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EZB stellt klar: Nach dem Brexit keine britischen Briefkästen in der EU!

Und jetzt wird es interessant. Denn worauf so manche Bank gehofft haben dürfte, da zerschlägt Lautenschläger aktuell diese Hoffnung ohne Zweifel. Es reiche nicht in der EU einen Briefkasten einzurichten. Briefkastenfirmen (leere Hüllen) würden…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die britische Premierministerin hat ja nun für alle Welt verständlich klar gesagt: Großbritannien wählt den harten Brexit! Man will zwar in einem Folgeschritt durch ein „völliges Freihandelsabkommen“ quasi einen identischen freien Zugang zu Festland-Europa erhalten wie bisher auch, aber da wird man sich womöglich böse verkalkulieren. Direkt und sofort betroffen von diesem harten Brexit sind die Banken mit Sitz in UK, die auf dem Festland (EU-Binnenmarkt) ihre Finanzprodukte verkaufen. Sie brauchen den sogenannten „EU-Passport“, also den Zugang zum Markt.


EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Foto: EZB

Wie die EZB-Direktorin und stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht Sabine Lautenschläger jetzt bei einer Rede in London klarstellte, geht genau dieser Zugang definitiv bei der von May gewählten Variante des Brexit verloren. Jetzt geht es darum, wie es für britische und internationale Banken weitergeht, die bisher für den EU-Markt ihren Sitz nur in London hatten. Ganz einfach, verlegen sie einen wichtigen Teil ihres Geschäfts in ein EU-Land – wohin genau, ist uns bei der EZB völlig egal, so Lautenschläger. Wenn man in der EU seine Produkte verkaufen wolle, müsse man auch in der EU präsent sein.

Und jetzt wird es interessant. Denn worauf so manche Bank gehofft haben dürfte, da zerschlägt Lautenschläger aktuell diese Hoffnung ohne Zweifel. Es reiche nicht in der EU einen Briefkasten einzurichten. Briefkastenfirmen (leere Hüllen) würden nicht als Banken-Niederlassung in der EU akzeptiert. Es müsse echtes Geschäft in der EU angesiedelt werden, so Lautenschläger. Banken die nur versuchen würden offene Geschäftsvolumen durch Gegenbuchungen (back-to-back booking) quasi tatsächlich über London laufen zu lassen, würden sehen, dass sie damit nicht durchkommen, so Lautenschläger. Die Aussage ist klar: Ihr Banken müsst für das Geschäft, das ihr in der EU machen wollt, auch die hierfür zuständigen Mitarbeiter und Geschäftszweige in die EU verlegen – nicht nur auf dem Papier oder buchhalterisch, sondern eben in Echt! Zitat Lautenschläger:


„Our objective is to make the banking system safe and sound. I therefore expect banks which are seeking a licence in the euro area to meet our standards. There will be no race to the bottom in banking supervision. In particular, I do not see the ECB issuing banking licences to empty shell companies. Banks which plan to permanently book all exposures back-to-back with another entity in London might be in for a disappointment. This is not about a full ban of back-to-back booking. We rather aim at ensuring both an adequate local management of all material risks and the resolvability of the euro area entity.
Needless to say that I would certainly not accept banks’ booking all exposures with the euro area entity while having their risk management and internal control systems outside the euro area. As we expect many banks to apply, I urge them to make up their minds and contact us early on. We will then decide on an appropriate path for them to meet our expectations. But one thing has to be clear: eventually, all banks will have to fulfil the high standards of European banking supervision.“

Aktuell gäbe es 40 Banken mit Sitz in Großbritannien, die EU-weit tätig seien, so Lautenschläger. Die müssten alle Geschäft verlegen. Man wolle als EZB mit seiner Bankenaufsicht (für Großbanken) das EU-Bankensystem sicher und stabil machen, und erwarte daher, dass die Banken sich nach den EZB-Vorgaben richten. Man werde in der Bankenaufsicht keinen Abwärts-Wettbewerb (mit der britischen Aufsicht nach dem Brexit) zulassen. Auch sagte sie die betroffenen Banken sollen sich beeilen und sich frühzeitig um eine EU-Lizenz bemühen. Also, in Kürze wird Theresay May den EU-Austritt offiziell verkünden. Dann dürften viele Ankündigungen über Umzüge folgen. Von einigen Großbanken hörte man bereits Ankündigungen Richtung Frankfurt oder Dublin gehen zu wollen. Dublin ist natürlich eine bequeme Variante wegen der räumlichen Nähe zu London (kurz übers Wasser fliegen) und vor allem wegen der Sprache. Wie man aus Finanzkreisen jüngst hört, planen vor allem Banken aus Übersee Teile ihres Geschäfts aus London nach Frankfurt oder Paris zu verlegen.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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