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Meine Einschätzung + aktuelle Aussagen von EZB und Analysten EZB wird Zinsen trotz Iran-Kriegsende weiter anheben – die Hintergründe

Ende der Iran-Krieg? Trotzdem dürfte die EZB die Zinsen weiter anheben, weil sie unter Versagensangst leidet, "wieder zu spät zu kommen".

Tankstelle in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Tief sitzend ist es eine Art Panik. Wie vor Jahren, als man die Inflation nicht kommen sah und viel zu spät reagierte, will man es diesmal besser machen. So ist meiner Meinung nach derzeit die Einstellung in den Räumen der EZB! Und derzeit gibt es unzählige Aussagen von Funktionären der EZB. Sie sprechen diese erneute „Versagensangst“ zwar nicht wortwörtlich aus. Aber man erkennt regelrecht den Drang, übervorsichtig und vorauseilend hart zu handeln.


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EZB dürfte Zinsen bald erneut anheben

Übermorgen soll in der Schweiz der vorläufige Iran-USA-Deal unterschrieben werden. Wenn man davon ausgeht, dass diese Unterschrift wirklich erfolgt, wird vermutlich schnell sehr viel blockiertes Öl und Gas wieder auf den Weltmarkt gelangen. Die Preise fallen jetzt schon kräftig. Brent-Öl notiert nur noch 5 Dollar höher als direkt vor Kriegsausbruch Ende Februar. Die Aktienbörsen sehen den Horizont hinter dieser Krise, und Anleger kaufen kräftig, seit Wochen.

Die EZB aber sieht Zweitrundeneffekte und lang anhaltende negative Auswirkungen dieser Iran-Krise. Und nachdem man gerade erst letzte Woche Donnerstag die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben hat, dürfte man schnellstmöglich erneut die Zinsen anheben? Darauf scheint es hinauszulaufen! EZB-Präsidentin Christine Lagarde öffnete mit ihren Aussagen letzte Woche sozusagen das Fenster für weitere rasche Zinsanhebungen. Denn die Inflation breite sich in der Wirtschaft der Eurozone aus, so ihre Worte.


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Die Inflation in der Eurozone stieg zuletzt auf 3,2 %. Der Einlagensatz der EZB wurde letzte Woche von 2,0 % auf 2,25 % angehoben. Und womöglich schon am 23. Juli bei der nächsten regulären Sitzung (oder sonst im September) dürfte man die Zinsen erneut anheben, so meine Erwartung. Aber wie ich Anfang letzter Woche schon vor der ersten Zinsanhebung schrieb: Die Zinserhöhung ist ein Fehler. Denn mit höheren Zinsen könne man die Straße von Hormus nicht freigeben. Und auch die zweite Anhebung wäre noch mehr ein Fehler.

EZB-Zinsen und Inflation in der Eurozone steigen

Meine Meinung: Höhere Zinsen sind ein Fehler

Und heute sage ich: Jetzt, wo die Entsperrung der Straße von Hormus durch Iran und USA nur noch zwei Tage entfernt ist, stehen gigantische Mengen an Öl und Gas kurz davor, wieder auf den Weltmarkt zu gelangen. Gewiss, es wird Monate dauern, bis sich Lieferketten normalisieren. Aber rasch fallende Energiepreise dürften die Inflation dämpfen. Und Zweitrundeneffekte dürften einen überschaubaren Umfang haben. Noch schlimmer: Die höheren Zinsen belasten die Wirtschaft in der Eurozone, die auch ganz ohne Iran-Krise in einer Flaute steckt. Die EZB wird für die miese Konjunkturlage auch in Deutschland noch einen negativen Faktor oben drauf setzen, eben weil sie überreagiert, weil sie „dieses Mal“ zeigen will, dass sie schnell und hart reagiert.

Aktuelle Aussagen von EZB und externen Experten

Aktuell iegen Aussagen von EZB und externen Experten vor, die den Drang zu schnell weiter steigenden Zinsen untermauern. „Höhere Energiekosten werden uns wahrscheinlich länger begleiten, als viele gehofft hatten“, so sagt es laut Bloomberg News Peter Kazimir, Mitglied des EZB-Rats. „Selbst mit dem gerade angekündigten Friedensrahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran lassen sich die Schäden im Nahen Osten nicht über Nacht rückgängig machen.“

Die Aussicht auf ein Friedensabkommen „entlastet die EZB etwas“, so Greg Fuzesi, Ökonom bei JP Morgan. „Das bedeutet jedoch nicht, dass der Druck zur Zinserhöhung wesentlich nachgelassen hat.“ Er rechnet nach der Anhebung der Zinsen in der vergangenen Woche weiterhin mit einem weiteren Schritt im September und schrieb in einer Mitteilung an Kunden, dass die Risiken „leicht in Richtung einer dritten Zinserhöhung“ vor Jahresende tendieren. Äußerungen einer Reihe von Vertretern scheinen seine Einschätzung zu untermauern.

Der Chef der portugiesischen Zentralbank, Alvaro Santos Pereira, argumentierte, dass es Zeit brauchen werde, bis sich die Lage im Energiebereich normalisiere. Sein lettischer Kollege Martins Kazaks wies auf einen Trend hin, wonach mehrere Schocks aufeinanderfolgen und sich gegenseitig verstärken, und sagte: „Wir sehen auch, dass sich dieser aktuelle Schock noch nicht vollständig ausgewirkt hat.“

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel fügte hinzu, dass auslaufende finanzpolitische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise die Inflation in den kommenden Monaten noch ankurbeln könnten. „Ein Ende des Konflikts bedeutet nicht zwangsläufig ein sofortiges Ende des Schocks“, sagte EZB-Ratsmitglied Gabriel Makhlouf am Dienstag in Dublin. „Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich die Lieferketten normalisieren und die Energiepreise anpassen.“

„Das Abkommen ändert nichts an unserer Einschätzung des Zinspfads der EZB, und wir prognostizieren weiterhin eine Anhebung um 25 Basispunkte im September. Sollte sich der Rückgang der Energiepreise jedoch fortsetzen, würden sich die Risiken für diese Prognose nach unten verlagern. Die Unsicherheit bleibt hoch, da die Konturen eines möglichen Atomabkommens mit dem Iran noch unklar sind“, so sagen es aktuell David Powell und Simona Delle Chiaie von Bloomberg Economics.

„Vier Monate mit erhöhten Energiepreisen bedeuten, dass wir anhand der sich abzeichnenden Inflationsentwicklung erkennen können, dass die Inflation über 3 % liegen wird“, sagte der Chefökonom der EZB Philip Lane am Dienstag. „Es wird in diesem Jahr und bis ins nächste Jahr hinein indirekte Auswirkungen auf Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen geben.“ Während das Basisszenario der EZB davon ausgeht, dass die Preissteigerungen im Jahr 2028 wieder auf das 2-Prozent-Ziel zurückfallen, wird der von Lane bevorzugte Indikator zur Beurteilung, wie stark der Preisdruck die Verbraucher belastet – die Inflation ohne Energie, aber einschließlich Lebensmitteln – diese Rate zumindest bis zu jenem Jahr übersteigen.

Jari Stehn, Chefökonom für Europa bei Goldman Sachs, betonte zudem, dass der Handlungsbedarf für die EZB wahrscheinlich größer sei als für die Federal Reserve oder die Bank of England, die beide diese Woche tagen. Das liege daran, dass sie die Zinsen bereits vor Ausbruch des Iran-Kriegs auf ein neutrales Niveau gesenkt habe und sie nun anheben müsse, wenn sie eine dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft erzielen wolle.

Lagarde-Aussage

Christine Lagarde selbst deutete an, dass sie sich nicht von Spekulationen über ein Abkommen ablenken lassen werde. „Wenn diese Nachricht durch die Entwicklungen in den kommenden Tagen und die Unterzeichnung einer Absichtserklärung bestätigt wird, ist das eine gute Nachricht“, sagte sie am Montag im französischen Radio. „Aber ich muss die Inflation im Keim ersticken, falls sie wieder aufflammt, denn wenn die Inflation erst einmal aus der Flasche ist, wird es viel schwieriger und kostspieliger sein, sie wieder darin zu bekommen, und eine langfristige Inflationssituation ist inakzeptabel.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Bonsai Ölscheich

    Also Öl ist im Moment billig weil Longeindeckungen den Ölpreis belasten ( nächstens ist Futures Verfall )
    Zudem ist der Dollar in den letzten 2 Jahren beträchtlich gefallen.Die Zerstörung von Ölanlagen, Anzapfen von Reserven, weiterhin schwierige Geopolitik lässt nächstens eher wieder höhere Ölpreise erwarten, zudem wird der Ukrainekrieg eher noch verschärft werden. Also gute Gelegenheit mit günstigen Calls auf wieder höhere Ölpreise zu wetten.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Angesichts der hohen Inflation müssten die Zinsen auf das Vorkrisenniveau von 2007/08 angehoben werden… bei gleichzeitiger Verknappung der Geldmenge…

    Das die deutsche Umlaufrendite noch nicht mal das 2011er Niveau erreichte..3,25 Prozent..ist ein Witz…

    Die verhängnisvolle Draghi- Ära wirkt halt nach…

  3. Der Irankrieg wird jetzt erst richtig losgehen. Und nettes Märchen, aber die EZB war schon immer rechtzeitig dran. Die Zinserhöhungen ab 2022 haben schon letztes Jahr zu einer Stagnation geführt, dieses Jahr vermutlich zu einer Rezession. Und jetzt hebt man die Zinsen weiter an, damit wir in einer Rezession von einer noch größeren Rezession getroffen werden und das System kollabiert. Die Vorbereitung des Great Reset…

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