifft den marginalen kurzfristigen Übernachtrefinanzierungsbedarf der Geschäftsbanken (Marginal Lending Facility).

EZB-Leitzinsen mit letzter Zinssenkung am 10. März 2016 (0,25 Prozent, 0 Prozent, -0,4 Prozent)

EZB Leitzinsen seit 2007

Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Steuerungsinstrument: den Mindestreservesatz. Dieser liegt aktuell im Eurosystem bei 1 Prozent. Diesen Anteil an den Verbindlichkeiten einer Bank gegenüber seinen Kunden (Kontoeinlagen) müssen Geschäftsbanken auf EZB-Konten vorhalten. Sinkt dieser Satz, wie kürzlich in China geschehen, haben die Banken vereinfacht ausgedrückt mehr Spielraum bei der Weiterverleihung der eingezahlten Kundengelder als Kredite an Dritte. Da dieser Satz aber bereits sehr niedrig ist, würde ein nochmaliges Absenken auf 0,5 oder 0 Prozent in der Praxis nicht viel bringen, zumal die Kreditnachfrage und die Kreditkosten dadurch nicht beeinflusst würden.

Macht die EZB erneut den gleichen Fehler?

Was nun die EZB-Entscheidung am Donnerstag betrifft, könnte also als wesentliche Maßnahme die nochmalige Absenkung des Einlagenzinses konsensual beschlossen werden. Ziel der Absenkung dieses Zinssatzes war ursprünglich, die Banken davon abzuhalten, ihre Reserven bei der Zentralbank zu horten, anstatt diese an Banken mit hohem Kreditgeschäft und wenig Bankeinlagen über den Interbankenmarkt weiterverleihen.

Wie die weiter unten folgende Grafik zeigt, hat der bereits am 5. Juni 2014 eingeführte Negativzins für die Bankeinlagen bei der EZB den gewünschten Effekt nicht erzielt. Die über das Mindestreserve-Soll hinausgehenden freiwilligen Einlagen sind weiter gestiegen und verharren auch aktuell auf diesem hohen Niveau. Die Banken nehmen lieber die Strafzinsen in Kauf und geben diese verstärkt an ihre Kunden weiter. Dieses Phänomen ist Ausdruck anhaltenden Misstrauens der Banken untereinander, weit über das Maß hinaus, das während der Hochphase der Eurokrise im Jahr 2012 herrschte.

Eine Absenkung des Zinssatzes für die Einlagefazilität noch tiefer in den negativen Bereich wäre bezüglich der Intention, den Konjunkturabschwung und den Preisschwund in der Eurozone zu bekämpfen ergo völlig nutzlos und reine Symbolpolitik. Die Banken würden aufgrund dieser Maßnahme nicht mehr Geld verleihen, weder an die eigenen Kunden noch an andere Banken. Im Gegenteil würde ein solcher Zinsschritt das Sparen auf Konten weiter verunmöglichen und gleichzeitig den Druck auf die Banken erhöhen, Strafzinsen als Gebühren an ihre Kunden durchzuleiten. Die Überlegung der EZB, den negativen Einlagenzins nach Einlagevolumen zu staffeln, wirken in Bezug auf die Absicht, die Konjunktur zu stützen wie eine technische Spielerei.

Einlagen der Banken bei der EZB

Fazit

Noch ist nicht klar, ob sich die Süd-Fraktion innerhalb der EZB in Anbetracht der sich weiter verschlechternden Wirtschaftsindikatoren in der EZB wird durchsetzen können, oder ob es letztendlich an den Fiskalpolitikern hängen bleibt, mit noch mehr Schulden keynesianisch gegen den Abschwung in ihren Ländern anzukämpfen. Für die Finanzmärkte, die bereits sehr viel Unterstützung durch die Zentralbanken eingepreist haben, könnten die nächsten Sitzungen von EZB (12. Sep.), Fed (18. Sep.) und Bank of Japan (19. Sep.) dagegen richtungsentscheidend sein.



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