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EZB vs Ölpreis: Her mit der Inflation verdammt noch mal…

FMW-Redaktion

Die EZB hatte vor drei Wochen nochmal ein klein wenig nachgelegt bei ihrer quantitativen Lockerung, noch ein wenig länger Geldschwemme, noch ein wenig mehr Druck auf die Banken ihr Cash in die Realwirtschaft zu pumpen. Mario Draghi kennt anders als die Fed in den USA nur ein Ziel: Die Inflation endlich zum Laufen kriegen, 2% ist das Ziel. Aber es tut sich nichts.

Hauptverantwortlich ist wie schon oft besprochen der Ölpreis. Heute mal ein kurzer Blick auf 2016. die EZB geht laut eigenen Schätzungen in 2016 von 1% Inflation für die Eurozone aus, in 2017 von 1,6%. Dabei gibt´s nur einen Haken. Die Analysten der EZB hinken mit ihren Bezugsdaten für diese Annahme der Realität um einiges hinterher. Denn die 1% für 2016 basieren auf der Annahme der Ölpreis (Brent) werde in 2016 bei einem Durchschnittspreis von 52,2 Dollar notieren. Derzeit schwanken WTI und Brent (inzwischen angeglichen) um die 37,60 Dollar herum. Auch für Anfang 2015 spricht alles für einen weiter schwachen Ölpreis.

Natürlich ist der Ölmarkt gerade in den letzten beiden Jahren immer wieder für Überraschungen gut, und natürlich kann er auch wieder auf 50 oder 60 Dollar steigen. Aber schon vor mehreren Wochen sah es nicht danach aus, und die Annahme von 52,2 Dollar als Bezugspunkt war doch mehr als optimistisch. Sieht eher nach einer kleinen Verzweiflungstat aus um sein eigenes Inflationsziel relativ hoch ansetzen zu können. Dümpelt Öl weiter unter 40 oder sogar unter 30 Dollar herum, kann man sich vorstellen, dass die Eurozonen-Inflation kaum von der Stelle kommen wird. Je länger der Ölpreis so tief ist, desto wahrscheinlicher könnte ein neuer Kraftakt der EZB in 2016 werden, nochmal die Geldschwemme aufzublähen – kauft man dann z.B. auch Unternehmensanleihen?

Das Fatale an der EZB-Politik ist: Die nationalen Regierungen in Euroland und die EU-Kommission verlassen sich auf die EZB als quasi Konjunkturmotor/Wirtschaftsministerium der Eurozone. Stockt der Motor, wird´s die EZB schon richten. Mario Draghi hatte im März diesen Jahres beim Start des gigantischen Anleihekaufprogramms der EZB darauf hingewiesen, dass er der EU und den nationalen Regierungen damit Luft geben wolle strukturelle Reformen durchzuführen und die Konjunktur in den einzelnen Ländern zum Laufen zu kriegen. Aber im Großen und Ganzen ruhen sich die nationalen Regierungen auf der EZB aus. Ein gigantisches europaweites Konjunkturprogramm (in welcher Form auch immer) wäre von Nöten, dass von den Regierungen und nicht von der Notenbank ausgeht. Denn eine Regierung ist nicht an die selben Geldflüsse gebunden wie die EZB – sie kann ein Programm auflegen, dass direkt der Realwirtschaft zu Gute kommt – was dann auch ganz real für mehr Wirtschaftsaktivität und letztlich zu mehr Inflation führen könnte. (Betonung auf „könnte“)

Aber es wird wohl kommen wie es kommen muss. Die Inflation wird nicht so recht anspringen, alle ducken sich weg, nur der EZB-Tower in Frankfurt ist noch da, wo dann jemand ganz oben im Turm noch mehr pumpen muss. Die Politik hat mit Flüchtlingen und Terror-Bekämpfung genug zu tun, dann soll sich die EZB gefälligst um die Wirtschaft kümmern. Aber ist das eigentlich ihre Aufgabe?




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2 Kommentare

  1. Kann man solch manipulativen Eingriffe eigentlich noch als freie Marktwirtschaft bezeichnen, oder muß man das nicht schon als Planwirtschaft deklarieren?

    Für die Allgemeinheit, war es der größte Fehler, die Lehmann Brother Krise, nicht als Krise zuzulassen. Sämtliche danach getätigten künstlichen Eingriffe, werden die Fallhöhe nur erhöhen.

    Aber Einige können die Zeit dieser Insolvenzverschleppung nutzen, um sich ein weiches Polster für den Sturz zu basteln.

    1. Jeder Euro im Umlauf ist eines anderen Forderung. Daher ist der Zwang zur fortlaufenden Inflationierung der Geldmenge nunmal gegeben, weil sonst das Geld für die Zinsen nicht existiert. Die finale Folge fehlender Inflation wäre eine riesige Pleitewelle von Unternehmen und maßlos überschuldeter Regierungen. Das will keine Zentralbank, keine EZB und erst recht keine FED. Die wollen einfach nur ihr Big Ponzi System am Laufen halten, wie schon seit Jahrzehnten. Einen allgemeinen Schuldenerlass („Jubeljahr“) wird es nicht geben, sondern immer nur Umschuldungen, „Rettungsschirme“, „Garantien“, „Bürgschaften“ und dergleichen.

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