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EZB-Ratsmitglieder mahnen zur Vorsicht EZB: Senkung der Zinsen im März? – Lohnindikator gibt Hinweise

EZB: Senkung der Zinsen im März? - Lohnindikator gibt Hinweise
EZB-Sitz in Frankfurt. Grafik: EyeEm-Freepik.com

Die nächste Zinsentscheidung der EZB steht vor der Tür und damit wahrscheinlich auch die nächste Zinssenkung. Im Gegensatz zur US-Notenbank, die eine Zinspause einlegte, senkte die EZB die Zinsen schrittweise. Ein von den Ratsmitgliedern viel beachteter Indikator für die Inflation – das Lohnwachstum in der Eurozone – kühlt sich ab und unterstützt damit eine weitere Zinssenkung bei der nächsten EZB-Sitzung am 6. März.

EZB: Senkung der Zinsen im März?

Ein wichtiger Indikator für das Lohnwachstum in der Eurozone hat sich verlangsamt, was die Pläne der Europäischen Zentralbank unterstützt, die Zinsen weiter zu senken, wenn die Inflation nachlässt.

Wie die EZB am Dienstag mitteilte, stiegen die Tariflöhne im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent. Das ist ein Rückgang gegenüber dem Rekord von 5,4 Prozent in den drei Monaten zuvor.
Anstieg der Tariflöhne im Euroraum verlangsamt sich

Zinsen: Die Lohn-Inflation kühlt sich ab - Nächste Zinssenkung der EZB?
Das Tariflohnwachstum in der Eurozone lässt nach

Die Daten stützen die Annahme der EZB, dass die Löhne nach dem Aufholen des Verbraucherpreisanstiegs in den vergangenen Jahren langsamer steigen werden. Dies dürfte letztlich auch zu einer Abschwächung der Dienstleistungsinflation führen, die seit Monaten bei rund 4 % verharrt und den politischen Entscheidungsträgern weiterhin Sorgen bereitet, so ein Bericht von Bloomberg.

Inflation Richtung 2%-Ziel

Während die Gesmtinflation zu Beginn des Jahres leicht anstieg, sind die Währungshüter zuversichtlich, dass ihr Ziel von 2 % bald erreicht wird. Dies hat es ihnen ermöglicht, die Kreditkosten seit Juni fünfmal zu senken, und ein weiterer Schritt wird für die nächste Sitzung am 6. März erwartet.

Ein weiterer Grund, der für einen stärkeren Abschwung spricht, ist die Tatsache, dass sich der Arbeitsmarkt in der Region aufgrund der Schwierigkeiten der Wirtschaft, wieder in Schwung zu kommen, abzuschwächen beginnt. Während die Unternehmen lange Zeit mit akutem Arbeitskräftemangel zu kämpfen hatten, normalisiert sich die Situation nun, und einige Unternehmen – etwa im deutschen verarbeitenden Gewerbe – bauen sogar Personal ab, um Kosten zu sparen.

Die EZB verwendet verschiedene Indikatoren, um die Lohnentwicklung in der Region zu beobachten, darunter einen Tracker, der zukünftige Entwicklungen vorhersagen soll. Als dieser Indikator Anfang des Monats aktualisiert wurde, deutete er auf eine weitere deutliche Verlangsamung in diesem Jahr hin.

Unternehmen im Euroraum teilten der EZB außerdem mit, dass sie eine Verlangsamung der Lohnerhöhungen von 4,3 Prozent im Jahr 2024 auf 3,6 Prozent in diesem Jahr erwarten. Eine weitere Verlangsamung wird im Jahr 2027 zu beobachten sein.

Was Bloomberg Economics sagt:

„Die Verlangsamung des Wachstums der Tariflöhne deutet darauf hin, dass der Disinflationsprozess in der Eurozone voranschreitet und es der EZB ermöglicht, die Zinsen im März erneut zu senken. Allerdings sind die Lohnzuwächse immer noch so hoch, dass die Falken argumentieren, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik nach der nächsten Sitzung, wenn überhaupt, nur schrittweise erfolgen sollte“. – David Powell, Chefvolkswirt für den Euroraum.

EZB-Ratsmitglieder mahnen zur Vorsicht

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte jedoch, dass man die Situation noch genauer beobachtet müsse. Sie fügte hinzu, dass die EZB bald über eine Pause oder ein Ende der Zinssenkungen diskutieren müsse.

„Die Daten deuten darauf hin, dass das Lohnwachstum in der ersten Jahreshälfte relativ hoch bleibt“, sagte sie. „Wir brauchen also eine Bestätigung für diese Verlangsamung. Darauf lege ich großen Wert.“

Ihr Kollege Joachim Nagel schlug in die gleiche Kerbe. Nach Ansicht des Bundesbankpräsidenten wären die EZB-Ratsmitglieder „gut beraten“, angesichts der hartnäckigen Inflation und der gestiegenen Unsicherheit nicht mehr offen über ihre Zinspräferenzen zu diskutieren.

Zwar sei man zuversichtlich, dass die Inflation im Laufe des Jahres auf zwei Prozent zurückgehen werde, doch die jüngsten Daten deuteten darauf hin, dass weiterhin Vorsicht geboten sei.
„Es bringt nichts, öffentlich darüber zu spekulieren, wo die Zinsen im Sommer oder am Jahresende stehen werden“, sagte Nagel in einem Kommentar zum Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank.

„Angesichts der jüngsten Entwicklungen an der Inflationsfront und der hohen Unsicherheit ist es ratsam, die Geldpolitik Schritt für Schritt voranzutreiben. Und nicht überstürzt weitere Zinssenkungen vorzunehmen“.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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