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Facebook: Was steckt hinter dem Werbeboykott und #stophateforprofit?

Der Werbeboykott gegen Facebook setzt Mark Zuckerberg unter Druck, die Aktie fiel um 14 Prozent. Dieser Artikel erklärt, was dahinter steckt!

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Der Werbeboykott gegen Facebook setzt Mark Zuckerberg unter Druck, die Aktie fiel um 14 Prozent. Dieser Artikel erklärt, was hinter #stophateforprofit steckt.

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Von mehr als 800 Unternehmen werdet ihr vorerst keine Werbung mehr bei Facebook und Instagram sehen – dazu gehören weltbekannte Marken wie Coca-Cola, Adidas und Volkswagen. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Wird dieser Werbeboykott dem Sozialen Netzwerk langfristig schaden? Und welche Änderungen werden wir Nutzer sehen? All diese Fragen klären wir jetzt.

Wir alle wissen ja, dass Facebook – zu dem Konzern gehören bekanntlich auch Instagram und Whatsapp – ein großes Problem mit Hasskommentaren hat. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres musste das Unternehmen knapp zehn Millionen Beiträge löschen, weil darin Menschen beleidigt und diskriminiert wurden. Das sind mehr als 100.000 pro Tag!

Wie viele Hasskommentare aber nicht erkannt oder gemeldet werden und deshalb stehen bleiben, wissen wir leider nicht. Sollte Facebook bei allem Respekt für Redefreiheit nicht mehr dafür tun, dass der Ton fair und freundlich bleibt? Diese Kritik gibt es quasi, seitdem die Plattform existiert – doch sie änderte nichts an dem kometenhaften Aufstieg.

Obwohl Facebook gerade mal 16 Jahre jung ist, gehört es schon zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen bei mehr als 70 Milliarden Dollar, fast zehn Mal so viel wie im Jahr 2013.

Fast jeder Cent davon kommt von Unternehmen, die auf Facebook und Instagram Werbung schalten – sie sind die wahren Kunden des Netzwerks, nicht wir, die kostenlosen Nutzer. Und genau unter diesen Kunden gibt es nun einen Protest, der Facebook tatsächlich gefährlich werden könnte. Dazu klären wir jetzt die 4 wichtigsten Fragen – auf geht’s!

Facebook: Werbeboykott- was steckt hinter #stophateforprofit?

Alles begann am 17. Juni – mit der Kampagne #stophateforprofit. Mehrere amerikanische Bürgerrechtsorganisationen beschuldigen Facebook unter anderem, Gewaltaufrufe zugelassen zu haben – gegen Menschen, die sich für gleiche Rechte von Schwarzen und Weißen einsetzen. Außerdem hätte Facebook die Augen davor verschlossen, dass bestimmte Gruppen von Wählerinnen und Wählern auf der Plattform unterdrückt werden.

Dann kommt ein Aufruf an alle Unternehmen, die auf Facebook und Instagram werben: Sie sollen im Juli keine Anzeigen schalten, um ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und Antisemitismus zu setzen. Konzernen wie Procter & Gamble wird öffentlich aufgezeigt, dass ihre Anzeigen direkt neben verschwörungstheoretischen Artikeln erscheinen, die auf Facebook viral gehen.

Konkret fordert die Kampagne das soziale Netzwerk und seinen Gründer und Chef Mark Zuckerberg zu zehn Änderungen auf; darunter unter anderem ein unabhängiger Transparenzbericht und das Löschen von radikalen Gruppen. In Deutschland würden sie vermutlich solch eine Gruppe meinen.

Laut einer repräsentativen Umfrage der amerikanischen Anti-Diffamierungs-Liga erlebte allein dieses Jahr jeder vierte Mensch in den USA schwere Belästigung im Internet, der Großteil davon passierte auf Facebook. Deswegen fordert #Stophateforprofit auch, dass sich bei dem sozialen Netzwerk mehr Mitarbeiter direkt um Opfer solcher Angriffe kümmern.

Schon in der ersten Woche der Kampagne schlossen sich Dutzende Firmen an, darunter vor allem Lifestyle- und Outdoorfirmen, die ein faires und nachhaltiges Image pflegen. Als eine der ersten trat Northface der Bewegung bei, deren Logo ihr vielleicht von Rucksäcken oder Jacken kennt. Dann kam Patagonia dazu und gab bekannt, bis mindestens Ende Juli alle Anzeigen auf facebook und Instagram mit sofortiger Wirkung abzuschalten.

Und von der Eismarke Ben & Jerry’s werden amerikanische User ebenfalls erst mal keine Werbung mehr auf den beiden sozialen Netzwerken sehen. Das sind auf jeden Fall bekannte Marken, aber keine davon gehört zu den wirklich großen Playern in Sachen Facebook-Werbung. Richtig ernst wurde es erst, als die sich der Bewegung anschlossen – das zeigt der Aktienkurs des Sozialen Netzwerks: So richtig bergab ging’s erst am Freitag, den 26. Juni. Allein an dem Tag verlor Facebook mehr als 50 Milliarden Dollar an Börsenwert. Welche Unternehmen sind denn mittlerweile auch bei dem Boykott dabei? Das klären wir in Kapitel zwei.

Werbeboykott: Welche Unternehmen haben sich angeschlossen?

Ende Juni schaltete eine der bekanntesten Firmen der Welt ebenfalls seine Anzeigen ab, und zwar global und auf allen Social Media Plattformen. „Rassismus hat auf der Welt keinen Platz“, sagte der Coca-Cola-Chef zur Begründung. „Wir erwarten mehr Verantwortung und Transparenz.“

Noch am gleichen Tag stieg Unilever in den Boykott ein. Das ist einer der weltgrößten Konsumgüterhersteller. Und übers Wochenende kam dann noch Starbucks hinzu, die größte Kaffeehauskette auf diesem Planeten.

Tja und diese drei Firmen gehören dieses Jahr tatsächlich zu den Top 100 der größten Werbekunden von Facebook. Und immer mehr kamen dazu, weil sie nicht als Unterstützer von Hate Speech dastehen wollen – und das alles wurde zu einem riesigen Imageschaden für das Soziale Netzwerk. Anfang Juli listete die Bewegung mehr als 800 Unternehmen auf, die ihre Anzeigen abgeschaltet haben; darunter auch die deutschen Dax-Konzerne Adidas, SAP und Volkswagen.

Sie werden sich die Entscheidung schon gut überlegt haben, schließlich tummeln sich allein auf Facebook und Instagram weit mehr als 2 Milliarden Menschen – und über deren Interessen und Shoppingvorlieben hat das Soziale Netzwerk detaillierte Daten. Doch auf die verzichten derzeit zahlreiche Werbekunden, weil ihnen der Ruf ihrer eigenen Marke wichtiger ist.

Facebook hatte schon viele Krisen, aber diese ist anders – denn es geht um bares Geld. Im Vergleich zum Datenskandal mit Cambridge Analytica senken nicht nur die User den Daumen, sondern zahlende Firmen. Und die verbreiten mit ihrem Handeln natürlich auch eine klare Botschaft an ihre Zielgruppe: Wir sind die Guten. Und Facebook ist böse!

Exakt dieses PR-Desaster ist auch der Grund, warum die Aktie so eingebrochen ist. Denn finanziell betrachtet muss Facebook eigentlich keinen so großen Verlust befürchten. Der Grund dafür ist das breit aufgestellte Geschäftsmodell:

Es gibt ungefähr acht Millionen Firmen, die auf Facebook oder Instagram Werbung schalten. Das gab Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg Anfang des Jahres bekannt. Und 94 Prozent der Werbeeinnahmen kommen laut CNN eben nicht von den größten 100 Kunden, sondern von dem ganzen Rest.

Das sind vor allem kleine und mittelständische Firmen, wie zum Beispiel Handwerksbetriebe oder Start-ups, die übers Internet Kunden anwerben wollen – und das bei Facebook und Insta deutlich schneller, zielgruppengerechter und günstiger können als zum Beispiel mit Plakat-oder Fernsehwerbung.

Halten wir also fest: Facebook wird an dem Boykott nicht sterben, aber gerät trotzdem unter Druck. Die große Frage ist nun natürlich: Wie reagiert Mark Zuckerberg? Und das führt uns zum nächsten Kapitel:

Facebook: Wie reagiert Zuckerberg auf den Werbeboykott?

Facebook wird schon sehr lange vorgeworfen, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen. Eskaliert ist diese Kritik, als es nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd zahlreiche Proteste in den USA gab – gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dann kam diese Aussage von US-Präsident Donald Trump:

Facebook hingegen verbreitete ihn unkommentiert, bis heute. Die Überzeugung dahinter machte Mark Zuckerberg schon in einer Rede im Herbst 2019 deutlich: „We can continue to stand for free expression, understanding its messiness, but believing that the long journey towards greater progress requires confronting ideas that challenge us. Or we can decide the cost is simply too great. I’m here today because I believe we must continue to stand for free expression.“

Und dann legte er Ende Mai dieses Jahres noch mal nach, als ihn amerikanische Journalisten fragten, warum er Donald Trump solche Aussagen durchgehen lässt: „I dont’t think Facebook or Internet platforms in general should be arbiters of truth. I think that’s kind of a dangerous line to get down to in terms of deciding what is true and what isn’t.“

Vielen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefällt das so gar nicht. Anfang Juni streikten mehr als 5.000 von ihnen für einen Tag lang. Und sie zeigten auf dem konkurrierenden Netzwerk Twitter offen die Kritik an den Entscheidungen ihres Chefs.

Ein Softwareentwickler, der mit Sicherheit ziemlich viel Geld bei Facebook verdient hat, kündigte sogar öffentlich auf Linkedin und bekam dafür knapp 300.000 Reaktionen.
„Mark hat uns immer gesagt, dass Sprache, die zu Gewalt auffordert, die Grenze sei. Am Freitag hat er uns gezeigt, dass das eine Lüge war“, schrieb der Entwickler, der bei Facebook an der Bekämpfung von Lügen auf der Plattform mitgearbeitet hatte.

Aber auch das änderte aber rein gar nichts an der Firmenpolitik. Erst jetzt, wo es ans Geld geht, gibt es tatsächlich ein paar Reaktionen. In der Woche nach dem Start der #stophateforprofit-Kampagne gab der Chef des Richtlinienteams bei Facebook gegenüber 200 Anzeigenkunden zu, dass sein Unternehmen an einem „Vertrauensdefizit“ leide. Das berichtet die britische Financial Times.

Und nur drei Tage später verkündete Mark Zuckerberg eine historische Entscheidung: Ab sofort sollen Inhalte, die nachrichtenrelevant sind und zum Beispiel von Politikern stammen, markiert werden, wenn sie gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen – also quasi das, was Twitter bei Trump gemacht hat.

„I’m committed to making sure Facebook remains a place where people can use their voice to discuss important issues, because I believe we can make more progress when we hear each other. But I also stand against hate, or anything that incites violence or suppresses voting, and we’re committed to removing that no matter where it comes from.“

Das war die wichtigste der vier Maßnahmen, die Zuckerberg verkündet hat – dazu kommt, Hassbotschaften in Anzeigen zu unterbinden und einen Infobereich rund um die US-Wahlen anzubieten, um mehr Menschen zum Wählen zu bewegen.

Außerdem verwies der Facebook-Chef auf eine aktuelle Studie der EU-Kommission, die den Algorithmus lobt: 90 % der Hassbotschaften würden mittlerweile automatisch gesperrt, bevor sie veröffentlicht werden. Vor vier Jahren waren es weniger als 30 Prozent.

Das ist eine gute Entwicklung, aber selbst künstliche Intelligenz und zigtausend Moderatoren in aller Welt reichen anscheinend nicht aus, um den Laden sauber zu halten. Dafür ist die Plattform einfach zu groß und menschliche Kommunikation zu komplex.

Übrigens erwähnte der Facebook-Chef in seinem Statement mit keinem Wort den Anzeigenboykott oder die #StopHateforProfit-Kampagne. Und er ging auch nicht auf deren zentrale Forderung ein, mehr Mitarbeiter für die Kontrolle von Beiträgen einzustellen, speziell in privaten Gruppen.

Dabei sind es genau diese Gegenden des Netzwerks, in denen der Hass tobt. Aktuell stehen in Kassel Menschen vor Gericht, die nach dem Mord an dem Politiker Walter Lübcke digitalen Beifall gespendet haben – laut Spiegel zum Beispiel mit den Sätzen „Hoffentlich ist er langsam gestorben. Für Völkermörder ist nichts anderes vorgesehen.“

Ich persönlich befürchte, dass solche kriminellen Kommentare auch weiterhin auf der Plattform erscheinen und dort über lange Zeit stehen bleiben können – ganz zu schweigen von den unzähligen diskriminierenden Botschaften, die zum Beispiel Frauen, Schwarze oder Homosexuelle täglich über sich lesen müssen.

Und damit bin ich nicht allein: Vielen Firmen gehen Facebooks Bekenntnisse nicht weit genug, Zuckerbergs Statement haben sich Hunderte weitere dem Boykott angeschlossen. Und nach Angaben des weltweiten Werberverbands WFA überlegen mittlerweile ein Drittel aller großen Unternehmen, weniger Anzeigen auf Social Media zu schalten.

Das ist schon spannend, oder? Setzen sich jetzt auf einmal so viele Manager asu voller Überzeugung gegen Hate Speech ein? Oder gibt es da vielleicht noch einen anderen Hintergrund? Damit kommen wir zum letzten Kapitel:

Werbeboykott: Gibt es noch andere Gründe?

Stellt euch vor, ihr seid Anzeigenmanager in einem großen Konzern. Wegen Corona lassen sich weniger Produkte verkaufen, deswegen wurde euch das Werbebudget verkleinert. Ihr müsst also eh überlegen, wo sich Anzeigen einsparen lassen – und dann kommt dieser Aufruf zum Boykott. Würdet ihr euch anschließen?

Natürlich gibt keiner offen zu, auf diesen Zug aufgesprungen zu sein. Aber die Frage kann man schon stellen. Coca-Cola zum Beispiel hat schon Ende März angekündigt, alle Werbemaßnahmen einzufrieren. Und das hatte damals noch rein gar nichts mit einem Protest gegen Rassismus auf Sozialen Medien zu tun.

Meine Meinung dazu: Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise müssen so gut wie alle Unternehmen sparen. Und große Konzerne nutzen Facebook und Instagram ja vor allem für Imagewerbung. Das haben sie jetzt mal für eine Zeit lang eingestellt und bekommen durch die Berichterstattung natürlich auch eine Form von Werbung – und zwar gratis. Die entscheidende Frage ist aber, ob sie auch wirklich langfristig ihr Budget umschichten – zum Beispiel auf andere Netzwerke wie LinkedIn oder noch mehr auf Google und Amazon.

Die Millionen kleinen Facebook-Werbekunden können das nicht mal eben so schnell entscheiden, weil sie über die Anzeigen kein Image kreieren sondern konkrete Produkte und Dienstleistungen verkaufen – und da brauchen sie das soziale Netzwerk mehr denn je, die können ja jetzt nicht wieder wie früher Prospekte drucken oder so.

Ich bin gespannt, wie viele Unternehmen sich noch dem Boykott anschließen, und wie lange sie es tun – nur dann wird der Druck auf Mark Zuckerberg bestehen bleiben. Vor ein paar Jahren zum Beispiel hatten große Firmen wie Pepsi und Procter&Gamble Youtube boykottiert, auch da ging es um diskriminierende Inhalte. Mittlerweile aber sind alle wieder an Bord und die Werbeeinnahmen der Video-Plattform sind höher denn je.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Facebook-Chef die Grenzen der Redefreiheit neu abstecken muss – oder ob er auch diese Krise übersteht, weil die Macht und Reichweite seiner Plattform am Ende doch unwiderstehlich ist.

Was sagt ihr denn zu dem Boykott: Glaubt ihr, dass sich Facebook und Instagram ändern werden? Wie geht ihr überhaupt mit Hate Speech um? Mich würde eure Meinung sehr interessieren, schreibt sie gerne in die Kommentare unter das Video.

Wie kam es zu dem Werbeboykott gegen Facebook?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Reinhard Fürst

    3. Juli 2020 15:06 at 15:06

    So ein Unfug die ganze Diskussion. Was glauben die Menschen eigentlich wer sie sind?
    Wer mag schon jeden?
    Wer will jeden mögen MÜSSEN?

    So ebnet man den Weg in die Ochlokratie! Und „die Großen“ können werbewirksam sagen, wir warn dabei. Unbezahlbare Werbung!

    Die Welt ist wirklich aus den Fugen…

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    Ranzentier

    3. Juli 2020 16:29 at 16:29

    …in Krisenzeiten werden Werbebudgets immer gekürzt…so auch diesmal…auch die Kleinen werden kürzen müssen, weil das relativ einfache Kosten sind die minimiert werden können…da kommt so eine Bewegung gerade recht…im Endeffekt hilft gegen Hasskommentare nur eine eindeutige Anmeldung per PostIdent (oder ähnlicher Verfahren) im Internet und nur dann ist die Kommentarfunktion auf allen Seiten freigeschalten…so ist jeder Kommentar eindeutig zuordenbar und die Leute würden sich im Internet sofort wieder zivilisiert unterhalten…

  3. Avatar

    Dreamtimer

    4. Juli 2020 19:53 at 19:53

    „woke capital“ ist einfach die Rache der Managerklasse an der Arbeiterklasse. Endlich Leute mit gutem Gewissen entlassen und verarmen, die eigene Zivilisation zerstören und sich dabei moralisch überlegen fühlen. Wenn die anderen einen dafür hassen und Dampf ablassen, dann lässt man sie zensieren und erklärt, dass man sich für die wahrhaft Marginalisierten einsetzt. Die glücklichen Objekte dieser Betüterung dürfen hassen wen sie wollen, denn das gehört sich so, es ist Teil ihrer Emanzipation. Ansonsten haben die allermeisten von ihnen, sofern sie keinen Universitätsabschluss in einem Fantasiefach haben, keine Vorteile davon. Sie sind genauso arm und arbeitslos wie die anderen auch, aber sie dürfen immerhin ihren gerechten Zorn gegen Leute richten, die ihnen nichts getan haben.

    Die Etiquette verlangt von den Subjekten, von der Managerklasse, dass sie sich schuldig fühlt für eine im Grunde schon ausgestorben geglaubte Gesinnung, für die sie keine Verantwortung trägt. Man kann der Gesinnung allerdings nachspüren, mit psychoanalytischem Feingefühl und so wie einst jeder gute Bürger eine Geschichte voller verschütteter, traumatischer Erlebnisse hatte, eine die das eigene, im Grunde etwas fade Seelenleben zu einer archäologischen Fundstätte machte, voller verschlüsselter Sexualsymbole, interessant und auch etwas mysteriös, so lernen wir gerne über unsere unbewussten Vorurteile und lassen uns von den Leuten mit den Abschlüssen aus den Fantasiefächern coachen, am Besten gleich von der Wiege zur Bahre. Man täusche sich nicht: das ist keine gewalttätige Hexenverfolgung, sondern ein Geschäftsmodell, dass den Kunden nicht zerstören, sondern ihm bei seiner Selbstverbesserung unterstützen soll, eine nie endende, nie ganz zu bewältigende Aufgabe.

    Die Frage, die man sich auf einer Seite wie FMW stellen sollte ist die, ob man bei „woke capital“ short oder long gehen sollte. Es gibt Stimmen, die sagen, die Welle wird brechen, wenn Biden gewählt wird, die woke, evangelikale Bewegung stürzt, nach der Wahlparty, in Depressionen, aber irgendwo muss die Energie dieser Bewegung ja bleiben? Mao hatte die Kulturrevolution entfesselt und als sie ihm außer Kontrolle geriet, baute er quasi einen Blitzableiter und leitete die überschüssige soziale Energie direkt in die Erde: er schickte die Jugend aufs Land. Haben wir eine analoge Situation? Was würde die Demokratische Partei an Maos Stelle tun?

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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