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Einlagensatz von 2,0 % auf 2,25 % EZB wird Zinsen erhöhen – Vorschau auf heute 14:15 Uhr

Die Markterwartung ist klar: Die EZB wird die Zinsen heute um 0,25 Prozentpunkte anheben. Hier dazu eine Vorschau mit Expertenaussagen.

Shell-Tankstelle in Hamburg
Hohe Tankstellenpreise treiben die Inflation an. Foto. Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Heute um 14:15 Uhr wird die EZB ihre Entscheidung verkünden. Die Markerwartungen gehen eindeutig von steigenden Zinsen aus. Der Einlagensatz soll von 2,0 % auf 2,25 % steigen, die anderen Zinssätze ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte. Umfragen unter Ökonomen deuten nach der heutigen Erhöhung für die nächsten Monate noch eine weitere Zinsanhebung an. Wir werden heute sofort ab 14:15 Uhr berichten und das Statement der EZB veröffentlichen, und ab 14:45 Uhr werden wir über die Pressekonferenz mit Christine Lagarde berichten. Hier zeigen wir dazu eine Vorschau.

Meine Meinung: EZB erhöht Zinsen – ein Fehler!

Ich hatte es bereits am Montag geschrieben – die Zinsen zu erhöhen, ist ein Fehler. Die EZB sieht sich nach früheren Fehlentscheidungen offenbar jetzt im Zugzwang zu beweisen, dass man diesmal rechtzeitig handelt, um die Inflation einzugrenzen, die in der Eurozone zuletzt auf 3,2 % angestiegen ist. Das Problem: Diese Inflation rührt her aus der Sperrung der Straße von Hormus, die global für Energieknappheit sorgt und die Preise hochtreibt. Und keine Zinserhöhung der Welt kann diese Sperrung aufheben! Auch wenn sich die Inflation langsam über die Brennstoffpreise hinaus ausbreitet – dem gegenüber steht eine strukturelle Konjunkturschwäche in Europa, die derzeit durch den Iran-Effekt überlagert wird.

Aussagen von Franklin Templeton

David Zahn, Leiter des Bereichs European Fixed Income bei Franklin Templeton, schrieb vorgestern als Vorausschau auf die heutige EZB-Sitzung: „Da die Inflation voraussichtlich hartnäckiger ausfallen wird als erwartet – insbesondere in Europa und in Großbritannien – gehen wir davon aus, dass die EZB die Zinsen an diesem Donnerstag anheben wird, wobei eine weitere Anhebung voraussichtlich im September erfolgen wird. Die EZB muss entschlossener handeln, um sowohl den primären Inflationsdruck als auch dessen sekundäre Auswirkungen einzudämmen, und wir glauben, dass sie dies tun wird. Im Vergleich zu ihrer relativ zurückhaltenden Reaktion im Jahr 2022 nach dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs erwarten wir diesmal eine aggressivere Zinspolitik.

„Auf politischer Ebene stehen drei der vier größten Volkswirtschaften Europas – Frankreich, Italien und Spanien – im nächsten Jahr vor Wahlen, wobei Frankreich die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Vorfeld dieser Wahlen rechnen wir mit einer deutlichen fiskalischen Lockerung in der gesamten Region; schließlich ist dies das, was die meisten Regierungen in Wahljahren tendenziell tun. Die Dynamik des französischen Wahlkampfs dürfte sich ab etwa September/Oktober dieses Jahres verstärken, wodurch Kandidaten und politische Programme stärker in den Fokus rücken werden. Dies wird unserer Ansicht nach die Anleihemärkte verunsichern. Die Spreads Frankreichs gegenüber Deutschland haben sich auf etwa 65–70 Basispunkte verengt, was wir angesichts der schwachen Haushaltsentwicklung des Landes und des erhöhten politischen Risikos für zu eng halten. Wir glauben, dass der faire Wert näher bei 100 Basispunkten liegt.

„Vor diesem Hintergrund gewinnt die EZB-Sitzung am Donnerstag zusätzlich an Bedeutung. Die Entscheidung für eine Zinserhöhung ist unserer Ansicht nach weitgehend beschlossene Sache. Angesichts des von uns skizzierten politischen Kalenders beschränkt sich das Zeitfenster für eine aggressive Straffung auf die zweite Jahreshälfte. Wir gehen davon aus, dass die EZB die Sitzung am Donnerstag nicht nur nutzen wird, um die erwartete Zinserhöhung vorzunehmen, sondern auch um zu signalisieren, dass sie weiterhin entschlossen gegen die Inflation vorgeht.“

TwentyFour Asset Management

Gordon Shannon von TwentyFour Asset Management, schrieb vor Vorschau: „Die Märkte haben die lang angekündigte Zinserhöhung am Donnerstag vollständig eingepreist und erwarten einen zweiten Schritt im September. Die EZB ist nicht bereit, den energiegetriebenen Beschleunigungseffekt der Inflation auszublenden, selbst wenn die Abwärtsrisiken für das Wachstum zunehmen. Die Straffung wird als Glaubwürdigkeitsmaßnahme dargestellt, wobei die Erinnerungen an 2022 noch sehr präsent sind.“

„Obwohl die Arbeitsmärkte nicht mehr so angespannt sind wie damals, bleibt der EZB-Rat wachsam gegenüber dem Risiko, dass Inflationserwartungen und Preissetzungsverhalten weniger gut verankert werden. Die Kommunikation dürfte bedingter und handlungsorientierter werden, aber nicht expliziter. Lagarde wird sich nicht im Voraus festlegen, sondern stattdessen den datenabhängigen, von Sitzung zu Sitzung erfolgenden Ansatz der EZB bekräftigen.“ „Die Projektionen sind entscheidend: Eine höhere mittelfristige Kerninflationsprognose wäre das deutlichste Signal dafür, dass eine weitere Straffung erforderlich sein könnte.“

apoBank

Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank, schrieb als Vorschau auf die heutige Entscheidung: „Wir gehen davon aus, dass die EZB die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben wird. Im September rechnen wir mit einer weiteren Zinserhöhung. Der Grund: Seit März hat sich der Inflationsausblick im Euroraum infolge des Iran-Kriegs und gestiegener Energiepreise nennenswert eingetrübt.

Die neuen EZB-Projektionen werden auf ein schwächeres Wachstum und eine höhere Inflation hindeuten als die Projektionen im März. Das liefert der EZB das zentrale Argument für die ersten Zinsschritte seit Juli 2022.

Die Revisionen ergeben sich aus dem stagflationären Impuls des Iran-Kriegs und den daraus resultierenden Verwerfungen an den Energiemärkten.
EZB-Präsidentin Lagarde wird vermutlich betonen, dass die Währungshüter im Basisszenario keine Stagflation erwarten – auch dann nicht, wenn der Energiepreisschock stagflationär wirken sollte. Zudem wird sie den Eindruck vermeiden wollen, dass damit der Beginn eines neuen Leitzinserhöhungszyklus eingeläutet werde.

Für die kommenden zwölf Monate ergibt sich folgendes Muster: erst zwei Schritte vor, dann wieder zwei zurück. Denn schon für das erste Halbjahr 2027 erwarten wir eine Senkung des Einlagesatzes in zwei Schritten von 2,5 Prozent auf 2 Prozent. Hintergrund ist die dann erwartete Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran verbunden mit einer konjunkturellen Abschwächung sowie eines Rückgangs der Inflation zur Zielmarke von 2 Prozent.

Das wirft die berechtigte Frage auf, ob die EZB in diesem Umfeld nicht besser gänzlich Abstand von Leitzinsschritten nehmen sollte.
Tatsächlich war die Ausgangsposition der EZB vor Ausbruch des Iran-Kriegs komfortabel. Der Leitzins befand sich auf sogenannten neutralen Zinsniveau – und die Inflation lag praktisch auf der Zielmarke von 2 Prozent.

Durch den Energiepreisschock kommt es zwar zu einem Anstieg der Inflation, doch diese dürfte zeitlich begrenzt bleiben, weil sich keine nennenswerten Zweitrundeneffekte abzeichnen. Außerdem wirken höhere Leitzinsen nur begrenzt gegen höhere Energiepreise. Die Zinspolitik steuert kurzfristig vor allem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage – das aktuelle Problem liegt jedoch in erster Linie auf der Angebotsseite. Zusätzliche Zinsschritte belasten die ohnehin geschwächte Nachfrage weiter – und bremsen die Konjunktur.“



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Hansueli Wermelinger

    Die Notenbanken folgen lediglich dem Marktzins, also ist die Entscheidung weder richtig noch falsch, sondern einfach eine Anpassung an den Markt. Und der hat bekanntlich immer recht. Man kann lamentieren, dass es „nur“ eine vorübergehende Ausnahmesituation ist, weshalb die Zinsen steigen, aber der Markt preist das anders ein, sonst wären die Terminkontrakte mit Laufzeiten 2028/2029 beim Crude nicht auf den Höchstständen, während der Front-Monat stark schwankt und derzeit eher sinkt.

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