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EZB: Mogelpackung Anhebung der Zinsen – die Inflation ist ihr egal!

Hannes Zipfel zerlegt mit einem Seziermesser Handlungen und Aussagen der EZB

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Die EZB muß nun endlich auf die hohe Inflation von 8% reagieren – und hat am Donnerstag eine Zinswende angekündigt: im Juli sollen die Zinsen um 0,25% steigen, im September dann kommt ein weiterer Schritt von 0,25% oder gar 0,5%. Diese Zinswende ist angesichts der Inflation mehr als überfällig – die EZB aber ist bereits so weit hinter der Kurve, dass sie die Kontrolle über die Inflation längst verloren hat. Und wer als Notenbank die Kontrolle verliert, verliert auch seine Glaubwürdigkeit.

Die EZB verkommt angesichts der Inflation zur Lachnummer

Wie weit die EZB inzwischen von dieser Realität der Inflation entfernt ist, zeigt etwa die Homepage der Notenbank – dort heißt es groteskerweise:

„Wir halten die Inflation unter Kontrolle. Die EZB ist die Zentralbank der 19 Länder der Europäischen Union, in denen der Euro verwendet wird. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Dies tun wir, indem wir dafür sorgen, dass die Inflation niedrig, stabil und vorhersehbar bleibt. So versuchen wir, Ihnen die Planung von Spar- und Konsumentscheidungen zu erleichtern.“

Die EZB behauptet also, die Sorgen der Menschen (40% der Deutschen haben keinerlei Sparmöglichkeit mehr aufgrund der hohen Inflation) wegen der Teuerung ernst zu nehmen und für Geldwertstablität zu sorgen. Wirklich? Sehen wir uns einmal folgende Grafik von Hannes Zipfel aus seinem neuesten Video an, der die Inflation mit den von der EZB gesetzten Zinsen vergleicht:

EZB Zinsen Inflation

Grafik: Hannes Zipfel

Man sieht: die Inflation steigt seit Monaten höher und höher, während die EZB..nichts tut und getan hat! Faktisch also hat die europäische Notenbank die Inflation einfach laufen lassen. Daher formuliert unser geschätzter Kollege Hannes Zipfel:

„Die Zinswende der EZB ist ein Witz! Der für Ende Juli angekündigte erste Anstieg der Leitzinsanstieg seit elf Jahren von 0% auf 0,25% entspricht weniger als einem Drittel der Geldentwertung eines einzigen Monats“.

EZB schießt mit Wasserpistole auf einen Großbrand

Das bringt die Lage auf den Punkt: faktisch schießt die EZB mit einer Wasserpistole auf einen Großbrand – daher ist die Zinswende der europäischen Notenbank schlicht nur eine Mogelpackung, zumal sich die EZB bereits eine Hintertür geöffnet hat, um die sogenannte Fragmentierung (also den starken Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen der Südländer der Eurozone) zu verhindern oder zu bremsen. Man will also im Ernstfall wieder Geld drucken – zumal die Anleihekäufe der Notenbank nach wie vor noch nicht beendet sind.

Hannes Zipfel zerlegt gewissermaßen mit einem Seziermesser die Handlungen und Aussagen der EZB – absolut sehenswert:



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17 Kommentare

  1. Das letzte verlinkte Video mit den Supermarkt Preisen aus den USA war interessant. Billige Packung Toastbrot und Tiefkühlpizza 8 Dollar, draußen 20 Dollar.

  2. Hatte man doch längst darauf hingewiesen, das wir einen EUROLIRA bekommen.
    Denn FRANKREICH UND ITALIEN, haben traditionell, ein anderes Verstädnis zur ihrer WÄHRUNG und zum EURO.
    F und I, werden ein Teufel tun die Verträge einzuhalten.
    MAASTRICHVERTRÄGE sind schon Geschichte.
    Die BUNDESBANK hat NICHTS ZU MELDEN!
    Frankreich bleibt Frankreich, Italien bleibt ITALIEN.
    Deutschland löst sich auf?
    Wie lange lassen wir uns über Tisch ziehen?

  3. Wenn die Südländer nun 3 oder mehr Prozent Zinsen für ihre Staatsschulden zahlen müssen, aber gleichzeitig ihre Verschuldung etwa 10 % im Jahr weginflationiert wird, dann ist doch alles supi. Selbst die Altschulden in Target 2 schrumpfen dahin.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Das funktioniert doch nur in der Theorie. Wie werden denn die Südländer den stark erhöhten Schuldendienst bezahlen? Mit noch mehr Schulden! Und wenn das BIP-Wachstum rezessionsbedingt dann deutlich hinter der Inflation bleibt, kann es sein, dass da gar nichts weginflationiert wird. Dafür aber der Default vor der Türe steht..

    2. Moin Helmut, wie gehts der Bärbel?

  4. @Helmut: Hallo Helmut, das Problem sind die rekordhohen Bestands-Schulden der EU-Staaten, allen voran die Italiens, Griechenlands, Spaniens und Frankreichs. Also die verbrieften Gesamtschulden (öffentlich und privat). Die Target-Salden in Billionenhöhe sind dabei noch nicht mitberücksichtigt (komplexes Thema).

    Werden die Bestandsanleihen, wie gerade zu beobachten, massenhaft von den Investoren auf den Markt geworfen, schießen die Zinsen (Kapitalmarkt-Renditen) so stark nach oben, dass die EZB entweder erneut (digital) Geld druckt und damit alle möglichen Schuldpapiere aufkauft oder die Hypotheken-, Konsumenten-, Unternehmens- und Bankkredite werden für die Schuldner untragbar. Siehe hierzu den „Cantillon-Effekt“ (wer profitiert von Inflation und wer verliert).

    Um die jetzigen Schuldenberge weg zu inflationieren reichen in Anbetracht der horrenden Neuverschuldung (u. a. für Rüstung) 8 Prozent Inflation p. a. nicht aus. Aber alles über 10 Prozent Teuerungsrate bei gleichzeitiger Produktknappheit kostet die EZB zunehmend ihre Reputation und ihre Existenzberechtigung.

    Man kann sich die Lage nicht schönreden, nur den Wahnsinn asap beenden (wäre schon im Jahr 2014 fällig gewesen). Denn das Problem ist, dass nahezu alle politischen Akteure diesen Wahnsinn (Reiten eines längst toten Pferdes) wegen der extrem gefährlichen Alternative weiter unterstützen. Das wird am Ende die Eurozone sowieso zerstören. Aber die Fallhöhe des Systems steigt mit dem REALEN Schuldenberg immer weiter und damit die Schwere der Konsequenzen. Die Demokratie wird wohl zwangsläufig schwer beschädigt, durch Inflation und oder Depression.

    Wer eine echte Lösung für das ca. alle 70 Jahre wiederkehrende Überschuldungsproblem der Staaten in einem Fiat-Money-System vorweisen kann, verdient den alternativen Nobelpreis für Ökonomie. Die Anhänger der „Modern“ Monetary Theory (MMT) sind es jedenfalls nicht.

    Ich habe als Provinz-Ökonom leider auch keine Lösung und kann daher nur den Finger in die Wunde legen, um zumindest die Sensibilität für präventive Maßnahmen auf privater Ebene zu stärken. Alles andere ist Illusion.

    Denn der sytemische Zerfall begann nicht erst mit der Pandemie oder der Finanzkrise 2008 ff. sondern schon seit dem geldpolitischen Wahnsinn des ehem. Fed-Präsidenten Alan Greenspan vor über zwei Jahrzehnten. Vielleicht sogar noch eher mit der übereilten Gründung der EU und dem permanenten Missachten der Verträge von Maastricht bereits unter Kanzler Schröder, als Deutschland als erstes Land der EU offiziell die Schludengrenze riss.

    Die Fed reagierte schon vor dem Jahr 2000 mit der agressiven Milleniums-Präventivpolitik, dann mit der Rettungspolitik nach dem Platzen der New-Economy-Blase, die wiederum zur Aufblähung der US-Immobilienblase führte, die dann auch platzte. Dann folgte die Eurokrise. Danach das Wiederanschmeißen der Notenpresse im Winter 2018. Dann die PAndemie-Rettungspolitik. Eine mittlerweile unendliche Geschichte fortgesetzter geldpolitischer Tabubrüche mit einem vorhersagbaren Ergebnis: der totalen Zerrüttung der Kaufkraft des größtenteils ungedeckten „Papiergeldes“.

    Eine positive Folge für die gesamte Menschheit wird der Re-Set der Wirtschaft (nicht der nach den Vorstellungen des WEF) haben. Denn wenn die Wirtschaft kollabiert, heilt sich das Klima mangels produktionsbedingten CO2-Emissionen selbst. Ein schwacher Trost aber immerhin.

    1. Sorry, aber ich verstehe ihr Problem NICHT.
      Es ist doch gaaaanz einfach.: DEN STAATSAPARAT IN JEDEM EINZELNEN EU-LAND bis auf das Mark entkernen. Motto“: Faules Fleisch muss ab“. Da werden sehr schnell Billionen/Jahr frei in den Staatskassen.
      Die Staatsquote ist in jedem EU-Land viel zu hoch. Im Mittelalter (alter Feudalismus) sind die Bauern aufgestanden, weil sie den 10. nicht mehr zahlen konnten (gemeint waren die 10% für die Feudalherren und Diener. Wir sind aktuell im Neo-Feudalismus angekommen. Offenbar ist das Bildungsniveau sososo niedrig, dass der BundesRepublikDeutsche-EU-Bürger (auch bekannt als Bananen Republik Deutschland – gleicher Buchstabenwert) sich offenbar mit 51 % Staatquote einverstanden erklärt.
      In den 90igern des letzten Jahrhunderts (also vor >30 Jahren) wurden Computer und auch Verwaltungssoftware „erfundden“, als auch noch das Internet dazu kam (Pferdefuhrwerk wurde durch die Dampfmaschine ersetzt und hat ein Produktionssteigerung vom 10x-fachen gebracht). Davon ist die Staats-,Bundes-, und Landesverwaltung ausgenommen. Bei, alleine in Deutschland, 1,7 Mio Beamten sollte alles in Lichtgeschwindigkeit passieren. Stattdessen wächst der Schuldenbergschneller als in den ’80gern der Butterberg der, damals noch EWG.

      1. Der Fisch fängt IMMER am Kopf an zu stinken!

  5. Sie kennen mich! Stirbt der €uro,dann stirbt Europa! Das alles ist alternativlos! Vom Ende her denken! Nach 20 Jahren €uro,hat es immer noch keine EZB-Präsidentschaft einer(s) Deutschen gegeben! Die wirtschaftlich stärkste Macht der €urozone überlässt einer vorbestraften Seiteneinsteigerin den mit Abstand wichtigsten Posten der EU und macht die „Mutterkreuzträgerin“Pfuschi von der Leyen(Laien!),welche bisher überall ihre Unfähigkeit bewiesen hat zur europäischen Frühstücksdirektorin!
    Noch Fragen,Kienzle?Nein Hauser!
    Nun bekommt man,was man bestellt hat.Rückgaberecht ausgeschlossen.

  6. Ein Beitrag der Extraklasse mit unwiderlegbaren Fakten untermauert!
    Was mir aufgefallen ist:Klingt Hannes Zipfel wie Prof.Dr.Christian Rieck ?

  7. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    In meiner 31 jährigen Börsenerfahrung habe ich noch nie gesehen, dass man Inflationen damit bekämpfen konnte, wenn die Leitzinsen unter der Inflationsrate lagen.

    Beispiel 1992 Deutschland: Inflation 5 Prozent aber Leitzinsen 8,75 Prozent

    Beispiel 2000 USA : Inflation 4 Prozent aber Leitzinsen 6,5 Prozent

    Beispiel 2007 USA : Inflation 3,8 Prozent aber Leitzinsen 5,25 Prozent

    Beispiel 2008 Deutschland: Inflation 3,8 Prozent aber Leitzinsen 4,25 Prozent

    Oder noch weiter zurück USA 1981 : Inflation 13 Prozent aber Leitzinsen 20 Prozent!

    Ergo oder w.z.b.w: Die Inflation muss zwingend mit Leitzinsen über der jeweiligen Inflationsrate bekämpft werden!

  8. „die Inflation ist ihr egal!“
    Nö, die ist gewollt. It´s a feature, not an error, wie der Informatiker sagt.

  9. „… 40% der Deutschen haben keinerlei Sparmöglichkeit mehr aufgrund der hohen Inflation… “

    Und aus den 40 Prozent könnten bald 60 Prozent werden. So die Befürchtungen…

    https://www.westfalen-blatt.de/ueberregional/nachrichten/wirtschaft/die-inflation-spaltet-die-gesellschaft-2583912

  10. Hannes Zipfel for EZB-Präsident!
    Seine eigenen Lösungsvorschläge sind brillant und ultimativ.
    Die kennen Sie noch nicht?
    Er auch nicht, im nächsten Seziervideo vielleicht mehr davon.

  11. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Dürfte ich mal fragen warum mein Artikel noch nicht erscheint….? Mit freundlichem Gruß

    Dr. Sebastian Schaarschmidt!

    1. @Sebastian, welcher Artikel?

  12. Pingback: Nasdaq, Bitcoin, Zinsen: Jetzt ist die Panik da! Videoausblick - crypto today info

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