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EZB-Lagarde mit unkluger Äußerung im Handelskrieg

Laut EZB-Chefin Lagarde werden neue US-Zölle die Eurozone nicht aus der Bahn werfen und nur geringe Auswirkungen auf das BIP haben.

Christine Lagarde
Christine Lagarde. Foto: Alex Kraus/Bloomberg

Das ist – so meine Meiung – keine kluge Aussage von EZB-Chefin Lagarde gewesen. Aber vorab eine Frage: Wären Sie Donald Trump, und Sie würden die EU mit 15 % Zoll belegen – und aus Europa würden Sie zu hören bekommen, dass man dort diesen Zoll doch recht gut verkraften könne – was würden Sie tun? Richtig, Sie würden den Zoll weiter raufsetzen – weil die Europäer ja offensichtlich noch Spielraum haben, noch mehr belastet zu werden.

Und was macht die EZB-Chefin aktuell? Sie spricht klar aus, dass man in der Eurozone diesen US-Zoll recht gut verkraften könne. Gewiss, Christine Lagarde ist nicht Angehörige der EU-Kommission, sondern Präsidentin der EZB. Aber sie ist letztlich eine der ganz wenigen Führungspersönlichkeiten, die in den USA de facto als Vertreter Europas wahrgenommen werden. Von daher könnte ihre Aussage durchaus im Trump-Lager als „Aussage der Europäer“ verstanden werden. Und Trump registriert Aussagen in Europa sehr genau. Eine Einladung für ihn, Zölle gegen die EU raufzusetzen?

Höhere US-Zölle werden die Wirtschaft der Eurozone, die kurz vor einer Erholung steht, nicht aus der Bahn werfen, sagte die Präsidentin der EZB Christine Lagarde. „Sobald Gewissheit herrscht und es nicht hundertmal angefochten und neu verhandelt wird, werden die Unternehmen damit umgehen“, sagte Lagarde laut Bloomberg heute in einem Interview in der Sendung „Mornings with Maria“ von Fox Business. Höhere Abgaben würden nur „geringe Auswirkungen” auf das Bruttoinlandsprodukt haben, sagte sie.

Die Wirtschaft „blüht zwar nicht”, aber sie „kehrt zunehmend zu ihrem Potenzial zurück”, sagte Lagarde in Jackson Hole, Wyoming, wo sie am jährlichen Symposium der US-Notenbank teilnahm. „Das Wachstum ist relativ moderat, aber robust und auf dem Weg nach oben, wobei die Fundamentaldaten wie Konsum und Investitionen derzeit gut aussehen.”

Ihre Äußerungen stützen die Ansicht, dass das jüngste Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA bei den Entscheidungsträgern der EZB keine größeren Bedenken hervorruft. Lagarde selbst hat argumentiert, dass das Abkommen für die EU viel schlechter hätte ausfallen können.

Die EZB hat die Zinsen im Juli unverändert gelassen und wird dies voraussichtlich auch im nächsten Monat tun. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte am Freitag gegenüber Bloomberg TV, dass die Hürde für weitere Maßnahmen nach acht Zinssenkungen bisher „hoch“ sei.

Vor Inkrafttreten der neuen Zölle verzeichnete die 20 Länder umfassende Eurozone im zweiten Quartal unerwartet ein Wachstum, während die Wirtschaftstätigkeit im privaten Sektor im August so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr zunahm, da die Hersteller sich von einer dreijährigen Flaute erholten.

Die stärkere Wachstumsdynamik dürfte dazu beitragen, das Risiko einer Unterschreitung des mittelfristigen Inflationsziels der EZB von 2 % zu minimieren. Derzeit wird für 2027, das letzte Jahr, für das Prognosen vorliegen, ein durchschnittlicher Anstieg der Verbraucherpreise von 2 % erwartet. Die Verantwortlichen rechnen nicht mit größeren Korrekturen, wenn im nächsten Monat die neuen Quartalsprognosen vorgelegt werden.

In Bezug auf die Inflation betonte Lagarde, dass die jüngsten Werte und die mittelfristigen Erwartungen bei 2 % liegen. „Es wird weitere Schocks geben, das wissen wir, aber wir sind in einer guten Position“, sagte sie. Die EZB erwartet nur „sehr geringe Auswirkungen auf die Inflation“ durch das Handelsabkommen, so Lagarde.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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