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EZB-Halbjahresbericht: Systemische Risiken, politische Risiken, Geldpolitik

In ihrem halbjährlich veröffentlichten „Financial Stability Review“, der heute vorgelegt wurde, hat die EZB auch die Auswirkungen der Trump-Wahl einfließen lassen. Mehrere Aspekte gibt es zu erwähnen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

In ihrem halbjährlich veröffentlichten „Financial Stability Review“, der heute vorgelegt wurde, hat die EZB auch die Auswirkungen der Trump-Wahl einfließen lassen. Mehrere Aspekte gibt es zu erwähnen. Hier erst einmal die Kernaussagen, die der EZB wichtig sind. Da wäre zum einem, dass laut EZB das Finanzsystem der Eurozone bisher „Widerstandsfähigkeit gezeigt hat“ und dass der „systemische Stress relativ gering“ war. Auch ist es der EZB wichtig zu erwähnen, dass die Unsicherheit nach der Trump-Wahl („expected US policy changes“) mehr Risiken mit sich bringt, und dass es weltweit in Anlageklassen zu Korrekturen kommen kann. Auch erwähnt man, dass die Banken in der Eurozone nach wie vor verwundbar bleiben, vor allem aufgrund der notleidenden Kredite. Na so was, möchten wir da sagen. Erst Anfang der Woche hatte Mario Draghi gesagt die Sache mit den notleidenden Krediten sei nicht ganz so schlimm, im Großen und Ganzen hätte man ja alles im Griff.

Auch lässt es sich die EZB nicht nehmen bei kurz bevorstehenden Wahlen (Italien, Niederlande, Frankreich) darauf hinzuweisen, dass sie wohl negative Folgen gerade auf die „Nachhaltigkeit“ von Schulden haben könnten. Zitat:

„Risks extend also to the real economy. In particular, concerns about debt sustainability might re-emerge despite relatively benign financial market conditions. Higher political uncertainty may lead to more domestically focused, growth-hindering policy agendas. This, in turn, could delay much needed fiscal and structural reforms and could in a worst-case scenario reignite pressures on more vulnerable sovereigns.“

Für die nächsten zwei Jahre sieht die EZB folgende vier Risiken für die finanzielle Stabilität. Zusammengefasst kann man sagen: Es geht um politische Unsicherheit, die die Märkte runterzieht, und um Wachstumsprobleme!


The ECB has singled out four systemic risks to financial stability over the next two years:
Global risk repricing leading to financial contagion, triggered by heightened political uncertainty in advanced economies and continued fragilities in emerging markets.

Adverse feedback loop between weak bank profitability and low nominal growth, amid challenges in addressing high levels of non-performing loans in some countries.

Re-emerging sovereign and non-financial private sector debt sustainability concerns in a low nominal growth environment, if political uncertainty leads to stalling reforms at the national and European Levels.

Prospective stress in the investment fund sector amplifying liquidity risks and spillovers to the broader financial System.


Uns ist in diesem aktuellen Review der EZB diese Grafik ins Auge gefallen. Die EZB verknüpft hier in einem Zeitrahmen von 2010 bis heute die Entwicklung von Tariflöhnen (rot), Ölpreis, Inflation und Inflationserwartungen in einem Chart. Die Entwicklung ist negativ, bis heute. Nur ganz am Ende sieht man bei Inflation und Ölpreis einen Ansatz von Erholung. Eine langfristige richtige Erholung ist das gemäß dieser Übersicht noch lange nicht.

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Grafik: EZB

Die EZB zeigt sich bei den Bemühungen der Eurozonen-Mitgliedsstaaten anscheinend optimistisch, dass die Haushaltsdefizite in den nächsten Jahren unterm Strich weiter zurückgehen. Das sieht man an den nach oben ansteigenden blauen Balken in der folgenden Grafik. Sie nähern sich aus dem Defizit nach oben hin weiter der Null-Linie.

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Grafik: EZB

Mit der folgenden Grafik möchte die EZB wohl voller Stolz demonstrieren, dass seit Kurzem die Kreditvergabe in der Eurozone an Unternehmen außerhalb der Finanzbranche wieder kräftig angestiegen ist, was wir bereits mit anderen EZB-Daten wiederlegt hatten. Man sieht den Anstieg in Gelb und Blau. Der prozentuale Anstieg bezieht sich auf die Zahlen links von der Skala – also ein Jahresplus im Vergleich zu 2015 von unter 2%. Wenn man bedenkt, dass der EZB-Leitzins im Minus liegt, und wie stark in der Tat die Finanzierungskonditionen der Banken für die Kunden gesunken sind, und dazu noch die gigantische Geldschwemme von mehr als 1 Billion Euro seit März 2015: Dann ist das Resultat von weniger als 2% Plus bei der Kreditvergabe ein Witz. Aber gut, Plus ist Plus, so kann man das auch sehen!

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Grafik: EZB

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Dank Notenbanken immun: Vermögen wachsen trotz Krisen immer weiter

Claudio Kummerfeld

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Vermögen in Form vieler US-Dollars

Die Gelddruck-Orgien der Notenbanken haben die weltweiten Vermögen immunisiert gegen Verluste, egal wie schlimm die Krise in 2019 auch war, und jetzt in 2020 dank Corona noch geworden ist. Zu diesem Schluss kommt der ganz frisch veröffentlichte „Allianz Global Wealth Report“, in dem das Wort „Immunisiert“ sogar explizit so genannt wird.

Vermögen steigen weiter an

Die Headline-Aussage der Allianz besagt, dass die Vermögen in den letzten zehn Jahren noch nie eine so große Zunahme des Wohlstands verzeichnen konnten. Weltweit sei das Brutto-Geldvermögen im Jahr 2019 um 9,7 Prozent gewachsen, und habe damit das stärkste Wachstum seit 2005 hingelegt. Angesichts der Tatsache, dass das Jahr 2019 von sozialen Unruhen, eskalierenden Handelskonflikten und einer industriellen Rezession geprägt war, sei diese Leistung mehr als erstaunlich, so die Allianz. Doch als die Zentralbanken einen Kursschwenk hin zu einer breit angelegten geldpolitischen Lockerung vollzogen, habe dies zu einem kräftigen Plus von 25 Prozent an den Aktienmärkten geführt, losgelöst von den Fundamentaldaten. Dadurch seien auch die Geldvermögen kräftig angehoben worden. Allein die Anlageklasse der Wertpapiere nahm 2019 um satte 13,7 Prozent zu – nie war das Wachstum im 21. Jahrhundert stärker, so die Headline-Aussage. Versicherungen und Pensionen erreichten laut Allianz ein Plus von 8,1 Prozent, was hauptsächlich auf den Anstieg der zugrundeliegenden Vermögenswerte zurückzuführen sei – die Bankeinlagen stiegen um 6,4 Prozent.

Vermögen auch in 2020 immunisiert gegen Verluste

Und was wird 2020 unterm Strich passieren? Es geht wohl nach dem Motto „Je schlimmer die Krise, desto mehr drucken die Notenbanken, und helfen damit Aktien und Immobilien nach oben“. So sagt der Report nämlich, dass „die selbe Geschichte sich im Jahr 2020 wiederholen“ dürfte, nur ins Extrem gewendet. Denn als die Coronakrise die Weltwirtschaft in die tiefste Rezession seit 100 Jahren stürzte, legten Zentralbanken und Finanzbehörden auf der ganzen Welt beispiellose geld- und fiskalpolitische Hilfspakete auf und schirmten so die Haushalte und ihr Geldvermögen vor den Folgen einer Welt in Unordnung ab, so die Allianz. Man gehe davon aus, dass die privaten Haushalte ihre Verluste aus dem ersten Quartal wettmachen konnten und bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 einen leichten Anstieg des globalen Geldvermögens um 1,5 Prozent verzeichneten. Hauptreiber der Entwicklung seien die Bankeinlagen, die dank großzügiger öffentliche Unterstützungsprogramme und vorsorglicher Ersparnisbildung um kräftige 7,0 Prozent zunahmen. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2020 im Plus enden werde.

Die Allianz merkt kritisch an, dass die Geldpolitik im Moment zwar die Vermögen gegen Corona quasi immunisiert habe. Aber man solle sich nichts vormachen. Null- und Negativzinsen seien ein süßes Gift. Sie würden die Vermögensbildung untergraben, und verschärfen die soziale Ungleichheit, da Vermögenseigentümer satte Mitnahmegewinne einstreichen können. Das sei nicht nachhaltig. Auch noch interessant: Das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern habe sich wieder vergrößert. Im Jahr 2000 sei das Netto-Geldvermögen pro Kopf in den Industrieländern im Durchschnitt 87-mal höher gewesen als in den Schwellenländern. Bis 2016 war dieses Verhältnis auf 19 gesunken. Seither ist es wieder auf 22 (2019) angestiegen, so die Allianz.

Was lernen wir daraus?

Nun, die Allianz steht wohl kaum im Verdacht gegen den Kapitalismus zu hetzen, oder Notenbanken arg kritisch gegenüber zu stehen. Von daher ist es schon interessant, dass sie so klipp und klar ausspricht, was viele andere Kommentatoren (wie auch wir bei FMW) seit geraumer Zeit sagen. Nämlich dass die obszöne Geldschwemme von EZB, Fed und Co Assetpreise wie Immobilien oder Aktien kräftig antreibt, losgelöst von der Realwirtschaft. Dies ist also kein Mythos und keine Verschwörungstheorie, wenn man die Allianz als seriöse Informationsquelle für diese Information zählt.

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Fed: US-Bürger ignorieren die mächtigste Notenbank der Welt

Dass die Kommunikation der Fed mit den US-Bürgern kaum Auswirkungen hat, zeigt jedoch eine Studie von vier Ökonomen der Notenbankstelle in Cleveland

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Für die Finanzmärkte ist die US-Notenbank Fed das Maß aller Dinge – aber auch für die US-Bürger, also die „normalen Leute“, die Main Street?

Wer sich die Mühe macht, die Statements der US-Notenbank Fed nach ihren Sitzungen zu lesen und die Pressekonferenzen zu verfolgen, die Jerome Powell jedes Mal „zelebriert“, so könnte man auf zwei Schlussfolgerungen kommen: Erstens, dass er sich mit seiner unglaublich gehäuften Darlegung des gesetzlichen Auftrags der Fed „Prize Stability and Maximum Employment“ eine kleine Entschuldigung für seine Geldpolitik sucht, die dem Open Market Committee keine andere Wahl lasse. Dass dies – zweitens – aber einen Versuch darstellt, die Öffentlichkeit zu informieren und den Bürger zu einem gewünschten Verhalten innerhalb der finanziellen Repression zu veranlassen. Dass Letzteres nicht gelingt, beweist eine Umfrage aus dem Wissenschaftsumfeld der Fed unter US-Bürgern.

Fed: Das flexible Inflationsziel

Ende August hatte Fed-Chef Powell in einer Rede ausgesprochen, was man schon längere Zeit vermutet hatte. Man würde zinspolitisch die „Füße stillhalten“, auch wenn die Inflationszahl für längere Zeit über der bisherigen Zielmarke (Inflation target) von zwei Prozent liegt. Klingt erst einmal unsinnig, denn schließlich sollte sich die Teuerung in den nächsten Jahren nicht einmal richtig der Zielzone nähern. Eindeutig dürfte dahinter sich die Absicht der Notenbank verbergen, dass man die finanzielle Repression dauerhaft fortsetzen wird: Zinsen für längere Zeit unterhalb der Teuerungsmarke, bei gleichzeitigem BIP-Wachstum, ergibt eine prozentuale Absenkung des Verschuldungsniveaus. Das ist ein Verfahren, welches die USA und Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre praktiziert hatten. Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt: die Fed könnte durch eine höhere Inflationserwartung Konsumenten und Unternehmen zu höheren Ausgaben veranlassen. Dass die Kommunikation der Fed mit den US-Bürgern kaum Auswirkungen hat, zeigt jedoch eine Studie von vier Ökonomen der Notenbankstelle in Cleveland.

US-Bürger haben wenig Ahnung von der Fed-Politik

Targeting and Household Expectations heißt die Arbeit der Ökonomen, die sich mittels Befragung unter Bürgern mit der Frage beschäftigt haben, wie der kleine Mann den Wechsel in der Notenbankpolitik aufnimmt. Das Ergebnis dürfte recht erschütternd sein für den Chef der US-Notenbank: Nur eine kleine Minderheit gab an, überhaupt von einer neuen Strategie der Fed gehört zu haben. Und die, die davon gehört hatten, gaben auch noch falsche Ziele wieder. Man glaubt allgemein, dass das Ziel der Notenbank ein starker Dollar sei und niedrige Zinsen, damit sich der Staat seine Verschuldung leisten kann.

 

Fazit

Auch wenn das zigfache Wiederholen des gesetzlichen Auftrags der Fed (Maximum Employment und Prize Stability) durch Jerome Powell in den Pressekonferenzen schon fast nervig wird: beim Bürger kommt anscheinend nicht viel davon an, was die Damen und Herren im Elfenbeinturm des Geldes in Washington D.C. vorhaben.

So könnte seine letzte Strategie mit der Aufforderung beim Bürger mehr zu investieren auf taube oder gar keine Ohren gestoßen sein. Höhere Inflationserwartungen sollten zum Vorziehen von Konsumausgaben führen. Wobei man sich schon fragen muss, wie es sein kann, dass man das Volk mit den vielen (überzogenen) Kreditkarten überhaupt zum Geldausgeben animieren muss..

Die Fed dringt mit ihren Aussagen nicht wirklich zu den Bürgern durch

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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