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EZB-Studie offenbart: Betrug bei geleakten US-Konjunkturdaten

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Die EZB kann nicht nur Zinsen senken und Anleihen von Staaten mit eher zweifelhafter Bonität kaufen. Nein, die europäische Notenbank kümmert sich auch um das, was an den Märkten so passiert. In einer Studie ist ihr dabei aufgefallen, dass es offenkundig nicht mit rechten Dingen zugeht, besonders dann, wenn Konjunkturdaten veröffentlicht werden. Und weil die Märkte im Grunde nur auf US-Konjunkturdaten achten (ansonsten sind lediglich Notenbank-Sitzungen von echter Marktrelevanz), hat die EZB eben im Umfeld dieser Konjunkturdaten Auffälligkeiten entdeckt, die darauf hindeuten, dass manche schon die Daten kannten, bevor sie veröffentlicht wurden!

EZB-Führungsgremium
Zur Abwechslung einmal etwas Erhellendes von der EZB..
Foto: EZB

Konkret geht es um folgende US-Konjunkturdaten: US-Verbrauchervertrauen (Daten erhoben und veröffentlicht von Conference Board), US-Hausverkäufe und anstehende Hausverkäufe (National Association of Realtors), das BIP (Bureau of Economic Analysis), US-Industrieproduktion (Federal Reserve Board) und den ISM Index Gewerbe (Institute of Supply Management).

Bei diesen sieben von insgesamt 21 marktbewegenden US-Konjunkturdaten seien auffällige Bewegungen beobachtet worden, die auf ein Vorwissen einiger Marktteilnehmer deutetet, so die Studie (“show evidence of substantial informed trading before the official release time”). Dabei haben sich die Autoren der Studie die Preisbewegungen in den 30 Minuten vor Veröffentlichung der jeweiligen Daten beim S&P-Future und bei den 30-jährigen US-Staatsanleihen angesehen. Und dabei festgestellt, dass die Hälfte der Auswirkung der Daten auf die Kurse bereits vor Veröffentlichung der Daten geschah!

Alleine beim S&P-Future lägen die dadurch erzielten Gewinne bei 20 Millionen Dollar, so die Studie. Dabei ist es offenkundig die Kombination von geleakten Informationen – und der Erhebung eigener Daten, die zu diesen Profiten führt:

“These results imply that some traders have private information about macroeconomic fundamentals,” said the report. “The evidence suggests that the pre-announcement drift likely comes from a combination of information leakage and superior forecasting based on proprietary data collection and reprocessing of public information.”

Das EZB-Papier stellt dann überraschenderweise fest, dass eigentlich alle Marktteilnehmer dieselben Chancen haben sollten, was aber offenkundig eher nicht der Fall sei:

“To ensure fairness, no market participant should have access to this information until the official release time. Yet, in this paper we find strong evidence of informed trading before several key macroeconomic news announcements.”

Einer der Gründe, warum dies nicht der Fall ist, sieht das Papier in der nicht ausreichenden Regulierung, wie mit den Daten umzugehen ist. So gibt es zwar generell eine Richtlinie, die “Principle Federal Economic Indicator Guidelines“, doch stellt das EZB-Papier eben auch fest, dass nicht alle Institute, die US-Konjunkturdaten veröffentlichen, den absolut gleichen detaillierten Regeln unterliegen.

Insgesamt also zeigt sich, dass manche an den Märkten ein bißchen gleicher sind als andere. Nicht, dass wir das nicht gewußt oder geahnt hätten. Aber dass es einer europäischen Institution bedurfte, um das offiziell festzustellen, sollte den USA schon ein bißchen peinlich sein..

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    user

    3. Mai 2016 12:31 at 12:31

    Moin,
    es waere schoen wenn bei den News auch mal die Quellen angegeben werden.

  2. Avatar

    Mottenklopper

    3. Mai 2016 12:41 at 12:41

    Das ist doch bullshit, niemand weiß wie der Markt auf die Nachrichten reagiert. Vermeindlich gute Nachrichten können auch abverkauft werden und umgekehrt.

    • Avatar

      gerd

      3. Mai 2016 13:04 at 13:04

      Das Risiko besteht natürlich, dass es nach einem gewissen Hin und Her dann doch in die „falsche“ Richtung geht.

      Die Beobachtung der EZB-ler aber habe ich als Laie in den (vor)letzten Jahren schon einige Male miterleben müssen.
      Beispiel: „höchstwichtige“ Zahlen um 14.30Uhr. Manchmal schon um roundabout 14:10Uhr drehte der Markt ganz rapide in eine Richtung (damals lag meine Beobachtung meistens auf Bund-Future).
      Dann konnte ich kurz vor 15:00Uhr Kommentare hören oder lesen, dass der Markt ja deshalb so oder so ist, weil ja um halb drei jene wichtigen Daten rauskamen. Ich konnte nur überrascht schmunzeln. Vor allen Dingen auch deshalb, wie wenig anscheinend manche professionelle Berichterstatter die Marktbewegungen vor oder nach solchen Terminen wirklich live mitverfolgen.

      • Avatar

        rolfeckard

        3. Mai 2016 22:52 at 22:52

        Die verfolgen schon live, meistens. Aber glauben Sie wirklich, die kommentieren uns wahrheitsgemäß? ??

  3. Avatar

    Oliver

    4. Mai 2016 09:37 at 09:37

    Lustig ist, dass Draghi selbst bei irgendwelchen Businessdinners seine Gleichgesinnten mit Insiderinformationen versorgt. Geschehen 2015 wo er diverse Szenegröße über EZB Frontloading etc. informierte.

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