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Portugal + EZB: Mit der Entwertung von Anleihen hatten wir nichts zu tun…

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FMW-Redaktion

Geschickt zwischen Weihnachten und Silvester platziert entwertete die portugiesische Notenbank Anleihen im Wert von 2 Milliarden Euro, in dem sie sie von der sauberen „Novo Banco“ umbuchte in die Resterampen-Bad Bank „Banco Espirito Santo“, die de facto dem Tode geweiht ist. Dies kommt einer Entwertung gleich. Diese Umbuchung betraf aber ausschließlich Anleihen, die von institutionellen Investoren gehalten werden. Die Notenbank legte Wert auf die Feststellung, dass man dadurch verhindern will, dass bei der gesunden Novo Banco bei einer evtl. Schieflage die Steuerzahler wieder in die Haftung springen müssen.

Wie aus noch unbestätigten Quellen zu vernehmen ist, distanziert sich die portugiesische Regierung von dieser Entwertung. Dies sei eine souveräne Entscheidung der Notenbank gewesen. Finanzminister Ricardo Mourinho Felix soll gegenüber Investoren gesagt haben die Regierung habe gegenüber der Notenbank ihre Bedenken geäußert, was die Umbuchung der Anleihen angeht. Man habe sich aber nicht eingemischt, weil die Notenbank ja eine unabhängige Institution sei. Und in der Tat, Notenbanken im Eurosystem sind unabhängig von der nationalen Regierung, sozusagen eigenständige Institutionen. Auch sind sie größtenteils für ihre Entscheidungen vor Ort nicht weisungsgebunden durch die EZB-Zentrale in Frankfurt.

Auch die EZB selbst lehnt sich anscheinend zurück und will mit dieser Entwertung nichts zu tun gehabt haben. Dies sei eine eigenständige Entscheidung der portugiesischen Notenbank gewesen. Einerseits sind die Notenbanken der Euroländer fest eingebunden in das sogenannten „Eurosystem“, dessen Dachorganisation die EZB in Frankfurt ist. Diese beruft sich aber seit Wochen immer mehr darauf, dass ihre Weisungsbefugnis über die einzelnen nationalen Notenbanken sich ja hautsächlich auf die Geldpolitik bezieht. Die meisten anderen Aufgabenfelder würden die Notenbanken vor Ort in Eigenregie und eigener Verantwortung durchführen.

Es ist wohl Teil der momentanen Kritikwelle gegenüber EU-Institutionen (zu viel Zentralisierung), dass man immer öfter sagt „so viel Zentralisierung gibt´s ja gar nicht, schaut her“. Man verweist aktiv darauf wie eigenständig doch die einzelnen Institutionen der einzelnen Mitgliedsländer doch sind. Wichtig war das auch vor Kurzem als massiv öffentlich Kritik aufkam, weil bekannt wurde in welchem Ausmaß die einzelnen Notenbanken in Eigenregie die Staatsanleihen der eigenen Länder aufkauften, zusätzlich zum offiziellen Anleihekaufprogramm der EZB. Auch da die Auskunft der EZB: „Das sind souveräne Entscheidungen der einzelnen Notenbanken“.

Und jetzt scheint der nächste Schritt zu beginnen, den wir schon Ende Dezember angesprochen hatten. Die institutionellen Gläubiger sitzen nicht schmollend in der Ecke und schauen zu wie ihre Vermögenswerte (Forderung gegenüber dem Schuldner) einfach so entwertet werden. Eine Gruppe Großinvestoren scheint gerade dabei zu sein in Großbritannien Klage gegen die portugiesische Notenbank einzureichen. Ein interessanter Fall, denn so eine nachträgliche Entwertung bzw. Umbuchung einer Anleihe von einer neuen Bank rüber in die Schrottbank, das wird ein Präzedenzfall in der Eurozone. Ist das einfach so ok oder war das eine illegale Enteignung von Vermögenswerten? Kommt die portugiesische Notenbank damit durch, wäre das für viele Schuldner ein durchaus gangbarer Weg in der Zukunft. Philippe Bodereau, Direkter beim weltweit größten Anleiheinvestor PIMCO, vergleicht Portugal mit Argentinien und Venezuela – er sagte der FT er kaufe es der Regierung in Lissabon nicht ab, dass sie mit dieser Umbuchung nichts zu tun hatte. Dies sei ein unfairer und amateurhafter „short cut“ gewesen.

Und warum scheint sich die portugiesische Regierung so vornehm zurückzuhalten? Man möchte als Staat ja auch weiterhin Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Da ist es wohl nicht gut optisch zu viel mit so einer Entwertung zu tun zu haben, auch wenn es hier um die Schulden einer Privatbank ging. Das größte Problem für die portugiesische Notenbank dürfte bei einem Gerichtsverfahren in Großbritannien wohl das Wort „Diskriminierung“ werden. Warum wurden nur ein paar bestimmte Anleihen entwertet, und warum denn gerade diese? Das muss wohl erklärt und gerechtfertigt werden.


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    peter hoffmann

    15. Januar 2016 14:01 at 14:01

    na dann wollen wir mal hoffen, dass keine „steuerzahler anleihen „ihrer“ bank gekauft haben …

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Zinsen: Warum auch wir jetzt in der Japan-Falle sitzen

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Zinsen und die Japan-Falle - Symbolbild Brieftasche, Geld und Auto

Für Schuldner ist es eine gute Nachricht, für Sparer eine Schlechte: Die Zinsen werden bei uns bis zur Abschaffung der Gemeinschaftswährung Euro bei null und negativ bleiben. Die Schuldenexplosion im Zuge der Corona-Krise lässt zukünftig keine steigenden Kreditkosten mehr zu.

Die Corona-Krise drückt die risikolosen Zinsen weiter nach unten

Bankenvolkswirte, Politiker und Anlageberater hatten die Hoffnung auf wieder steigende Zinsen bei ihrer Klientel stets wachgehalten. Noch im Sommer 2018 versprach der Vorstandsvorsitzende der größten Bank der USA, James L. Dimon von JPMorgan Chase & Co.: „Die Zinsen werden schneller und stärker steigen, als die meisten Menschen es sich vorstellen können“. Die These, dass auch Europa oder sogar die USA in die gleiche Nullzinsfalle wie Japan mit seiner weltweiten Rekordverschuldung in Höhe von 237 Prozent des BIP geraten könnten, wurde von „seriösen“ Ökonomen brüsk zurückgewiesen. Dabei war damals schon klar, dass die permanent steigenden Schuldenquoten im Vergleich zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt zwangsläufig auf die Abschaffung des Zinses in den entwickelten Volkswirtschaften hinauslaufen. Doch zu diesem Zeitpunkt war „Zinsnormalisierung“ das Zauberwort. Bereits ein Quartal nach den Aussagen des wohl mächtigsten Privatbankers des Planeten brach der US-Aktienmarkt fast unter der „Normalisierung“ der US-Zinsen zusammen. Das Thema Zinserhöhungen war fortan vom Tisch. Im Herbst 2019 zwang dann die Krise am US-Geldmarkt die US-Notenbank (Fed) sogar zur Auflage eines neuen Gelddruckprogramms (QE-Programm).

Im Frühling des Jahres 2020 sind die „risikolosen“ Zinsen für Staatsanleihen, Termingeld und Sparkonten nicht nur in den USA, sondern auch bei uns in Deutschland zurück auf historischen Tiefstständen. Die großen Zentralbanken haben die Leitzinsen in den letzten beiden Monaten im Rekordtempo nach unten gedrückt. Im Jahr 2020 stehen weltweit 93 Zinssenkungen lediglich 4 Zinserhöhungen gegenüber. Über den massenhaften, ja zum Teil unlimitierten Ankauf von Staatsanleihen sind auch die Zinsen am Kapitalmarkt de facto abgeschafft worden. Die Zinskupons für „mündelsichere“ Bundesanleihen weisen über alle Laufzeiten, also von drei Monaten bis zu 30 Jahren, ein negatives Vorzeichen auf. Wohlgemerkt nominal, also noch vor Abzug der jährlichen Inflationsrate.

Das Ziel dieser „Zinssteuerung“ durch die Notenbanken ist die Entlastung der stark angeschlagenen und hoch verschuldeten Wirtschaft im Bereich der Kapitalkosten. Darüber hinaus sollen Staaten, Kommunen, Banken, Unternehmen und Häuslebauer finanziell am Leben erhalten werden. Der Versuch der südeuropäischen Staaten die Nordländer zu Eurobonds mit gemeinsamer Haftung zu bewegen, zielt ebenfalls auf die Absenkung der zu zahlenden Zinsen am Kapitalmarkt ab. Niedrige Zinsen oder besser gleich die Abschaffung des Zinses sind zu einer Überlebensnotwendigkeit für Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und sogar Frankreich geworden. Das Gleiche gilt aber mittlerweile auch für die USA und unverändert für Japan. Vorsicht ist geboten bei Lockangeboten exotischer Banken aus Malta oder Estland, die um an dringend benötigte Liquidität zu kommen, deutschen Sparern ein paar Zinskrümel mit einer Null vor dem Komma hinwerfen, vor Steuern und Inflation versteht sich. Diese Zinsen sind nicht ohne Risiko, ebenso wie die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals.

Die ökonomischen Folgen der Corona-Krise sind schwerwiegend

Aus gutem Grund liegen die Zinsen in Japan seit über zwei Dekaden auf bzw. nahe oder jetzt sogar unter null. Nippon weist mit 235 Prozent die weltweit höchste Staatsverschuldung auf. Die Bank of Japan finanziert das komplette Staatsdefizit von zuletzt drei Prozent des BIP pro Jahr. Noch im Jahr 1991 lag die öffentliche Schuldenquote im Land der aufgehenden Sonne bei moderaten 39 Prozent. Die Immobilien und Bankenkrise, die auf den Boom in den Achtzigerjahren folgte, hat Japan in den letzten 30 Jahren immer tiefer in die Schuldenmisere und damit auch in die Zinsfalle getrieben. Nach dem Platzen der New Economy Blase und dem Platzen der Immobilienblase in den USA und Europa sorgt nun die Corona-Krise dafür, dass auch die entwickelten Volkswirtschaften im Westen ihre Schulden nur noch durch Gratiskredite aus der Notenpresse tragen können. Würden sich die Zinsen in den USA Richtung 5 Prozent bewegen, würden ein Drittel der öffentlichen Ausgaben ausschließlich für den Kapitaldienst aufgewendet werden müssen. In Italien mit einer Staatsverschuldung von 133 Prozent des BIP sieht die Lage noch prekärer aus.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Ursula von der Leyen und der Marshall-Plan für Europa – bitte warten Sie nicht darauf!

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EU mit Marshall-Plan?

Ursula von der Leyen hat als Präsidentin der EU-Kommission aktuell einen Marshall-Plan für Europa in Spiel gebracht. So nennt sie es sogar ganz offiziell. Woran denkt man bei „Marshall-Plan“ sofort? Richtig, dass ein großer starker Helfer von außen kommt, und hilft. Doch wer soll hier die große starke Hand von außerhalb sein, wenn Frau von der Leyen gleich einen Marshall Plan für die ganze EU aufstellen möchte? Und abgesehen davon: Wer ihre Ausführungen liest, dem wird klar, dass es hierbei eher um warme Worte geht nach dem Motto „nächstes Jahr wird alles besser“ oder „wir gründen eine Arbeitskreis“. Warme Worte, die auf EU-Ebene reges Treiben und Hilfe für die Bürger zeigen sollen. Aber wenn es konkret wird, was liest man da? Es gibt keine Idee für hunderte Milliarden oder Billionen Euros für einen Sonderfonds oder Ähnliches. Es geht eigentlich nur darum, dass die zukünftigen Ausgaben im EU-Haushalt doch bitte intelligenter und innovativer ausgegeben werden sollen. Aber was hat das bitte mit einem „Marshall Plan“ zu tun? Also bitte, warten Sie nicht auf einen Geldsegen aus Brüssel für Ihr Unternehmen oder ihr privates Bankkonto. Zitat aus den offiziellen Aussagen der EU-Kommission:

Die Prioritäten im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU würden eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie die EU-Länder die Folgen der Krise überwinden können.

Präsidentin von der Leyen schreibt: „Unsere Welt hat sich verändert. Damit unser Haushalt den neuen Anforderungen gerecht wird, müssen wir ihn entsprechend zuschneiden. Die nächsten Jahre entscheiden darüber, wie gut und wie schnell unsere von der aktuellen Krise geschwächten Volkswirtschaften ihren Motor anwerfen und wir unseren einzigartigen Binnenmarkt wieder in Schwung bringen können.

Die vielen Milliarden, die heute investiert werden müssen, um eine größere Katastrophe abzuwenden, werden Generationen binden. Deshalb haben wir die Pflicht, das Geld aus unserem nächsten Haushalt besonders klug und nachhaltig zu investieren. Es muss bewahren helfen, was uns lieb und teuer ist und das Gefühl der Gemeinschaft unter den Nationen Europas erneuern. Und es muss eine strategische Investition in unsere Zukunft sein. Dies umfasst beispielsweise innovative Forschung, die digitale Infrastruktur, saubere Energie, eine intelligente Kreislaufwirtschaft und zukunftstaugliche Verkehrssysteme. Ein solcher Marshall-Plan kann entscheidend dazu beitragen, ein moderneres, nachhaltigeres und widerstandsfähigeres Europa aufzubauen.

Unsere Europäische Union – davon bin ich überzeugt – kann aus dieser Situation gestärkt hervorgehen, so, wie sie es nach jeder Krise in unserer Geschichte getan hat.“

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Argentinien ist pleite: Überdenken Sie Fremdwährungs-Investments! – Werbung

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Lieber Börsianer,

Das erste Opfer der Krise auf Staatsebene hat sich gefunden. Argentinien kündigte an, für einen Teil der eigenen, auf US-Dollar lautenden Kredite bis Jahresende nicht mehr zahlen zu wollen. Damit ist das erste Schwellenland praktisch zahlungsunfähig und wirft einen Schatten auf die einstmals aussichtsreiche Anlageklasse. Wenngleich nur ein Bruchteil der Emerging Markets in die Staatspleite schlittern wird, so sind doch die Möglichkeiten zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft beschränkter als in den USA, den ehemaligen Tiger-Staaten und Europa. Zeit, die Notbremse zu ziehen?

Argentiniens Zahlungseinstellung betrifft bis jetzt ausschließlich nach argentinischem Recht emittierte Anleihen. Somit ist die große Zahlungsunfähigkeit, die auch Kreditausfallversicherungen auslösen und Argentinien vor Jahre vom internationalen Kapitalmarkt abschneiden würde, noch nicht eingetreten. Doch die Zahlungsaussetzung zeigt, wie knapp die Devisen im Land inzwischen sind, das bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus als Pleitekandidat galt.

Die Schwellenländer leiden gleich dreifach unter dem Coronavirus:

– Die heimische Wirtschaft erzeugt deutlich weniger Waren und Dienstleistungen.
– Auslandskunden kaufen deutlich weniger Waren und Dienstleistungen, Touristen bleiben aus und somit der Strom von Devisen, der zur Begleichung von in Fremdwährung lautenden Verpflichtungen nötig ist.
– Ausländische Kapitalgeber ziehen aus Angst ihr Kapital aus den Schwellenländern ab und bunkern es in als sicher geltenden Anleihen Europas, der USA und Japans.

Schwellenländer können ihre Wirtschaft kaum unterstützen

Alle drei Probleme machen eine Unterstützung der Wirtschaft durch den Staat nötig, der aber oft selbst kaum Devisenreserven hat und in der Krise auch schwerer bzw. nur mit hohen Zinsen an Devisen herankommt. Weiterhin werten die Währungen der Schwellenländer schnell ab, was Auslandsschulden zusätzlich verteuert. Unter Dollarknappheit leiden durchaus auch fortgeschrittenere Volkswirtschaften. Doch die bekommen bei der US-Zentralbank problemlos…..

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Mit Börsianer-Grüßen,
Thomas Kallwaß
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