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EZB vs Markus Krall-Theorie? Kreditvergabe der Banken soll zunehmen

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Banktürme in Frankfurt - auch Sitz der EZB

Natürlich antwortet die EZB nicht direkt auf das Crash-Szenario von Markus Krall. Wir haben aber die Headline dieses Artikels zu Illustrationszwecken so gewählt. Warum? Wer die Thesen des ausgewiesenen Bankexperten Markus Krall noch nicht kennt (hier ausführliches Video anschauen)… er hat errechnet, dass ab grob geschätzt Ende 2020 das Eigenkapital der Banken in der Eurozone derart stark erodiert sein wird, dass sie über mehrere Quartale hinweg im Jahr 2021 ihre Kreditvergabe an Kunden zurückfahren müssen, was die Wirtschaft in eine extrem schwere Krise stürzen soll. Durch die darauf folgende Pleitewelle von Zombieunternehmen entstehe ein Lawineneffekt für die Volkswirtschaft usw.

Kommt es ganz anders als Markus Krall es prognostiziert?

Aber kommt es wirklich zu dieser Kreditkontraktion, wie Markus Krall es finanztechnisch ausdrückt? Das ist wirklich eine gute Frage. Mit wirklicher Gewissheit kann das niemand vorhersagen. Auch wenn seine Thesen bestechend begründet und ausführlich erläutert werden, so gibt es doch sehr viele Variablen, die zur Krise können, oder auch nicht. Was zum Beispiel, wenn die Regierungen die Banken außerplanmäßig mit jeder Menge Eigenkapital fluten, so dass die Banken ihre Kreditvergabe (dafür ist ausreichend Eigenkapital nötig) nicht einschränken müssen? Ein anderes Fass macht die EZB gerade auf, ohne natürlich auf einen (unwichtigen? unbedeutenden?) Herrn Markus Krall zu verweisen. Ja, das ist natürlich klar. Die EZB geht in ihren Texten natürlich nie auf einzelne Kommentatoren ein, da sie ja die „große übergeordnete Institution“ des Geldsystems ist.

Aktuell hat die EZB ein Papier mit dem Titel „Assessing bank lending to corporates in the euro area since 2014“ veröffentlicht, in dem sie die These aufstellt, dass sie die Kreditvergabe der Banken in der Eurozone spürbar nach oben pushen kann. Trotz bislang mauer Wachstumsraten bei der Kreditvergabe der Banken an nicht finanzielle Unternehmen (NFC) glaubt die EZB, dass die Geschäftsbanken dank extrem günstiger Konditionen Darlehen (TLTRO III) in Höhe von 300-560 Milliarden Euro bei der EZB abrufen werden. Dadurch könne die letztliche Kreditvergabe der Geschäftsbanken an NFCs um 0,4 Prozentpunkte gepusht werden. Zitat EZB:

In September 2019 the Governing Council decided to adjust the pricing and the maturity of TLTRO III against the background of a more protracted slowdown in the euro area economy than previously anticipated. The new modalities adopted in September 2019 will preserve favourable bank lending conditions, ensure the smooth transmission of monetary policy and further support the accommodative stance of monetary policy. The additional accommodation is expected to be transmitted via an overall compression of bank funding costs and a higher uptake of TLTRO III funds. Direct funding cost relief will be provided to banks that shift their funding choices away from more expensive bond funding options, while the overall decrease in the supply of securities induced by the lower funding needs of banks will exert further pressure on remaining market bond yields. As a consequence, the bank lending channel will lead to lower lending rates and higher credit volumes, as the experience of previous TLTROs shows. Using a suite of models estimated on euro area data, the latest expectations of market participants for TLTRO III uptake as reported in surveys, which range between €300 billion and €560 billion, can be mapped to an overall funding cost relief of around 15 basis points. This in turn would be expected to lead to a peak reduction in lending rates of 15 basis points and a positive contribution to annual loan growth of almost 0.4 percentage points.

Dazu könnte man anmerken, dass hierdurch das Eigenkapitalproblem der Banken nicht gelöst wird. Aber die EZB ist ja überzeugt, dass man die Banken zu mehr Kreditvergabe treiben kann, eben mit diesem Vehikel. By the way… man schaue mal auf die folgende Grafik aus dem selben Papier der EZB. Sie zeigt die Kreditvergabe (und Anleiheverkäufe) von Unternehmen außerhalb der Finanzbranche in der Eurozone, zurückblickend seit 2012. In Deutschland und Frankreich (die beiden Grafiken links) erkennt man das Wachstum der letzten Jahre. Rechts sieht man Spanien und Italien. Vor allem bei Italien erkennt man die strukturelle wirtschaftliche Schwäche!

EZB Grafik über die Kreditvergabe an Unternehmen

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    4. Februar 2020 20:26 at 20:26

    Ist ja klar das die Kreditvergabe zunimmt, den damit versuchen die Banken die Null und Negativzinsen zu kompensieren. Steigerung der Erträge durch Expansion der Kreditbücher, das ist die Taktik.

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    Jan

    4. Februar 2020 23:11 at 23:11

    Gehen wir als Anwendebeispiel von der Bausektor aus. Wer soll freigekommenes Kapital umsetzen?
    Wenn mein Chef mir mein Budget um 10% erhöht, brauche ich entweder selber oder beim Zulieferer 10% mehr Leistung. Die kriege ich in der Baubranche nicht, weil Sie nicht verfügbar ist. Da hilft nicht, dass das Geld billig ist.
    Das mag in andere Bereiche anders sein aber grundsätzlich glaube ich, das diese Billig-geld Maßnahmen wirkung entfalten können, wenn viel Kappazitäten frei sind. Und das ist zwar in zunehmende Maße der Fall, ich bezweifele aber ob im sinnvollen (umsetzbar) Verhältniss zu dem Kapital was verfügbar gemacht wird.
    Und das erklärt für mich warum Jahren Billiggeld nicht wesentlich viel beigetragen hat: Alle Kappazitäten waren fast ausgebucht. Man hat „nur“ die Inflation der Kapitalgüter betrieben. Aktion hoch ohne dass der Wert der Unternehmen gestiegen sind. Wie ds Spielchen ausgehen mag …

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    PK

    5. Februar 2020 08:29 at 08:29

    Markus Krall liegt halt völlig falsch wenn er meint, die EZB würde da tatenlos zusehen nur damit Kralls Prognosen aufgehen.
    Zur Not wird sie die Banken nur noch als Kreditvermittler verwenden, während sie selbst die Risiken in ihre Bücher nimmmt. Das was Krall da äussert hört sich nur auf den ersten Blick stringent und logisch an.

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      Kritisch on fire

      5. Februar 2020 10:21 at 10:21

      @PK!
      Dr. KRALL vermittelt doch in nahezu all seinen Vorträgen und Büchern gerade eben diese Möglichkeit, nämlich, dass die EZB die Risiken der Banken in ihre eigenen Bücher nimmt (ob durch Verstaatlichung der Banken oder ähnliche Massnahmen) um die Kreditbedürfnisse spez. der Zombies zu berfriedigen. Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Schieflage sondern verzögert nur den Absturz. Sollte die EZB so handeln wäre das eben genau nach Vorhersage von Dr. KRALL. Glaubt denn wirklich jemand, dass unendliche Erhöhung der Geldmengen, völlig abgekoppelt von fundamentalen Werten, ohne massive Auswirkungen sein kann?

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        PK

        5. Februar 2020 11:02 at 11:02

        also das mit dem verzögern ist richtig. Auch alle Aussagen bezüglich der zombifizierung sind denke ich korrekt. Wir haben den Zustand, daß Unternehmen die nicht profitabel sind quasi unendlich am laufen gehalten werden können, während innovative neue Unternehmen kein Fremdkapital bekommen und daher keinen Vorteil aus der Nullverzinsung haben.
        So, aber das bedeutet alles noch lange nicht, daß man sinnvollerweise irgendeinen Punkt auf der Zeitachse angeben kann wo und wie das ganze kollabiert. Alle Crashgurus haben in diesem Punkt bereits in der Vergangenheit versagt.
        An der „Ertragserosion“ der Banken wird das Konstrukt jedenfalls sicher nicht in diesem Jahr scheitern und auch nicht im kommenden, da lehne ich mich mal aus dem Fenster.
        Man muss endlich mal aufhören jedesmal „Faul“ zu kreischen, wenn die EZB oder FED ihre zweifelsohne immer noch erhebliche Schlagkraft in den Ring wirft und sich diesen Realitäten stellen und entsprechende Folgerungen ziehen für seine eigene Anlage.
        Wenn man da nüchtern drüber nachdenkt, dann kommt man sicher zum Schluss, daß man alles halten kann ausser Cash (langfristig betrachtet).

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        Marcus

        5. Februar 2020 12:23 at 12:23

        Einige auch hier in den Kommentaren glauben es offensichtlich dass Zentralbanken mit ihrer „Feuerkraft“ die ja angeblich niemals ausgeht, alles und jeden retten und das es keine Auswirkungen hat.

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      Marcus

      5. Februar 2020 10:48 at 10:48

      Das ist der Punkt den Keynesianer nicht verstehen wollen @PK. Auch die EZB kann keine Nachfrage erzeugen, wenn schlicht und ergreifend keine da ist. Wo wir dann auch bei dem von Jan angesprochenen Kapazitäten Thema sind. Aus dem Grund wird auch Helikoptergeld niemals funktionieren wie im Lehrbuch, weil ich mir sicher bin das die Leute das bereitgestellte Geld eher sparen oder zur Abzahlung von Schulden verwenden werden als es auszugeben.

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    Hesterberg

    5. Februar 2020 10:02 at 10:02

    Ich kann meinem Vorredner PK nur zustimmen. Auch Markus Krall muss sich – wie wir alle – von allen marktwirtschaftlichen Gesetzen der Vergangenheit verabschieden. Wenn die EZB es für nötig hält, die Eigenkapitaldecke der europäischen Banken zu erhöhen, dann wird sie die erforderlichen Mittel einfach zur Verfügung stellen. Wer will sie denn daran hindern? Etwa bestehende Vereinbarungen oder Gesetze? Wer glaubt das noch wirklich? Die Märkte werden solange mit immer größeren Geldmengen geflutet werden, bis das ganze Finanzsystem an sich selbst zerbricht. Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten mehr und es gibt auch keine Skrupel.

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    Voll-Krall

    5. Februar 2020 14:58 at 14:58

    Voll einverstanden mit @ Kritisch onFire u.@ Marcus.Wer M .Krall widerspricht u.an die ewige Allmacht der Notenbanken glaubt ist nicht glaubwürdig.All diese Massnahmen sind doch riesige Umverteilungen von unten nach oben u.werden nie die Wirtschaft ankurbeln, was auch Jamie Dimon als grosser Profiteur dieser Orgie schon thematisierte.Das Desaster wird erst über die Mainstream mit Druck auf die Politik ein Ende finden.Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann?

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    olli820

    9. Februar 2020 17:48 at 17:48

    Es bleibt eine unaussprechliche Wahrheit, je länger der Euro und seine Rettungspolitik erhalten bleibt, desto teurer werden seine Beerdigungskosten.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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