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EZB fürchtet Deflation statt Inflation in der Eurozone

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EZB Zentrale in Frankfurt - Angst vor Deflation

Seit der Finanzkrise in den Jahren 2007-2009 kämpft die Europäische Zentralbank einen verzweifelten Kampf. Nicht gegen Inflation, sondern Deflation (hier genauer erläutert). Also die Aufwertung des Geldes. Das klingt absurd angesichts der immer größer werdenden Summen, die von Notenbanken und Regierungen in den Ring geworfen werden, um die Coronakrise zu bekämpfen. Und doch zeigt der Trend bei der Inflation klar nach unten. Isabel Schnabel, Mitglied im EZB-Direktorium, geht davon aus, dass wir schon in den kommenden Monaten in die Deflation rutschen könnten. Was bedeutet das für Sie als Sparer, Anleger oder Geldbesitzer?

Deflation hat zu Unrecht einen schlechten Ruf

Deflation hört sich eigentlich vorteilhaft an. Die Preise sinken, die Kaufkraft des Geldes steigt. Doch die Deflation kam in Verruf. So wird zum Beispiel bis heute die Phase zwischen 1873 und 1896 als große Depression beschrieben, in der Deflation und eine angeblich schwere Wirtschaftskrise Hand in Hand gingen. Tatsächlich war diese angebliche Depression jedoch gar keine Depression. Die Wirtschaft wuchs auch in diesem Zeitraum der Deflation – jedoch langsamer als zuvor. Auch die Weltwirtschaftskrise Ende 1929 ging mit Deflation einher. Dabei war es nicht die Deflation, die eine Wirtschaftskrise auslöste, sondern die Wirtschaftskrise führte zu Deflation. Historisch gesehen ist es keineswegs eine ausgemachte Sache, dass deflationäre Phasen schlecht für die Wirtschaft sind. Die „große Depression“ ist das beste Beispiel dafür, dass die Kaufkraft des Geldes zunehmen UND die Wirtschaft wachsen kann.

Doch davon wollen die Notenbanken heute wenig wissen. Mit Billionensummen wird das selbst gemalte Schreckgespenst der Deflation bekämpft. Schließlich würde sich auch die Frage stellen, wozu wir überhaupt eine Zentralbank brauchen, die Zinsen und Geldversorgung steuert, wenn die Wirtschaft sowohl in inflationären als auch deflationären Phasen wüchse. Das Deflationsszenario wurde von Schnabel denn auch ausgepackt, um die Geldpolitik der EZB in den vergangenen Jahren gegen Vorwürfe zu verteidigen, sie sei riskant gewesen. Insbesondere das jetzt wiederbelebte Kaufprogramm für Anleihen steht im Fokus der Kritik.

Die EZB rechnet in diesem Jahr in zwei von drei Szenarien mit Deflation

Die EZB hat nun drei Szenarien aufgestellt, ein optimistisches, pessimistisches und neutrales Szenario. Die beiden letzten Szenarien werden nach Ansicht der EZB spätestens im vierten Quartal 2020 zu Deflation in der Eurozone führen. Im pessimistischen Szenario beginnt diese Phase sogar schon in diesem Quartal und reicht bis ins erste Quartal 2021. Wie kann das sein angesichts einer Rekordausweitung der Notenbankbilanz und Wirtschafts-Stimuli in Höhe hunderter Milliarden Euro in der Eurozone?

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird auch durchaus Inflation an allen Ecken und Kanten entdecken. Der Kapitalmarkt spielt seit Beginn der Coronakrise verrückt. Aktien- und Anleihenkurse erreichen Rekordhöhen und sind bei vielen Unternehmen völlig losgelöst von der realwirtschaftlichen Situation der Unternehmen. Selbst die Aktienkurse von insolventen, in Abwicklung befindlichen Unternehmen steigen. Der Goldpreis legt zu und andere Realwerte wie Kunst, Münzen oder Briefmarken erfahren reges Interesse, wie Auktionatoren berichten.

Von all dem bekommt man jedoch wenig mit, wenn man nur auf die offiziellen Inflationszahlen blickt. Dort fließen weder Aktien- noch Immobilienpreise ein und Warengruppen, die besonders üppige Preisnachlässe erfahren, wie zum Beispiel Tourismus, sind derzeit besonders wenig gefragt. Wer nicht in den Urlaub fliegt, hat wenig davon, dass eine Kreuzfahrt in der Südsee jetzt besonders günstig ist und den offiziellen Inflationswert Richtung Deflation bewegt. Und dank staatlich regulierter Mieten fließen selbst die steigenden Immobilienpreise kaum noch in den Warenkorb ein. Die Menschen bemerken die steigenden Preise spätestens dann, wenn sie eine Wohnung kaufen wollen, weil sie dank Mietpreisregulierung keine Mietswohnung mehr finden können.

Wenn die EZB Inflation will, wird sie andere Maßnahmen einführen müssen

Wenn die EZB die auftretende Inflation auf den Kapital- und Sachanlagemärkten nicht messen kann oder will, gleichzeitig jedoch Deflation verhindert werden soll, dann wird sie sich neue Maßnahmen überlegen müssen, um Inflation herbeizuführen. Die kann nur erreicht werden, wenn all das in die Märkte gepumpte Geld auch endlich nachfragewirksam auf den Warenmärkten wird.

Verbal rückt die EZB bereits in Richtung Intervention auf den Warenmärkten. Seit ihrem Amtsantritt spricht EZB-Präsidentin Lagarde davon, dass die Zentralbank auch den Klimawandel bekämpfen müsse. Derzeit soll das allein dadurch erreicht werden, dass künftige Anleihekäufe auch an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet werden sollen. Sollte die EZB dazu übergehen, auch konkrete Investitionsprojekte mit Förderkrediten zu unterstützen, würde sie direkt die Nachfrage nach bestimmten Gütern ankurbeln. Dann hätten wir Inflation auf allen Märkten. Spätestens wenn das passiert, dürfte der Goldpreis kein Halten mehr kennen. Denn sobald der Inflationsfunke auch auf die Warenmärkte überspringt, all die Billionen an Liquiditätshilfen nachfragewirksam werden und die Menschen täglich sehen, dass ihr Geld immer weniger wert wird, spätestens dann werden sie nach Schutz gegen den Kaufkraftverlust suchen. In Euro gerechnet notiert der Goldpreis bereits seit Monaten auf Allzeithochs.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Marco Polanzke

    9. Juli 2020 12:48 at 12:48

    Deutschland ist NICHT die Eurozone! Das zeigt sich sowohl beim Einbruch der Wirtschaft durch COVID, welcher in Deutschland relativ moderat ausfällt, als auch bei der Inflation, welche in Deutschland durchaus sehr deutlich zu sehen und zu spüren ist. Europa ist keine einheitliche Wirtschaftszone! Regelmäßig irgendwelche Durchschnitte als Entscheidungsgrundlage für Fiskal- und Geldpolitische Entscheidungen zu Lasten Deutschlands heranzuziehen, ist skandalös.

    • Avatar

      hubi stendahl

      9. Juli 2020 14:52 at 14:52

      „Einbruch der Wirtschaft durch COVID, welcher in Deutschland relativ moderat ausfällt,…“

      Wo haben Sie denn diese Mär gefunden?

      https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/corona-krise-deutscher-export-bricht-um-mehr-als-30-prozent-ein-16807051.html

      Das wird schon!

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        Wutbürger

        9. Juli 2020 16:04 at 16:04

        Da pfeiffen volle Hosen im dunklen Walde..

        Bald haben wir eine ausgeglichene Handelsbilanz. Der feuchte Traum der Grünen und Linken. Wird Zeit, dass diese Gestalten mal erleben, was das bedeutet.

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          Reichsbürger

          9. Juli 2020 18:48 at 18:48

          @Wutbürger, recht(s) hast Du!
          Nur Pfeifen schreiben pfeifen mit drei Efff.

          • Avatar

            SAbine

            15. Juli 2020 17:20 at 17:20

            Superdupper. Sie haben es wieder mal auf den Punkt gebracht. Die Rechtschreibung ist das Wichtigste bei einem Beitrag. So war das bei uns in der ersten Klasse auch immer.

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        Marco Polanzke

        10. Juli 2020 13:00 at 13:00

        Erstens ist Export nicht gleich Wachstum und zweitens vergleichen Sie mal den Einbruch Deutschlands mit dem von Italien Frankreich Spanien und dann denken Sie nochmal kurz über Ihren Kommentar nach. Wenn die EZB regelmäßig Geld- und Fiskalpolitik an den Schlechtesten ausrichtet, dann ist das aus deutscher Sicht skandalös. Punkt.

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    Wutbürger

    9. Juli 2020 14:16 at 14:16

    Hahaha. Die Brandstifter beklagen die vielen Brände.
    Schon meine Oma hat vor Jahrzehnten, noch zur DM-Zeit, bei 3% Zins geklagt: „Womit soll man denn die Konjunktur anschieben, es gibt ja fast keinen Zins!“. Was würde die heute zu den Geldfälschern sagen. Sicher nichts druckfähiges.

    Ein sehr hoher Anteil derer mit Geldvermögen, nicht nur die Omis, verkonsumieren traditionell nur den Zins, nicht die Substanz. Deshalb gibt es einen optimalen Zinssatz, mit dem Schuldner und Sparer leben können. Und dieser liegt nicht bei NULL! Und schon gar nicht darunter. Solche Zinssätze, welche die Ahnungslosen in FFT gut finden, signalisieren Menschen mit Lebenserfahrung: es ist etwas oberfaul im System. Du musst das Geld zusammenhalten. Angstsparen ist das Gebot der Stunde! Und so geschieht es eben. Deflation im Anmarsch. Und Depression auch.

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    asisi1

    9. Juli 2020 14:19 at 14:19

    In der EZB sitzen Beamten, welche keine wirtschaftlichen Zusammenhänge , geschweige denn „Wirtschaftlichkeit“ kennen!
    Sie wissen nur das es Geld in unbegrenzter Höhe gibt und sie nie verantwortlich für ihr Handeln sind! Es sind einfach nur Beamte die auf ihre Pensionen schielen und deshalb devot jeden Mist der Politiker mitmachen!

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    hubi stendahl

    9. Juli 2020 14:46 at 14:46

    Man sollte bei der Betrachtung von Inflation und Deflation zumindest die Vermögenspreis-Inflation außen vor lassen. Eine kurze Phase der Deflation ist nicht von der Hand zu weisen, da die Liquidität die mittels Programmen in die Wirtschaft gepumpt wird, die entfallenden Umsätze aufgrund des Corona-Wahnsinns und der damit verbundenen Käuferzurückhaltung niemals kompensieren kann. Das gilt auch für Investitionen der Unternehmen die unter Planungsunsicherheit leiden.

    Die darauf folgenden zwangsweise einzige Maßnahme nämlich Geld unters Volk zu werfen, wird dann eine echte Inflation genannt Stagflation einleiten, bei der man gespannt sein darf, ob die Zauberlehrlinge sie wieder einfangen können. Große Zweifel sind angebracht. Signifikant gefallenes Verbrauchervertrauen in Verbindung mit abgeworfenen Billionen sind der Stoff aus dem Koffer gemacht werden, um das Geld für einen Brotkauf zu schleppen.

    • Avatar

      Queer

      9. Juli 2020 22:44 at 22:44

      @Hubi Stendahl, rhetorisch zuerst einmal im Ansatz überzeugend wirkend. Logisch eher oberflächlich. Was meinen Sie mit „Corona-Wahnsinn“? Diesen Begriff setzen Sie als gegeben, als grundsätzlich geltende Annahme, als Basis für die gesamte Argumentationskette voraus.

      Bitte begründen. Quellen?

  5. Avatar

    Jan

    9. Juli 2020 23:10 at 23:10

    Die Sorgen der EZB, wenn ich mir die kostenfreien Prospekte diverser Discounter anschaue, dann ist die Deflationen nicht mehr zu leugnen.

  6. Pingback: Aktuelles vom 10. Juli 2020 | das-bewegt-die-welt.de

  7. Avatar

    Sandra Margin

    11. Juli 2020 09:51 at 09:51

    Also bekämpft die EZB, mittlerweile angeführt von einer verurteilten Kriminellen, im besten Don Quijote Stil den nicht existenten Deflations-Drachen. Die massive Inflation bei Mieten, Nahrungsmitteln und Energie wird mit Unterstützung der Bundesregierung ignoriert.

    Witzig, wenn es nicht so traurig wäre und hauptsächlich zu Lasten der deutschen Bevölkerung ginge: amazon.de/dp/B088ZW69C7

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Ölpreis: Aufwärtstrend geht weiter? Was macht Biden? API-Daten lassen aufhorchen

Claudio Kummerfeld

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Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis war seit dem 5. Januar im Aufwärtstrend. Nach einer Mini-Pause ging es Anfang dieser Woche weiter nach oben, von unter 48 Dollar im WTI-Öl am 5. Januar bis auf derzeit knapp unter 53 Dollar. Zahlreiche Gründe für die jüngst gestiegenen Preise und womöglich auch weiter anziehenden Preise hatten wir die letzten Tage genannt.

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Positiv für den Ölpreis zu werten waren die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März).

Gestern Abend wurden die privat ermittelten API-Lagerbestände für Öl veröffentlicht mit einer Wochenveränderung von +2,6 Millionen Barrels. Die API-Daten gelten stets als Vorschau auf die am folgenden Tag vermeldeten offiziellen Lagerdaten. Diese Woche verschieben sich viele Konjunkturdaten in den USA um einen Tag nach hinten, weil am Montag Feiertag war. Die offiziellen Lagerdaten aber verschieben sich aufgrund der gestrigen Amtseinführung von Joe Biden um noch einen weiteren Tag nach hinten auf Freitag Nachmittag. Bis dahin könnte der Ölpreis also zittrig bleiben, in der Vorschau auf möglicherweise steigende Lagerbestände in den USA.

Was bringt Joe Biden für den Ölpreis?

Positiv für die Öl-Bullen ist zu werten, dass Joe Biden gestern im Rahmen diverser präsidialer Dekrete die Keystone XL Pipeline gestoppt hat, deren Bau in den USA noch nicht begonnen hat. Damit wird zukünftig nicht noch mehr Öl aus Kanada in Texas ankommen. Grundsätzlich ist dies vorsichtig positiv für den Ölpreis zu werten, da die Angebotsmenge geringer ausfallen dürfte. Aber na ja… werden die Kanadier ihr Öl dann nicht anderweitig auf dem Weltmarkt anbieten?

Also, bringt Joe Biden tendenziell für die nächsten Jahre dank dem Pipeline-Stop und sicherlich diversen schärferen Umweltgesetzen die Öl-Förderung in den USA zu einem Wachstumsstop, oder sogar zu einer Schrumpfung? Das wäre gut für alle Trader, die einen höheren Ölpreis sehen wollen. Aber da gibt es noch die andere Seite der Medaille. Man darf annehmen, dass sich die Beziehung zwischen den USA und dem Iran unter dem neuen US-Präsidenten entspannt. Sollten die US-Sanktionen gelockert werden, dürfte der Iran wohl zügig mehr Öl fördern und auf dem Weltmarkt verkaufen. Denn das Land braucht wohl jeden Petro-Dollar. Dies wäre folglich schlecht für den Ölpreis. Also ist es nicht so einfach zu beantworten, ob Joe Biden nun gut oder schlecht für einen potenziell weiter steigenden Ölpreis zu betrachten ist. Schaut man auf den Chart 30 Tage zurück, dann ist der Ölmarkt noch im Aufwärtstrend. Die Grundstimmung ist vor allem wegen dem möglichen anstehenden Mega-Stimulus in den USA positiv.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

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Christine Lagarde: Headlines der PK der EZB: entscheidende Fragen unbeantwortet

Markus Fugmann

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Hier die wichtigsten Aussagen von Christine Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz der EZB – im offiziellen Statement bislang wenig Neues:

– Lagarde beginnt mit warmen Wünschen für 2021

– Impfungen wichtiger Meilentstein

– Industrie weiter robust, Dienstleistung weiter schwach, wenngleich weniger schwach als in der ersten Corona-Welle

– Inflation bleibt niedrig

– Kurzfristig überwiegen die Risiken

– Wirtschaft der Eurozone dürfte auch im 4.Quartal geschrumpft sein

– Pandemie wird auch 1.Quartal 2021 belasten

– es wird trotz Impfungen noch dauern, bis Herdenimmunität erreicht ist

– Impfungen und Brexit-Deal sind ermutigend, aber übergeordnet bleiben die Risiken bestehen

– Headline-Inflation dürfte bald ansteigen, auch wegen deutscher Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer

– Inflation dürfte mittelfristig anziehen, Inflationserwartungen sind gestiegen

– Kreditvergabe: Banken etwas vorsichtiger geworden

– Europäische Länder sollen schnell beschlossene EU-Hilfsmaßnahmen in ihren Parlamenten beschließen, um Erholung anzuschieben

– Lagarde „hat fertig“, jetzt Fragen

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– Lagarde: positiv sind Impfungen, dass der Brexit-Dealk zustande gekommen ist, dazu bessere Aussichten auf Kooperation mit der neuen US-Regierung

– schärfere Lockdowns wegen Mutationen durchaus möglich

– Frage nach Zombiefirmen: bislang weicht Lagarde einer Antwort aus – da redet sie minutenlang herum, aber die Frage zielte letztlich auf die negativen Konsequenzen der EZB-Politik, und das ließ sie (wieder einmal!) unbeantwortet!

– Frage nach (unausgesprochener) yield curve control der EZB (Berichte darüber, dass EZB versucht, die Renditen für Anleihen vor allem italienischer Anleohen nicht zu stark gegenüber deutschen Anleihen als Benchmark steigen zu lassen:: wieder keine konkrete Antwort von Lagarde!

– Frage nach digitalem Euro: was soll der für die Menschen bringen? Lagarde: ein digitaler Euro würde das Bargeld nicht ersetzen (FMW: echt??)
Lagarde: wir wollen in Sachen Digitaleuro sehr transparent sein (FMW: wohl eher pseudo-transparent..)
Lagarde:Einführung des digitalen Euros würde noch Jahre dauern; viele Fragen darüber noch offen und schwierig, wenn er käme, wäre er für alle gut, nicht nur für Elite

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Anmeldestatus

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