Die EZB hat binnen eines Jahres die Zinsen acht Mal in Folge gesenkt von 4,0 % auf 2,0 % im Einlagensatz. Und dann vor einer Woche beließ man das Zinsniveau bei 2,0 %. Die Frage an den Märkten: Wird dieses Jahr noch einmal gesenkt, oder war es das mit dem Abwärtszyklus?
Händler erwarten EZB-Zinsstillstand für den Rest des Jahres 2025
Die Geldmärkte setzen verstärkt darauf, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen bis zum Jahresende bei 2% belassen wird, so Bloomberg aktuell. Grund dafür ist die wachsende Vorsicht hinsichtlich der Aussichten für eine geldpolitische Lockerung auf beiden Seiten des Atlantiks. Händler reduzierten am Donnerstag ihre Wetten auf eine weitere Zinssenkung um einen Viertelpunkt in diesem Jahr. Swaps deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von knapp 50% für einen solchen Schritt hin. Noch Anfang vergangener Woche war eine Senkung vollständig eingepreist.
In den USA erwarten Händler eine einzige Senkung durch die Federal Reserve in diesem Jahr, nachdem sie Anfang des Monats noch zwei Abwärtsschritte eingepreist hatten. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte nach der Beibehaltung der Leitzinsen gestern Abend, dass die Zentralbank weiterhin wachsam gegenüber Inflationsrisiken bleiben müsse.
Nach der einstimmigen Entscheidung der Währungshüter, den Leitzins unverändert zu lassen, deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde vergangene Woche an, dass Spielraum für eine Pause im Zinssenkungszyklus bestehe. Die jüngsten Spekulationen kamen auf, nachdem die Inflationszahlen in Frankreich und einigen deutschen Bundesländern am Donnerstag leicht gestiegen waren und die US-Notenbank am Mittwoch die Zinsen unverändert gelassen und Zurückhaltung signalisiert hatte.
“Die EZB hat die Hürde für weitere Zinssenkungen sicherlich höher gelegt”, sagte Pooja Kumra, Senior Rates-Strategin für Großbritannien und Europa bei der Toronto Dominion Bank. “Weitere Zinssenkungen dürften eher durch Abwärtsrisiken für das Wachstum als durch vorübergehende Abweichungen der Inflation getrieben sein.”
Die Wirtschaft der Eurozone verzeichnete im zweiten Quartal unerwartet ein leichtes Wachstum. Die zugrunde liegenden Zahlen zeigten jedoch, dass die Wirtschaft in Deutschland und Italien — dem größten bzw. drittgrößten Mitglied der Region — geschrumpft ist. Dennoch erwarten einige, dass die EZB in diesem Jahr noch zwei weitere Zinssenkungen vornehmen wird, während andere ihre Prognosen einer weiteren Lockerung aufgegeben haben.
Die Ökonomen von Morgan Stanley halten an ihrer Prognose fest, dass die Zinsen im September und Dezember um jeweils einen Viertelpunkt gesenkt werden. Unterdessen zielen Wetten über Optionen auf Derivate, die an den Euribor-Finanzierungssatz gekoppelt sind, auf Gewinne von mehr als 10 Millionen Euro aus einer Senkung um einen halben Prozentpunkt bis zum Jahresende.
FMW/Bloomberg
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