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Fachkräftemangel? Leerer Arbeitsmarkt? Schauen Sie sich mal diese Grafik an

Ja ist denn mal wieder „Fachkräftemangel“ angesagt in Deutschland? Das Wort des Jahrzehnts, möchte man fast sagen. Überall herrscht plötzlich nur noch Fachkräftemangel. Aber warum gibt es dann überhaupt noch Arbeitslose? Hätte man nicht schon längst mit all den tollen Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter die Langzeitarbeitslosen zu Fachkräften machen können? Eine Diskussionsgrundlage für Philosophen!

Aber lassen wir das. Schauen Sie bitte auf die folgende Grafik, die das „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB, Tochter der Bundesagentur für Arbeit) heute veröffentlicht hat. Im Jahr 2017 entfielen laut IAB statistisch zwei Arbeitslose auf jede zu besetzende Stelle. Das war die niedrigste Arbeitslosen-Stellen-Relation seit 1992. Im Jahr 2003 hatte diese Relation den schlechtesten Wert mit 16 Arbeislosen pro offene Stelle.

Puuuh, möchte man da sagen. Gut für Arbeitslose, und schlecht für Arbeitgeber ist die aktuelle Lage. Denn der Praktiker weiß: Zahlreiche Bewerber hätten zwar gerne eine bestimmte Stelle, fallen aber krachend durch, weil der Arbeitgeber viele Bewerber für nicht passend hält. Oft weichen nun mal Erwartungen auf beiden Seiten drastisch ab, wenn man den Text einer Stellenbeschreibung liest.

Aber ist das schon Fachkräftemangel, wenn zum Beispiel ein Arbeitsplatz für einen Ingenieur ausgeschrieben wird, und sich jetzt nur noch zwei Bewerber melden statt vor neun Jahren noch acht Bewerber? Die Auswahl für die Arbeitgeber sinkt drastisch. Vielleicht bekommen sie einen Ingenieur, aber nicht exakt den perfekten Ingenieur, den sie sich früher noch aus vielen Bewerbern für genau einen bestimmten Job aussuchen konnten.

Aber ist das ein Mangel? Zumindest gibt es immer noch deutlich mehr Arbeitslose als offene Stellen. Von einem leergefegten Arbeitsmarkt kann also noch keine Rede sein. Vielleicht können einzelne Branchen von Problemen reden, aber in der gesamten Volkswirtschaft gibt es noch genug Arbeitslose, die irgendwo, irgendwie untergebracht werden müssen. Aber das mag Ansichtssache sein. Die IAB schildert es so (Zitat):

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 3,65 Millionen sozialversicherungspflichtige Neueinstellungen in Deutschland vorgenommen. Die Zahl der offenen Stellen liegt aktuell mit 1,2 Millionen Stellen auf dem höchsten Stand in den letzten 25 Jahren.

Laut der IAB-Stellenerhebung, einer jährlich stattfindenden repräsentativen Betriebsbefragung, sehen die Betriebe mittlerweile seltener eine zu geringe Auftrags- bzw. Umsatzlage als wichtigsten Grund für eine Beeinträchtigung ihrer wirtschaftlichen Aktivität an. Seit dem Jahr 2015 sind Schwierigkeiten, geeignete Arbeitskräfte zu finden, das am häufigsten genannte Problem. „Die zunehmende Arbeitsmarktanspannung zeigt sich auch in längeren Suchdauern sowie darin, dass Stellen länger als geplant unbesetzt bleiben“, so die IAB-Studie. Der Anteil der Stellen, bei denen die Besetzung schwierig war, betrug 2017 knapp 43 Prozent. Im Jahr 2010 galt das dagegen erst für rund 29 Prozent der Stellen, im Jahr 2003 für rund zwölf Prozent.

Die Betriebe haben ihre Suchanstrengungen im Zeitverlauf intensiviert. Bei der Personalsuche nutzten sie im Jahr 2017 durchschnittlich 2,4 Rekrutierungswege parallel. Im Jahr 1992 lag der entsprechende Wert noch bei 1,6. Typische Suchwege sind Internet-Jobbörsen, klassische Stellenanzeigen, persönliche Kontakte der eigenen Mitarbeiter oder die Vermittlungsdienste der Bundesagentur für Arbeit. Infolge der sinkenden Zahl an Arbeitslosen konkurrieren die Betriebe dabei zunehmend um bereits beschäftigte Arbeitskräfte.

Bei 16 Prozent der Einstellungen mussten die Arbeitgeber im Jahr 2017 Lohnzugeständnisse machen. Verglichen mit dem Jahr 2004 nahm die Häufigkeit der Lohnzugeständnisse seitens der Arbeitgeber damit deutlich zu. Damals lag der Anteil bei sechs Prozent. Bis zum Jahr 2010 stieg er dann auf 15 Prozent an. Seitdem blieb der Anteil jedoch tendenziell auf einem gleich bleibenden Niveau.

Fachkräftemangel ?



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1 Kommentar

  1. Ja, oftmals ist es schlicht lächerlich. In der IT werden Fachkräfte mit Spezialwissen ohne Ende gesucht. Aber sucht man mal eine Stelle bei der einem dies auch vermittelt wird: nichts zu finden. Alle wollen nur die fertigen Mitarbeiter haben, Ausbildung und Weiterbildung um die Stellen zu besetzen will niemand mehr. Das kostet ja Geld und soll doch jemand anderes machen. Daher sind Stellen teilweise länger als 1-2 Jahre ausgeschrieben. Auf dem Land ist es nicht einfach einen fertigen SAP-Spezialisten zu finden… oder einen Spezialisten für die vielen anderen Fachanwendungen in der heutigen IT-Landschaft …

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