Höhere Preise für Benzin, Diesel etc treiben nach und nach auch immer mehr Preise im volkswirtschaftlichen Kreislauf an? Entschlossen gegen eine ansteigende Inflation vorgehen, die durch den Iran-Krieg verursacht wird – bis letzte Woche war dies die Marschroute vieler Notenbanker, so auch in Europa: Zinsen erhöhen, um dieser Inflation entgegenzutreten. Jetzt aber äußert sich EZB-Chefin Christine Lagarde, mit einer de facto Absage an weiter steigende Zinsen.
EZB erhöhte Zinsen am 11. Juni
Am 11. Juni hatte die EZB den Einlagensatz um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Auch die anderen Zinsen der EZB wurden angehoben (hier die Übersicht). Danach war eigentlich klar: Schon im Juli bei der nächsten Entscheidung könnten die Zinsen erneut steigen, um die Inflation einzudämmen.
Fortschritte zwischen Iran und USA?
Aber alles hängt nun mal am Iran-Krieg. Und die aktuellen Verhandlungsfortschritte zwischen Iran und USA entschärfen die Gemengelage. Erst heute Mittag sagte US-Vizepräsident JD Vance, die Verhandlungen würden sehr gut laufen, man mache Fortschritte. Und heute ab 15 Uhr gab es dann eine Rede von Christine Lagarde vor dem EU-Parlament. Dort ließ sie relativ klar durchblicken (auch wenn es nicht wortwörtlich gesagt wurde), dass die Entspannung im Iran-Krieg eine Art Absage an eine weitere Zinsanhebung der EZB darstellt.
EZB-Lagarde mit aktuellen Aussagen
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Man sehe „bislang keine Anzeichen für eine Entankerung der Inflationserwartungen oder Zweitrundeneffekte, die zum jetzigen Zeitpunkt eine entschlossenere geldpolitische Reaktion rechtfertigen würden„, so Christine Lagarde. Im Klartext: Gibt es eine fortgesetzte Entspannung rund um den Iran, war es das bereits mit den Zinsanhebungen nach +0,25 Prozentpunkten Anhebung. Irgendein besonders spürbarer Effekt dürfte dieser Mini-Schritt nicht bringen.
Dieser schrittweise Ansatz erfordert, dass wir flexibel bleiben. Indem wir von Sitzung zu Sitzung vorgehen und datenabhängig bleiben, ohne uns im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen, können wir unsere Reaktion an die Entwicklung des Schocks anpassen und sicherstellen, dass sie verhältnismäßig bleibt, so Lagarde.
Die Entscheidung zur Zinserhöhung vom 11. Juni sei in allen von den Fachreferenten erstellten Szenarien fundiert gewesen, was bedeutet, dass in allen Szenarien eine Zinserhöhung gerechtfertigt ist, so Lagarde. Die jüngsten Entwicklungen blieben im Rahmen der berücksichtigten Szenarien. Mit dieser Entscheidung sei man bei der EZB weiterhin gut aufgestellt, um die durch den Krieg verursachte Unsicherheit zu bewältigen. Man werde die Entwicklungen genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses einen datenabhängigen Ansatz verfolgen, bei dem jede Sitzung für sich betrachtet wird. Insbesondere würden die Zinsentscheidungen auf der Einschätzung der hauseigenen Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken basieren, unter Berücksichtigung der eingehenden Wirtschafts- und Finanzdaten sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission. Wir legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest, so Lagarde.
Kommentar
Ich schrieb es in den letzten Wochen mehrmals, dass ich persönlich diese Zinserhöhung der EZB für einen Fehler halte. Auch wenn man Zweitrundeneffekte bei der Inflation für möglich hält, so sehe ich doch eine Beendigung des Iran-Konflikts, vor allem weil Trump dieses Thema loswerden muss. Und die Terminmärkte dürften die Entspannung rasch einpreisen, was man auch in den letzten Tagen gesehen hat durch deutlich fallende Brennstoffpreise. Die Inflation könnte daher schnell wieder zurückgehen. Dann wäre dieser einmalige Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte letztlich ein überflüssiger, aktionistischer Schritt gewesen – so könnte man es im Nachhinein betrachten.
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Die Zeiten der Niedrigzinspolitik sind aber definitiv vorbei…