Der Einlagensatz der EZB (Banken hinterlegen Guthaben bei der Zentralbank) stieg am 17. Juni erstmals wieder, und zwar von 2,00 % auf 2,25 %. Vorher gab es eine zwei Jahre andauernde Senkungsphase von 4,00 % auf 2,00 %. Aber jetzt haben sich die Zeiten grundlegend geändert. Die Marschrichtung, die die Märkte jetzt schon anlegen, zeigt in Richtung 3,00 % bis Ende 2027. Für die nächste Entscheidung am 10. September 2026 ist die Erhöhung der Zinsen von 2,25 % auf 2,50 % so gut wie ausgemacht, wenn man nach den Märkten und Aussagen von Beobachtern geht.
EZB-Zinsen vor Anstieg – Inflation drückt
Die heutige Inflationsmeldung für die Eurozone mit einer Steigerung von 2,9 % im Juli auf 3,3 % im August (höchster Wert seit 3 Jahren) ist ein weiteres starkes Argument für steigende Zinsen bei der EZB. Der Iran-Krieg endet nicht, Weltmarktpreise für Öl und Gas sind im Auftrieb. Die hieraus entstehende Inflation kann durch Zentralbanken nicht bekämpft werden. Aber die EZB will offenbar die Zweitrundeneffekte abwürgen, wo sich die Inflation sozusagen selbständig macht!
Erwartungen
Neben der steigenden Inflation läuft auch die Konjunktur in der Eurozone etwas besser als gedacht, wie der optimistischere ifo-Index letzte Woche zeigte. EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte vor einer Woche davor abzuwarten mit der Zinserhöhung. Das ECB Watch Tool zeigt inzwischen 99 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte nächste Woche an.
Werbung.
Für die EZB bedeuten hohe Inflation und robuste Konjunktur für die Entscheidung in der nächsten Woche mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine erneute Zinserhöhung, die die Einlagenrate auf 2,5% steigen lassen wird, so die Einschätzung von Bloomberg News. Das ist am oberen Ende dessen, was Notenbanker als neutrale Politik betrachten — hoch genug, um die Nachfrage nicht künstlich anzukurbeln, und niedrig genug, um sie nicht abzuwürgen.
Spannend wird für alle Beteiligten, was danach passiert. Es ist davon auszugehen, dass die Wirtschaft dank höherer Verteidigungsausgaben europäischer Regierungen und quasi unumgänglicher Investitionen in künstliche Intelligenz auch trotz höherer Zinsen weiter kräftig wachsen wird.
Vor möglichen Zweitrundeneffekten warnen die Notenbanker der EZB schon geraume Zeit, auch wenn sie sich bisher einig sind, dass sich selbige noch nicht manifestiert haben. Damit das auch so bleibt, haben sie nach der Rückkehr aus der Sommerpause strenge Töne angeschlagen. Finanzmärkte haben das als Bereitschaft für eine Erhöhung der Zinsen über September hinaus interpretiert. Momentan sind bis Ende kommenden Jahres insgesamt drei Zinschritte gepreist. Dann läge der Einlagensatz bei 3 % — auf halber Strecke zwischen der Ausgangslage der EZB vor dem Iran-Krieg und dem Höhepunkt während der letzten Inflationskrise während der Corona-Pandemie.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Die EZB kann die Zinsen so oft erhöhen wie sie will. Solange Hormus zu ist, gibt es ein stark reduziertes Angebot an Öl, LNG, Dünger, Helium, Aluminium etc. ; Da die Nachfrage gleich hoch bleibt steigt halt der Preis solange bis entweder die Industrie die Produktion reduziert oder der Verbraucher nicht bereit ist zu zahlen.