Allgemein

Schau an – EZB-Schnabel nicht mehr so sicher über nachlassende Inflation

Von der EZB hört man es seit Wochen rauf und runter – die stark steigende Inflation sei nur ein vorübergehendes Phänomen, schon nächstes Jahr lasse sie wieder deutlich nach. Im heute veröffentlichten EZB-Sitzungsprotokoll für die Sitzung vom 8. September hörte man gleich mehrfach Formulierungen über die vorübergehende Inflation. Auch am 13. September sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel (vereinfacht zusammengefasst), dass die Sorgen über eine zu hohe Inflation unbegründet sind, und dass die Inflations-Propheten unrecht haben.

Heute nun hat die EZB einen frischen Redetext von Isabel Schnabel veröffentlicht. Hier sagt sie, dass es jedoch verfrüht sei zu behaupten, dass die derzeitige Preisdynamik im nächsten Jahr vollständig nachlassen wird. Wie lange der Inflationsdruck anhält, hänge letztlich davon ab, ob sich der durch die Pandemie aufgewirbelte Staub im Zuge der wirtschaftlichen Erholung weiter legt. Es gebe mehrere Unsicherheitsfaktoren, die zu einem anhaltenden Inflationsdruck führen könnten.

Bei unserer Einschätzung der mittelfristigen Inflationsaussichten halten wir den Finger in den Wind um festzustellen, ob sich die Brise als langlebiger erweisen wird als nur ein vorübergehender Windstoß, so die Worte von Isabel Schnabel. Es sei auch möglich, dass die Pandemie strukturelle Trends verändert oder verstärkt hat und damit die Inflationsdynamik in den kommenden Jahren beeinflusst. Die bemerkenswerte Beschleunigung der Digitalisierung und die zunehmenden Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels seien ein Beispiel dafür.

FMW: Auf einmal doch nicht mehr total vorübergehend? Sind die Preisexplosionen der letzten Tage vor allem bei Gas auch von der EZB nicht mehr zu ignorieren?

EZB-Direktorin Isabel Schnabel
Isabel Schnabel. Foto: Gregor Fischer – Bankentag 2017 – Konferenztag CC BY 2.0



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

7 Kommentare

  1. @Claudio Kummerfeld & Fans

    Bei all der verständlichen Kritik an Europa und Deutschland muss auch die Frage erlaubt sein: Was wären denn die Alternativen? Wie sehen Ihre konkreten Handlungsvorschläge aus?

    Bis vor etwa einem Jahr etwa galten Konservative, Nationalisten und Separatisten als die universellen und ultimativen Heilsbringer, die ihre Länder aus den globalen oder kontinentalen Fesseln befreien und durch Freihandelsverträge und freie Wirtschaft zu neuer Größe führen. Wie sieht nun in der Nachbetrachtung die Lage aus, da ein Jahr später in einer Krise letztendlich Fakten statt Spekulation und Ideologie die Realität abbilden?

    Trump hat nichts erreicht, außer Spaltung, Hass, extremer Lagerbildung und Zerrüttung. National, wie international.
    Johnson und sein Großes Vereinigtes Königreich erscheinen seit dem Brexit einigermaßen verzweifelt:
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Britische-Industrie-droht-mit-Rueckkehr-zu-Schweroel-article22852470.html

    Kanzler Kurz steht wie immer kurz vorm nächsten Skandal.
    Die Polen proklamieren, dass nationales Recht über EU-Recht steht.
    In Tschechien kümmert man sich mehr um Steueroasen, als um die eigene Bevölkerung.
    Orban hält es nicht so mit der Medienfreiheit und der Freiheit und Gleichheit seiner Bürger.
    Die EU-Milliarden sollten dennoch fließen, dafür ist man schließlich beigetreten.

    Wo sind urplötzlich all die Meinungsmacher und Kommentatoren, die bis vor einem Jahr so allgegenwärtig und kaum zu bändigen waren? Die Sabinen & Konsorten, die Tag und Nacht die Foren mit ihren Weisheiten überschwemmt hatten. Einige konnten sich mit neuen Namen ins Lager der Insolvenzwellentheoretiker, der Inflationspäpste, der Grünwarner und der Virusforscher retten. Mehr Konstruktives, als zuvor ist seither erwartungsgemäß natürlich dennoch nicht zu lesen, trotz maximalem Potenzial vom reinen Mauler zum konkreten Macher.

    Ganz im Gegenteil, die konservativ-verzweifelte Kritik wurde noch lauter, die bisher rudimentären eigenen alternativen Lösungsvorschläge sind inzwischen komplett verstummt. Angesichts eines möglichen Schulterschlusses von modernen Grünen und kompromissbereiten, weniger marktradikalen „Liberalen“ kein Wunder.

    Daher noch einmal meine Frage: Wie sehen konkrete Handlungsvorschläge aus?
    Was schlagen Sie, Herr Kummerfeld vor, was die kritischen Kommentatoren?
    Wie könnte man alles besser machen, wie sähe Ihre Welt abseits von ständiger Kritik und Nörgelei aus?
    Ich freue mich auf konstruktive Vorschläge und spannende Ideen!

    1. Es gibt nur eine Antwort: Bitcoin

      1. Die EZB sollte statt Anleihen lieber Bitcoin kaufen! ;-)

  2. Debil oder bösartig, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein. Es ist nicht das Klima, Corona oder die Digitalisierung sondern die Ausweitung der Geldmenge durch die EZB die Inflation ist und steigende Preise verursacht. Alles andere sind wohl absichtlich gesetzte Irrlichter.

  3. Der frühere Verfassungsrichter Paul

    Kirchhof hat am 3.7.2021 in der Welt bereits mitgeteilt, dass die „Negativzinspolitik“ der EZB verfassungswidrig ist, nur das interessiert die Politik wenig, da sie selbst von den niedrigen Zinsen profitieren!!! Die ultraexpansive Geldpolitik der EZB ruiniert auch unser Bankensystem und die Kunden müssen das mit hohen Bankgebühren mittragen. Die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft werden ausgehebelt.

  4. Bitcoin fix this

  5. Kummerfeld Fans i.V.

    @ Europapa,die neue deutsche Regierung wird’s richten.Linke und grüne Regierungen haben noch jedes Land weiter gebracht.Was wäre denn der Vorschlag von Europapa, die Bilanz der abtretenden EUROPA – Mutti war ja auch nicht so bestechend.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage