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Anleihen

Fast vergessen: Griechenland – die EZB dein Freund und Helfer

Es ist ruhig geworden um Griechenland – das Thema Brexit dominiert derzeit alles. Nun aber hat die EZB, gewissermaßen im Schatten der UK-Wahl, den griechischen Banken das Leben wieder deutlich leichter gemacht.

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist ruhig geworden um Griechenland – das Thema Brexit dominiert derzeit alles. Nun aber hat die EZB, gewissermaßen im Schatten der UK-Wahl, den griechischen Banken das Leben wieder deutlich leichter gemacht: so hat die Notenbank gestern nach einer Sitzung bekannt gegeben, dass sich die hellenischen Banken wieder über die EZB ab dem 29.Juni günstigt refinanzieren können. Damit ist der „Waiver“ ab nächster Woche wieder in Kraft, sprich die Ausnahmegenehmigung, mittels derer die Banken Griechenlands wieder an frische Kredite kommen, obwohl griechische Staatsanleihen zu schlecht geratet sind, als dass sie als Sicherheit für neue Kredite bei der EZB hinterlegt werden könnten.

EZB-Rat
Hat Griechenland wieder ganz lieb: das Governing Council der EZB
Foto: EZB

Das dürfte für die Banken eine große Erleichterung sein: zuvor mußten sie sich über sogenannte ELA-Notkredite refinanzieren, die jedoch teuer da recht hoch verzinst sind. Im Januar 2015 – also kurz nach Amtsantritt der Tsipras-Regierung – hatte die EZB diesen „Waiver“ ausgesetzt und damit die Lage des griechischen Finanzsektors erheblich verschlechtert.

In der Begründung verweist die EZB auf die angeblichen Reform-Fortschritte, die Athen gemacht habe:

„Governing Council acknowledges the commitment of the Greek government to implementing current ESM programme and expects continued compliance with its conditionality.“

Nun also können Griechenlands Banken wieder Kredite von der EZB erhalten – faktisch unverzinst. Was aber fast noch wichtiger ist, dass die EZB offenkundig über eine Wideraufnahme griechischer Staatsanleihen in ihr Anleihekaufprogramm (PSPP) nachdenkt:

„The Governing Council will examine possible purchases of Greek government bonds under the public sector purchase programme (PSPP) at a later stage, taking into account the progress made in the analysis and reinforcement of Greece’s debt sustainability, as well as other risk management considerations.“

Sollte auch dieser Schritt erfolgen, könnte sich Griechenland praktisch wieder aus der EZB-Kasse refinanzieren, weil die Notenbank dann griechische Staatsanleihen kaufen würde und damit die Rendite (sprich Zinslast) erheblich sinken würde. Mit anderen Worten: Griechische Anleihen wäre wieder voll integriert in das QE der EZB.

Das erste Entgegenkommen der EZB mit der Widereinsetzung des „Waivers“ ist eine gute Nachricht für Griechenland. Aber unterdessen geht das Siechtum der griechischen Wirtschaft ungebremst weiter: so steckt die größte Supermarktkette Griechenlands, Marinopoulos, in ernsthaften Schwierigkeiten, ein Bankrott droht. Offenkundig sind die kreditgebenden Banken nicht länger bereit, weitere Gelder zur Verfügung zu stellen, die Lieferanten fordern die schnelle Bezahlung unbezahlter Rechnungen. Der Grund für die Malaise der Supermarktkette Marinopoulos ist, dass die Käufe der Griechen noch weiter zurück gehen als ohnehin schon: so fielen die Käufe in Supermärkten Griechenlands in den ersten vier Monaten des Jahres um 5,7% im Vergleich zum Vorjahresmonat – ein sichtbarere Effekt der aufgezwungenen Austeritätspolitik..

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    peter hoffmann

    23. Juni 2016 11:02 at 11:02

    hallo
    vorgestern stieg der griechische aktienindex um ca 900%. weiss jemand warum ?

    mfg

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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