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EZB-Protokoll der September-Sitzung veröffentlicht: Ausstieg aus Anleihekäufen weiter unklar, Zinswende in weiter Ferne

Die EZB hat soeben das Protokoll ihrer Sitzung vom 7. September veröffentlicht. Dazu präsentieren wir hier auszugsweise Originaltexte der EZB mit unseren Kommentaren…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die EZB hat soeben das Protokoll ihrer Sitzung vom 7. September veröffentlicht. Dazu präsentieren wir hier auszugsweise Originaltexte der EZB mit unseren Kommentaren.

Laut der EZB brummt die Wirtschaft in der Eurozone. Man zeige sich besorgt über die Geschwindigkeit des ansteigenden Euros (schlecht für Exporte), aber die Wirtschaft wachse so stark, dass dieses Problem damit ausgeglichen werde. Zitat EZB:

With regard to the economic analysis, members broadly agreed with the assessment of the outlook and risks for economic activity in the euro area provided by Mr Praet in his introduction. According to recent data and survey indicators, the economic expansion had continued to be solid and broad-based across countries and sectors, but had accelerated more than expected in the first half of 2017. Looking ahead, economic growth was expected to remain robust, with stronger domestic demand expected to offset the impact of the appreciation of the euro on exports. This assessment was reflected in the outlook for growth contained in the September 2017 ECB staff projections. Compared with the June 2017 Eurosystem staff projections, the outlook for real GDP growth had been revised up for 2017, reflecting the recent stronger growth momentum, and was broadly unchanged for 2018 and 2019.

Die Inflation wachse zwar „dank der EZB-Maßnahmen“, bleibe aber immer noch zu schwach, als das man die Zinswende einleiten könnte. Zitat:

In discussing the outlook for inflation included in the September staff projections, concern was again voiced about the possibility of changes in the inflation process that might lead to low inflation rates being more persistent, including the role of changes in inflation expectations and wage indexation practices. Commenting on measures of underlying inflation, members agreed that there were not yet convincing signs of a sustained convergence towards levels compatible with the ECB’s inflation aim. At the same time, a number of measures of underlying inflation had increased moderately compared with the second half of 2016. HICP inflation excluding food and energy, for example, had risen to 1.2% in August this year, from around 0.8% a year earlier. This pointed to tentative signs of reflationary forces slowly taking hold as the economic expansion gathered pace. It was argued that there was little doubt about the direction but more uncertainty about the pace of underlying inflation. In considering labour cost pressures in the latest staff projections, it was noted that wage developments had remained subdued, with annual growth in compensation per employee declining from 1.4% in the fourth quarter of 2016 to 1.2% in the first quarter of 2017.

Die EZB bleibt bei ihrer Sicht der Dinge. Die Wirtschaft in der Eurozne wächst robust und total super, aber die Inflation wachse immer noch zu schwach. So ein Pech auch… Zitat:

With regard to the monetary policy stance, members widely shared the assessment provided by Mr Praet in his introduction that the available information overall confirmed a broadly unchanged medium-term outlook for euro area economic growth and inflation, as also entailed in the September 2017 ECB staff projections. While the economic expansion continued to be solid and broad-based across countries and sectors, inflation dynamics remained subdued and signs of progress towards a sustained adjustment in the path of inflation were generally judged to still be insufficient. At the same time, there were grounds for confidence that inflation would gradually converge to levels in line with the Governing Council’s aim of inflation below, but close to, 2%.

Die Politik der EZB solle hoch anpassungsfähig sein, damit man bei schnellen Veränderungen der Daten auch zügig reagieren könne. Zitat:

In this context, a view was reiterated that, looking ahead, the Governing Council needed to regain more policy space and flexibility to adjust policy and the degree of monetary policy accommodation in either direction, if and when needed, to cope with a maturing business cycle and potential future shocks.

Aus verschiedenen Teilen der sehr langen Veröffentlichung der EZB haben wir die folgenden Teile herausgepickt, die uns als zentral wichtig erscheinen. Die EZB meint, dass es weiterhin einer umfangreichen geldpolitischen Maßnahme bedarf um die Inflation Richtung 2% zu bekommen. Die EZB-Offiziellen seien einig darin, dass die eigene Geldpolitik beharrlich und bedächtig sein müsse. Man habe verschiedene Szenarien besprochen, was man mit dem Anleihekaufprogramm für Staatsanleihen (PSPP) machen werde. Allgemein geht man davon aus, dass die EZB im Oktober konkret sagen wird, wie man das Programm allmählich reduziert. Im September-Statement hat man sich erstmal noch alle Optionen offen gehalten durch eine allgemeine und unverbindliche Formulierung.

At the same time, it was underlined that a very substantial degree of monetary policy accommodation was still needed for inflation to converge sustainably to levels in line with the Governing Council’s aim.

Members also discussed some general trade-offs inherent in various scenarios for the future recalibration of the APP and, in particular, the choice between the pace and the intended duration. Within the framework of the Governing Council’s forward guidance, the benefits from a longer intended purchase horizon, combined with a greater reduction in the pace, were compared with those from a shorter period of purchases and larger monthly volumes. In this context, the point was again made that both the costs and benefits of extending APP purchases, including possible financial stability risks, needed to be taken into account.

There was broad agreement to emphasise, as on previous occasions, the need for monetary policy to remain persistent and patient. A very substantial degree of monetary accommodation was still necessary for inflation pressures to build up.

Fazit: Es ist möglich, dass die EZB im Oktober verkündet das Aneleihekaufprogramm in 2018 fortzusetzen, oder einen stufenweisen vorsichtigen Ausstieg vorzubereiten Da lässt man alle Optionen offen. Bei den Zinsen aber, das wird mal wieder klar, ist ein Änderung der Politik der EZB (Zinsanhebung) immer noch in weiter Ferne.

Der Euro hat sich seit der Veröffentlichung des Textes gegen den US-Dollar um ganze 7 Pips nach unten bewegt. Also: Die EZB verschiebt mögliche interessante Infos auf die nächste Sitzung.


Das EZB-Logo. Grafik: EZB / Gemeinfrei

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    5. Oktober 2017 14:32 at 14:32

  2. Avatar

    Michael

    5. Oktober 2017 14:40 at 14:40

    Die Politik der EZB solle hoch anpassungsfähig sein, damit man bei schnellen Veränderungen der Daten auch zügig reagieren könne.
    Guter Witz, eher lernen Schweine fliegen. Für eine hoch anpassungsfähige Politik braucht es hoch flexible Politiker bzw. in dem Fall EZB-Fürsten. Und die mögen vieles sein, aber anpassungsfähig?
    Wieso beharrt man dann so starr und unflexibel auf diesen dubiosen 2%?
    Wie soll man zügig reagieren können, wenn der Zinssatz nach unten praktisch ausgereizt ist? Wenn es nichts mehr gibt, was die großen Meister noch aufkaufen können?
    Bleibt zu befürchten, dass die EZB denselben Fehler begeht, wie das amerikanische Pendant: Jahrelang keine Reaktion auf eine brummende, stetig steigende Wirtschaft, wenn irgendwann alles zu überhitzen beginnt, erwägt man vielleicht einmal erste kleine Schrittchen, wenn dann die Stagnation und die Rezession da ist, reagiert man, leider deutlich zu spät.

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Sparverträge: BaFin rät Kunden zu aktivem Vorgehen gegen Banken

Redaktion

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Sparverträge sind seit Jahren ein heißes Thema bei Banken, und zwar wegen den in den „guten alten Zeiten“ versprochenen hohen Zinszahlungen. Heute dann der Hammer! Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang ist das, was von Seiten Deutschlands oberster Finanzaufsicht BaFin da heute veröffentlicht wurde. Es geht um Prämiensparverträge, welche die Bankkunden sorgfältig überprüfen sollen. Viele ältere Verträge enthalten laut BaFin Zinsanpassungsklauseln, mit denen Banken die zugesicherte Verzinsung einseitig abändern könnten. Diese Klauseln sind laut Bundesgerichtshof (BGH) seit 2004 unwirksam.

Aber kurz ein Schritt zurück. Die letzte Zeit hat die BaFin alles andere als geglänzt. Das Wirecard-Desaster war nur die Spitze. Die BaFin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele spielte zum Beispiel beim CumEx-Skandal eine zweifelhafte Rolle. Sie war vor ihrer BaFin-Zeit Chefjuristin der Dekabank, als diese auf Gewinne aus Cum-Ex-Geschäften klagte (mehr Details dazu hier). Von daher kann man es als Image-Maßnahme ansehen, dass gerade Frau Roegele explizit mit Namen zitiert wird, wenn die BaFin heute betroffenen Sparern dazu rät, jetzt selbst aktiv auf ihre Banken zuzugehen und sich erläutern zu lassen, welche Klausel ihre Sparverträge ganz konkret enthalten.

Runder Tisch über Sparverträge gescheitert – BaFin rät Kunden zur Offensive gegen Banken

Der nächste Schritt müsse dann laut heutiger Aussage der BaFin sein zu prüfen, ob diese Klauseln rechtskonform seien. Bei Fragen zur Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche oder zur Unterbrechung etwaiger Verjährungsfristen rät Frau Roegele den Kunden, sich bei Bedarf an eine Verbraucherzentrale oder auch einen Rechtsanwalt zu wenden. Das ist echt der Hammer. Die BaFin rät aktiv Bürgern dazu sich im Kampf gegen Banken an Anwälte oder Verbraucherschützer zu wenden? Bislang hielt sich die BaFin aus sowas doch raus?

Die BaFin geht davon aus, dass Banken und Sparkassen oft falsche Zinsklauseln verwendet und den Kunden zu wenig Zinsen gutgeschrieben haben. Betroffen seien laut BaFin-Statement insbesondere langfristig variabel verzinste Sparverträge aus 2004 und früher. Ein Runder Tisch, den die BaFin zum Thema Prämiensparen Ende November 2020 unter anderem mit den Verbänden der Kreditwirtschaft und Verbraucherschutzorganisationen einberufen hatte, habe leider keine kundengerechten Lösungen gebracht. Neben ihrem Verbraucheraufruf prüfe man deshalb jetzt auch konkrete verwaltungsrechtliche Optionen, mit denen das Ziel ausreichender Kundeninformation erreicht werden könne. Bereits im Februar 2020 hatte die BaFin die Banken aufgefordert, auf die betroffenen langjährigen Kunden zuzugehen und ihnen eine Lösung anzubieten.

Was soll man dazu sagen? Der gute Herr Hufeld (BaFin-Chef) und die gute Frau Roegele wollen wohl in der Öffentlichkeit endlich auch mal Pluspunkte sammeln, als oberste Beschützer der kleinen Leute mit Sparkonto? Zum Thema Prämiensparverträge liefert die BaFin auch folgende Erläuterung, im Wortlaut:

Ein Prämiensparvertrag ist eine langfristige Sparform mit variabler Verzinsung und gleichbleibender Sparleistung. Kunden erhalten zusätzlich zum Zins eine Prämie, die meist nach der Vertragslaufzeit gestaffelt ist. Viele Kreditinstitute verwendeten in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Zinsanpassungsklauseln, die ihnen einräumten, über Änderungen der vertraglich vorgesehenen Verzinsung mit unbegrenzt einseitigen Ermessensspielräumen zu entscheiden. Diese Praxis erklärte der BGH 2004 für unwirksam und äußerte sich auch in späteren Entscheidungen in 2010 und 2017 zu den Anforderungen an solche Klauseln. Dennoch bestehen weiterhin Unsicherheiten, wie Kreditinstitute mit den Anforderungen der BGH-Rechtsprechung umzugehen haben. Hinweise dazu liefert ein Urteil, welches das Oberlandesgericht (OLG) Dresden im April 2020 auf die Musterfeststellungsklage der Verbraucherzentrale Sachsen getroffen hat. Es stellt etwa klar, dass die Verzinsung sich an einem angemessenen, langfristigen, öffentlich zugänglichen Referenzzinssatz orientieren muss und monatlich anzupassen ist. Als angemessen sieht das OLG Dresden beispielsweise die 9- bis 10-jährige Zeitreihe der Deutschen Bundesbank WX 4260 (damalige Bezeichnung) an. Die Entscheidung ist bislang nicht rechtskräftig; es wurde Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Weitere Musterfeststellungsklagen sind anhängig.

Sparverträge werden oft in Beratungsgesprächen abgeschlossen
Beispielfoto einer Beratung in einer Volksbank. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

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Deutschland: Restaurants und Hotels bis 10.Januar geschlossen

Markus Fugmann

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In Deutschland werden laut einem Insider sowohl Gastronomie als auch Hotels bis zum 10.Januar geschlossen bleiben – darauf haben sich laut diesem Insider die Bundesregierung und die Bundesländer verständigt. Am 04.Januar sollen dann Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten zusammen kommen um das weitere Vorgehen zu beraten. Diese Entscheidung soll heute Nachmittag verkündet werden.

Also die nächste Hiobsbotschaft für Gastro und Hotels..

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

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