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Meine Meinung EZB-Zinsen: Erhöhung am Donnerstag wäre großer Fehler

Die EZB wird die Zinsen am Donnerstag wohl erhöhen um die Inflation zu bekämpfen. Das wäre ein Fehler, so meine Meinung.

Tankstelle in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Am Donnerstag entscheidet die EZB über die Höhe der Zinsen. Die Markterwartungen sehen so aus: Man wird den Einlagensatz von 2,0 % auf 2,25 % anheben. Von Juni 2024 bis Juni 2025 gab es eine Halbierung von 4,0 % auf 2,0 %, und in den letzten zwölf Monaten hatte die EZB die Höhe der Zinsen unverändert belassen. Im Chart sehen wir den Verlauf seit Ende 2023. Zinsen zuletzt konstant bei 2,0 %, aber die Inflation in der Eurozone steigt dank Iran-Krieg sprunghaft von 1,9 % auf 3,2 %. Aber soll man jetzt in Folge des Iran-Kriegs die Zinsen anheben? Ein Fehler, so meine Meinung!


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Inflation in der Eurozone und EZB-Zinsen im Vergleich

Höhere EZB-Zinsen ändern nichts an gesperrter Straße von Hormus

Zinsen zu erhöhen oder zu senken – das ist normalerweise ein gutes Instrument, um zu versuchen (!) die Inflation zu steuern, die aufgrund einer zu starken Wirtschaft überhitzt, oder bei einer zu schwachen Wirtschaft droht in eine Deflation umzuschlagen. Und der Iran-Krieg? Durch die Sperrung der Straße von Hormus sind die Preise für Gas, Benzin, Diesel etc stark gestiegen. Denn es besteht global eine reale Verknappung von Öl und Gas, und Kunden „streiten sich“ sozuagen um verfügbare Mengen am Weltmarkt, was die Preise ansteigen lässt. Egal wie stark die EZB die Zinsen anheben würde – die Sperrung der Straße von Hormus kann sie damit nicht aufheben. Gegen so einen Sonderfaktor, der die Inflation antreibt, ist eine Zentralbank nun mal machtlos!

Zumal man festhalten muss: Abseits der Iran-Inflation läuft die Konjunktur in der Eurozone schwach. Erst am Freitag meldete Eurostat, dass die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im ersten Quartal um 0,2 % gesunken war. Ohne Iran-Krieg gäbe es wahrscheinlich keinen massiven inflationären Druck. Es gibt die These, dass die durch den Iran-Krieg gestiegene Inflation Zweitrundeneffekte auslöst, die sich quasi durch Preisketten der Volkswirtschaft fressen, weshalb höhere Zinsen auch bei einem balidgen Iran-Kriegsende angebracht wären. Hier gibt es wohl zwei Lager, die ihre eigene Sichtweise haben. Ich gehöre zu denjenigen, die gegen höhere EZB-Zinsen plädieren. Höhere Kreditkosten dürften die Konjunktur in Europa nämlich noch stärker belasten als ohnehin schon.

Blick in die Vergangenheit


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Im Jahr 2011 erhöhte die EZB die Zinsen zwei Mal von 0,25 % auf 0,75 % (April und Juli), nur damit man sie dann im November und Dezember 2011 gleich wieder zwei Mal senkte, zurück auf 0,25 %. Auch 2008 mitten in der aufkommenden Finanzkrise erhöhte die EZB die Zinsen zunächst, und sie kurz danach drastisch zu senken. Und dieses Mal? Es könnte wieder ein übereilter Aktionismus sein, um Handelungsstärke zu demonstrieren.

Analystenkommentare

Die EZB hat signalisiert, dass sie bereit ist, die Zinsen in den kommenden Monaten anzuheben, wobei der erste Schritt voraussichtlich im Juni erfolgen dürfte, so wird es im Investmentausblick „The Globe“ von Eurizon beschrieben. Weiter schreibt man, dass die Geldmarkt-Futures derzeit rund drei Zinserhöhungen innerhalb der nächsten zwölf Monate einpreisen, was den Leitzins auf 2,75 % bringen würde. In der zweiten Jahreshälfte 2027 würden diese Erhöhungen teilweise wieder zurückgenommen. Es handele sich dabei jedoch um Erwartungen, die stark von der weiteren Entwicklung des Konflikts abhängen und entsprechend volatil sind. Eine Beilegung des Konflikts würde es der EZB ermöglichen, einen weniger restriktiven geldpolitischen Kurs einzuschlagen.

Die Märkte preisen eine Zinserhöhung der EZB im Laufe dieser Woche ein. Das Ausbleiben einer Einigung und das erneute Aufflammen der Kampfhandlungen machen ein Eingreifen so gut wie unvermeidlich, so schreibt es Jan Felix Glöckner von Insight Investment. Die aktualisierten Prognosen dürften sich seiner Aussage nach eher in Richtung des im März dargestellten Negativszenarios bewegen, mit einer leicht steigenden Inflation und einem leicht nachgebenden Wachstum. Da der Energieschock voraussichtlich länger anhalten wird, sehen er Spielraum für eine zweite Zinserhöhung im weiteren Verlauf dieses Jahres. Die Märkte würden besonders auf etwaige Hinweise zu den weiteren Entwicklungen über Juni hinaus achten, während man bei Insight Investment davon ausgeht, dass die EZB sich alle Optionen offen hält, während sie die eingehenden Daten bewertet und die Entwicklung des Konflikts beobachtet.

Wiederholung der Fehler von 2011?

„Die EZB scheint entschlossen, ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen“, so sagt es laut Bloomberg aktuell Davide Oneglia von TS Lombard. „Die Zinserhöhungen von 2011 waren ein klarer politischer Fehler, und eine Wiederholung ist eines der größten Risiken, denen wir gegenüberstehen, da die EZB so stark auf die Inflationserwartungen und die Narben aus den Erfahrungen von 2022 fokussiert ist.“

„Wenn die EZB die Zinsen anhebt, bevor es eindeutige Belege für Zweitrundeneffekte gibt, riskiert sie eine ungerechtfertigte Straffung und geht ein Risiko ein“, so sagt es aktuell laut Bloomberg Michala Marcussen, Chefökonomin der Société Générale.

Solche Begründungen ziehen für manche nicht. Holger Schmieding, Chefökonom bei Berenberg, geht davon aus, dass eine Straffung der EZB Haushalte und Unternehmen unnötig belasten wird, da der Inflationsdruck aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche ohnehin nachlassen dürfte. Es gebe „keinen Grund für eine EZB-Zinserhöhung angesichts der Not der Verbraucher“, sagte er. Angesichts der Gegenwinde für die Nachfrage „scheint es unwahrscheinlich, dass der unvermeidliche vorübergehende Preisanstieg zu einem langwierigen Inflationsproblem wird, das durch Zinserhöhungen bekämpft werden muss.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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11 Kommentare

  1. Es ist nun mal so, dass es immer Dinge gibt auf die eine Notenbank keinen Einfluss hat. Mir ist jedenfalls eine Erhöhung bei steigender Inflation lieber als das ewige Warten und Herumdrücken.

    1. …wäre großer Fehler…
      Dann werden sie ihn machen.

      Viele Grüße aus Andalusien
      Helmut

  2. Die Straße von Hormus gehört zweifelsfrei nicht zu den Mandaten der EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Eine EZB-Zinserhöhung würde den aktuell vor sich hin dümpelnden EU-Binnenmarkt strangulieren. Zur Agenda von EZB-Präsidentin Christine Lagarde gehört nicht ausschließlich das Thema Inflation.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Bullen möchten gerne niedrige Zinsen bis in alle Ewigkeit…und die Bären das Gegenteil…was ist daran neu…?

    Vollkommen falsch ist die Begründung für den Crash von 2011…nicht die Zinsen waren zu hoch… sondern das zweite Griechenland- Rettungspaket von 2011…darin sollten die Gläubiger auf gut 100 Milliarden ihrer Forderungen verzichten..was pro europäischer Grossbank ( 20 sind’s an der Zahl) .. rund 5 Milliarden Euro ausmachte…

    Merkel drückte damals diese Selbstbeteiligung durch ( Sommer 2011) später …im September 2011… als der DAX Performance Index auf unter 5000 fiel …sagte sie dann, dies sei ein einmaliges Experiment gewesen, das sich so nicht wiederholen wird…danach ging’s für die Kurse wieder hoch…denn bis zu diesem Zeitpunkt wusste niemand …werden die 100 Milliarden Euro an Selbstbeteiligung nun die Regel oder nicht…?
    Schließlich standen noch die übrigen PIIGS im Feuer…Portugal..Irland…Italien…Griechenland selbstverständlich und Spanien…das hätte die europäische Bankenlandschaft nicht überlebt…
    2012 gab’s dann den ESM ohne Selbstbeteiligung…zusätzlich ab Mitte 12… noch die „Whatever it takes“- Ausfall- Garantie von Draghi….
    Mit diesem Versprechen…notfalls unlimitiert Staatsanleihen zu kaufen…entgegen der EZB- No Bail Out – Klausel…war das Thema Eurokrise erledigt…

    1. … und die Grundlage für die Inflation geschaffen, die wir nun ernten.

      (sorry, konnte mir das nicht verkneifen)

  4. Wird Zeit für das Endspiel mit einem Knall den die Menschheit noch nie erlebt hat. So hart das zukünftige Generationen dieses Fiat-Betrugsspiel nicht mehr akzeptieren werden. Menschen haben in der Geschichte der Menschheit schon immer Organisationen und Gremien zum Selbstzweck installiert. Afuera

    https://www.youtube.com/watch?v=CmwBCJnSDl8

  5. Sorry, war der falsche Link bei meinem „noch nicht veröffentlichten Post“

    Hier der richtige: https://www.youtube.com/shorts/Mp9usXjEXUM

  6. Ihr Satz „Handlungsstärke demonstrieren“ trifft es wohl am besten.

    Auch wenn die EZB nichts tut, werden die Zinsen bei bleibender Inflation steigen, aber dann war es halt nicht die EZB, und die aktuelle Lehre besagt, dass bei steigenden Preisen die Zinsen erhöht werden müssen.
    Handelt die EZB nach der reinen Lehre, kann ihr hinterher keiner einen Vorwurf machen.

    Allein dass der Einlagenzinssatz überhaupt eine Rolle spielt, ist schon ein bedenkliches Zeichen.
    Ich glaube mich an Zeiten erinnern zu können, in denen sich die Banken weitestgehend ohne Zentralbank auf dem Interbankengeldmarkt Geld geliehen und verliehen haben.

  7. Ich kann dem Artikel nicht zustimmen.

    Er impliziert, dass die Inflation direkt am Irankonflikt hängt. Wäre das so, dann könnte man eine Zinsanhebung diskutieren.

    Ich stelle das aber in Frage. Dreistellige Ölpreise gab es schon öfters und zwar ohne signifikante Inflation.

    Ich mache vielmehr als Ursache die Bazooka aus. Das viele Geld ist nun unten angekommen und kommt weiterhin unten an und da ticken die Uhren der großen Zentralbanken und Volkswirtschafen offenbar gleich. Eine globabale Abwertungswelle haben wir ab bekommen und die nächste rollt schon auf uns zu. Das merkt man doch:

    500g Erdbeeren 5 €
    2,5 kg Kartoffeln 2-5 €

    Die EZB hat viel zu spät und viel zu zaghaft die Zinsen angehoben. Sie hat auch kein Doppelmandat. Ein Inflationsziel von 2% ist eine Farce, sie delegitimiert sich damit selbst, eigentlich.

    Ich bin großer Kritiker der Eurorettung nach Maßgabe von Draghi. Wir haben eine Immobilienblase geerntet, die Preise haben sich in wenigen Jahren quasi verdoppelt. Das stellt insbesondere in Deutschland das ganze Gesellschaftsmodell auf den Kopf. Die Immobilie war immer etwas, das jedder haben sollte für sein Alter usw., man hatte etwas Stabiles, etwas wo die Finanzkraft der Familie gebunden und gut aufgehoben war.

    Das ist zu einem (unbezahlbaren) Zock verkommen. Unbezahlbar, weil man kann nicht ohne Kredit kaufen. Das wäre nicht so, wenn nur die die auch über nötiges Geld verfügen kaufen können, natürlich brauchen auch die Kredit, haben aber mehr Eigenkapital. Eine sich selbst verstärkende Schleife, denn es wurden Käufer in den Markt gedrängt, die kapitalschwach sind, was gleichzeitig die Preise in die Höhe getrieben hat.

    Ungesund, da müsste eigentlich noch eine Rechnung kommen, denke ich.

    1. Ach was. Solange Deutschland 55 Milliarden pro Jahr für Bürgergeld (der Name ist schon lustig, wer bürgt da eigentlich) ausgibt, kann es so schlimm nicht sein. Es werden rund 5.5 Millionen Menschen in DE durchgefüttert. Muss man sich mal vorstellen. Das verzerrt die Mieten aber auch die Preise im Supermarkt. Dazu noch das Ganze Geld was in die Ukraine fliesst. Nein nein, dies hat auch alles keinen Einfluss auf die Inflation und das Spielgeld „Euro“. Nein nein, Deutschland geht es super. Es hat noch genug Sondervermögen. Es fragt sich einfach, wie lange die Deutschen da zuschauen bis sie mal politisch aktiv werden. Aber der Deutsche wandert ja lieber aus und erzählt dann den Schweizern, wie man es „richtig“ macht. Es kommt mir so vor wie 1933 als auch alle zugeschaut haben. Würden die Schweizer immer nur zuschauen, dann gäbe es die Schweiz schon lange nicht mehr.

    2. @Großer Bär: „Ungesund, da müsste eigentlich noch eine Rechnung kommen, denke ich.“.

      Ja, man sieht doch schon wie junge Menschen sich von Immobilieneigentum im Kopf verabschieden. Auch die Bereitschaft sich weiter ausbeuten zu lassen wird durch immer mehr Teilzeit quittiert.

      Wenn man richtig Probleme haben will, dann geht man hierzulande wählen. Das System der Parteien ist das Problem in meinen Augen. Machtgruppen die Gesetze zu ihren Gunsten und Ausreden gestalten und dann noch die Frechheit besitzen definieren zu wollen was eine Demokratie ist.

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