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EZB vs Markus Krall-Theorie? Kreditvergabe der Banken soll zunehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Banktürme in Frankfurt - auch Sitz der EZB

Natürlich antwortet die EZB nicht direkt auf das Crash-Szenario von Markus Krall. Wir haben aber die Headline dieses Artikels zu Illustrationszwecken so gewählt. Warum? Wer die Thesen des ausgewiesenen Bankexperten Markus Krall noch nicht kennt (hier ausführliches Video anschauen)… er hat errechnet, dass ab grob geschätzt Ende 2020 das Eigenkapital der Banken in der Eurozone derart stark erodiert sein wird, dass sie über mehrere Quartale hinweg im Jahr 2021 ihre Kreditvergabe an Kunden zurückfahren müssen, was die Wirtschaft in eine extrem schwere Krise stürzen soll. Durch die darauf folgende Pleitewelle von Zombieunternehmen entstehe ein Lawineneffekt für die Volkswirtschaft usw.

Kommt es ganz anders als Markus Krall es prognostiziert?

Aber kommt es wirklich zu dieser Kreditkontraktion, wie Markus Krall es finanztechnisch ausdrückt? Das ist wirklich eine gute Frage. Mit wirklicher Gewissheit kann das niemand vorhersagen. Auch wenn seine Thesen bestechend begründet und ausführlich erläutert werden, so gibt es doch sehr viele Variablen, die zur Krise können, oder auch nicht. Was zum Beispiel, wenn die Regierungen die Banken außerplanmäßig mit jeder Menge Eigenkapital fluten, so dass die Banken ihre Kreditvergabe (dafür ist ausreichend Eigenkapital nötig) nicht einschränken müssen? Ein anderes Fass macht die EZB gerade auf, ohne natürlich auf einen (unwichtigen? unbedeutenden?) Herrn Markus Krall zu verweisen. Ja, das ist natürlich klar. Die EZB geht in ihren Texten natürlich nie auf einzelne Kommentatoren ein, da sie ja die „große übergeordnete Institution“ des Geldsystems ist.

Aktuell hat die EZB ein Papier mit dem Titel „Assessing bank lending to corporates in the euro area since 2014“ veröffentlicht, in dem sie die These aufstellt, dass sie die Kreditvergabe der Banken in der Eurozone spürbar nach oben pushen kann. Trotz bislang mauer Wachstumsraten bei der Kreditvergabe der Banken an nicht finanzielle Unternehmen (NFC) glaubt die EZB, dass die Geschäftsbanken dank extrem günstiger Konditionen Darlehen (TLTRO III) in Höhe von 300-560 Milliarden Euro bei der EZB abrufen werden. Dadurch könne die letztliche Kreditvergabe der Geschäftsbanken an NFCs um 0,4 Prozentpunkte gepusht werden. Zitat EZB:

In September 2019 the Governing Council decided to adjust the pricing and the maturity of TLTRO III against the background of a more protracted slowdown in the euro area economy than previously anticipated. The new modalities adopted in September 2019 will preserve favourable bank lending conditions, ensure the smooth transmission of monetary policy and further support the accommodative stance of monetary policy. The additional accommodation is expected to be transmitted via an overall compression of bank funding costs and a higher uptake of TLTRO III funds. Direct funding cost relief will be provided to banks that shift their funding choices away from more expensive bond funding options, while the overall decrease in the supply of securities induced by the lower funding needs of banks will exert further pressure on remaining market bond yields. As a consequence, the bank lending channel will lead to lower lending rates and higher credit volumes, as the experience of previous TLTROs shows. Using a suite of models estimated on euro area data, the latest expectations of market participants for TLTRO III uptake as reported in surveys, which range between €300 billion and €560 billion, can be mapped to an overall funding cost relief of around 15 basis points. This in turn would be expected to lead to a peak reduction in lending rates of 15 basis points and a positive contribution to annual loan growth of almost 0.4 percentage points.

Dazu könnte man anmerken, dass hierdurch das Eigenkapitalproblem der Banken nicht gelöst wird. Aber die EZB ist ja überzeugt, dass man die Banken zu mehr Kreditvergabe treiben kann, eben mit diesem Vehikel. By the way… man schaue mal auf die folgende Grafik aus dem selben Papier der EZB. Sie zeigt die Kreditvergabe (und Anleiheverkäufe) von Unternehmen außerhalb der Finanzbranche in der Eurozone, zurückblickend seit 2012. In Deutschland und Frankreich (die beiden Grafiken links) erkennt man das Wachstum der letzten Jahre. Rechts sieht man Spanien und Italien. Vor allem bei Italien erkennt man die strukturelle wirtschaftliche Schwäche!

EZB Grafik über die Kreditvergabe an Unternehmen

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    4. Februar 2020 20:26 at 20:26

    Ist ja klar das die Kreditvergabe zunimmt, den damit versuchen die Banken die Null und Negativzinsen zu kompensieren. Steigerung der Erträge durch Expansion der Kreditbücher, das ist die Taktik.

  2. Avatar

    Jan

    4. Februar 2020 23:11 at 23:11

    Gehen wir als Anwendebeispiel von der Bausektor aus. Wer soll freigekommenes Kapital umsetzen?
    Wenn mein Chef mir mein Budget um 10% erhöht, brauche ich entweder selber oder beim Zulieferer 10% mehr Leistung. Die kriege ich in der Baubranche nicht, weil Sie nicht verfügbar ist. Da hilft nicht, dass das Geld billig ist.
    Das mag in andere Bereiche anders sein aber grundsätzlich glaube ich, das diese Billig-geld Maßnahmen wirkung entfalten können, wenn viel Kappazitäten frei sind. Und das ist zwar in zunehmende Maße der Fall, ich bezweifele aber ob im sinnvollen (umsetzbar) Verhältniss zu dem Kapital was verfügbar gemacht wird.
    Und das erklärt für mich warum Jahren Billiggeld nicht wesentlich viel beigetragen hat: Alle Kappazitäten waren fast ausgebucht. Man hat „nur“ die Inflation der Kapitalgüter betrieben. Aktion hoch ohne dass der Wert der Unternehmen gestiegen sind. Wie ds Spielchen ausgehen mag …

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    PK

    5. Februar 2020 08:29 at 08:29

    Markus Krall liegt halt völlig falsch wenn er meint, die EZB würde da tatenlos zusehen nur damit Kralls Prognosen aufgehen.
    Zur Not wird sie die Banken nur noch als Kreditvermittler verwenden, während sie selbst die Risiken in ihre Bücher nimmmt. Das was Krall da äussert hört sich nur auf den ersten Blick stringent und logisch an.

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      Kritisch on fire

      5. Februar 2020 10:21 at 10:21

      @PK!
      Dr. KRALL vermittelt doch in nahezu all seinen Vorträgen und Büchern gerade eben diese Möglichkeit, nämlich, dass die EZB die Risiken der Banken in ihre eigenen Bücher nimmt (ob durch Verstaatlichung der Banken oder ähnliche Massnahmen) um die Kreditbedürfnisse spez. der Zombies zu berfriedigen. Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Schieflage sondern verzögert nur den Absturz. Sollte die EZB so handeln wäre das eben genau nach Vorhersage von Dr. KRALL. Glaubt denn wirklich jemand, dass unendliche Erhöhung der Geldmengen, völlig abgekoppelt von fundamentalen Werten, ohne massive Auswirkungen sein kann?

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        PK

        5. Februar 2020 11:02 at 11:02

        also das mit dem verzögern ist richtig. Auch alle Aussagen bezüglich der zombifizierung sind denke ich korrekt. Wir haben den Zustand, daß Unternehmen die nicht profitabel sind quasi unendlich am laufen gehalten werden können, während innovative neue Unternehmen kein Fremdkapital bekommen und daher keinen Vorteil aus der Nullverzinsung haben.
        So, aber das bedeutet alles noch lange nicht, daß man sinnvollerweise irgendeinen Punkt auf der Zeitachse angeben kann wo und wie das ganze kollabiert. Alle Crashgurus haben in diesem Punkt bereits in der Vergangenheit versagt.
        An der „Ertragserosion“ der Banken wird das Konstrukt jedenfalls sicher nicht in diesem Jahr scheitern und auch nicht im kommenden, da lehne ich mich mal aus dem Fenster.
        Man muss endlich mal aufhören jedesmal „Faul“ zu kreischen, wenn die EZB oder FED ihre zweifelsohne immer noch erhebliche Schlagkraft in den Ring wirft und sich diesen Realitäten stellen und entsprechende Folgerungen ziehen für seine eigene Anlage.
        Wenn man da nüchtern drüber nachdenkt, dann kommt man sicher zum Schluss, daß man alles halten kann ausser Cash (langfristig betrachtet).

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        Marcus

        5. Februar 2020 12:23 at 12:23

        Einige auch hier in den Kommentaren glauben es offensichtlich dass Zentralbanken mit ihrer „Feuerkraft“ die ja angeblich niemals ausgeht, alles und jeden retten und das es keine Auswirkungen hat.

    • Avatar

      Marcus

      5. Februar 2020 10:48 at 10:48

      Das ist der Punkt den Keynesianer nicht verstehen wollen @PK. Auch die EZB kann keine Nachfrage erzeugen, wenn schlicht und ergreifend keine da ist. Wo wir dann auch bei dem von Jan angesprochenen Kapazitäten Thema sind. Aus dem Grund wird auch Helikoptergeld niemals funktionieren wie im Lehrbuch, weil ich mir sicher bin das die Leute das bereitgestellte Geld eher sparen oder zur Abzahlung von Schulden verwenden werden als es auszugeben.

  4. Avatar

    Hesterberg

    5. Februar 2020 10:02 at 10:02

    Ich kann meinem Vorredner PK nur zustimmen. Auch Markus Krall muss sich – wie wir alle – von allen marktwirtschaftlichen Gesetzen der Vergangenheit verabschieden. Wenn die EZB es für nötig hält, die Eigenkapitaldecke der europäischen Banken zu erhöhen, dann wird sie die erforderlichen Mittel einfach zur Verfügung stellen. Wer will sie denn daran hindern? Etwa bestehende Vereinbarungen oder Gesetze? Wer glaubt das noch wirklich? Die Märkte werden solange mit immer größeren Geldmengen geflutet werden, bis das ganze Finanzsystem an sich selbst zerbricht. Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten mehr und es gibt auch keine Skrupel.

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    Voll-Krall

    5. Februar 2020 14:58 at 14:58

    Voll einverstanden mit @ Kritisch onFire u.@ Marcus.Wer M .Krall widerspricht u.an die ewige Allmacht der Notenbanken glaubt ist nicht glaubwürdig.All diese Massnahmen sind doch riesige Umverteilungen von unten nach oben u.werden nie die Wirtschaft ankurbeln, was auch Jamie Dimon als grosser Profiteur dieser Orgie schon thematisierte.Das Desaster wird erst über die Mainstream mit Druck auf die Politik ein Ende finden.Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann?

  6. Avatar

    olli820

    9. Februar 2020 17:48 at 17:48

    Es bleibt eine unaussprechliche Wahrheit, je länger der Euro und seine Rettungspolitik erhalten bleibt, desto teurer werden seine Beerdigungskosten.

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Ölpreis schwach – drei Gründe – kurzfristig wenig Hoffnung für Bullen

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis schwächelt seit Tagen parallel zum Aktienmarkt. Notierte WTI-Öl noch vor genau einer Woche bei 41,50 Dollar, so sind es aktuell noch glatt 38,67 Dollar. Der Chart zeigt den WTI-Ölpreis seit dem 15. Oktober im Vergleich zum S&P 500 Index auf CFD-Basis. Es gibt drei Gründe, welche die aktuelle Schwäche bei Öl untermauern, und einen minimal entlastenden Grund.

Ölpreis fällt dank dieser drei Gründe

Derzeit zieht über dem Golf von Mexiko mal wieder ein Sturm auf, der morgen auf die US-Küste treffen soll. Von daher könnten Produktionskürzungen derzeit ein klein wenig helfen in Sachen Senkung der Angebotsmenge. Aber die Gründe für einen fallenden Ölpreis überwiegen derzeit. Also da wäre zunächst die Coronakrise. Immer mehr Infizierte, und immer neue Restriktionen. Auch in Deutschland stehen verschärfende Maßnahmen kurz bevor. Weniger Aktivität und weniger Bewegung in allen Bereichen des Lebens bedeutet weniger Öl-Nachfrage!

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Und da wäre der US-Dollar. Seit letzte Woche Donnerstag fällt er nicht weiter, sondern steigt und zeigt sich relativ stabil (sichtbar im US-Dollar-Index). Dies wirkt schwächend gegen alles, was in US-Dollar gehandelt wird, also auch auf den Ölpreis. Und drittens muss man sehen, dass der so sehr erhoffte neue Konjunktur-Stimulus für die USA vor der Wahl offenbar nicht mehr kommen wird (hier dazu der heutige Kommentar von Markus Fugmann). Kein neuer Stimulus bedeutet weniger wirtschaftliche Aktivität in den USA, und damit wohl weniger Öl-Nachfrage – das ist natürlich schlecht für den Ölpreis. Natürlich kann sich das ändern, wenn Joe Biden die Wahl gewinnt, und die US-Volkswirtschaft mit einem gigantischen Stimulus-Paket überflutet. Dies könnte für Aktienmärkte und Ölpreis eine ganz neue Hoffnung entstehen lassen.

Chart zeigt Ölpreis im Vergleich zum S&P 500

Expertenmeinung

Der sehr hoch angesehene Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank hat sich heute zur Lage bei Öl geäußert. So sagt er, dass die Gemengelage am Ölmarkt unübersichtlich und bedrohlich bleibe. An der bereits angeschlagenen Nachfragefront würden weitere Transporteinschränkungen drohen. Auch gebe es wenig Hoffnung auf eine schnelle Einigung auf das neue 2,2 Bio. USD schwere Corona-Hilfspaket in den USA, das die Nachfrage unterstützen könnte. Der Fokus der meisten Marktteilnehmer liege eine Woche vor der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowieso auf den USA. Der Effekt eines Wahlsieges von Biden sei aktuell schwer einzuordnen. Hier weitere Äußerungen von Eugen Weinberg im Wortlaut:

Welche Einflüsse werden mittel- bis langfristig überwiegen? Ist ein Biden-Sieg nun negativ für den Ölpreis wegen seiner ambitionierten Klimapläne, die alternative Energien und Antriebe zulasten fossiler Brennstoffe unterstützen? Oder positiv, insbesondere wenn die Demokraten auch im Senat die Mehrheit gewinnen, weil dann schnellere Entscheidungen und eine stärkere fiskalische Unterstützung wahrscheinlicher werden? Oder doch negativ, weil ein Wiederbeleben des Atom-Abkommens mit dem Iran die Risiken eines Überangebots im nächsten Jahr vergrößern? Oder doch positiv (für den Ölpreis), weil Biden als Präsident die US-Schieferölindustrie zerstören würde?

Die Branche scheint sich aktuell wieder zu erholen, wenngleich langsamer als erhofft. In der letzten Woche ist in den USA die Zahl aktiver Ölbohrungen um 6 gestiegen, nachdem sie bereits in der Woche zuvor um 11 zunahm. Die wechselseitige Wirkung dieser Faktoren sieht man bei der aktuellen Hurrikan-Saison im Atlantik. Wegen der wärmeren Wassertemperaturen ist mit „Zeta“ bereits der 27. benannte Tropensturm entstanden. Es wurde bereits 16% der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko geschlossen, was die Ölpreise stützt. Morgen soll der zum Hurrikan heraufgestufte Sturm auf die US-Küste treffen, was zu Raffinerieschließungen und Transporteinschränkungen führen und damit den Ölpreis wiederum belasten könnte.

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Exporte: Zweite Corona-Welle verschlechtert die gute Laune

Claudio Kummerfeld

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Containerschiff im Hamburger Hafen

Die Konjunktur in China hat sich schnell und kräftig erholt, was den deutschen Exporteuren hilft. Aber die globale Abschwächung durch die nun laufende zweite Corona-Welle dämpft die Laune der deutschen Industrie. Ganz aktuell sieht man das an den Erwartungen für deutsche Exporte. Die Exporterwartungen des ifo-Instituts sinken für den Monat Oktober von +10,3 auf +6,6 Punkte. Im April waren es im Tief -49,2 Punkte (Verlauf sichtbar im Chart).

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte

Hier weitere Detailaussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Die weltweitsteigenden Infektionszahlen bereiten der Exportwirtschaft zunehmend Sorgen. Mit rückläufigen Exporten rechnen die Nahrungs- und Getränkeindustrie. Auch die Hersteller von Textilien und Bekleidung sind gegenwärtig nicht glücklich mit der Entwicklung auf ihren Auslandsmärkten. Dagegen verzeichneten die Exporterwartungen bei den Herstellern von elektronischen und optischen Geräten einen deutlichen Sprung nach oben. Auch die chemische Industrie geht von steigenden Auslandsumsätzen aus. Der Indikator stieg auf den höchsten Stand seit Dezember 2018.

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

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Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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