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Anleihen

EZB wird immer mehr zur Krake: heute Start der Käufe von Unternehmensanleihen

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Am heutigen Mittwoch startet das nächste geldpolitische Experiment der EZB: der Kauf von Unternehmensanleihen. Dabei kann die Notenbank Unternehmensanleihen kaufen, die nicht von Banken stammen (die Banken bekommen über die Tender der EZB ohenhin stetig frisches Geld geschenkt) und mindestens ein investment grade-Rating einer der drei großen Ratingagenturen besitzen. Noch ist völlig unklar, welche Anleihen und in welchem Umfang die EZB kaufen wird – erst am 18.Juli will die Notenbank, laut ihrer Webseite, dann die getätigten Käufe veröffentlichen.

EZB-Führungsgremium
Greift nun massiv in die Wirtschaft ein: die EZB
Foto: EZB

Für die EZB steht mit diesem Vorhaben, das kaum mit ihrem Mandat in Einklang zu bringen ist, einiges auf dem Spiel. Bislang kauft die Notenbank für 80 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen, Covered Bonds und Asset-Backed Securities – tummelt sich also in Bereichen, die ziemlich liquide sind. Bei dem Markt für Unternehmensanleihen ist das eher weniger der Fall, daher stellt sich die Frage, wieviel die EZB monatlich überhaupt aufkaufen kann. Insider meinen, Ziel der EZB sei erst einmal ein Volumen von fünf Milliarden Euro pro Monat – läge man deutlich darunter, litte die Glaubwürdigkeit von Draghi & Co.

Zwar haben im Mai viele Unternehmen die Gunst der Stunde genutzt und Anleihen im Mai im Volumen von 50 Milliarden Euro emittiert – der zweitstärkste Monat in der Geschichte dieses Marktsegments. Dennoch ist das Gesamtvolumen des Marktes mit gut 600 Milliarden Euro durchaus begrenzt – anders als etwa bei Staatsanleihen. Und selbst dort hat die EZB gelegentlich Probleme, ihr geplantes Voluemn zu erreichen – daher wurden zuletzt verstärkt etwa Anleihen Deutschlands gekauft, weil bei Bonds der Europeripherie das Angebot nicht ausgereicht hatte. Nicht zufällig erreicht daher die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe heute mit 0,0444% ein neues Allzeittief: Brexit-Sorgen und der große Wal EZB in der Badewanne machen es möglich, und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Bundesanleihe, die Benchmark für den europäischen Markt für Staatsanleihen, eine Negativrendite aufweisen wird (wie derzeit alle deutschen Staatsanleihen mit Laufzeit inklusive neun Jahre).

Zurück zu den Unternehmensanleihen: die durchschnittliche Rendite dieser Anleihen liegt nun nur noch minimal über 1%, Tendenz weiter fallend. Besonders profitieren werden franzöissche Unternehmen, da diese auf dem Markt für Unternehmensanleihen besonders aktiv sind, noch vor Deutschland, Belgien und Spanien. Italiens Unternehmen hinken da hinterher – anders als übrigens der Staat Italien, der sich traditionell große Volumina an Krediten über Staatsanleihen besorgt.

Wird durch die heute starteneden Käufe der EZB von Unternehmensanleihen wirklich Wachstum generiert? Wohl kaum. Wie gestern schon der Deutsche Bankenverband angemerkt hatte, werden durch diese Käufe große Konzerne bevorteilt, die ohnehin guten Zugang zu den Finanzmärkten haben. Man fördert also Dickfische unter den Unternehmen und verschiebt damit die Untenrehmenskultur zuungunsten des Mittelstands. Es ist kein Zufall, dass vor allem Frankreichs Großunternehmen die Hauptprofiteure sein werden – dort gibt es wenig Mittelstand, aber mächtige und schwerfällige Konzerne im Staastbesitz, die nun auch noch von einer mächtigen Notenbank das Geld hinterhergeworfen bekommen. Schon dieser Umstand zeigt, dass die EZB immer mehr zu einer Krake wird, die ihre Arme in Bereichen hat, die sie nichts angehen sollte. Die EZB wird immer mehr zur dominanten Institution Europas – ohne dafür ein Mandat zu haben, geschweige denn in diese Funktion gewählt worden zu sein..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    leser

    8. Juni 2016 13:06 at 13:06

    1. Die EZB läuft Amok.
    2. Sie hat kein Mandat dafür.
    3. ???.

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    8. Juni 2016 13:45 at 13:45

    Die EZB wird/ist ein Fall für Daniel Craig 007!Er bekämpft seit Jahren symphatisch ohne Ende supranationale Verbrecherorganisationen.Ich gehe eher selten ins Kino,bei neuen Bonds aber immer!Auf die Szene von Topschurke Mario mit der weissen Katze auf dem Schoss freue ich mich jetzt schon!Ich hoffe natürlich naiverweise,dass Dr.Null/Minuszins in dieser Folge verstirbt&nicht später wieder auftaucht!Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.Hells Bells for you Mario!

  3. Avatar

    Kritix

    8. Juni 2016 16:31 at 16:31

    Dragobert Draghi im (Fiat-)Geldrausch…schwemmt die Geldkeller weiter…lädt ein zum finalen Bade…bis zum Ersäufnis.

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Anleihen

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