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EZB und Fed – warum sie nicht die Wahrheit sagen

„Wenn Sie glauben mich richtig verstanden zu haben, dann habe ich mich nicht richtig ausgedrückt!“

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Der Vorwurf, dass die EZB und die Fed mit ihren Entscheidungen zumeist der Konjunktur hinterherlaufen, also „behind the curve“ sind, ist durchaus richtig – aber das Ganze ist wohl dem Finanzsystem geschuldet.

 

„Self Fulfilling Prophecy“ – das Dilemma von EZB und Fed

Sehr viele Bereiche der Wirtschaft sind von der Psychologie der Akteure bestimmt. Würde zum Beispiel eine große Notenbank, wie die Federal Reserve oder die EZB nach ihrer Zinssitzung ganz offen kommunizieren, dass man mit einer Rezession rechnet und deshalb die Zinsen senken werde, was würde dann geschehen?

Die Unternehmen würden schlagartig ihre Expansionspläne eindampfen, sie würden anfangen zu restrukturieren und zu sparen. Anleger würden in einem Anflug von Panik aus den Aktienmärkten springen und die Renditen der Rentenmärkte in große Tiefen drücken, weil man ja weiß, dass die Notenbanken die Zinsen stark sinken werden – wie es in einer Rezession üblich ist. Die Folge wäre eine sich schlagartig beschleunigende Schrumpfung der Wirtschaft – die vorhergesagte Rezession würde viel schneller eintreten, im Sinne einer Self Fullfilling Prophecy.

Warum liegen denn manche langfristigen Zinsen in den Südländern unter 0 Prozent? Abseits jeglicher regelgerechter Einpreisung von Bonität und Risiko? Weil man die verbale Zusicherung der Notenbank hat, dass die Zinsen noch sehr lange tief bleiben.

Wie gerade bei der aktuellen Entscheidung der EZB gesehen: Die Zusicherung der Notenbank, auf eine lange Zeit weiter Staatsanleihenankäufe (QE) zu betreiben, schiebt die Renditen der Staaten weiter nach unten.

 

Die zinspolitischen Maßnahmen der Fed im Jahr 2018

Auch wenn man heute weiß, dass die US-Notenbank mit ihren vier Zinserhöhungen im vergangenen Jahr den Einbruch der Aktienmärkte im Dezember initiiert hat – wenngleich dies auch auf den „Kommunikations-Gau“ von Jerome Powell zurückzuführen ist, als er von weiteren Zinssenkungen bis zur „neutral rate“ sprach und von einer Bilanzreduktion auf Autoplilot -, wie aber war damals die Lage für die Währungshüter?

Der US-Präsident hatte mit seiner Steuerreform Ende 2017 einen unglaublichen Boom an den Aktienmärkten ausgelöst, so dass die Kurse seit seinem Amtsbeginn um über 30 Prozent gestiegen waren. Aber was haben die US-Unternehmen mit dem opulenten Steuergeschenken gemacht? Sie haben nicht in großem Stil investiert, wie es von der US-Regierung angedacht war, sondern das Kapital massiv für den Rückkauf einer Aktien (Buybacks) verwendet. Gleichzeitig fielen die Steuereinnahmen, und das Haushaltsdefizit der bereits schon hoch verschuldeten Nation schoss in die Höhe.

Der Konjunkturzyklus befand sich schon im neunten Jahr seiner Expansion und man musste eigentlich bald mit einer zyklischen Rezession rechnen – der Aufschwung hatte fast schon eine Rekordextension erreicht.

Hätte da ein verantwortungsvoller Notenbankchef Notenbankchef die Füße „zinspolitisch stillhalten“ sollen, angesichts einer möglichen „Asset Inflation“?

Die Zinsen standen Anfang 2018 bei historisch niedrigen 1,50 Prozent,  und wenn es tatsächlich schon bald zu einer Rezession käme, wie würde man dastehen? Mit wenig Pulver, wie gerade bei der EZB feststellbar.

 

Fazit

Ich denke, fast jede rational agierende Notenbank hätte im Jahr 2018 so ähnlich gehandelt, wie die Federal Reserve in den USA. Vielleicht nicht im letzten Quartal, wo Jerome Powell über das Ziel hinausgeschossen ist.

Notenbanken müssen bei der Analyse und Bewertung der Wirtschaft, besonders im Hinblick auf die Perspektive, äußerst vorsichtig agieren. Wie sagte schon einst Alan Greenspan? „Wenn Sie glauben mich richtig verstanden zu haben, dann habe ich mich nicht richtig ausgedrückt!“

Die Börsen bewerten Zukunft und versuchen diese einzupreisen. Wenn ein Notenbankchef von einer künftigen Rezession spräche, dann bekäme er sie – umgehend!

Weder die Fed noch die EZB können die Wahrheit sagen

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Andreas Weber

    13. September 2019 09:38 at 09:38

    Hallo Herr Müller,

    vielen Dank für den interessanten Bericht, aber sollte es nicht eher heißen:

    „Auch wenn man heute weiß, dass die US-Notenbank mit ihren vier ZinsERHÖHUNGEN im vergangenen Jahr den Einbruch der Aktienmärkte im Dezember initiiert hat…“

    Viele Grüße,
    A. Weber

    • Avatar

      Wolfgang M.

      13. September 2019 09:47 at 09:47

      @Andreas Weber. Natürlich! Sorry, mein Fehler.
      Grüße

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      13. September 2019 09:52 at 09:52

      @Andreas, danke für den Hinweis – ist jetzt korrigiert!

  2. Avatar

    sabine

    13. September 2019 10:36 at 10:36

    „Wenn ein Notenbankchef von einer künftigen Rezession spräche, dann bekäme er sie – umgehend!“
    a) Aber auch nur, weil vorher so sehr auf „erhöhte Preise“ (aber nur auf nominalem Wert! Kein echter Wirtschaftsaufschwung!) gedrückt wird.
    b) Eine gesunde Schrumpfung ist das Problem. Ich kann beim Autofahren auch nicht immer schneller werden. Irgendwann ist Ende der Fahnenstange, dann muß ich verlangsamen. Und wenn in diesem Fall (!) die Notenbanken dann eben mal sagen, jetzt komme die Gesundschrumpfung, will halt keiner der Letzte sein, denn
    .
    dann fallen viele Werte, sei es Aktien, Immobilien, Staatsanleihen, usw. auf ihren realen Wert. Die reale Welt kehrt zurück.
    .
    Und da vorher whatever it takes mithilfe der Zocker und Spekulanten (siehe Artikel) aufgepuscht wurde, dann ist halt der Fall wesentlich tiefer und Panik angesagt. Da fallen dann die Werte sogar unter den realen Wert. Bis es sich wieder erholt.
    Genau das ist das (gewollte) Dilemma der Wirtschaft, nicht der Notenbanken.

    • Avatar

      sabine

      13. September 2019 10:40 at 10:40

      Das „gewollt“ gehört natürlich zur Notenbank. Die Wirtschaft ist das dumme Schaf.
      Denn nach dem Platzen der Blase mit Untergehen der Zombiefirmen – und leider auch anderer – schreien alle nach Regulierung. Der Staat mit seinen Notenbanken darf sich dann noch viel mehr einmischen. Juhuu! Noch mehr Transparenz, noch mehr Abschaffung des Bargelds, noch mehr Überwachung, Geldwäschegesetze und Planwirtschaft! Noch mehr Steuern. Die perfekte Welt.

      • Avatar

        Claudia

        13. September 2019 22:25 at 22:25

        @sabine, das „gewollt“ gehört schon zur Wirtschaft, soweit es sich dabei um börsennotierte Unternehmen und Spekulanten handelt. Soweit man in der Lage ist, zwischen Wirtschaft und Finanz-Phantasie-Traumwelten zu unterscheiden.

        Wenn Phantasiewerte und Zombies fallen und die reale Welt zurückkehrt, werden reale Werte auch wieder steigen. Es gibt keinen Staat mit seinen Notenbanken, bestenfalls eine Notenbank pro Staat. Es gibt auch noch immer keine Abschaffung des Bargeldes, zumindest ist mir kein einziger Fall bekannt.

        Ihre diffuse Angst vor Planwirtschaft und neuen Steuern erinnert sehr an das dumme Schaf, das Sie in Ihren Kommentaren so gerne erwähnen.

  3. Avatar

    Shong09

    14. September 2019 18:25 at 18:25

    Dann waren Sie wohl noch nicht in Schweden, Indien ist wohl auch nicht weit davon entfernt.

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DAX daily: Der Dax stürzt nachbörslich unter die 12.000er Marke

Stefan Jäger

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Nach dem schwachen Wochenauftakt bleibt der Dax auch am Dienstag und Mittwochmorgen unter Druck. Infolgedessen fiel der deutsche Leitindex auf ein Vier-Monats-Tief und notierte gestern nur noch knapp über der 12.000er Marke. Dabei sah es zur Börseneröffnung gar nicht so schlecht aus, als der Index ein Tageshoch bei 12.223 erreicht hatte. Von dort aus ging nämlich nur noch abwärts bis zum Tagestief bei 12.034. Es ist, als ob derzeit ein Deckel auf den Aktienmärkten liegt. Der ungewisse Ausgang der US-Wahl sowie die Angst vor weiteren Corona-Einschränkungen verunsichert die Anleger zunehmend. Der Dax schloss den Handel mit einem Verlust von 113 Punkten (-0,93 %) bei 12.063. Nachbörslich ist der deutsche Leitindex noch kräftig unter die Räder gekommen. Dabei hat er die runde 12.000 unterschritten und fiel ohne Gegenwehr bis zur Marke von 11.943. In der Nacht ging es dann noch deutlich tiefer.

News und fundamentale Daten

Nachdem in Frankreich die Kliniken bereits an ihre Grenzen gestoßen sind, denkt man dort offenbar über einen Kurz-Lockdown nach. Die Angst wächst, dass diese Situation auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern eintreten kann. Heute findet hierzulande die Corona-Konferenz statt, dabei dürfte der Bund zusätzliche Maßnahmen beschließen, die unser Leben weiter einschränken und dadurch die wirtschaftliche Erholung einbremst.

Zudem stehen ein paar Wirtschaftsdaten aus den USA auf dem Programm, bevor es morgen am Super-Donnerstag mächtig rund geht. Dann erscheinen nämlich zahlreiche Konjunkturdaten sowie die Quartalszahlen der vier Tech-Riesen Apple, Alphabet, Facebook und Amazon. Zuvor werden heute um 13:30 Uhr die US-Warenhandelsbilanz sowie die Einzelhandelsbestände ohne Fahrzeuge veröffentlicht. Danach folgen um 15:30 Uhr noch die Rohöllagerbestände.

Gestern kurz nach Börsenschluss hat Microsoft seine Quartalszahlen veröffentlicht. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Ergebnis je Aktie konnte der Software-Riese die Erwartungen der Analysten schlagen. Damit gehört auch Microsoft zu den 85 % der Unternehmen, die in der laufenden Berichtssaison die Prognosen überbieten konnten. Auffällig ist, dass es trotz guter Zahlen nicht zu weiteren Kurssteigerungen reicht. Das bedeutet, dass die Anleger die guten Ergebnisse bereits eingepreist haben, daher ist die Gefahr einer Enttäuschung wesentlich größer, das hat auch SAP in dieser Woche gezeigt.

Darüber hinaus legen heute mehrere deutsche Unternehmen ihre Zahlen vor. Aus dem Dax sehen wir die Berichte von BASF, Delivery Hero, Deutsche Bank und Deutsche Börse und aus der zweiten Reihe von Puma, Telefonica und DWS. Zudem gibt es noch Zahlen von Boeing, eBay, General Electric, Gilead Sciences, MasterCard und Visa. Damit sehen wir heute schon sehr interessante Quartalsberichte, die aber im Grunde nur das Warm-Up Programm für morgen darstellen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Knapp eine Stunde vor Börseneröffnung notiert der Dax nicht nur unter der 12.000er Marke, sondern nahe der 11.800. Für die Bullen wäre es wichtig die runde 12.000er Marke zurückzuerobern. Ansonsten besteht die Gefahr das der Dax weiter nach unten durchgereicht wird. Der Dax befindet sich vorbörslich an der Unterstützung bei 11.833 bis 11.820. Geht es noch tiefer, dann ergeben sich weitere Ziele auf der Unterseite bei 11.780 und 11.718. Darunter befindet sich dann erst wieder an der 11.592 eine Unterstützung.

Sollte der Dax einen Erholungsversuch starten, dann muss er die Marken bei 11.875 und das Nachthoch bei 11.961 überschreiten. Dadurch hätte er die Chance die 12.000 zu überwinden. Bei 12.033 liegt dann der nächste Widerstand. Hier könnte er bereits wieder den Rückwärtsgang einlegen. Überschreitet er jedoch die Marke, dann folgen bei 12.090 und bei 12.145 weitere Hürden.

DAX daily: Tagesausblick 28.10. - M30-Chart - Dax stürzt ab

Heutige Pivot Punkte (PP):

12.393 – Pivot Punkt R2

12.170 – Pivot Punkt R1

12.055 – Pivot Punkt

11.831 – Pivot Punkt S1

11.717 – Pivot Punkt S2

Dax Unterstützungen (US):

11.955 – Tiefs vom 25. + 29.06.

11.940 – nachbörsliches Tief

11.867 – vorbörsliches Tief

11.820 – Monatstief Okt. 19

11.760 – 138,2 % Extension (Hoch 13.460)

11.718 – 161,8 % Extension (Hoch 12.279)

11.592 – 161,8 % Extension (Hoch 13.460)

Dax Widerstände (WS):

11.961 – Nachthoch

12.033 – 100 % Extension (Hoch 13.460)

12.090 – WS aus dem H1-Chart

12.145 – Volume-Profile (VOP)

12.254 – Tief 30.07. / vorbörsliches Hoch

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Finanznews

Aktienmärkte: Nach oben ist der Deckel drauf! Marktgeflüster (Video)

Normalerweise starten die Aktienmärkte in der Woche vor den US-Wahlen eine impulsive Rally. Aber vieles spricht dafür, dass das in diesem Jahr nicht so ist!

Markus Fugmann

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Normalerweise starten die Aktienmärkte der Wall Street in der Woche vor den US-Wahlen eine impulsive Rally. Aber vieles spricht dafür, dass das in diesem Jahr nicht so ist! Denn nach wie vor hält sich das „große Geld“ zurück, so lange nicht klar ist, ob das Ergebnis der Wahl (von Trump) angefochten wird und dann eine lange Periode der Unsicherheit (mit Kursverlusten) droht. Daher ist mit guter Wahrscheinlichkeit bis mindestens zum US-Wahltermin bei jeder Rally der Aktienmärkte „der Deckel drauf“. Der Dax bleibt nach dem gestrigen Abverkauf schwach und angeschlagen – die Gefahr von Lockdowns bleibt in Europa ein dominierendes Thema..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Rüdiger Born: Charttechnik aktuell bei Dax und Dow

Rüdiger Born

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Dax und Dow schaue ich mir in diesem schwächelnden Marktumfeld genauer am Chart an. Im Dow sehen wir sogar den Rutsch unter einen Trendkanal. Was bedeutet das für Trader?

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