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EZB verdient Geld mit Gelddrucken – Deutschland verdient daran 382 Millionen Euro

So geht das in einer funktionierenden freien Marktwirtschaft. Eine Notenbank druckt rein virtuell einfach so Geld. Damit kauft sie die Schulden ihrer eigenen Mitgliedsstaaten. Die zahlen ihrer eigenen Notenbank dafür...

FMW-Redaktion

So geht das in einer funktionierenden freien Marktwirtschaft. Eine Notenbank druckt rein virtuell einfach so Geld. Damit kauft sie die Schulden ihrer eigenen Mitgliedsstaaten. Die zahlen ihrer eigenen Notenbank dafür Zinsen. Diese Zinsen schüttet die Notenbank als Gewinn wieder an die nationalen Notenbanken aus, die diesen Gewinn dem jeweiligen Staatshaushalt zuführen. Freie Marktwirtschaft in Reinkultur!?


EZB-Chef Mario Draghi. Foto: EZB

Die EZB hat ihre Zahlen für das Gesamtjahr 2016 vorgestellt. Man erzielte nach 1,08 Milliarden Euro in 2015 nun für 2016 einen Gewinn von 1,19 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben führt die EZB diese Steigerung darauf zurück, dass man gut verdient hat am eigenen Anleihekaufprogramm. Seit März 2015 hat man inzwischen für weit über 1 Billion Euro Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten gekauft, also den Ländern, die hinter der EZB als Eigentümer stehen. Bei so einem gigantischen Berg aufgekaufter Papiere führen selbst minimalste Zinsen zu so einem netten Gewinn. Der Nettozinsertrag nur aus diesem Bereich lag bei 1,04 Milliarden Euro nach 0,89 Milliarden Euro in 2015. Also kann man sagen, dass fast der gesamte Gewinn der EZB durch dieses „Kreislaufgeschäft“ zwischen Staaten und Notenbank produziert wurde.

Da die Bundesbank ein Anrecht auf 27% des Gewinns des EZB hat, und da die EZB bekanntgegeben hat den gesamten Gewinn an die nationalen Notenbanken auszuschütten, die stellvertretend die EZB-Anteile für ihre Staaten halten, erhält Deutschland für das 2016-Geschäftsjahr der EZB also einen Gewinn in höhe von 382 Millionen Euro ausgeschüttet! Durch das gigantische Aufkaufen der Anleihen und das vorige virtuelle Drucken von neuem Geld wuchs die EZB-Bilanz bis Ende 2016 gegenüber 2015 um 32% auf 3,66 Billionen Euro (vorher 2,78 Billionen Euro). Weiter schreibt die EZB dazu, hier im Wortlaut:

Die Bestände des Eurosystems an zu geldpolitischen Zwecken gehaltenen Wertpapieren erhöhten sich aufgrund der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere um 851 Mrd € auf 1 654 Mrd € (2015: 803 Mrd €). Die Bestände der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere beliefen sich am 31. Dezember 2016 auf 1 532 Mrd € (2015: 650 Mrd €). Die Bestände an im Rahmen des SMP gehaltenen Wertpapieren sanken aufgrund von Tilgungen um 21 Mrd €.

Hier auszugsweise weitere Einnahmen und Ausgaben der EZB:

Die Abschreibungen beliefen sich auf 148 Mio € (2015: 64 Mio €). Der Anstieg der Abschreibungen im Jahr 2016 war vor allem auf die höheren Marktrenditen der im US-Dollar-Portfolio gehaltenen Wertpapiere sowie ihren insgesamt gesunkenen Marktwert zurückzuführen. Basierend auf den Ergebnissen der Werthaltigkeitstests waren bei den für geldpolitische Zwecke gehaltenen Wertpapierportfolios keine Verluste festzustellen.

Die Gebühren, die den beaufsichtigten Unternehmen auferlegt wurden, beliefen sich auf 382 Mio € (2015: 277 Mio €). Diese Gebühren sollen die Ausgaben der EZB im Zusammenhang mit ihrer Aufsichtstätigkeit abdecken. Diese Ausgaben nahmen im Jahr 2016 zu. Grund hierfür waren der Anstieg der Mitarbeiterzahl der EZB-Bankenaufsicht, der Umzug in neue Bürogebäude und die Bereitstellung der Statistik- und IT-Infrastruktur.

Die Personalaufwendungen sowie die sonstigen Verwaltungsaufwendungen stiegen aufgrund der höheren Ausgaben im Zusammenhang mit den Aufsichtsaufgaben der EZB auf 467 Mio € (2015: 441 Mio €) bzw. 487 Mio € (2015: 423 Mio €).



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2 Kommentare

  1. Draghi hat offenbar von Münchhausen gelernt.
    Wie wäre es mit Rückstellungen für die zu erwartenden Forderungsausfälle? Ach ja, da kann man ja wieder neu drucken. Es geht doch nichts über eine Druckerpresse im Keller.

  2. Hört sich ja prima an.
    Es kann also niemand pleite gehen und es kann einfach immer nur aufwärts gehen. So und jetzt mal wieder Ironie aus.

    Aber sehen wir jetzt mal von diesem irrsinnigen Kreislaufgeschäft ab, was meiner Meinung nach sicher nicht ewig funktionieren kann, dann muss man doch feststellen, dass wir, also Deutschland auch hier mehr profitieren als andere.
    Deutschland hat 382 Millionen an Ausschüttung erhalten. Da ja aber bei den deutschen Anleihen die Zinsen bekanntlich am niedrigsten sind, ist die Frage: Wie viel haben wir einbezahlt? Ich gehe mal davon aus, dass es weniger waren. Für uns ist also sogar dieses Kreislaufgeschäft ein Gewinn. Aber irgendwer wird die Zeche zahlen müssen und das sind kleinere Länder, die keine so große Ausschüttung erhalten haben und gleichzeitig zwar wenig, aber eben doch noch genug, Zinsen für ihre Anleihen zahlen mussten. Würde dieses Kreislaufgeschäft unendlich weitergehen, werden diese Länder demnach auch immer ärmer und irgendwann geht es vielleicht dann doch nicht mehr und dann stürzt das ganze Kartenhaus zusammen und spätestens dann sitzen wir auch wieder mit im Boot.
    Griechenland lässt grüßen. Hier haben wir ja auch Gewinn gemacht, weil wir an den Zinsen gut verdient haben. Nur Griechenland (also die Krise) kommt irgendwann zurück.

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