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EZB: kommt jetzt das große Zurückrudern?

FMW-Redaktion

Bei der letzten Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung hat Mario Draghi es schon wieder getan: er schürte die Erwartungen, dass die EZB im März neue Maßnahmen ergreifen werde (Ausweitung QE-Volumen, weitere Senkung des Einlagezinses). Die Märkte jedenfalls reagierten, an den Geldmärkten fielen die Zinssätze deutlich, die Renditen für Staatsanleihen aus der Eurozone sanken weiter.

Nun aber rudert Yves Mersch, das dienstälteste Mitglied des 25-köpfigen EZB-Rats, in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, zurück. Nichts sei entschieden, aber alle Optionen lägen auf dem Tisch. Mersch verwies auf die recht soliden Konjunkturdaten aus der Eurozone, doch dürfte der Rückgang der Energiepreise die Inflation in den negativen Bereich fallen lassen in den nächsten Monaten – man befinde sich daher in einer „abnormalen Situation“, was die EZB „into a zone of discomfort“ bringe.

Angesprochen auf die massive Enttäuschung der Märkte im Gefolge der EZB-Sitzung am 03.Dezember wies Mersch den Vorwurf zurück, dass die Notenbank ein Problem mit ihrer Kommunikationstrategie habe. Vielmehr sollten die Marktteilnehmer ihr Englisch aufpolieren – die großen Erwartungshaltungen seien das Resultat von finanziellen Interessen einiger Marktteilnehmer:

„..sometimes I think people in the financial markets have to brush-up on their English lessons to understand when we say nothing yet has been decided for March. It is not our communication which is flawed, it is the hype that is being provoked by people with vested interests.“

Klare Botschaft: nicht wir sind schuld, sondern die Märkte! Und überhaupt: die Medien würden zu viel von einem Crash sprechen, dabei hätten die Aktienmärkte bislang nur 10% n den Allzeithochs vokorrigiert und würden nun eben auf den Niveaus des Vorjahres handeln:

„If you look at the media, there were a lot of headlines about a crash in stock markets. That can also affect psychology. But then, look at where we are with stock markets: about 10% below record highs, but more or less in line with where we were a year ago. It’s not exactly a crash.“

Also alles halb so wild, auch wenn die Gefahr bestehe, dass der Abschwung an den Aktienmärkten Folgen für die Psychologie der Marktteinehmer und der Wirtschaft habe. Er wolle jedoch keine Option ausschließen, aber er wolle weder in die eine noch in andere Richtung Erwartungen schüren – auch wenn bei den Instrumenten der EZB „der Himmel die Grenze“ sei:

„In terms of fantasy, the sky’s the limit. But in the end, we have no constraint in the use, the diversity, or the volume of our toolbox as we see fit. I would not create any expectations in one direction or the other.“

Das eigentliche Risiko, so Mersch weiter, liege nicht in der Eurozone, sondern vielmehr in den Entwicklungen der Schwellenländer und Chinas – daher seien die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft un die Inflation zuletzt gestiegen.

Summa summarum versucht Mersch mit diesen Aussagen, den Druck auf die EZB zu mindern – um, falls die EZB die hohen Erwartungen des Marktes einmal mehr nicht erfüllt, auf die Unangemessenheit der Erwartungen verweisen zu können..



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2 Kommentare

  1. und ich empfehle dem mersch einen mathe nachhilfe-kurs in prozentrechnen !

  2. … es gibt immer inflation, immer …
    die frage ist nur welchen zeitrahmen wir betrachten. lol

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